Sieben Bedingungen der Mutter
Mama, verstehst du überhaupt, dass das nicht mehr nur ein Ratschlag ist? Wir haben das mit Klaus schon lange entschlossen.
Helga Weber stand am Fenster und blickte hinaus in den Hof. Dort, unter dem alten Apfelbaum, schaukelte ein Stück Seil, das einmal zu einer Schaukel gehörte. Die Stimme ihrer Tochter drang wie durch Watte an ihr Ohr, verlor sich zwischen Erinnerungen.
Helga, hörst du mir eigentlich zu?
Ich höre, Anna. Ich höre.
Dann dreh dich wenigstens zu mir um.
Sie wandte sich um. Anna stand mitten in der Küche, hatte noch immer ihren Stadtmantel an, den sie gar nicht erst ausgezogen hatte, und hielt das Handy fest in der Hand. Bestimmt hatte sie schon irgendwo Zahlen notiert, Argumente zurechtgelegt. Sie hat das immer schon so gemacht: immer bestens vorbereitet, mit Antworten, bevor Helga überhaupt fragen konnte.
Wir haben einen schönen Platz gefunden, sagte Anna. Kein Heim im eigentlichen Sinne, keine Sorge. Kleine Zimmer, du kannst deine Möbel und Sachen mitbringen. Es gibt einen Garten.
Ich habe einen Garten.
Mama.
Was, Mama? Ich sage: Ich habe einen Garten. Dort draußen. Schon vierzig Jahre grabe ich darin.
Anna legte das Handy auf den Tisch. Eine Geste des Friedens, Helga kannte das. Die Tochter setzte sich gegenüber, faltete die Hände.
Hör zu. Du bist zweiundsiebzig. Du bist allein in dem Haus. Letzten Winter bist du auf der Treppe gestürzt, zwei Stunden lagst du draußen, bis Frau Schulze dich gefunden hat.
Das Bein hat sich wieder gegeben.
Mama, du hättest erfrieren können.
Bin ich aber nicht.
Anna beobachtete sie lange, dann stand sie auf, schaltete den Wasserkocher ein. Das war auch so ein Zeichen wenn die Worte stockten, musste die Tochter etwas mit den Händen tun.
Klaus meint, wir könnten das Haus vermieten. Damit würde sich das Seniorenheim finanzieren, es bliebe genug übrig.
Mein Haus vermieten.
Oder verkaufen. Aber nur, wenn du es möchtest.
Helga blickte wieder zum Fenster hinaus. Der Apfelbaum war alt, in diesem Jahr fast ohne Früchte. Doch fällen wollte sie ihn nie.
Anna, sagte sie leise, erinnerst du dich, wie dein Vater den Apfelbaum gepflanzt hat?
Mama, bitte, lass das.
Du warst vier. Standest daneben, hast dauernd deine Hände in das Pflanzloch gesteckt. Dein Vater hat immer gelacht.
Ich weiß.
Nein, weißt du nicht. Du meinst es zu wissen, weil ich es immer wieder erzählt habe.
Das Wasser kochte. Anna goss Tee ein, stellte eine Tasse vor die Mutter. Schweigen. Draußen huschte Frau Schulzes Kater Paul am Fenster vorbei, blieb einen Augenblick stehen, überquerte den Garten.
Ich gehe nicht weg von hier, sagte Helga schließlich.
Gut, erwiderte Anna. Und wie sie es sagte, wusste Helga: Das war nicht das Ende, sondern gerade erst der Anfang.
Anna fuhr noch am selben Abend zurück. Sie verabschiedeten sich am Gartentor, wie immer, aber Anna blieb auf der Straße stehen, als müsste sie Haus und Garten noch einmal abmessen, Erinnerungen speichern. Helga sah es, schwieg.
In jener Nacht fand Helga keinen Schlaf. Sie lag im Bett und blickte an die Decke. Ein alter Sprung zog sich durch die Ecke entstanden irgendwann in den Siebzigern, immer geblieben, nie größer oder kleiner geworden. Wie so vieles in diesem Haus: einfach da.
Sie überlegte, weshalb Anna ausgerechnet jetzt damit ankam. Letzten Winter, weil du gestürzt bist. Aber das ist doch acht Monate her. Hätten sie dich deshalb ins Heim stecken wollen, warum haben sie dann gewartet bis zum Herbst? Da steckt etwas anderes dahinter, etwas, das Anna nicht ausspricht.
Das war bei ihr schon immer so. Erst die Fakten, dann die wahren Beweggründe aber erst, wenn die Mutter widersprach.
Helga ging in die Küche, zog den Morgenmantel über, trank Wasser. Dann schaltete sie das kleine Licht über dem Herd ein, das immer genügte, um die Küche lebendig erscheinen zu lassen.
Annas Handy lag noch auf dem Tisch, sie hatte es vergessen. Helga nahm es, liess es aber ruhen, ging gleich zurück.
