Junggesellenabschied
Als sich Karl von seiner Frau scheiden ließ, beschloss er, niemals wieder zu heiraten. Nach sieben Jahren Ehe hatte er genug von dem ständigen Streit und den Vorwürfen.
“Karl, das ist Unsinn”, versuchte ihn sein Freund Stefan zu überzeugen. “Eine Ehe gibt einem Mann Halt immer gut versorgt, gepflegt und umsorgt.” Er grinste wie ein Kater, während er die Vorteile aufzählte.
“Keine Ahnung, Stefan. Ich habe oft selbst gekocht, immer Staub gesaugt das war eh meine Aufgabe. Und umsorgt? Meine Lisa hat mich manchmal so ,umsorgt, dass ich am liebsten weggelaufen wäre.”
Seine Frau war streitsüchtig. Egal, was er tat, es war nie genug. Schenkte er ihr etwas, beschwerte sie sich, es hätte teurer sein können. Bei Ausflügen beobachtete sie ihn misstrauisch, damit er keine anderen Frauen ansah, und demütigte ihn vor Bekannten.
Der letzte Strohhalm war, als sie ihm auf der Geburtstagsfeier einer Freundin eine Ohrfeige gab, weil er ein Glas Cognac zu viel getrunken hatte. Er verließ die Feier allein und beschloss, die Scheidung einzureichen.
Die Trennung war zäh. Lisa kämpfte um jeden Cent, doch am Ende überließ er ihr die Wohnung und das Auto schließlich war da noch ihre gemeinsame Tochter. Er verzichtete auf alles andere.
Mit der Zeit kaufte Karl sich eine neue Wohnung und ein Auto, abbezahlt von seinem guten Gehalt. Er hatte Beziehungen, einige Frauen sprachen sogar von Heirat, doch er blieb hart: “Keine Ehe mehr. Ich habe meine Lektion gelernt.”
Doch mit 38 änderte sich alles, als er Johanna traf. Zufällig, in einem Café. Er war mit Freunden dort, um Stefans Beförderung zu feiern. Als zwei hübsche Frauen am Nachbartisch Platz nahmen, blieb sein Blick an einer von ihnen hängen. Dunkelblaue Augen, intensiv im gedämpften Licht.
“Komm schon, sprich sie an”, drängte Stefan.
“Guten Abend, ich bin Karl. Darf ich mich zu Ihnen setzen?”
Die Frauen lächelten. “Johanna”, sagte die mit den blauen Augen, “und das ist Lena.”
Sie tranken nur Saft, lehnten seinen Weinvorschlag ab. An diesem Abend brachte Karl Johanna nach Hause er war nüchtern, da er fuhr. Bald merkten sie, wie gut sie sich verstanden. Johanna, 35, Wirtschaftswissenschaftlerin, hatte eine kurze Ehe hinter sich. “Charaktere passten nicht”, sagte sie knapp.
Sie liebte Malerei, besuchte Ausstellungen und weckte auch Karls Interesse dafür. Freunde lachten, doch er bewunderte ihre Kunst. Manchmal fuhren sie sogar raus, um gemeinsam zu malen.
Eines Abends, während er mit seinem Kater Moritz auf dem Sofa lag, kam ihm ein Gedanke: “Vielleicht sollte ich Johanna heiraten.” Er strich dem Kater über den Rücken. “Wir könnten zu dritt leben. Du magst sie doch auch.”
Moritz, ein gemütlicher grauer Kater, den Karl vor Jahren als streunendes Kätzchen aufgelesen hatte, schien zuzustimmen. Johanna fand ihn klug, wenn auch faul: “Er würde sprechen, wenn es ihm nicht zu anstrengend wäre.”
Karl machte den Antrag, Johanna sagte ja. Eine stille Hochzeit war geplant, doch Familie und Freunde protestierten: “Ihr könnt nicht einfach so heiraten! Das ist Geiz!” Also planten sie eine Feier.
Doch dann kam die nächste Forderung: ein Junggesellenabschied.
“Jungs, wir sind fast 40, kein Kinderspiel mehr”, argumentierte Karl.
“Alter spielt keine Rolle! Das ist Tradition!”, rief Stefan.
Karl gab nach. “Okay, aber bei mir zu Hause. Keine neugierigen Blicke in Kneipen.”
Die Hochzeit war für Freitag angesetzt, der Abschied für Mittwoch. Karl bereitete alles vor: Alkohol, bestellte Sushi und Meeresfrüchte. Moritz schnupperte neugierig, doch Karl schob ihn weg: “Nicht für dich.”
Als die Gäste kamen, wurde es schnell klar: Keiner wollte richtig feiern. Andreas durfte nicht trinken seine Frau drohte mit Scheidung. Stefan musste seine Schwiegermutter vom Flughafen abholen.
Sie aßen, tranken ein Bier, redeten über Politik, Autos und Stefans Tochter, die bei einem Volleyballturnier gewonnen hatte. Um zehn gingen alle.
Karl setzte sich allein an den Tisch. Moritz starrte auf die Garnelen. “Na gut, hier.” Der Kater nahm sich eine und trollte sich.
Karl trank sein Bier, schlief ein und wachte auf, als Moritz mitten auf dem Tisch thronte. “Frechdachs”, murmelte Karl.
So verlief der Junggesellenabschied. Die Hochzeit war fröhlich, und die Ehe mit Johanna glücklich. Karl bereute nichts. Manchmal muss man erst das Falsche durchleben, um das Richtige zu finden.





