Ach du meine Güte, wir haben doch schon drei eigene Kinder!
Klara ließ sich schwer auf das Sofa fallen und rieb sich die Stirn, während ihr Mann Friedrich sie mit Sorgenfalten beobachtete.
Was soll ich denn jetzt machen? Soll ich sie ins Heim bringen? Lukas war zwar mein Bruder, aber…
Dein Bruder! Wann hast du ihn das letzte Mal gesehen? Zehn Jahre ist das doch her! Und gekommen ist er nur, wenn er etwas brauchte
Klara hatte den Ton etwas gedämpft und Friedrich atmete innerlich auf. Er wollte keinen Streit, keine erzwungene Entscheidung. Außerdem wusste er, dass die Sorge um Emma nun vor allem auf Klara zukommen würde. Seine Frau hatte ein Herz für andere, das wusste er. Sie schimpfte laut, konnte schnauben wie ein Traktor, doch sie war gutmütig und griff immer helfend ein, wenn jemand in Not war.
Klara, was hätte ich tun sollen? Ich bin der Onkel, leiblicher Onkel. Die nächste Verwandtschaft. Und sie
Friedrich deutete auf das kleine Mädchen, das verunsichert in der Diele stand.
Sie kann doch nichts dafür.
Ist mir schon klar, das arme Kind kann nichts dafür… Wann ist die Beerdigung?
Morgen. Ich fahre früh hin.
Nun komm mal her, lass uns uns bekannt machen.
Das Mädchen trat zögerlich näher. Schritt für Schritt. Klara hielt es nicht mehr aus, sprang auf und lief auf das Kind zu.
Na, nun stell dich doch nicht so an, ich helfe dir mal aus dem Mantel.
Klara nestelte flink an den riesigen Knöpfen herum, zog Mäntelchen und die zu große Strickjacke aus sofort war zu sehen, alles irgendwie von jemand anderem. Dann stockte Klara erschrocken.
Gott, wie hält die sich nur aufrecht? Sie ist ja bloß Haut und Knochen Und was ist das?
Klara drehte Emma ins Licht und erstarrte. Sie sah ihren Mann an, der nur schnaubend die Schultern hängen ließ. Hätte er dem Lukas damals mehr Grenzen gesetzt Aus Emma blitzte in ihrem dünnen Sommerkleid die Kälte. Die blassen Arme waren mit blauen Flecken übersät. Klara hob vorsichtig den Kragen, blickte auf den Rücken sie hielt sich die Hand vor den Mund Dann erwachte sie wie aus Trance:
Fritz, mach sofort den Waschkeller klar! Paul, komm mal schnell her!
Paul tauchte aus seinem Zimmer auf.
Was denn, Mama?
Bring sofort der Frau Wagner gegenüber Bescheid, wir brauchen Mädchenkleidung, irgendwas Gebrauchtes vielleicht.
Ich hab’s verstanden, Mama.
Paul flitzte hinaus, während er schon seine Jacke überzog. Die Jungs hatten längst alles heimlich verfolgt. Klar, sowas kommt nicht alle Tage vor, dass plötzlich ein kleines Mädchen bei ihnen einzieht. Als sie die blauen Flecken sahen, beschlossen sie spontan: In ihrem Zimmer würden sie für Emma ab jetzt eine Ecke abtrennen. Sie rücken eng zusammen ab sofort stand sie unter ihrem Schutz, damit ihr nie mehr jemand wehtut. Ihre kleinen Bosheiten, die sie eigentlich vorbereitet hatten, um das neue Mädchen zu testen, waren vergessen.
Paul brachte eine große Tasche voller Kleidung und Frau Wagner gleich dazu.
Frau Wagner lamentierte lange über Lukas und schickte gleich hinterher:
Du solltest ihr mal die Haare ansehen. Mit Kindern weiß man ja nie, sonst hast du nachher alles voller Ungeziefer!
Emma stand während all dem Trubel einfach nur still im Wohnzimmer. Sie schwieg, als ginge sie das alles nichts an. Klara stöhnte leise, griff nach ihrer Haarbürste und die Laune sank weiter.