Die Tochter würde morgen kommen, um es zu holen. Dann würden sie wieder sprechen.
Anna kam erst zwei Tage später. Helga dachte schon, es sei Absicht, wollte testen, wie wichtig ihr das Handy war. War es vielleicht gar nicht mehr nötig? Am Donnerstagmorgen schließlich kam das Auto und Anna war nicht allein: auch Klaus war dabei.
Der Schwiegersohn war ein großer, ordentlicher Mann, dessen höfliche Distanz Helga nie ganz durchschauen konnte. Er brachte eine Tüte mit.
Wir haben etwas mitgebracht, sagte er statt einer Begrüßung. Anna hat erzählt, Sie mögen das Brot von der Stadtbäckerei.
Das stimmt, bestätigte Helga. Kommt rein.
Sie aßen zusammen. Brot, Käse, ein Brotaufstrich aus einem Gläschen. Anna goss Tee ein alles freundlich und ruhig, fast zu freundlich.
Frau Weber, begann Klaus nach einer Weile, wir wollen offen reden.
Dagegen habe ich nichts.
Wir machen uns Sorgen ehrlich. Nicht, weil wir Sie loswerden wollen, auch wenn es vielleicht so wirkt.
Nicht wirkt. Ihr sagt es ja.
Klaus atmete kaum hörbar.
Es geht um Ihre Sicherheit. Das Haus ist groß, ebenerdig, aber doch viel Arbeit. Und im Winter heizen Sie den Kachelofen.
Seit dreißig Jahren.
Eben. Dreißig Jahre. Früher war ja auch Herr Weber da.
Helgas Hände verkrampften.
Keine Rede mehr von Hans.
Mama, Anna sagte es leise, wir wollen dich nicht verletzen. Aber Papa hat dir geholfen. Jetzt bist du seit vier Jahren allein das ist viel.
Ich schaffe das.
Ja. Doch ich schlafe nachts nicht, warf Anna plötzlich ein, ganz ohne Zahlen, nur so.
Helga sah ihre Tochter an. Sie blickte auf den Tisch.
Anna, schläfst du schon lange schlecht?
Seit jenem Winter. Seitdem Frau Schulze anrief und sagte, sie hätte dich draußen gefunden. Ich fuhr los und dachte… sie schwieg.
Ich weiß, was du dachtest.
Nein, weißt du nicht. Du kannst nicht wissen, wie es ist, wenn eine Tochter
Doch. Ich war auch Tochter.
Stille. Klaus blickte hinaus auf die letzten, vom Wind gerupften Blätter am Apfelbaum.
Gut, sagte Helga schließlich. Zeigt mir den Platz. Wenigstens das.
Annas Kopf hob sich.
Du willst mitkommen, anschauen?
Ich sehe es mir an. Das ist nicht dasselbe wie zusagen. Versteht ihr?
Verstehen wir, sagte Klaus.
Dann kommende Woche. Ich muss erst das Gewächshaus gießen, Gläser bei Frau Schulze abgeben.
Sie räumte den Tisch ab, kehrte ihnen demonstrativ den Rücken zu. Anna und Klaus tauschten einen Blick sie spürte es, ohne sich umzudrehen.
Am Sonntag kam Frau Schulze vorbei. Dreißig Jahre Nachbarschaft verband sie, seit sie beide Kinder großzogen und zusammen zum Metzger gingen. Frau Schulze war drei Jahre jünger, energischer, lauter, und in Helgas Leben manchmal zu direkt. Gerade das mochte sie aber.
Sag mal, Anna schaut neuerdings ständig bei dir vorbei, stellte Frau Schulze fest, zog ihre Filzpantoffeln aus.
Setz dich, Tee ist gleich fertig.
Was ist bei euch los?
Wir reden.
Worüber? Frau Schulze sah sie so durchdringend an, dass Ausflüchte zwecklos waren.
Sie wollen mich ins Seniorenheim umsiedeln. Heißt, es wäre angenehm dort.
Frau Schulze schwieg länger als gewöhnlich.
Und du?
Ich fahre nächste Woche mit, schaue es mir an.
Richtig so. Erst sehen, dann entscheiden.
Glaubst du denn, ich soll das tun?
Ist nicht meine Sache. Entscheiden musst du allein.
Aber wenn du entscheiden solltest?
Frau Schulze wärmte sich an der Teetasse.
Ich würde bleiben. Bis zuletzt. Aber ich bin ich, du bist du. Mein Sohn lebt direkt nebenan, schaut öfter rein. Deine Anna ist in der Stadt.
Ich bin nicht allein. Du bist hier.
Helga, Frau Schulze stellte die Tasse ab, ich bin drei Jahre jünger und mein Knie ist kaputt. Verlass dich nicht zu sehr auf mich, ich weiß selber nicht, wie ich durch den Winter komme.
Es war ehrlich. Helga nickte.
