Die Verwandten meines Mannes beschlossen: Urlaub auf meine Kosten – gute Idee. Doch das Fest endete schnell.

»Ihre Kinder legt ihr auf die Feldbetten. Die sind jung, haben flexible Knochen. Aber Ruslan braucht ein richtiges Bett, sein Rücken macht Probleme«, verkündete Ingrid am Tor des Ferienparks statt einer Begrüßung.

»Und schau nicht so, Lena. Mama hat gesagt, das Häuschen ist groß genug.«

Ich ließ die Hände langsam aufs Lenkrad sinken und starrte durch die Windschutzscheibe.

Mit meinem Mann und den Kindern war ich hierhergekommen, in einen kleinen Ferienpark am Waldsee. Ruhig, ein Holzhaus für vier Personen, vor zwei Monaten von mir bezahlt. Eine lang ersehnte Auszeit, erkämpft zwischen vollen Arbeitsplänen.

Und nun stand vor dem kunstvoll geschnitzten Tor, den Durchgang blockierend, eine kleine Karawane im Miniaturformat.

Ingrid, die Schwester meines Paul, lehnte siegessicher an einem riesigen Koffer.

Neben ihr verlegte ihr Mann Rüdiger das Gewicht von einem Bein aufs andere, bewaffnet mit einer Tüte Grillkohle und einer Packung billiger Würstchen der Marke »Gut & Günstig«.

Etwas abseits, wie ein General bei der Parade, thronte meine Schwiegermutter, Rosemarie.

Die Krönung dieses Bildes waren Ingrids zwei Kinder, die sich bereits mit einer giftgelben Zweiliter-Flasche Limonade prügelten – einem Gebräu, das Rost auflösen konnte.

Wie Nero Wolfe schon sagte: Wenn dir vorkommt, man will dich übers Ohr hauen, dann bist du bereits übers Ohr gehauen.

Wir stiegen aus. Während Paul und ich die Taschen aus dem Kofferraum holten, war Ingrid schon bei meinen Kindern und verkündete:

»Ihr seid doch nicht mehr klein, auf Feldbetten ist es völlig in Ordnung, aber Onkel Rüdiger darf seinen Rücken nicht ruinieren.«

»Was für eine nette Überraschung«, sagte ich mit ruhiger Stimme. »Wir haben eigentlich niemanden erwartet.«

»Ach, Lena, wir sind doch Familie!«, fiel Rosemarie sofort ein, trat einen Schritt vor und schaltete meisterhaft in den Modus »heilige Einfalt«. »Als ich hörte, dass ihr in die Natur fahrt, habe ich gleich Ingrid angerufen. Sollen wir etwa in der stickigen Stadt bleiben, während ihr hier Sauerstoff schluckt? Zusammen ist es viel lustiger!«

»Das Häuschen ist für vier Personen, Rosemarie«, konterte ich ruhig, während sich in mir eine kalte, berechnende Feder zusammenzog. Kein Theater. Nur Beobachtung.

»Ich habe alles schon geregelt«, erklärte Ingrid apodiktisch, mit einem Gesicht, als wäre mein bezahltes Häuschen kein gebuchter Urlaub, sondern der Entwurf ihrer Pläne. Sie rückte ihren Sonnenhut von der Größe einer Satellitenschüssel zurecht und fügte hinzu: »Mama bekommt das Schlafzimmer, sie braucht ihre Ruhe. Wir mit Rüdiger schlafen auf dem Sofa im Wohnzimmer. Und ihr mit Paul und den Kindern findet schon irgendwo Platz.«

Das Verhalten der Verwandtschaft glich einer Heuschreckenplage: Sie bittet nicht um Erlaubnis, sondern kommt einfach und frisst deine Ernte auf.

Aus der Glastür der Verwaltung trat eine junge Frau mit einem Tablet.

»Guten Tag! Sie sind sicher Lena?«, lächelte sie mich an. »Die Buchung läuft auf Ihren Namen. Und das hier – ist das eine Überraschung für Sie?«

Sie ließ den Blick auf Ingrid wandern.

»Ja, ja, wir sind es!«, nickte die Schwägerin fröhlich. »Lena, ich habe ein bisschen vorgearbeitet, damit du weniger Mühe hast. Ich habe die Sauna für zwei Abende gebucht, wir wollen doch nicht wie Fremde rumstehen. Und das Menü habe ich auch angepasst. Dein Grillfleisch ist okay, aber ich habe noch Forelle vom Grill und eine teure Aufschnittplatte dazubestellt.«

»Frau Ingrid hat heute Morgen angerufen und die Sauna sowie das Menü bestellt«, erklärte die Angestellte höflich, während sie mich ansah. »Die Buchung läuft jedoch auf Sie, daher führen wir ohne Ihre Bestätigung nichts durch.«

Großzügigkeit auf fremde Kosten – der schnellste Weg, als Mäzen zu gelten.

»Eine hervorragende Initiative, Ingrid«, sagte ich, so sanft lächelnd, dass Paul neben mir angespannt die Schultern straffte. Er kannte dieses Lächeln. Meistens verlor danach jemand seine Illusionen.

