– Warum machst du die Tür nicht auf? – Will nicht! Und ich werde es nie tun. Gäste müssen ihre Besuche vorher ankündigen und außerdem nicht in Kisten, Kühlschränken und Schränken rummachen. – Du meinst, du machst es nicht? Das ist doch meine Mutter! Sie ist zu mir gekommen! – Dann begrüße sie! Aber nicht in meinem Haus.

Warum machst du die Tür nicht auf? Will nicht! Und werds auch nicht. Gäste sollen vorher Bescheid geben, und bitte nicht in Schränke, Kühlschränke oder Regale klettern. Du meinst, du lässt mich nicht rein? Das ist doch meine Mutter! Sie ist zu mir nach Berlin gekommen! Na, dann heißt das: Willkommen, aber nicht in meiner Wohnung.

Und da klärte sich das mit Klara besser, weil sie mit meiner Mutter gut auskam.

Weißt du, wenn ich jetzt anfange, aufzuzählen, worin mein Ex besser war als du, werden wir beide rot im Gesicht. Ich bin mir selbst gar nicht sicher, unterbrach Lena nervös, während sie den Küchentisch abwischte. Wenn ihr beide euch so gut mit Klara verstanden habt, warum hast du sie dann verlassen?

Felix wandte sich beleidigt ab und schaute düster aus dem Fenster.

Du kennst die Geschichte ja selbst

Ja. Dann erzähl mir nicht noch deine KlaraGeschichten, schnitt Lena ihm ab. Sonst werd ich deine nächste Ex.

Lena war wirklich schon bereit, radikale Schritte zu gehen.

Sie hatte Viktor, ihren Freund, fast ein Jahr lang in einer gemeinsamen WG in Hamburg kennengelernt. Sie kannte auch die gleiche Klara, wenn auch nicht besonders gut. Sie brachte Felix mit. Und dann verschwand Klara nach ein paar Monaten von allen Radarn.

Eines Abends, leicht angetrunken, erzählte Felix, dass er mit ihr Schluss gemacht hatte, weil er sie beim Fremdgehen erwischt hatte. Tränen liefen ihm über die Wangen.

Lena fand das irgendwie süß: Der Typ hat keine Scham, zeigt seine Gefühle, schätzt die Liebe. Irgendwas tickte in ihr, sie wollte trösten und aufmuntern.

Sie wusste, dass das Etwas eher ein mütterlicher Instinkt war, nicht echtes Liebesinteresse. Aber das reichte, um zwischen ihnen ein bisschen was anzuzetteln.

Am Anfang lief alles super. Er holte sie nach der Arbeit ab, fuhr sie nach Hause, schickte täglich süße Nachrichten und fragte, ob sie warm angezogen war. Lena fühlte sich umsorgt.

Erst mal wurde sie unruhig, als ihr Klara schrieb:

Hey, ich hab gehört, du triffst dich mit Felix. Das geht mich nichts an, aber sei vorsichtig mit ihm. Die beiden sind ein unzertrennliches Duo mit ihrer Mutter.

Lena notierte das, aber dachte, das sei nur Kleinigkeiten. Liebe überwindet solche Hindernisse. Wenn es bei einer Frau nicht gut lief, heißt das nicht, dass es bei einer anderen genauso ist.

Hi, ich denke, wir klären das selbst. Danke trotzdem für den Hinweis, antwortete Lena und wollte das Gespräch nicht weiterführen. Es fühlte sich irgendwie unschön an, das weiter zu treiben.

Felix kümmerte sich keinen Moment um ihr Wohlbefinden.

Als seine Mutter, Margarete Paulina, das erste Mal unangekündigt auftauchte, blieb Lena erstaunlich gelassen. Vielleicht verstanden beide nicht, wie unangenehm das war. Sicher, Margarete sorgte sich um ihren Sohn und wollte sehen, mit wem er zusammenlebt.

Lena schickte Felix los, um die Mutter abzuholen, schlüpfte hastig in den Schlafanzug, bürstete die Haare zu einem lockeren Knoten und, halb verschlafen, ging sie zur potenziellen Schwiegermutter. Dabei inspizierte sie schon die Schubladen im Wohnzimmerschrank.

Ach, alles ein bisschen durcheinander, sagte Margarete mit einem milderen Lächeln. Und dann habt ihr bestimmt auch Socken, die nicht zusammenpassen. Lena, lass uns erst mal frühstücken, und ich zeige dir, wie du die Kleidung ordentlich zusammenlegst, damit nichts knittert oder verloren geht.