Was also tun?
Leben, sagte Frau Schulze. Solange es geht.
Am Mittwoch fuhren sie. Klaus fuhr, Anna neben ihm, Helga hinten am Fenster. Die Stadt wich Gärten, Feldern, dann Wäldern.
Ganz schön weit, sagte sie.
Vierzig Minuten, antwortete Klaus. Und wir kommen jedes Wochenende.
Helga sagte nichts.
Das Heim hieß Ruhiger Hafen. Zu schön, dachte Helga, um wahr zu sein. Hübsche Namen verbargen oft das Alltägliche.
Es war jedoch ordentlich. Gebäude, Wege, Bänke. Bäume erst zehn Jahre alt, ein angelegter Garten für die Bewohner, wie Anna gesagt hatte, aber es war eben nicht ihr Garten.
Die Direktorin war eine Frau um die Fünfzig, in Blazer und mit prüfendem Blick.
Frau Weber, wir zeigen Ihnen alles. Zimmer, Speisesaal, Garten. Fragen Sie ruhig.
Ich habe eine Frage, sagte Helga.
Ja?
Darf man hier eine Katze halten?
Die Direktorin lächelte kurz.
Wenn die Katze ruhig ist ja.
Ist sie. Zwölf Jahre alt. Heißt Kasimir.
Hübscher Name.
Sie zeigte Helga alles: weite, saubere Flure, in einem Zimmer eine alte Dame beim Stricken, in einem anderen zwei Männer mit Karten. Auf dem Gang ein Herr mit Stock, der grüßte nickend.
Im Zimmer fiel Licht durch ein großes Fenster. Schrank, Bett, Sessel, ein kleiner Tisch.
Kann ich meine Sachen mitnehmen?
Natürlich, viele bringen eigene Bilder, Geschirr, Vorhänge.
Darf ich auch meine Gardinen mitbringen? Ich mag keine Standardware.
Kein Problem.
Helga stellte sich ans Fenster. Draußen der Garten: junge Bäume, Wege, rabatten.
Darf man hier selbst im Garten arbeiten? Also graben, pflanzen?
Die Direktorin sah Anna an.
Unser Gärtner kümmert sich, aber wer mag, darf helfen.
Ich will nicht helfen. Ich will entscheiden, was wohin kommt.
Mama, begann Anna zaghaft.
Ich frage nur nach den Bedingungen.
Auf dem Rückweg schwiegen sie. Anna drehte sich um:
Und? Was meinst du?
Sagen wir: Es ist in Ordnung. Für das, was es sein soll.
Und was ist es?
Ein Ort für Menschen, die nicht mehr wissen, wohin.
Das ist aber nicht fair, Mama. Viele sind freiwillig hier.
Das mag sein. Ich muss nachdenken.
Wie lange?
So lange es dauert. Wieder blickte sie hinaus.
Zu Hause suchte sie als erstes Kasimir. Der Kater saß am Fenster, starrte hinaus. Helga nahm ihn auf den Arm, rieb ihre Wange an seinem Fell. Er ließ es zu.
Kasimir, sagte sie, uns wollen sie umsiedeln.
Er blinzelte, dann sprang er lautlos zu Boden.
Helga lachte leise, allein in der Küche.
Eine Woche verging, dann wieder eine. Anna rief jeden Tag an, vorsichtig, tastend. Wie gehts? Wie ist das Wetter? Schon geheizt? Helga antwortete ruhig. Ja. Das Wetter wird kälter. Ja, ich habe geheizt.
In Wahrheit dachte sie viel nach. Unaufgeregt, langsam so, wie man es nur an diesem Ort, in dieser Stille kann.
Eins wusste sie nun genau. Das Haus war mehr als ein Dach und vier Wände. In jedem Teil steckte ein Stück Leben. Diese Küchenwand: ’94 hat sie die mit Anna zusammen gestrichen, weil kein Geld für Handwerker da war. Anna war in der neunten Klasse, malte konzentriert mit herausgestreckter Zunge. Das Fensterbrett hatte Hans fünfmal repariert, blieb trotzdem schief. Der Haken in der Kammer dort hing der alte Mantel ihrer Mutter.
Das war kein Kitsch. Das war gewachsene Geschichte, Schicht für Schicht. Sie wusste nicht, ob man ohne das leben konnte. Oder leben wollte.
Doch es gab noch etwas. Letzten Winter, als sie draußen lag, war ihr wirklich bange geworden. Nicht wegen des Beins. Sondern weil sie da lag und dachte: Wenn niemand kommt? Was dann? Es war ein anderer Schrecken, keine Angst um das Leben, eher Angst davor, dass niemand es rechtzeitig merkt.
Und da war Anna, die nicht mehr schläft. Helga glaubte es ihr. Sie selbst hatte damals nicht geschlafen, wenn Anna krank war dieselbe Angst, nur umgekehrt.