Sie entwirrte vorsichtig das verhedderte Haar, seufzte. So schöne Haare Schade drum.
Emma
Das Kind sah sie mit riesigen ängstlichen Augen an.
Emma, wir müssen die Haare ganz kurz schneiden. Es geht nicht anders, glaub mir sie wachsen wieder, versprochen! Ich schenke dir aber ein schönes Tuch, schau mal
Über das schmutzige Gesicht kullerten Tränen. Auch Klara musste sich zusammenreißen, als sie die blonden Zöpfe abschnitt und in den Ofen warf. Friedrich kam herein, schüttelte nur stumm den Kopf. Vielleicht hätte er zu Lukas früher strenger sein sollen
Als Klara und Emma im Bad verschwanden, steckte der älteste Sohn Max seinen Kopf aus dem Jungenzimmer. Zwölf Jahre alt, Chef der Brüder, aber nie ungerecht.
Papa, kannst du uns helfen?
Friedrich schaute ins Zimmer und erstarrte.
Was macht ihr denn da?
Wir wollen den Schrank stellen, damit Emma in der Ecke ein bisschen Privatsphäre hat. Sie ist ja schließlich ein Mädchen und der Schrank ist zu schwer für uns alleine.
Er zog sich die Nase hoch und brummte, mit ernster Stimme:
Eure Mutter wird euch satt, und trotzdem schafft ihrs nicht, zu dritt einen Schrank zu schieben! Also, ran!
Papa, aber worauf soll sie schlafen?
Friedrich kratzte sich ratlos am Kopf.
Da müssen wir wohl was kaufen
Lass mich doch fürs Erste das Klappbett nehmen, ich schlafe da eh gern drauf. Emma bekommt dann mein Bett, das ist für sie sowieso passender
Bis Klara und Emma aus dem Bad kamen, hatten die Jungs und Friedrich fast alles vorbereitet. Bettwäsche musste noch aufgezogen werden, vielleicht ein Teppich auf den Boden aber das macht eh Klara.
Alles frisch!
Danke, ich bin fix und fertig. Emma benimmt sich, als hätte sie Wasser und Seife nie gesehen Ich ruh mich kurz aus, dann gibts Abendessen. Danach überlegen wir, wo sie schläft.
Emma sah schon viel besser aus. Dünn, lustig anzusehen im bunten Kopftuch, aber die riesigen Augen und die wuscheligen Wimpern
Komm, ich zeig dir was
Klara wunderte sich, aber sie ging mit zu Friedrich. Er zog den Vorhang zum Zimmer der Jungs zurück das größte im Haus, seit Paul drei war. Elternzimmer und Wohnküche waren deutlich kleiner.
Was ist das denn?
Klara sah die neue Anordnung, verstummte. Ihre Söhne standen verlegen.
Von allein oder Papa hat euch geholfen?
Fritz lächelte stolz:
Die Jungs waren das ganz allein Wir haben gute Kinder, Klara
Emma schlang das Abendbrot herunter, als hätte sie tagelang nichts gegessen.
Emma genug jetzt, sonst wird dir schlecht, du bekommst gleich wieder was zu essen, keine Angst, hier ist genug für alle
Traurig blickte Emma auf den letzten Bissen, ließ ihn aber liegen und wirkte schlagartig erschöpft.
Begleite mich mal, ich zeig dir dein Bett.
Kaum lag sie, schlummerte sie auch schon.
Klara kehrte zurück.
Fritz, hol mal den Schnaps aus dem Schrank!
Friedrich war überrascht Klara trank sonst nie, vielleicht einmal an Weihnachten. Doch er holte die Flasche, schenkte ihnen beiden ein.
Klara leerte ihr Gläschen mit einem Zug.
Wenn dein Lukas noch leben würde, ich hätte ihn eigenhändig umgebracht
Friedrich nickte stumm. Er hätte es auch getan.
