Vor drei Jahren, in einem verworrenen Traum, sah Gisela Friedrichs ihr Haus in Flammen aufgehen. Glücklicherweise befand sie sich zu diesem Zeitpunkt in der Werkstatt, wo das Geräusch des Metalls wie das Heulen des Feuers klang. Sie schrie und rief, weil dieses Haus das Fundament ihrer Kindheit war: hier wurde sie geboren, erzog ihren Sohn und empfing oft die Enkelkinder zu Besuchen. Jetzt lag an seiner Stelle nur ein Haufen Asche und schwarzer Rauch, der wie ein zäher Vorhang über dem Himmel hing.
Ihr Sohn Armin und seine Schwiegertochter Heike beschlossen, die alte Frau zu sich zu holen. Gisela bemerkte, dass es für Heike schwer wurde Arbeit, dann Hausarbeiten, und sie selbst konnte kaum helfen. Zwei Jahre lang lastete die Last auf Heikes Schultern, und nach dem Brand zitterten Giseles Hände. Mein Sohn, ich sehe, wie schwer es euch fällt, flüsterte sie.
Dann bring mich ins Pflegeheim, bat sie. An der Hauswand hing ein Schild, das ein wundervolles Heim in der Nähe versprach, wo man sich um sie kümmern würde, damit sie nicht länger ein Gewicht sein müsste. Gut, aber warten wir bis Mai. Dann ist das Wetter schön und wir können alle Unterlagen sammeln, sagte Armin.
Gisela nickte zustimmend. Der Frühling kam, die Luft wurde milder, und sie erinnerte ihren Sohn an das Versprochene: Nun, es ist fast Zeit. Ihr habt mir das versprochen!
Ja, Mama, wir bringen dich morgen ins Heim, antwortete Armin. Noch in der Dämmerung packte die alte Frau mit zittrigen Händen ihre wenigen Habseligkeiten: ein Nachthemd, einen leichten Morgenmantel und ihre Hausschuhe. Am Morgen küsste sie die Enkel zum Abschied, zog den Schleier um den Hals und verließ die Wohnung. Armin startete den knatternden alten Wagen und sie fuhren los.
Armin, wo fahren wir hin? Wir haben die Ausfahrt zum Heim verpasst!, rief Heike. Da ist eine Baustelle, wir müssen umfahren, entgegnete Armin, während Heike ein schelmisches Lächeln zeigte. Zwanzig Minuten später zeichneten sich durch das Fenster vertraute Landschaften ab ein Fluss, ein Wald, schimmernde Häuser.
Zuerst konnte Gisela es nicht fassen. Es schien, als wären sie in ihr eigenes Dorf zurückgekehrt. Armin öffnete ein Tor, und Gisela erkannte den Hof nicht mehr; beinahe stolperte sie aus dem Wagen. Vor ihr stand ein neues Haus, umgeben von Baumaterialien und emsigen Handwerkern.
Doch das alte Feuer war verschwunden, stattdessen ragten ein Gewächshaus und ein neuer Hühnerstall empor. Mein Sohn, träume ich? Was ist geschehen?
Mama, wir wollten dich nicht ins Heim bringen, niemals, flüsterte Armin. Wir haben beschlossen, das alte Haus wiederaufzubauen, zu deiner Freude. Innen gibt es jetzt ein Bad, Kabelfernsehen und sogar Fußbodenheizung. Wir haben es bis zum Frühling gezogen, um das Werk rechtzeitig zu beenden.
Gisela weinte, umarmte ihren Sohn fest und konnte das Glück kaum glauben. Noch lange glaubte sie nicht, dass das Wunder wahr war. Seitdem besuchen Armin, Heike und die Enkel jeden Samstag die alte Großmutter, die jetzt in ihrem wiedergeborenen Heim sitzt, während das Haus im Traum weiter zu flüstern scheint.