Im November rief ihre alte Freundin Irene aus München an; sie hatten sich seit Jahren nicht mehr gesehen.
Helga, wie gehts? Anna hat angerufen.
Irene, du auch?
Nein, ich mache mir nur Sorgen.
Ach, ihr habt euch doch alle schon entschieden ich werde bloß noch eingeweiht. Mit Brot aus der Stadtbäckerei, aber trotzdem.
Und du? Was willst du?
Lange schwieg Helga.
Ich möchte selbst entscheiden. Nicht andere. Ich.
Dann tu es.
Wie?
Rede mal anders. Nicht als Mutter mit der Tochter. Sondern als Erwachsene mit einer anderen Erwachsenen.
Nach dem Gespräch saß Helga lange am Tisch. Dann nahm sie Papier und Stift sie tat das oft, wenn sie Klarheit suchte.
Oben schrieb sie: Was ich verliere. Dann: Haus. Garten. Apfelbaum. Gemüsebeet. Frau Schulze nebenan. Die Risse in der Decke. Der Haken in der Kammer. Hans Hände in diesen Wänden.
Und dann: Was ich gewinne. Sicherheit. Annas ruhigen Schlaf. Medizinische Hilfe. Immer jemand nah. Kasimir darf mit.
Sie betrachtete beide Listen. Die erste wog schwerer. Aber auch die zweite war wahr.
Dann schrieb sie eine dritte Spalte: Worauf verzichte ich wirklich?
Ein einziges Wort stand dort am Ende. Sie selbst.
Sie fürchtete, dass sie in der Ferne etwas von ihrem Sein verlieren könnte. Dass sie dort nur noch eine alte Frau in einem ordentlichen Zimmer mit fremden Bäumen wäre.
Das war die eigentliche Angst. Nicht ausgedacht, sondern echt.
Im Dezember kam überraschend ihr Enkel. Anton, Annas Sohn, 23, arbeitete inzwischen in der Stadt, lebte eigenständig. Eher selten besuchte er seine Großmutter, umso mehr freute sie sich immer, wenn er kam.
Er stand unerwartet am Gartentor, rief:
Oma, öffne mal, ich bins!
Anton? Was für eine Überraschung!
Sie bewirtete ihn nach Kräften. Er aß mit sichtbarer Freude, lobte alles ehrlich.
Was führt dich her?
Hab dich vermisst.
Anton…
Wirklich. Und ja, Mama hat mich gebeten.
Er zuckte entschuldigend mit den Schultern.
Aber ich wollte auch so kommen. Ehrlich.
Ich denke nichts Schlimmes. Was hat Anna gesagt?
Dass ihr euch nicht einigen könnt. Dass du dich weigerst.
Ich weigere mich nicht. Ich denke nach.
Lange.
Es ist eine wichtige Entscheidung.
Anton drehte die Teetasse.
Warst du da überhaupt schon? Im Ruhigen Hafen?
War ich.
Und?
Ordentlich. Die Chefin macht einen guten Eindruck.
Aber du willst nicht?
Ich weiß nicht, ob ich will.
Er sah sie lange an, mit denselben Augen wie Hans.
Oma, ich kann dir ehrlich was sagen?
Sag.
Mama hat wirklich Angst. Sie ruft mich dauernd an, fragt, ob ich bei dir war, besorgt sich. Sie ist am Ende.
Ich weiß.
Warum also …
Anton. Ehrliche Frage: Stell dir vor, du hättest dein Leben lang an einem Ort gewohnt. Dein Vater hätte das Fensterbrett gebaut, die Tür, das Regal. Vierzig Jahre hast du da gesät und geerntet. Würdest du einfach aufstehen und gehen?
Anton dachte kurz.
Nein.
Eben.
Aber, Oma, du hättest doch die Erinnerungen. Die bleiben.
Erinnerungen ohne Ort sind bloße Gedanken. Der Ort ist der Anker. Verstehst du? Hier weiß ich, wer ich bin.
Und dort?
Sie schwieg. Sie wusste es nicht.
Anton fuhr am Abend. Sie umarmten sich lange am Gartentor.
Oma, ich komme öfter. Nicht nur auf Mamas Wunsch.
Ich glaube dir.
Ruf an, wenn was ist.
Wenn was ist, was dann?
Wenn du Hilfe brauchst. Oder nur reden willst.
Danke, Anton.
Sie schaute dem Auto nach, während die Lampen schwach durch den ersten Schnee leuchteten. Es war ruhig.
Im Januar kam es zum ersten heftigen Streit. Anna erschien unangemeldet am Samstagmorgen, ungewohnt angespannt.
Mama, sag mir bitte endlich: Fährst du oder nicht?
Guten Morgen, Anna. Zieh dich erstmal aus.
Mama. Ich will jetzt eine Entscheidung.
Du kommst ohne Anruf am Samstag und verlangst eine Entscheidung?
