Was hat sie mit meinem Sohn gemacht?!

Hey, stell dir mal vor, was meine Mutter gerade ausgebuht hat!
Helga Müller schwirrt in der Küche, weil ihr Sohn Lukas gleich mit seiner Freundin Anke vorbeikommen soll. Aus dem heißen Ofen weht der Duft von knusprigem Entenbraten, auf dem Tisch dampfen inzwischen Fleischkrapfen, und im Kühlschrank liegt schon die Sülze, die fest geworden ist.

Helga legt viel Wert darauf, dass alles perfekt ist. Die Tische sind bis zum Rand mit Leckereien beladen sie hat schon seit gestern früh am Morgen gekocht. Und das ist ja nicht irgendein Besuch, das ist die Verlobungsdebut von Lukas, der seit einem Jahr mit Anke zusammen ist und sie jetzt endlich den Eltern vorstellen will.

Ein kurzer Klingelton ertönt. Helga wirft einen schnellen Blick in den Spiegel, richtet ihr Haar, und schnappt die Tür auf.

Na, mein Schatz, komm rein, leg deine Jacke ab, sagt sie liebend zu ihrem Sohn. Lukas lächelt verlegen, lässt Anke zuerst rein und hängt seine Jacke selbst auf.

Anke, das ist meine Mama, Helga Müller, stellt er sie vor.

Helga fällt sofort die schlanke Gestalt von Anke auf sie wirkt ein bisschen schwach, und an ihrer Hand prangt ein auffälliges Tattoo. Die Brautmutter runzelt leicht die Stirn, will aber lieber nichts dazu sagen. Schließlich hat Lukas ihr ja schon so viel Gutes über Anke erzählt.

Guten Abend, Frau Müller, ich freue mich sehr, Sie endlich kennenzulernen, sagt Anke mit einem strahlenden Lächeln.

Helga beobachtet, wie Lukas Anke anblickt da liegt reine Bewunderung drin.

Am Tisch laufen höfliche Gespräche, bis Helga plötzlich bemerkt, dass Lukas nur halbherzig isst, sein Teller halb leer, und Anke ihm kaum etwas anbietet. Sie wirft Anke einen missbilligenden Blick zu, steht auf, geht zu Lukas und schaufelt ihm ein bisschen von allem auf den Teller.

Mama, ich schaffe das schon, protestiert er, doch die Jahre des Widerstands haben ihm gezeigt, dass ein Streit mit der Mutter selten etwas bringt.

Nachdem sie Lukas vor dem Verhungern gerettet hat, versucht Helga, Anke ein wenig zu bewerten. Doch sobald sie nach dem Salat greift, sagt Anke ganz lässig:

Helga, das Essen sieht ja fantastisch aus, aber ich esse das nicht. Der Salat ist super, ich nehme schon zum dritten Mal welchen. Können Sie das Rezept verraten?

Helga schnaubt: Was für ein Unsinn! Das ist doch unser Familienrezept mit Entenbrust und Orange. Ohne zu zögern schneidet sie ein Entenbein ab, legt es auf Ankes Teller, stapelt noch ein Brot mit Heringsfilet und löffelt ein bisschen Kartoffelsalat dazu.

Mama, das brauche ich nicht, Anke achtet seit Jahren auf ihre Ernährung, versucht die Braut, doch Helga besteht darauf, dass das die richtige Kost sei.

Lukas Vater, Klaus, versucht einzuschreiten, aber Helga wirft ihm einen ernsten Blick zu, sodass er schweigt.

Endlich sitzen alle, und Helga sagt stolz: Bei uns gabs immer Speck, Kartoffeln und Milchprodukte, und wir sind alle gesund geworden.

Mama, dein Arzt hat dir ja auch geraten, besser auf deine Ernährung zu achten, wirft ihr Sohn ein.
Ach, das ist doch alles Quatsch. Was macht ihr zu Hause? Kein Frühstück?, kontert sie.

Lukas und Anke lachen sich an.

Wir essen viel Gemüse, und ich verzichte auf schwere Kost, sagt Lukas.
Helga schaut erstaunt ihr Sohn ist ja fast abgehangen!

Und wie ernährst du dich, Anke?, fragt sie.
Wir kochen zusammen, arbeiten bis spät, bestellen oft Essen.
Dann ist das ja praktisch sauber zu Hause, Zeit für andere Dinge, ergänzt Anke.

Helga ist fassungslos. In ihrer Generation hat der Mann nie in der Küche gestanden, das war nicht seine Aufgabe. Sie erinnert sich an die Ratschläge ihrer Mutter und Großmutter: Eine Frau muss das Haus sauber halten, den Mann mit gutem Essen versorgen und seine Kleidung pflegen. Klaus hat nie gebügelt, und Helga war darüber sogar stolz. Jetzt sieht sie ihren Sohn, der kocht, und fragt sich: Wie bitte, mein Junge, du hast doch keinen Stress, du sollst dich ausruhen!

Sie wirft Anke vor, dass Männer nicht kochen sollten, und meint, das bringe kein Glück. Anke entgegnet, dass sie ebenfalls arbeitet und dass Aufgaben gerecht verteilt werden sollten. Lukas klingt leicht verärgert über das ständige Tadeln seiner Mutter.

Helga versucht, die Stimmung zu glätten:
Na gut, ihr macht, was euch gefällt. Ich bringe euch noch etwas zu essen, damit nicht nur Knochen übrig bleiben.
Sie versucht mehrfach, Lukas und Anke zu füttern, aber beide essen nur gemächlich.