Lukas war geboren, als Friedrich vierzehn war Nachzügler, keiner hatte mehr mit einem Kind gerechnet. Die Oma spuckte beim ersten Besuch aus:
Hättets euch sparen können.
Friedrich erinnerte sich, wie die Mutter auf die Oma geschimpft hatte. Die alte Frau murmelte boshafte Sachen, verbreitete Unruhe. Selbst als Großer hatte Friedrich Respekt vor ihr. Die Nachbarn meinten immer, die Alte wäre eine Hexe.
Der Vater versuchte, Lukas Disziplin beizubringen, so wie später Friedrich selbst. Doch der Jüngere schien nichts zu lernen. Nach der Armee brachte er die Frau mit, sie bekamen ein Kind Emma aber das Leben bestand nur noch aus Trinken und Streit. Wie oft hatte Friedrich die Eltern zum Umzug überreden wollen? Sie wollten Lukas und Emma nicht alleinlassen Nun waren sie beide tot, Lukas hatte die Beerdigung seiner Eltern nicht mal mitbezahlt.
Dann rief das Jugendamt in München an. Friedrich wurde eingeladen:
Herr Schuster, Ihr Bruder ist mit seiner Frau im Winter erfroren, nur das Mädchen Emma ist übrig. Wenn Sie sie nicht aufnehmen, landet sie im Heim Machen Sie sich um die Beerdigung keine Sorgen, das Dorf hilft. Sie und Klara sind unschätzbar wertvoll für die Gemeinschaft.
Friedrich hatte es Klara nicht gleich gesagt. Vielleicht, weil er Angst hatte, sie würde im Affekt nein sagen.
Nach einer Woche hörte Emma auf, das Essen zu verschlingen. Sie lernte mit Messer und Gabel zu essen, ihr Gesicht bekam wieder Farbe. Aber sie blieb scheu wie ein kleiner Wolf. Fragte ein Junge etwas, versteckte sie sich mit dem Kopf unter der Decke.
Die Jungs schenkten ihr Bücher und Spielsachen, doch Emma war wortkarg und antwortete meist nur mit ja oder nein. Klara konnte irgendwann nicht mehr:
Warum schaust du immer so grimmig? Was haben wir dir getan? Magst du es hier etwa nicht? Dann musst du nicht bleiben!
Emma sah sie riesig an. Ohne zu blinzeln rollten zwei Tränen über ihr Gesicht.
Klara musste raus, schluckte die eigenen Tränen runter und schwor sich, nie wieder laut zu werden.
Am Abend kam Frau Wagner vorbei:
Klara, du bist heute so anders
Klara winkte nur ab.
Ich kann nicht mehr Ich versuch es ihr recht zu machen, aber sie bleibt unnahbar.
Tja, so ist das eben mit Kindern, wenn sie Liebe spüren fehlt. Für sie ists wie im Heim, bloß eben mit mehr zu essen.
Aber wie soll ich denn ein fremdes Kind lieben? Ich tu ihr nichts
Und einen Katzenwelpen könntest du lieben?
Das ist was anderes
Eben nicht. Früher war das anders, wir waren freundlicher zueinander
Der Frühling tauchte überraschend schnell ein. Klara ließ Emma in Ruhe, kümmerte sich, dass sie satt, warm und gesund war. Die Jungs brachten ihr Bücher.
Manchmal redete Emma mit den Brüdern, sie versuchten alles, um ihr den Geburtstag im April besonders zu machen. Heimlich bastelten sie ein Schminktischchen mit Spiegel, wie Erwachsene haben. Klara tadelte sie erst dann ließ sie sie gewähren. Man soll die Hände beschäftigen.
Emma verstand das alles nicht so richtig, freute sich aber über das neue Tuch und das schöne Kleid, das Friedrich zum Geburtstag schenkte. Und als die Jungs den Tisch brachten da strich sie minutenlang darüber und klara bildete sich ein da blühte ein Lächeln auf. Dann umarmte Emma einen Bruder nach dem anderen
Von da an verbündeten sich die Jungs mit Emma. Lachen, Quatsch, endlose Gespräche im Jungenzimmer. Kaum aber kam Klara dazu, verkrümelte sich Emma wieder. Klara wurmte es, aber sie gab sich Mühe, es nicht so sehr an sich heranzulassen.