Ja.
Helga legte das Handtuch weg, mit dem sie ihre Hände abgetrocknet hatte.
Was ist passiert?
Nichts, ich will nur Klarheit.
Du willst Kontrolle.
Mama!
Anna, so warst du immer. Das ist nicht schlecht, das bist du eben.
Anna zog ihren Mantel aus, setzte sich, zitterte leicht an den Händen.
Anna. Was ist los wirklich?
Lange sagte die Tochter nichts, dann, leise:
Klaus hat Schwierigkeiten im Büro. Wir wissen nicht, wie es weitergeht. Ich … ich kann nicht gleichzeitig um ihn und um dich bangen. Ich bin keine Maschine.
Helga setzte sich daneben.
Was ist los?
Sein Team wird vielleicht aufgelöst.
Weiß er das?
Seit letzter Woche.
Warum sagst du mir das nicht?
Du bist auch so schon angespannt.
Anna. Ich bin deine Mutter. Ich will es wissen.
Eben. Du bist Mutter. Aber ich bin auch Tochter. Ich habe das Recht zu wissen, dass es dir gutgeht. Wenigstens um einen weniger Angst haben.
Pause.
Ich verstehe, sagte Helga finally.
Wirklich?
Ja. Du bist müde. Es ist jetzt zu viel.
Anna verbarg ihr Gesicht in den Händen. Dann schaute sie hinaus.
Mama, ich verlange nicht, dass du um meinetwillen gehst. Aber ich will sicher sein, dass du dort sicher bist. Dass jemand da ist, wenn was passiert.
Frau Schulze ist da.
Frau Schulze ist kein Arzt. Und sie hat selbst Knie.
Frau Schulze ist ein Mensch. Dort ist alles richtig aber fremd.
Mama, Fremdes wird vertraut.
Mit zweiundsiebzig?
In jedem Alter.
Sie tranken Tee. Dann fragte Anna:
Erinnerst du dich, wie wir von der Gartenstraße umzogen? Ich war sechs und habe geweint um meine Schaukel.
Ich weiß.
Später war der neue Hof mein Revier.
Du warst ein Kind, Anna. Kinder gewöhnen sich.
Erwachsene nicht?
Erwachsene gewöhnen sich an das, was sie selbst gewählt haben.
Anna stand auf, trat ans Fenster.
Dann entscheide frei, Mama. Wirklich. Ich dränge nicht. Aber entscheide.
Nach diesem Gespräch änderte sich etwas in Helga. Nicht nach außen drinnen. Sie dachte nun anders: nicht daran, was sie verliert, sondern was sie wählt.
Das war neu.
Sie rief in der Seniorenresidenz an, allein.
Guten Tag. Hier Helga Weber, ich war im Oktober bei Ihnen.
Ich erinnere mich, guten Tag.
Ich wollte nach dem Garten fragen. Ob ich selbst ein Beet anlegen darf.
Natürlich, unsere Gärtner helfen gern.
Könnte ich einmal allein mit ihm sprechen?
Selbstverständlich.
Sie fuhr am Donnerstag hin, Frau Schulze brachte sie, fragte kein weiteres Mal nach dem Grund.
Der Gärtner, ein junger Mann Ende dreißig namens Markus, zeigte ihr das Gelände.
Herr Markus, sagte Helga, wenn ich hier lebe, kann ich ein kleines Beet ganz für mich bekommen? Wo ich selber entscheide, was ich pflanze?
Das war nicht vorgesehen, aber…
Geht es?
Er lächelte.
Eine Bewohnerin hat einen Platz am Zaun. Ich kann Ihnen einen ähnlichen anbieten.
Gut. Noch habe ich nicht endgültig entschieden.
Dachte ich mir. Meine Oma hat auch dreimal geschaut, ehe sie kam.
Und nun?
Meint, sie hätte es eher tun sollen.
Sagt sie das Ihnen oder meint sies wirklich?
Er lachte.
Ihr Gemüsegarten ist jedenfalls der beste.
Auf der Rückfahrt fragte Frau Schulze nur:
Und? Wie war er, der Gärtner?
Nett. Wichtig.
Du denkst also noch?
Ja.
Der Februar war eisig. Helga spaltete jeden Tag Holz, Anton bot an, einen Dienstleister zu bestellen, aber sie lehnte ab. Es hatte für sie Sinn, das selbst zu tun.
An einem Abend holte sie das alte Fotoalbum hervor, fing an zu blättern. Die Bilder vergilbt, manche Seiten klebten. Anna am Meer, spitzbübisch unter einem Handtuch. Hans beim Angeln, lachte in die Ferne. Ihre Mutter, jung, im Wintermantel.
Sie überlegte: Das alles konnte sie mitnehmen.
Nicht das Haus. Aber all das. Fotos. Gardinen. Kasimir. Die Tasse, aus der Hans Kaffee trank. Die Alte Strickdecke, die sie 98 gemacht hat. Fotoalbum.