Statt eines höflichen Guten Tag zu sagen, wirkte Margaretes Durchwühlen von Lenas Unterwäsche im eigenen Haus fast roh. Trotzdem wollte Lena nicht gleich mit Unhöflichkeit zurückschlagen das war zu Beginn der Beziehung nicht richtig.

Ach Kindchen, du hast ja echt Schlafmangel! fuhr Margarete fort, mitfühlend. Du brauchst wohl Gurkenmasken. Noch besser: Nierentests. Ich kenne da jemanden

Lena lächelte, nickte und tat so, als würde sie die Geschichten über fremde Krankheiten gern hören. In Wirklichkeit wünschte sie sich, sofort wieder ins Bett zu kippen es war erst 8Uhr morgens, ein freier Sonntag, und sie hatte gestern erst spät ins Bett gegangen, um etwas Schlaf nachzuholen.

Der Besuch von Margarete zog sich bis zum Abend. Lena bekam eine Menge Kritik und wertvolle Tipps, wie man richtig gießt, Badewanne reinigt und Löffel poliert. Sie durfte sogar ein bisschen üben. Sie fühlte sich wie ein ausgepresster Zitronensaft. Und Felix half ihr dabei kein einziges Mal, er ließ die Mutter einfach weiter plaudern.

Sag mal, deine Mutter ist immer so aktiv? fragte Lena vorsichtig, kurz bevor sie schlafen ging.

Sie mochte große Familien und enge Beziehungen, wollte aber trotzdem ein bisschen Abstand.

Ja, genau. Was soll’s? Sie will einfach nur Freundschaft schließen, zuckte Felix mit den Schultern. Früher haben Klara und ich bei ihr gewohnt, das war gemütlich. Jetzt ist ihr allein zu langweilig.

Hoffe, wir werden nicht zu dritt wohnen seufzte Lena.

Was ist das Problem? Bist du gegen meine Mutter? wurde Felix leicht genervt. Mit Klara war sie befreundet, bei ihnen lief alles gut.

Lena schwieg. Klara war acht Jahre jünger, liebte es, sich an Leute anzuschmiegen, und war tatsächlich befreundet mit Margaretes Freundinnen, kannte deren Namen, Diagnosen, buk perfektes Bettzeug und kochte Kuchen nach Schwiegermutters Rezepten.

Aber Lena unterschrieb keinen solchen Glückspakt. Sie hatte genug Lebenserfahrung, um zu wissen: Je weniger andere in die Beziehung zwischen Mann und Frau eingreifen, desto besser. Felix hatte da eine andere Meinung.

Meine Mama ist total kontaktfreudig. Sie findet immer einen Draht zu jedem.

Schon, aber nicht jeder freut sich darüber, wollte Lena sagen, ließ es aber bleiben.

Dann wurdes schlimmer. Am nächsten Tag kam Margarete wieder, schon früh, und führte eine gründliche Kühlerschau durch.

Eier? Ich habe Viktor nur Wachteleier gegeben, das ist gesünder für Männer, erklärte sie mit ernster Miene. Eure Regale sehen nicht besonders sauber aus ihr esst das ja dann. Lena, du solltest die schnell putzen.

Ich esse ja nicht direkt von den Regalen, dachte Lena.

Dann mach ich das, Margarete Paulina, versprach sie. Wir wollten heute entspannen. Ein Sonntag ist doch ein Sonntag

Felix schlief weiter, während Lena die Mutter unterhielt und vergnügte.

Genau! Ein freier Tag ist zum Kochen und Putzen, erklärte die Frau bestimmt. Nimm Schwamm und Tuch. Nächstes Wochenende zeig ich dir, wie man den Lieblingsauflauf von Felix macht. Da leckert man sich die Finger ab!

Lena erstarrte. Sie verschränkte die Arme vor der Brust. Noch nicht ein zweiter Tag, um fremden Anweisungen nachzukommen.

Margarete Paulina, können Sie vielleicht meine Nummer notieren? Dann rufen Sie vorher an, bevor Sie vorbeikommen. Ich habe ja auch noch Pläne für das nächste Wochenende.

Anrufen? Jetzt darf ich nicht mehr zu meinem Sohn kommen? zog die Frau ein leicht geknicktes Gesicht.

Natürlich, Sie können kommen. Nur, Ihr Sohn lebt jetzt mit seiner Partnerin zusammen. Wäre schön, wenn wir alle Rücksicht nehmen.

Bei uns mit Klara gab es solche Probleme nie, bemerkte Margarete schmunzelnd.