»Wenn Sie das bestätigen, dann kommen für die drei zusätzlichen Gäste, die Feldbetten, die Sauna und die Sonderwünsche in der Küche noch zweihundertachtzig Euro dazu«, erläuterte die Angestellte sachlich.

Ingrid zuckte anmutig mit der Schulter und sah mich erwartungsvoll an.

Rosemarie verschränkte die Arme vor der Brust, in Erwartung, dass ich gehorsam die Geldbörse zückte.

Das Paradoxon familiärer Bande: Je fester die Umarmung zur Begrüßung, desto tiefer wühlen sie in deiner Tasche.

»Guten Tag«, ich wandte mich an die Angestellte, meine Stimme wurde kalt und fest. »Ich bestätige nur meine eigene Buchung. Die ist vollständig bezahlt. Wir sind zu viert.«

Ich hielt inne und sah in das verblüffte Gesicht meiner Schwägerin.

»Und diese wunderbaren Leute hier – das ist eine separate Gesellschaft. Bitte stellen Sie ihnen die Unterkunft, die Forelle, die Sauna und die teure Aufschnittplatte auf eine eigene Rechnung. Auf den Namen von Frau Ingrid.«

Stille. So absolut, dass man den Specht im Wald hören konnte.

»Lena, was soll das?«, krächzte Ingrids Stimme kläglich. Der Hut rutschte schief. »Wir haben nur Geld fürs Benzin und für Eis! Wir sind doch zu Besuch gekommen!«

»Dann ist das hier kein Urlaub, Ingrid«, entgegnete ich eisig. »Das ist ein Spaziergang bis zum Tor. Zu Besuch kommt man mit einer Einladung. Und mit einem Kuchen. Ihr seid auf ein fremdes Fest gekommen, mit einer Tüte Billigwürstchen und einem Appetit auf dreihundert Euro.«

»Lena! Schäm dich!«, kreischte Rosemarie, ihr Gesicht lief rot an. »Wir sind doch Familie! Verwandte! Paul, warum schweigst du? Deine Mutter und deine Schwester werden vor die Tür gesetzt!«

Paul trat einen Schritt vor. Er schrie nicht, aber in seinem Ton klirrte Metall.

»Familie, Mama, sind die, die die Grenzen der anderen respektieren. Lena hat ein halbes Jahr geschuftet, um diesen Urlaub für uns und die Kinder zu organisieren. Ihr seid ungeladen gekommen, habt versucht, meine Kinder auf Feldbetten zu verfrachten, und meiner Frau die Zeche für eure Delikatessen aufzudrücken. Das ist keine Familie. Das ist ein Enterversuch.«

»Aber wir… wir wollten doch eine Überraschung machen! Paul, du hast uns doch förmlich angefleht zu kommen!«, versuchte Ingrid zu schwindeln. Die Ausreden quollen aus ihr hervor wie Federn aus einem zerrissenen Kissen.

»Rüdiger«, Paul richtete seinen schweren Blick auf den Schwager. »Was das ›anflehen zu kommen‹ angeht – das ist eine eigene Art des Tourismus. Man lädt sich selbst ein.«

Rüdiger machte ein langes Gesicht. Er sah auf seine einsame Kohletüte, dann auf seine Frau.

»Ich wäre vielleicht gar nicht mitgekommen«, brummte Rüdiger. »Du hast gesagt, Paul hat uns selbst eingeladen und alles ist bezahlt.«

Die Illusion zerbrach endgültig. Die Frechheit scheiterte vor aller Augen.

Rüdiger drehte sich wortlos um und marschierte zu seinem Auto, ohne auch nur zu versuchen, seiner Frau mit dem monströsen Koffer zu helfen.

Ingrids Kinder hörten auf, sich mit der Flasche zu prügeln, und erstarrten zum ersten Mal, stumm die Mutter anstarrend.

Und Rosemarie, die noch so forsch von »Familie« gesprochen hatte, drehte sich abrupt zum Auto um und tat so, als studiere sie hochinteressiert die Kiefern. Das Fest aus ihrer Rente zu bezahlen, hatte sie offensichtlich nicht vor.

»Falls Sie es sich anders überlegen, wir haben noch ein freies Häuschen«, sagte die Angestellte gelassen zum Rücken der verwirrten Ingrid. »Vorauszahlung in voller Höhe.«

Wir gingen den gepflegten Weg zu unserem Häuschen hinunter.

Hinter uns schlugen Autotüren, der Motor heulte auf. Ich atmete tief die reine Waldluft ein.

Vor der Veranda zog Paul mich an den Schultern und drückte mich an sich.

»Weißt du«, grinste er. »Das wird doch ein klasse Urlaub.«

»Allerdings«, lächelte ich, als unsere Kinder mit fröhlichem Kreischen zum See rannten. »Komm, Mann. Der rechtmäßige Frieden wartet auf uns.«

Und hinter dem Zaun, den Staub des fremden Festes schluckend, fuhr die ungebetene Sippe davon – für immer eine einfache Regel lernend: In dieser Familie wird der Komfort anderer nicht mehr bezahlt mit Kinderbetten und meiner Karte.

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Homy
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Unsere Kinder sind Stiefgeschwister