Hey, du, ich muss dir echt was erzählen, das ist total verrückt, aber ich erzähle es dir mal ganz locker, wie in einem kleinen Plausch.
Nach dem Training hast du ja weißt du noch, Anke hast sich sofort nach Hause geschoben, weil sie Lars versprochen hat, eine Fischsuppe zu kochen. Sie schnappt sich die Schlüssel, läuft die Treppen hoch und tada, im Wohnzimmer sitzt Lars an der Küchenzeile und nippt an einem Glas Weißwein.
Mensch, das ist ja wohl ein Ding, oder?, sagt Anke und wirft ihm ein Lächeln zu. Lars, hast du etwa vergessen, dass ich auf dich warte? Ich mach dir doch wenigstens ne Vorspeise.
Lars schüttelt nur den Kopf und meint: Setz dich, wir müssen reden.
Anke war erstmal total baff, so etwas hat sie nie erlebt. Sie spürt sofort, dass hier was nicht stimmt. Sie fragt ganz leise: Was ist los, Lars? Was ist passiert?
Lars holt tief Luft und sagt: Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll Ich sags dir einfach: Meine Sekretärin Katrin ist schwanger und das mit mir. Ich geh mit ihr zusammen.
Anke kann es kaum fassen: Ach du meine Güte, das klingt ja wie aus einer schlechten Seifenoper Und seit wann?
Seit ungefähr einem Jahr, gibt Lars zu. Als Katrin hier angefangen hat, hat sie sofort Aufmerksamkeit gezeigt. Ich war jung, sie war hübsch, lebensfroh genau wie du damals in deiner Jugend. Ich hab mich verknallt, wollte dir es ehrlich sagen, aber ich hatte nicht den Mut. Jetzt ist es zu spät, wir bekommen ein Kind.
Er fährt fort: Ich will doch immer ein Kind, und Jens ist ja quasi wie ein Sohn für mich, aber nicht aus Blut. Ich brauch einen Erben, der das Unternehmen weiterführt. Mit Katrin fühle ich mich plötzlich wieder jung Vielleicht ist das nur eine MidlifeCrisis, hast du schon mal davon gehört?
Klar, das kenne ich, sagt Anke. Ich bin zwar kein Freund von solchen Geschichten, aber ich will dich und Jens nicht im Stich lassen. Ich schenke euch die Wohnung, das Auto, helfe finanziell, zahle das Studium, wie versprochen. Ich hab sogar ein neues Haus gekauft, das auf Katrin läuft sie wird ja die Mutter meines Kindes.
Lars seufzt: Ich weiß, dass das schwer ist, aber Katrin ist wirklich eine Traumfrau. Und du bist ein echter Kerl, du würdest dein Kind nicht im Regen stehen lassen. Danke für das Geld, ich will jetzt reisen, mein eigenes Leben leben.
Anke fragt: Wann ziehst du aus? Soll ich dir beim Packen helfen?
Lars schaut verwirrt, aber irgendwie gelassen. Keine Szene, keine Schleier.
Tschüss, mein Lieber, danke für die gemeinsamen Jahre. Ich war glücklich mit dir. Das Leben schreibt eben eigene Drehbücher Vielleicht finde ich ja jemanden, den ich lieben kann.
Er packt hastig die Koffer, lächelt unbeholfen und eilt zum Aufzug.
Als die Tür schließt, geht Anke in die Küche, holt eine Flasche Sekt aus dem Kühlschrank, öffnet sie, schenkt ein volles Glas ein und trinkt es aus. Ihr Mann hat sie verlassen das klingt irgendwie absurd.
Sie hat nie gedacht, dass das passiert, schließlich waren die Jahre zwar nicht von wilder Leidenschaft geprägt, aber von Zuneigung, Gewohnheit, Respekt.
Genug Jammern, sagt sie sich. Neues Leben, neue Regeln! Ich find was zu tun, und Lars zahlt weiter. Wer will schon das Geld ablehnen, wenn es einem mehr Möglichkeiten gibt? Ich muss mich nur an die neue Rolle gewöhnen.
