Omas Vorhersage: Ein Blick in die Zukunft

Eine Familie nimmt eine alte Frau auf. Fast fremd, eine entferntere Verwandte. Nicht nur fremd, sondern auch blind und, verzeihung, geistig benebelt. Ohne böse Worte zu sagen, hat sie fast den Verstand verloren. Das ist ein fast schon fantastischer Schritt und sie tun es.

Sie wohnen in einem kleinen Dorf auf dem Land. Sie sind arm, haben drei Kinder, und von einem Sohn gibt es bereits zwei Enkel. Eine große Familie, einfach, etwas grob, nicht besonders gebildet, aber gewissenhaft. Sie geben die alte Frau nicht ins Altenheim und besuchen sie nicht nur abends; sie lebt am anderen Ende des Dorfes, weit entfernt, und kann sich überhaupt nicht mehr selbst versorgen. Also nehmen sie sie auf.

Sie bringen ihre dürftigen Habseligkeiten, geben ihr saubere Kleidung, binden ein frisches Kopftuch, füttern sie mit einem Löffel und legen sie ins Bett. An der Wand hängt ein Wandteppich mit Hirschen, obwohl sie nichts sehen kann. Nun leben sie irgendwie zusammen, essen Sauerkrautsuppe, Haferbrei, chinesische Nudeln, trinken Tee mit Zucker, begleiten die alte Frau zur Toilette, helfen beim Umziehen und lauschen ihrem wirren Gerede, das sie mit dünner, alter Stimme vorträgt.

Eines Tages spricht die alte Frau, Frau Hilde Schmitt, mit dieser Stimme und sagt: Im Schuppen hat ein Dieb eingebrochen! Sie laufen zum Schuppen dort hat der betrunkene Nachbar wertvolle Kartoffeln und Kohl gestohlen. Was für ein Zufall!

Später sagt Hilde: Rainer soll nicht in die Stadt fahren! Das Auto wird verunglücken. Die gutgläubigen Kinder lassen Rainers Sohn nicht mit seinem Freund Jens in die Stadt fahren. Jens gerät schwer in einen Unfall, und Rainer hätte fast sein Leben verloren, wäre er mit ihm gewesen.

So geschieht es weiter: Hilde spricht weiter wirres Zeug, obwohl sie nichts mehr erkennt, nichts sieht und nicht einmal den Löffel zum Mund führen kann. Schließlich fleht sie um ein Lottoschein. Der Vater fährt in die große Stadt, kauft einen Schein, und was denken Sie? sie gewinnen eine Menge Geld! Dreihundert bis fünfhunderttausend Euro, sagen sie vage. Die einfachen Leute reden über das Geld nur mit eine Menge. Sie kaufen der alten Frau einen neuen Morgenmantel, Lebkuchen und vieles mehr, darunter eine schöne Decke denn obwohl sie nicht mit den Augen sehen kann, sieht sie irgendwie doch. Alles ist schön und alle lieben sie.

Obwohl sie ständig wirrt, alles vergisst und sich nicht selbst ernähren oder zur Toilette gehen kann, lächelt sie herzlich. Sie sitzt auf der schönen Decke in einem sauberen Morgenmantel und einem hübschen Kopftuch, wie eine Puppe. Sie zählt Gebetsperlen und spricht leise, gutheißende Worte. Dann nickt sie leicht mit dem Kopf.

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Homy
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