Fritz wurde wieder vertrieben. Wieder. Zum dritten Mal in seinem kurzen Leben. Das Glück war ihm nie hold.

Liebes Tagebuch,

heute wurde unser Kater Felix wieder einmal rausgeworfen zum dritten Mal in seinem kurzen Leben. Kaum ein Jahr alt, und schon von drei Familien weggeschickt. Zuerst wurde er von Hand zu Hand weitergereicht, dann einfach vor die Tür gestellt. Sie legten ihn in einen Müllcontainer und rannten davon, damit er keinen Weg zurück findet. Und er suchte nicht.

Ich verstand sofort das Gesicht meines Freundes, das nichts als Entschlossenheit zeigte. Seine Frau war ganz fassungslos, als Felix den neuen Ledersessel zerkratzte ein teurer Sessel, der gerade erst aus Hamburg nach Berlin geliefert worden war. Sie verurteilte ihn sofort. Der Mann? Er nickte nur stumm, immer demütig.

Ich nahm den einjährigen Kater unter den Arm und ging zum Müllhaufen im Hinterhof. Felix rannte nicht hinter mir her, er sah den Entschluss in meinen Augen und akzeptierte sein Schicksal. Es war vergebens, ihm ein Abschied zu geben, zu streicheln oder um Verzeihung zu bitten.

Stattdessen musste ich mich wie ein leerer Eimer mit Abfall fühlen. Felix seufzte, durchwühlte das Müllresten nach etwas Essbarem und aß ein paar alte Hähnchenstücke. Dann schlüpfte er zu einem großen grünen Behälter und setzte sich, um die Sonne zu genießen.

Er blinzelte, aber wendete den Blick nicht ab. Das warme Licht des goldenen Kreises beruhigte ihn. Es waren die letzten Sonnenstrahlen des Sommers, des Herbstes und des Winters, ein kurzer Moment des Aufwärmens, bevor ein Stück Eis in seinem Inneren zerging. Doch Felix Seele fror weiter.

Der Abend und die Nacht wurden bitterkalt. Nach Sonnenuntergang setzten Wind und Frost ein. Der rote Kater fror, wusste nicht, wo er Zuflucht finden sollte. Er fand einen Haufen nasser, rötlicher Blätter, rollte sich darin ein und wurde zu einer kleinen Kugel. Zuerst zitterte er heftig, doch dann, als der Wind die nassen, eisigen Kristalle in seinem Fell erstarren ließ, fühlte er plötzlich Wärme. Eine leise Stimme flüsterte aus der Tiefe tröstende Worte, die zum Einschlafen einluden:

Roll dich weiter zusammen und schlaf. Schlaf, schlaf, schlaf.
Die Wärme breitete sich durch seine versteifte Brust aus. Es war so einfach: sich ergeben, und alles vergeht, Frieden und Ewigkeit kehren ein, Ärger und Schmerzen verfliegen.

Felix seufzte ein letztes Mal und gab nach. Warum kämpfen? Wofür überhaupt? Morgen würde dieselbe Kälte und das gleiche Hungergefühl zurückkehren, das gleiche Verlangen, die Augen für immer zu schließen.

Die Straßenlaternen flackerten zuerst in der Ferne. Felix blickte ein letztes Mal zu ihnen. Oft sah er ihr Licht von seinem Fenster aus. Das rote Kätzchen sog das letzte Leuchten ein, und seine Augen leuchteten im schwindenden Dunkel.

Dieses letzte Licht zog die Aufmerksamkeit eines kleinen roten Mädchens auf sich. Sie ging mit ihrem Vater nach Hause, schnappte Felix am Ärmel.

Da!, rief sie. Da ist jemand im Laub!

Da ist nichts, knurrte ihr Vater, vom Frost zusammengezogen. Beeil dich, wir gehen.

Er versuchte, sie vom dichten, dunklen Laubhaufen wegzuhalten. Das rote Mädchen zog an seiner Schulter.

Ich hab’s gesehen. Ich hab das Licht gesehen.

Licht im Laubhaufen?, staunte ihr Vater. Das kann nicht sein.

Doch das Mädchen war bereits nahe und riss die oberste Schicht auf dort lag Felix.

Papa!, schrie sie.

Ich habe es gesehen. Das ist er.

Wer ist er?, fragte ihr Vater überrascht.

Hier, sagte das Mädchen und hob den gefrorenen Körper hoch.

Lass ihn liegen, sagte ihr Vater. Er ist schon tot. Wir tragen keinen toten Kater nach Hause.

Er ist nicht tot, erwiderte das rote Mädchen fest. Ich weiß es. Er lebt. Ich sah das Licht in seinen Augen.

Licht in den Augen einer Katze?, zuckte ihr Vater mit den Schultern.

Er trat näher, hob Felix vorsichtig an und versuchte, einen Herzschlag zu fühlen. Währenddessen wollte Felix nur noch schlafen. Der Schlaf senkte seine Lider, und Wärme erfüllte seinen Körper. Eine innere Stimme flüsterte:

Schlaf, schlaf, schlaf Öffne deine Augen nicht.

Der kindliche Ton wiederholte beharrlich: Das Licht in seinen Augen.

Was wollen sie von mir? Warum quälen sie mich immer wieder? Warum geben sie mir keinen friedlichen Schlaf?

Er öffnete kaum die Augen, um das Licht zu sehen, das plötzlich erneut aufleuchtete.

Da!, rief die Kinderstimme. Da! Ich habe es dir gesagt. Hast du es gesehen? Das Licht!

Welches Licht? fragte er verwirrt, zog seine Jacke aus und wickelte Felix rötliche Gestalt darin ein, dann ging er zum Haus.

Seine Tochter lief ihm eilig nach, rief:

Vater, bitte schneller, ihm ist kalt!

Sie verschwanden im Treppenhaus, und im fünften Stock flammte das Licht wieder auf. Dort wusch man Felix mit warmem Wasser, gab ihm warme Milch, und das Mädchen flehte:

Bitte, sterb nicht. Bitte, bleib bei uns.

Das Eis auf seinem Fell schmolz, ebenso wie das Eis in seiner Seele. Der große rote Kater beobachtete staunend, wie Vater und Tochter sich um ihn kümmerten. Nun war er wirklich warm, nicht von der Heizung, sondern vom kleinen kindlichen Herzen.

Draußen stand ein Mann, der manchmal half, wenn jemand in Not war. Er stand vor den leuchtenden Fenstern des fünften Stocks und sprach:

Alles, was ich geben kann, das gebe ich.

Er überlegte kurz und fügte hinzu:

Licht nicht jeder sieht es. Nicht jeder, der es sieht, kann es bewahren.

Und ich, während ich das rote Mädchen mit den feuerroten Haaren ansah, dachte nicht an die Größe des Menschen. Solche Gedanken bleiben den Erwachsenen vorbehalten. Ich sah das Licht das Licht in ihren Augen.

Ich habe gelernt, dass selbst im tiefsten Winter ein winziges Flackern ausreichen kann, um das Herz zu erwärmen. Das ist meine Lektion.

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Homy
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Fritz wurde wieder vertrieben. Wieder. Zum dritten Mal in seinem kurzen Leben. Das Glück war ihm nie hold.
Unzertrennliche Loyalität: Die Kühne und Raffinierte Rache