Kurz darauf stürzt Anke sich in neue Erlebnisse. Sie meldet sich zu Tanzkursen an, geht nach der Arbeit hin, besucht am Wochenende Museen, Kino und das Fitnessstudio zum Glück hat sie Gesellschaft. Ihre Nachbarin Irma, eine alleinstehende Dame, begleitet sie gern.
Jens studiert in einer anderen Stadt, kommt selten nach Hause. Anke hat jetzt viel Raum für sich selbst, kocht nur, was ihr schmeckt, muss sich nicht mehr verstellen. Sie macht, was ihr Spaß macht, und niemand kann ihr etwas verbieten. An einen neuen Mann denkt sie gar nicht erst, und allein ist gar nicht mal so schlecht.
Die Scheidung verlief leise und friedlich. Im Gerichtssaal sah Anke flüchtig Katrin im Flur, eine hübsche Frau da muss ja wohl etwas dran sein.
Lars überweist jeden Monat das versprochene Geld, das Unternehmen läuft, und er kann immer noch großzügig sein. Anke ist dankbar für diese Geste, weil sie weiß, dass er das Geld hat. Katrin hat das wohl nicht mitbekommen, sonst hätte sie das bestimmt nicht gutgeheißen.
Ein Jahr vergeht. Nichts ändert sich für Anke: Tanz, Fitness, ein paar Trips ins Ausland. Die Zahlungen von Lars lassen nach, sie traut sich nicht, nach dem Grund zu fragen wahrscheinlich hat Katrin das gestoppt. Jens verdient gut, studiert weiter und kann sein Studium selbst finanzieren.
An einem freien Sonntag, ohne Eile, kocht Anke wieder Fischsuppe, stellt fest, dass das Brot fehlt ihr Lieblingsbrot. Sie läuft zur Bäckerei, trifft dort zufällig Lars.
Hey Lars, wie gehts dir?
Anke, hallo. Ich wohne jetzt ganz in der Nähe, hab die Wohnung gekauft.
Und Katrin? Wie läufts mit dem Kind?
Mädchen. Und das ist die krasse Story: Katrin wurde von einem Konkurrenten eingeschleust, hat mich manipuliert, ich war verliebt, sie hat dann Druck gemacht, das Unternehmen auf sie zu übertragen. Ich habe aus Liebe alles unterschrieben, jetzt ist das Kind nicht meines, das Business geht an den Konkurrenten. Totaler Reinfall, wie in einer schlechten Seifenoper.
Verdammt, das hört sich schrecklich an, sagt Anke mitfühlend. Ich fühl mich jetzt sogar ein bisschen mit dir verbunden.
Kauf dir doch die alte Wohnung, finde einen Job, ich kann dir nicht mehr helfen, sagt Lars. Entschuldige, das ist meine Schuld.
Anke schmunzelt ein wenig: Du Narr! Komm rüber, ich habe die Fischsuppe gemacht, die du immer so mochtest.
Sie setzen sich an die alte Küche, reden über das Leben, doch jetzt sind sie nicht mehr Mann und Frau, sondern alte Freunde.
Ab und zu telefonieren sie noch, reden aber nicht mehr darüber, wieder zusammenzukommen. Jeder hat sein eigenes Leben. Anke lernt beim Tanzen einen Mann kennen, heiratet ihn und ist glücklich.
Lars wird zur Hochzeit eingeladen, kommt sogar und freut sich für sie. Dort trifft er die Schwester ihres neuen Mannes. Ein halbes Jahr später tanzen Anke und ihr neuer Mann auf seiner eigenen Hochzeit.
So, das Leben ist wirklich unvorhersehbar! Man darf nie den Mut verlieren und sich nicht schließen, egal was passiert. Einfach weiterleben, jeden Tag genießen. Bis bald, ich muss jetzt los, aber das wollte ich dir einfach mal erzählen.