Meine ExMutter hat mir nie frühmorgens Vorbeikomme verlangt, schnitt Lena zurück. Und hat immer Kirschkuchen gebracht. Soll ich das Rezept rausrücken?

Margaretes Gesicht verfinsterte sich sofort, ein Zornfunken flackerte in ihren Augen.

Lena, überleg dir das gut. In unserer Familie macht die Nachteule nicht den Tag verrückt.

Nach diesem Wort ging Margarete, aber ein unangenehmes Gefühl blieb bei Lena. Sie wusste nicht, wie sie weiter machen sollte. Felix hörte nicht zu, seine Mutter kam wie zu Besuch nach Hause. Und ständig hing das Gespenst von Klara über ihrer Beziehung.

Und Klara hat die besten Kohlrouladen gemacht ihre Mutter hat sie gelehrt, ließ Felix irgendwann beim Abendessen fallen.

Dann soll sie dich auch mal kochen lehren, dann kochst du für mich.

Lena vermutete, dass Margarete Felix einredete, wollte das aber nicht ansprechen. Sie wollte das Thema einfach aus ihrem Leben streichen.

Ein Monat verging ruhiger, ohne Besuche, doch dann wieder das gleiche: Lena wachte vom Klingeln auf. Dieses Mal entschied sie sich fest, die Tür nicht zu öffnen.

Vielleicht nicht schön, aber besser, als ständig ungefragt in ihr Haus zu platzen.

Fünf Minuten später kam Felix den Flur entlang, noch verschlafen, genervt und leicht wütend.

Warum machst du die Tür nicht auf?

Will nicht! Und werds nicht. Gäste sollten vorher Bescheid sagen und nicht in Schränke, Kühlschränke oder Regale klettern.

Du sagst, du machst das nicht? Das ist doch meine Mutter! Sie ist zu mir gekommen!

Dann begrüß sie, aber nicht in meiner Wohnung.

Der kleine Aufruhr war so laut, dass sogar die Nachbarn mitgekriegt haben. Felix schimpfte mit Lena, weil sie seine Mutter abweis, und damit indirekt auch ihn. Margarete schrie gleichzeitig, verlangte Einlass und rief an.

Schließlich setzte Lena ein Ultimatum.

Schluss! Entweder du gehst jetzt raus, erklärst deiner Mutter, was ein Gast ist, und schickst sie nach Hause, oder wir trennen uns!

Felix wählte das zweite.

Lena war nicht wirklich traurig. Sie hatten nicht einmal genug Zeit, sich zu verabschieden. Vielleicht war das besser so. Mit jemandem zu leben, der ständig Geschichten über ExFreundinnen und eine einmischende Mutter erzählt, war definitiv nicht ihr Ding.

Ein paar Monate später erreichte Lena eine überraschende Nachricht: Felix hatte eine neue Freundin. Das erzählte ihm ihre gemeinsame Bekannte aus der alten WG.

Wir arbeiten zusammen. Sie ist zu ihm und seiner Mutter gezogen, will aber jetzt weg. Sie will dich kennenlernen, grinste die Freundin.

Wirklich? Und warum das?

Wenn wir der Mutter von Felix glauben, bist du die ideale Frau schön, charakterstark und kocht super.

Reden wir hier über Felix Mutter und mich?

Wahrscheinlich werden die Leute, die nicht mehr mit Felix zusammenleben, netter zu ihr, zuckte die Freundin mit den Schultern.

Seitdem hörte Lena auf, jedem Gerücht blind zu folgen. Sie behielt ihren gesunden Menschenverstand und glaubte nicht alles, aber ignorierte die Gerüchte auch nicht völlig.

Und noch eins: Sie geht jetzt vorsichtiger mit Männern um, die ständig von ihren ExFreundinnen reden und zu stark an ihren Müttern hängen.

Mit solchen MachoTypen wird es nie gut, weil die Mutter immer an erster Stelle steht. Vielleicht ist das okay, aber nur im vernünftigen Rahmen. Seid ihr da auch so?

Schreibt mir gern in die Kommentare, was ihr darüber denkt, und drückt auf Gefällt mir, wenn euch die Geschichte gefallen hat. Eure Rückmeldungen motivieren uns, weiterzuschreiben!

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Homy
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– Warum machst du die Tür nicht auf? – Will nicht! Und ich werde es nie tun. Gäste müssen ihre Besuche vorher ankündigen und außerdem nicht in Kisten, Kühlschränken und Schränken rummachen. – Du meinst, du machst es nicht? Das ist doch meine Mutter! Sie ist zu mir gekommen! – Dann begrüße sie! Aber nicht in meinem Haus.
Dringend Ehemann gesucht