Das Haus ist nur ein Ort. Sie ist sie nicht wegen des Hauses, sondern wegen gelebtem Leben. Sie wusste, wie ihre Mutter riecht, wie Hans lachte, wie Anna mit der Zunge malte.
Das bleibt. Das kann ihr keiner nehmen.
Sie schloss das Album und rief Anna an.
Mama? Spät noch. Ist was?
Ich habe entschieden.
Stille.
Mama?
Ich gehe. Sobald der Schnee schmilzt. Ich muss alles vernünftig vorbereiten den Garten, die Sachen, und das Haus organisieren.
Bist du sicher, dass es deine Entscheidung ist? Nicht meinetwegen?
Helga überlegte.
Ich entscheide aus mir heraus. Aber du bist Teil von mir. Verstehst du das?
Ich verstehe.
Gut.
Danke, Mama.
Nichts zu danken. Ich hab noch Bedingungen.
Bedingungen?
Frag später. Schlaf jetzt.
Kasimir rieb sich an ihr Bein.
Nun, sagte sie zu ihm, dann ziehen wir also um.
Im März bat sie Anna, allein zu kommen. Sie legte ihr einen Zettel auf den Tisch.
Das sind meine Bedingungen. Lies.
Anna las. Schwieg. Schaute hoch.
Mama, das sind sieben Punkte.
Stimmt.
Punkt eins: Das Haus bleibt wenigstens zwei Jahre unverkauft.
Richtig. Ich will wissen, ich kann zurück, wenn ich will. Vermietet ruhig, aber Verkauf später.
Gut. Punkt zwei: Ihr kommt mindestens zweimal im Monat.
Für mich, nicht für euch. Ich brauche das.
In Ordnung. Punkt drei: Kasimir kommt mit.
Ich will es schriftlich.
Anna schmunzelte.
Abgemacht. Punkt vier: Mein Beet im Garten.
Mit Markus ausgehandelt.
Gut. Fünftens: Meine Möbel stelle ich selbst.
Sollte klar sein.
Ich will es schriftlich. Nummer sechs?
Anton kann kommen, wann er will.
Auch unangekündigt?
Ja. Sag ihm, ich freue mich immer.
Anna legte das Blatt weg, die Augen glänzten feucht.
Mama. Du hättest das nicht aufschreiben müssen als Bedingungen.
Doch. Fürs Verständnis.
Siebtens?
Lies vor.
Niemand nennt mich Bewohnerin, Patientin oder Insassin. Ich wohne da. Es ist mein Zuhause.
Stille.
Das kann ich so einrichten, sagte Anna leise.
Gut. Dann ist es beschlossen.
April verbrachte Helga mit dem Packen. Frau Schulze half, mal sprachen sie, mal schwiegen sie. Es war ein vertrautes Schweigen.
Einmal fragte sie:
Helga, hast du Angst?
Ja, das schon.
Wovor am meisten?
Dass ich morgens nicht mehr weiß, wo ich bin.
Das ist anfangs so. Man gewöhnt sich.
Wir werden sehen.
Darf ich dich besuchen?
Helga sah sie an.
Klar. Du bist meine beste Freundin, schon dreißig Jahre. Glaubst du, du bleibst außen vor?
Ist ja weit.
Eine Stunde mit dem Bus.
Mein Knie mag Bus nicht.
Dann ruf mich an. Oder bitte deinen Sohn, dich einmal im Monat zu bringen.
Der mosert immer so.
Der liebt dich, der fährt. Sag ihm, es gibt meine Gurken.
Frau Schulze lachte.
Abgemacht.
Beim Sortieren fand Helga eine alte Keksdose mit Briefen. Sie hatte sie seit zwanzig Jahren nicht geöffnet.
Briefe von Hans aus Geschäftsreisen, von der Mutter, von sich selbst. Hans schrieb humorvoll und liebevoll immer mit einem eigenen Schlusssatz: Fehlt mir, wie du den Kaffee kochst. Blöde Montage. Das war 1989.
Sie nahm die Dose mit.
Drei Tage vor dem Umzug kam Anton vorbei, unangemeldet.
Oma, soll ich helfen?
Die meisten Sachen sind fertig gepackt.
Dann bleib ich einfach da.
Sie redeten stundenlang über Arbeit, Bücher, den Winter. Dann bat Anton, von Opa zu erzählen. Sie erzählte lange so viel wie nie zuvor, denn hier im Haus passte das einfach.
Er war lustig und trotzdem ernsthaft. Kannst du dir das vorstellen?
Ja.
Konnte sich ärgern beim Basteln und plötzlich ein Lied anstimmen. Altmodische Lieder. Manchmal auch ausgedacht, Hauptsache, schräg.
Anton lachte. Sein Lachen war Hans Lachen.
Oma, vermisst du ihn?