Dann kommt das Tattoo wieder ins Spiel. Helga fragt vorsichtig:
Anke, was ist das denn für ein Bild auf deiner Hand? Ein Kinderspiel, das man später wieder entfernen kann?
Anke lächelt selbstsicher: Wir haben das vor einem halben Jahr zusammen gemacht, das gefällt uns.
Helga hofft, sich verhört zu haben.

Sie wendet sich an Lukas: Mein Sohn, das sind doch doch nur … Gefängnis-Tattoos? Was meint dein Vater dazu?
Klaus murmelt unsicher: Na ja, das ist irgendwie …
Lukas kennt die Haltung seines Vaters er schweigt immer, wenns um seine Frau geht.

Anke erklärt gelassen: Die Welt ändert sich, Tattoos sind heute normal, man kann sie sogar entfernen.
Helga ist kaum zu fassen: Für mich sind das Grenzenüberschreitungen! Kinder sollten ja die Meinung der Eltern respektieren!

Lukas versucht, die Lage zu entspannen: Mama, du gehst jetzt zu weit, das ist doch mein Leben.
Er wirft ihr ein bisschen spöttisch ein Lächeln zu.

Der Abend klingt schnell aus. Lukas und Anke packen ihre Sachen, verabschieden sich höflich von den Resteessen und gehen zur Tür. Helga bleibt allein zurück, spült das Geschirr, während Klaus im Sessel mit der Zeitung döst. Der Kopf voller Gedanken wie hat ihr Sohn das nur geschafft? Er wirkt glücklich mit Anke, hat einen guten Job, sie kommt aus einer soliden Familie, aber Helga fragt sich, ob das alles normal ist heute.

Sie erinnert sich daran, dass sie ihr ganzes Leben damit verbracht hat, für die Familie zu sorgen, nie zu schlafen, bis das letzte Geschirr sauber war. Das hat die Ehe über dreißig Jahre gehalten, aber jetzt reden sie kaum noch, Klaus sitzt abends vor dem Fernseher, Helga strickt und plaudert mit Nachbarn am Telefon.

Wird Lukas glücklich mit Anke? Macht er einen Fehler? Er hat sich verändert, ist jetzt selbstbewusster, die Arbeit läuft gut dank Ankes Tipps. Er ruft seltener an, aber hilft immer gern, wenn Mama ruft solange keine Verlobungspläne im Weg stehen. Er kauft lieber im Supermarkt ein, weil es günstiger ist, aber er liebt es, selbst Kartoffeln anzubauen. Helga versteht das immer weniger.

Am Ende bleibt nur: Das ist seine Entscheidung, aber das Wort einer Mutter sollte auch etwas zählen. Mal sehen, wies weitergeht.

Und dann gibts noch die Geschichte von Klara, die durch einen riesigen Supermarkt schlendert. Dort ist alles wie ein Labyrinth, die Verkaufsleute haben alles so angeordnet, dass man sich leicht verirrt. In den Körben liegen prallgefüllte Granatäpfel, saftige Kirschen, flauschige Pfirsiche, süße Birnen, exotische Bananen in allen Farbstufen, rubinrote Äpfel und Trauben, die fast schon wie Honig glänzen.

Klara bewundert das bunte Angebot, geht weiter zu den Kühlschränken, wo Regale voller Milch, Joghurt, Sahne, Quark und allerlei Käse dicht gedrängt stehen. Sie stellt sich vor, wie sie ein Stück Frischkäse mit einem Löffel Kirschkonfitüre essen könnte, oder ein bisschen Ziegenkäse probiert das soll ja gesund sein. Und früher hat sie in dem Café Bärn Schmaus zu ihrem Sohn Tim einen Milchshake gekauft, jetzt gibt es nur noch fertige Flaschen, die man einfach trinken kann.

Sie denkt an Tim, acht Jahre alt, wie er früher lachend einen Strohhalm im Café schwenkte. Heute gibt es keinen Tim mehr, das Café ist geschlossen, wo früher ein Sushi-Laden steht. Vor den Tiefkühltheken steht ein älteres Ehepaar, das über die besten Garnelen diskutiert. Der Mann, ähnlich wie Tim, ist kräftig gebaut, die Frau trägt kurze Haare und bunte Hosen.

Klara fragt nach den Garnelen, die der Mann gerade in eine Tüte wirft. Er erklärt: Garnelen, die schmecken wie Krebse, man kann sie mit Dill und einem Bierchen genießen. Klara gibt zu, dass sie noch nie Krebse probiert hat. Der Mann lacht und meint: Jeder junge Mann kann das!

Sie erzählt dem fremden Mann von ihrer Trauer, seit ihr Mann vor einem Jahr gestorben ist, ihr Sohn kurz darauf. Sie ist 87, kommt aus dem kleinen Dorf Dümmer, wo im Krieg deutsche Flugzeuge über das Dorf flogen und ihre Mutter sie vom Fenster wegschob. Sie vermisst ihren Sohn sehr, ihr Enkel kennt sie kaum. Trotzdem hat sie heute Geburtstag und will sich etwas Leckeres kaufen, weiß aber nicht, was.

Der Mann hört ihr zu, schaut mit verständnisvollem Blick, und plötzlich fühlt sich die kalte, triste Supermarktatmosphäre ein wenig wärmer an.

So, das wars ganz schön viel Drama und ein bisschen Shopping, oder? Ich dachte, du würdest das gern hören!

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Homy
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