Die Gartenarbeit begann, die Vorbereitungen für das Ferkel, das sie dieses Jahr noch kaufen wollten ein Kind mehr, Kosten mehr. Die kleine Waisenrente, die Emma zustand, legte Klara zur Seite.
Die isst uns nicht die Haare vom Kopf. Das bleibt für sie, später. Vielleicht fürs Hochzeitskleid.
Friedrich stimmte zu. Alles verstand er nicht, aber Klara hatte meist recht. Doch warum sie mit Emma nicht warm wurde?
***
Eines Tages, Klara pflanzte grad Stiefmütterchen, stürmte der Wirtshausjunge hin:
Frau Schuster! Da drüben verprügeln sie Ihre!
Klara richtete sich auf.
Wer bitte?
Alle Ihre!
Er verschwand. Klara raffte Röcke, rannte Richtung Fluss, wo alle Kinder hin waren.
Schon von weitem sah sie die Prügelei: Ihre Jungs standen Rücken an Rücken, schützend um Emma, gegen einen Haufen fremder Buben. Die Männer aus dem Dorf rannten auch heran, mit Lederriemen drohend. Nach der Ankunft der Väter verschwanden die Hitzköpfe sofort.
Klara untersuchte ihre Kinder.
Ach du meine Güte, wie schrecklich!
Paul hatte die Augenbraue aufgeschlagen, Max blauer Fleck unter dem Auge, Sebastian blutiges Knie. Emma weinte nur.
Was war da los?
Paul:
Wir wollten baden, Emma hat das Tuch abgenommen die anderen fingen an, sie auszulachen. Also
Und ihr habt euch für sie geschlagen?
Sebastian sah die Mutter ernst an:
Was hätten wir sonst machen sollen?
Max brummte:
Sie ist unsere Schwester. Niemand hat das Recht, sie zu quälen
Klara stand auf.
Geht nach Hause…
Sie selbst folgte langsam. Warum nur dieses Schicksal für sie? Gute Kinder daheim, aber warum musste Emma zu ihnen?
Vor dem Haus wartete Frau Wagner:
Klara, was erzählt man sich? Deine Buben wurden angeblich verprügelt wegen der Zugereisten?
Klara musste schlucken, in ihr regte sich Zorn:
Wegen wem?
Frau Wagner riss die Augen auf:
Wegen der Zugereisten so nennst du sie doch
Und du trägst das durchs Dorf? Das ist meine Entscheidung, wie ich sie nenne! Und du hältst den Mund!
Sie fuchtelte so wild mit dem Finger, dass die Alte zurückwich und fast stürzte.
Kein Wort mehr! Von niemandem, sonst zeig ich euch mal, wie man sich benimmt!
Klara schloss energisch die Gartentür hinter sich und weinte. Wofür das alles? Wofür?
Mama, warum weinst du?
Die Jungs und Emma waren draußen geblieben. Klara wollte nie, dass ihre Kinder sie weinen sahen.
Ich? Ach der Lauch wächst nicht, und die Blumen wollen nicht, dieser Garten bringt mich um den Verstand! Geht ins Haus, alle zusammen!
Abends beratschlagte sie lange mit Friedrich.
Fritz, was tun wir? Sie wird immer gemobbt werden, und die Jungs werden sich immer schlagen
Friedrich zuckte die Schultern:
Sollen sie doch. Sie verteidigen ihre Schwester. Das ist richtig so.
Und wenn mal was Schlimmeres passiert?
Ach was sie sind doch Kinder
Klara merkte, wie müde Friedrich war. Sie entschloss sich, selbst eine Lösung zu suchen.