Jeden Tag.
Und wie gehst du damit um?
Ich lebe.
Er nickte. Fragte nicht mehr.
Am Umzugsmorgen stand sie früh auf. Das Haus war still und leer. Die meiste Möbel blieb, nur den selbstgebauten Küchentisch, den Sessel aus dem Schlafzimmer und die Bücher nahm sie mit.
Sie ging langsam durch alle Räume. Schlafzimmer. Vorratskammer, Hand auf dem Haken. Die Küche; sie blieb vor dem Fenster stehen, schaute auf den Apfelbaum.
Der stand kahl, aprilhaft, alte Äste. Wahrscheinlich überdauert er noch viele Winter. Er wächst einfach weiter.
Draußen im Garten trat sie an den Stamm, legte die Hand auf die raue Rinde.
Tja, sagte sie leise, Halt dich.
Dann nahm sie ihren Mantel, setzte Kasimir in die Kiste.
Anna kam um zehn Uhr, Klaus fuhr den Wagen, Anton hinten. Sie packten die Sachen schweigend und zügig. Keiner redete viel, und Helga war dafür dankbar.
Als sie fertig waren, verriegelte Helga das Haus. Den Schlüssel steckte sie in die Tasche, einen Zweitschlüssel gab sie Anna.
Du schaust bitte nach? Hin und wieder wenigstens.
Mache ich.
Und im Juni gieß bitte den Apfelbaum, wenns trocken ist.
Mama. Ich weiß, wie man gießt.
Ich sage es trotzdem.
Im Auto blickte sie nicht zurück. Sie schaute nach vorn. Kasimir saß still in seiner Kiste und sah auch nach vorn.
Sie brauchte zwei Wochen, um das neue Zimmer einzurichten. Die erste Woche war wie ein fremder Traum: ordentlich, sauber, aber nicht ihrs. Sie wachte auf, die Decke ohne Sprung. Allmählich gewöhnte sie sich.
Die eigenen Gardinen hängte sie auf gleich war es besser. Der Sessel am Fenster, Hans Tisch in der Ecke, Bücher im Regal, Dose mit Briefen, Fotos.
Kasimir zog seine Runden. Schließlich nahm er den Sessel an jetzt war es seins.
Am dritten Tag kam die Heimleiterin, Frau Klein.
Frau Weber, kommen Sie zurecht?
Es geht.
Melden Sie sich, wenn etwas fehlt.
Danke.
Morgen ist Fest für die Geburtstagskinder, Sie sind eingeladen.
Mal sehen.
Markus sagte, Sie kommen Samstag in den Garten?
Sagen Sie ihm Bescheid.
Mache ich.
Nachbarin wurde Fräulein Nina Schuster. Am vierten Tag klopfte sie an, hatte einen Kuchen dabei.
Guten Tag, ich bin die Nachbarin. Sind Sie neu?
Ja. Helga Weber.
Nina Schuster. Frisch gebacken in der Gemeinschaftsküche. Melden Sie sich, es gibt einen Plan.
Danke. Kommen Sie rein.
Nina Schuster sah sich um.
Schön gemütlich haben Sie es. Geht nicht ohne Bilder.
Sind Sie schon lange hier?
Drei Jahre. War schwer am Anfang, jetzt gehe ich nicht mehr weg.
Vermissen Sie Ihr Haus?
Nina überlegte.
Ja. Aber das Haus wurde verkauft, das war richtig so. Allein ging es nicht mehr.
Ganz allein?
Der Mann starb vor sechs Jahren. Kinder überall in Deutschland. Enkel zu klein. Hier hier sind Leute da.
Hilft das?
Sehr. Die Stille ist anders hier. Zuhause diese endlose Stille… hier ist sie ruhig.
Helga lächelte.
Gut gesagt.
Es ist so. Die Stille im leeren Haus drückt. Hier ist sie sanfter.
Sie tranken Tee, sprachen über Bücher Nina war früher Bibliothekarin.
Am Samstag ging Helga zu Markus. Er zeigte ihr das Beet hinter dem zweiten Trakt kleiner, schattig, aber Erde war Erde.
Hier kann ich Gemüse anbauen?
Klar. Ich helfe mit Werkzeug.
Ich mache selbst.
Natürlich. Aber ich bin da, falls nötig.
Sie stand einen Augenblick. Der Platz war fremd. Aber Erde bleibt überall Erde.
Tomaten wachsen hier?
Mit Folie meistens ja. Ist etwas schattig, doch es geht.
Und Dill?
Dill wächst immer.
Richtig, sagte Helga. Dill hält aus.
Markus lachte.
Am Wochenende besuchte Anna sie. Sie schaute sich um.
Mama, du hast es schön hier.
Die Gardinen machen den Unterschied.
Und der Sessel. Und das Foto von Opa mit Anton.
Das hab ich extra hingestellt.
Sie schwiegen.
