Zwei Jahre nach unserer Trennung tauchte meine ExFrau plötzlich wieder auf, und plötzlich war mir alles klar bis sie mir nur ein bitteres Lächeln schenkte und meine verzweifelte Bitte, von vorne zu beginnen, abwandte
Als unser zweites Kind geboren wurde, ließ Klara völlig die Pflege ihrer eigenen Erscheinung fallen. Früher wechselte sie fünfmal am Tag das Outfit und jagte jedem Detail nach, doch nach ihrer Rückkehr aus dem Mutterschaftsurlaub in München wirkte es, als hätte sie das ganze Kleiderspektrum aus ihrem Gedächtnis gelöscht und sich nur noch auf einen abgenutzten Kapuzenpullover und eine löchrige Jogginghose reduziert, die wie ein herunterhängendes Fahnenband vor ihr baumelten.
In diesem bewundernswerten Zootrieb verbrachte Klara nicht nur Zeit zu Hause sie lebte dort, Tag und Nacht, und sackte häufig im Bett zusammen, noch immer in diesem Lumpen, als wäre er ein Teil ihres Körpers geworden. Auf meine Frage nach dem Grund murmelte sie, dass es praktischer sei, nachts für die Kinder aufzustehen. Da steckt schon ein dunkler Logikstrang, gebe ich zu, aber all die großen Mantras, die sie mir einst wie ein Mantra aufzählte Eine Frau muss Frau bleiben, selbst in der Hölle! waren zu Asche geworden. Klara hatte alles vergessen: ihr beliebtes BeautySalon in Freiburg, das Fitnessstudio, das sie einst heilig nannte, und verzeihen Sie die rohe Offenheit sie zog morgens nicht mehr einmal einen BH an, stapfte durch das Haus mit hängender Brust, als wäre das völlig unwichtig.
Natürlich folgte ihrem Körper derselbe Verfall. Ihre Taille, ihr Bauch, ihre Beine, sogar ihr Hals sanken zusammen und wurden zu Schatten ihrer einstigen Form. Die Haare? Ein lebendiges Desaster: mal ein wilder Sturm, mal ein schlampig zusammengebundener Knoten, aus dem rebellische Strähnen wie stumme Schreie hervorsprangen. Vor dem Kind war Klara eine strahlende Schönheit ein glatte Zehn! Wenn wir durch die Straßen von Hamburg schlenderten, drehten sich die Männer um, die Blicke fest an ihr klebend. Das steigerte mein Ego: Da ist meine Göttin, nur für mich! Und jetzt von dieser Göttin blieb nichts mehr übrig, nur ein ausgebranntes Gespenst ihrer einstigen Pracht.
Unser Haus spiegelte ihren Fall wider ein düsteres, erstickendes Chaos. Das einzige Tal, das sie noch beherrschte, war die Küche. Ich schwöre bei meinem Herz: Klara war eine Hexe am Herd, und ihr Essen zu kritisieren wäre ein Sakrileg. Der Rest? Ein absolutes Desaster.
Ich versuchte, sie aufzurütteln, flehte sie an, nicht weiter zu versinken, doch sie schenkte mir nur ein schiefes Lächeln und versprach, sich zu fangen. Die Monate vergingen, meine Geduld schmolz jeden Tag diese Parodie der Frau zu sehen, die ich einst liebte, war eine kaum erträgliche Qual. In einer stürmischen Nacht ließ ich das Urteil fallen: die Scheidung. Klara versuchte, mich festzuhalten, wiederholte leere Versprechen, doch sie schrie nicht, kämpfte nicht. Als ihr klar wurde, dass meine Entscheidung unumstößlich war, stieß sie einen herzzerreißenden Seufzer aus:
Jetzt liegt es an dir Ich dachte, du liebst mich
Ich stürzte mich nicht in ein sinnloses Wortgefecht über Liebe oder deren Fehlen. Ich füllte die Formulare aus, und bald, in einem Amtsgebäude in Köln, hielten wir beide unsere Scheidungsurkunden das Ende eines Kapitels.
Ich bin sicherlich kein vorbildlicher Vater abgesehen vom Unterhalt habe ich nichts für meine frühere Familie getan. Die Vorstellung, sie wiederzusehen, die Frau, die mich einst mit ihrer Schönheit geblendet hatte, war wie ein Messer im Herzen, das ich um jeden Preis vermeiden wollte.
Zwei Jahre flogen dahin. Eines Abends, während ich durch die belebten Gassen von Dresden schlenderte, erhaschte ich in der Ferne eine vertraute Silhouette ihr Gang, so anmutig, wie ein Tanz im Gedränge. Sie kam direkt auf mich zu. Als sie näher trat, stockte mein Herz es war Klara! Aber nicht die alte Klara. Wie aus der Asche auferstanden, strahlender denn je, die Verkörperung weiblicher Vollendung. Sie trug hochhackige Stilettos, ihr Haar war makellos frisiert, ihr ganzer Auftritt Kleid, Makeup, Nägel, Schmuck ein orchestriertes Meisterwerk. Und ihr altbekannter Duft, dieser unverwechselbare Duft von Jasmin und Vanille, traf mich wie eine Welle und katapultierte mich zurück in vergangene Tage.
Mein Gesicht musste alles verraten Staunen, Verlangen, Reue und sie brach in ein scharfes, triumphierendes Lachen aus:
Was, erkennst du mich nicht? Ich habe dir doch gesagt, ich stehe wieder auf du wolltest mir nie glauben!
Klara ließ mich großzügig bis zu ihrem Fitnessstudio begleiten, flüsterte ein paar Worte über die Kinder sie wuchsen prächtig, sagte sie, voller Leben. Sie sprach kaum über sich selbst, doch das war egal ihr Glanz, ihr unerschütterliches Selbstvertrauen, ihr neuer, unwiderstehlicher Charme schrien lauter als jedes Wort.
Meine Gedanken schweiften zurück zu jenen düsteren Tagen: sie, die durch das Haus schlabberte, zertrümmert von schlaflosen Nächten und dem Alltag, bekleidet mit diesem verfluchten Pullover und der löchrigen Jogginghose, ihr jämmerlicher Knoten wie ein Fahnensturm der Kapitulation. Wie sehr mich das geärgert hatte die verlorene Eleganz, das erloschene Feuer! Es war dieselbe Frau, die ich verlassen hatte, und mit ihr hatte ich unsere Kinder im Stich gelassen, geblendet von meinem Egoismus und einem kurzen Zorn.
Als wir uns verabschiedeten, stammelte ich eine Frage konnte ich sie anrufen? Ich gestand, dass ich alles verstanden hatte und bat sie, noch einmal von vorne zu beginnen. Sie schenkte mir ein eisiges Lächeln, schüttelte den Kopf mit unnachgiebiger Härte und sagte:
Du hast zu spät erkannt, mein Lieber. Leb wohl!.