In der Nacht weckte sie ein Flüstern. Erst dachte sie, einer der Jungs träumt schlecht, doch das Flüstern kam aus der Stube. Vorsichtig lugte sie durch den Türspalt Emma kniete bei einer kleinen Madonnafigur, die auf dem Bücherregal versteckt stand, und flüsterte:
Lieber Gott, du bist immer so nett zu mir gewesen Hilf noch ein einziges Mal, dass Tante Klaras Blumen im Garten wachsen, dann muss sie nicht mehr traurig sein. Dann kann sie mich vielleicht liebhaben, und ich kann ihre Tochter sein. Ich verspreche, ich räume alles weg, bin immer brav und sage niemals wieder ein böses Wort. Ich habe ja jetzt schon fast alles, was ich brauche. Aber bitte, lass mich ihre Tochter werden
Emma erhob sich, Klara hastete ins Schlafzimmer zurück, biss sich auf die Hand, um nicht laut zu weinen
Am nächsten Morgen beim Bäcker sprachen sie die Frauen im Dorf an:
Klara, was machen wir? Wegen deiner Zugereisten prügeln jetzt unsere Jungs!
Klara biss sich auf die Lippe, dann meinte eine:
Schick sie doch ins Heim, da ist sie richtig.
Klara stellte ihre Einkaufstasche ab, drehte sich zu ihr:
Ist das nicht deine Tochter, die im letzten Jahr im Dorfladen bei Herrn Bauer das ganze Wechselgeld geklaut hat? Sorg lieber bei dir daheim für Ordnung, bevor du auf uns zeigst!
Klara drehte sich zu allen anderen:
Hat noch jemand Probleme damit, dass Emma meine Tochter ist? Wer das Wort Zugereiste in den Mund nimmt, dem schneide ich eigenhändig alle Haare ab!
Überrascht sahen die Frauen sich an. Dann sagte eine leise:
Eigentlich hat Klara ja recht Das Mädchen hatte doch genug in seinem Leben
Klara ging, die Tasche fest in der Hand, zurück. In der Auslage des Ladens hing ein Paket rosa Bänder.
Zina, hast du vielleicht solche schönen Haarschleifen für Mädchen?
Natürlich, Klara! Die da sind aber teuer.
Egal, pack sie bitte ein!
Zu Hause zogen Klara und Emma sich zurück.
Emma, schau mal, was ich dir gekauft habe…
Emma sah die Schleifen an, strich vorsichtig darüber.
Für mich?
Natürlich. Setz dich, ich helfe dir beim Binden!
Sie brauchten eine Weile Emmas kurze Haare wollten nicht so wie sie sollten. Endlich war die Schleife fest.
Fertig, schau dich mal im Spiegel an!
Emma betrachtete ihr Spiegelbild und murmelte:
Schön Danke.
Klara setzte sich neben sie und nahm Emmas Hand.
Emma, darf ich dich was fragen?
Ja
Wenn du magst, kannst du mich irgendwann Mama nennen. Ich wäre stolz, so genannt zu werden. Und die Jungs die dürfen ruhig für ihre Schwester kämpfen!
Emma lachte und weinte und kicherte gleichzeitig, dann schmiegte sie sich an Klara.
Darf ich dich gleich Mama nennen?
Klara umarmte sie fest.
Natürlich, mein Schatz! Wir machen uns einen schönen Tag, backen Kuchen für Papa und die Jungs und lernen zusammen, wie man richtige Prinzessinnenkuchen macht!
In dieser Nacht hörte Klara wieder das heimliche Flüstern.
Emma betete diesmal:
Danke, lieber Gott! Ich bitte dich jetzt nur noch für andere lass andere Kinder auch ein zu Hause finden. Ich hab ja jetzt meine Mama!
Klara kroch glücklich zu Friedrich ins Bett, voller Dankbarkeit. Manchmal, dachte sie, schickt das Leben einem genau das, was man sich insgeheim so sehr wünscht die kleine Prinzessin vielleicht nicht zur rechten Zeit, aber ganz bestimmt genau dann, wenn das Herz dafür bereit ist.
So wurde aus einem fremden Kind eine Tochter, und Klara wusste am Ende: Liebe wächst nicht aus Blutsbande, sondern dort, wo Menschen einander die Hand reichen.