Mama, wie gehts?
Ehrlich?
Ja.
Die ersten Tage war es schwer. Morgens wusste ich einen Moment nicht, wo ich bin. Nicht schön.
Jetzt?
Jetzt weiß ichs. Ist halt anders. Ich gewöhne mich.
Bist du zufrieden?
Es ist okay.
Anna setzte sich auf die Bettkante.
Mama, bereust dus?
Helga blickte aus dem Fenster. Markus arbeitete im Garten, ein Vogel flog vorbei.
Frag mich in einem Jahr.
Ist das ja oder nein?
Es heißt: Ich weiß es nicht. Aber ich habe es selbst entschieden. Das zählt mehr.
Anna nickte.
Anton kam mittwochs, wie versprochen, brachte ein Buch und Äpfel mit.
Oma, die Apfelbäume bei uns blühen schon. Schau mal, hier Fotos!
Zeig her.
Sie betrachtete das Bild der Baum voll Blüten, etwas verschwommen.
Gut getroffen.
Ich gebs dir ausgedruckt.
Stell sie zu den anderen Fotos.
Mach ich.
Sie gingen im Garten spazieren, Helga zeigte ihm ihr Beet.
Da kommen die Tomaten hin. Hier der Dill, vielleicht probiere ich Zucchini.
Ehrlich, Oma? Alles allein?
Natürlich. Markus hilft nur mit Werkzeug.
Toll.
Lächelst du?
Nein, wirklich. Das ist typisch Oma.
Sie lachte. Ganz leicht.
Zwei Monate später kam Frau Schulze zu Besuch, ihr Sohn hatte sie gefahren. Sie blieb den ganzen Tag, probierte Kuchen, redete mit Markus über Gurkensorten.
So, sagte sie beim Gehen, schlecht hast dus hier nicht.
Nein.
Ich dachte, es wird schlimmer.
Alle haben das gedacht.
Fehlt dir was?
Das Haus. Du. Der Apfelbaum.
Den habe ich gesehen. Anna gießt ihn.
Wirklich?
Ja, extra nachgesehen.
Helga schwieg einen Moment.
Danke, Clara.
Ich weiß, antwortete Frau Schulze. Ich weiß.
Im Herbst brachte Anton das Apfelbaum-Foto, gerahmt. Helga stellte es auf das Regal zu den anderen: Hans mit Anton, das Meer, Mutter im alten Mantel, der blühende Apfelbaum.
Abends kam Nina Schuster vorbei und betrachtete die Bilder.
Schöner Baum.
Den hat Hans gepflanzt. Dreißig Jahre alt.
Steht er noch?
Das Haus ist vermietet, der Baum bleibt.
Sie vermissen ihn?
Ihn und alles. Aber wissen Sie, Nina, ich glaube, Vermissen ist nicht Leiden. Es ist Erinnern mit Zuneigung. Das ist ein Unterschied.
Nina Schuster nickte.
Schön ausgedrückt.
Ein Jahr später fragte Anna wieder.
Sie saßen im Zimmer, aßen kleine, krumme Äpfel. Helga hatte sie auf ihrem neuen Beet selbst gezogen, auf fremder Erde aber es waren ihre.
Mama, bereust du es?
Helga drehte den Apfel in der Hand.
Den habe ich hier selbst geerntet.
Man merkts.
Auf fremder Erde. Aber Erde nimmt einen auf.
Bist du also froh?
Helga legte den Apfel auf den Tisch.
Heute sehe ich es so: Ich bin nicht weggegangen. Ich bin zu euch gekommen. Das ist ein Unterschied.
Zu mir? Ich wohne doch nicht hier.
Doch. Zu dir. Damit du nachts schlafen kannst. Damit Anton jederzeit kommen kann. Das ist mir näher als jenes Haus.
Anna sah sie an.
Das wusste ich nicht, Mama.
Ich auch nicht. Es kam allmählich.
Tut es dir gut?
Helga schaute wieder auf den Apfel, klein, krumm, ihr eigener.
Frag etwas anderes, sagte sie.
Was denn?
Frag mich, ob ich froh bin, selbst entschieden zu haben.
Anna schwieg einen Moment.
Mama, bist du froh?
Helga sah ihre Tochter an, ein Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus.
Ja. Darüber freue ich mich wirklich.
Draußen raschelte der herbstliche Garten. Junge Bäume, die nach einem Jahr gewachsen waren. Ihr Beet hinter dem zweiten Trakt, für den Winter abgedeckt, wartete auf den Frühling. Kasimir döste im Sessel. Die Fotos standen im Regal: Hans, das Meer, Mutter, Apfelbaum.
Anna nahm einen krummen Apfel.
Der ist aber schief.
Dafür mein eigener.
Darf ich probieren?
Greif zu.
Die Tochter biss hinein und lächelte versonnen.
Schmeckt gut, Mama.
Ich weiß.





