– Mama, willst du unsere Wohnung dem Sohn deines Bruders schenken? Und dann zu mir ziehen? Ich lasse das nicht zu!

Mama, willst du unsere Wohnung dem Sohn deines Bruders schenken? Und dann bei mir einziehen? Das lasse ich nicht zu!
Denk gar nicht erst dran! Mama, bist du verrückt? Hörst du dir selbst zu? Er wird dich sofort rauswerfen, verstehst du das nicht?

Liselotte, streit dich nicht mit mir! Das ist meine Entscheidung!

Zuerst versucht die Mutter, stark und unabhängig zu wirken, doch dann bricht sie in Tränen aus, weil sie tief im Inneren erkennt, dass sie ihre eigene Tochter ungerecht behandelt.

Der Grund ist, dass ihr jüngerer Sohn Felix, Liselottes Bruder, immer ihr Lieblingskind war. Klara Schmitt hat ihn bekommen, als sie über dreißig war, während Liselotte schon als Jugendliche geboren wurde. Deshalb behandelt sie ihre Tochter nur halbherzig. Sie hat Liselotte fast allein erzogen, weil Klara ihr damals das Versprechen gab, das Studium abzuschließen.

Felix hingegen plant sie bewusst ein, als sie zum zweiten Mal heiratet und das Muttersein genießt. Liselotte beobachtet das alles, versteht aber nicht, warum die Mutter die beiden so offen bevorzugt. Normalerweise verbergen Eltern solche Vorlieben, doch hier hält Klara nichts zurück: Felix ist ihr näher.

Sie wundert sich sogar, warum Bruder und Schwester nie eine warme Beziehung hatten. Vielleicht gab es dafür Gründe? Felix bekommt seit seiner Kindheit alles Gute, während Liselotte sich mit dem zufrieden geben muss, was da ist, und nicht einmal wagen darf zu klagen. Geld bekommt er immer mehr, weil er ein Mann ist das muss so sein. Dass er ein paar Jahre jünger ist, spielt keine Rolle.

Merke: Wenn Felix erwachsen ist, wird er selbst für seine Familie sorgen. Bis dahin bin ich ihm verpflichtet zu helfen.
Mama, und ich?
Und du? Deine Aufgabe ist, gut zu heiraten und dich an deinen Mann zu hängen, betont die Mutter, während sie den Tisch deckt.

Liselotte widerspricht und erklärt, dass sie nicht von einem Mann abhängig sein will, sondern sich selbst als Person weiterentwickeln will auch beruflich.

Welchen Unsinn du verbreitest, das ist ehrlos! Lacht es dir nicht selbst?
Was soll das denn witzig sein?
Auch wenn niemand in unserer Familie so gedacht hat.

Dann bin ich die Erste.

Liselotte versteht die Logik ihrer Mutter nicht und will ihr nicht folgen. Durch dieses Vorgehen zieht sie bald in eine Mietwohnung. Dieser Schritt fühlt sich an wie ein Atemzug frischer Luft, denn das Zusammenleben unter einem Dach mit Bruder und Mutter wird immer unerträglicher, je älter sie wird.

Doch die Mutter ist nicht besonders betroffen das Zimmer wird größer. Fünf Jahre vergehen. In der Zeit hat Liselotte eine eigene Wohnung über eine Hypothek finanziert und abbezahlt, während Felix noch bei der Mutter wohnt und seine Frau dort einzieht. Nach ein paar Monaten bekommen sie ein Kind.

Klara ist von Natur aus jemand, der mit dem zufrieden ist, was er hat, und hält lange an dieser Haltung fest.

Stell dir vor, meine Nachbarin hat jetzt eine Spülmaschine. Nicht selbst, natürlich die Kinder haben sie ihr geschenkt.
Das ist schön.
Ich hätte auch gern eine, aber ich traue mich nicht.
Warum?
Felix hat gerade Schwierigkeiten im Job. Bald wird er gekündigt und muss etwas Neues suchen, während seine Frau Alina im Mutterschaftsgeld lebt.

Felix teilt sein Geld kaum, lebt gern von Mutters Unterstützung, als käme das Essen aus dem Nichts.

Felix, wann erwacht endlich dein Gewissen? flucht Liselotte, als sie zufällig im Supermarkt auf ihren Bruder trifft. Er kauft Chips und Cola vor dem nächsten Fußballspiel.

Worauf willst du hinaus?
Hilf doch wenigstens finanziell der Mutter! Ihre Rente ist nicht unendlich. Sie kauft alle Produkte aus ihrer eigenen Tasche.

Felix wendet den Blick ab, weil er erkennt, dass seine Schwester recht hat.

Was nützt dir das? Du wohnst ja nicht mit uns.
Ich fühle mit Mama!
Schau lieber auf dich. Weder Familie noch Ehemann sind hier.

Nach diesen Worten geht er und Liselotte bleibt benommen stehen. Felix weiß genau, wo er zuschlagen muss, um den größten Schmerz zu verursachen, und nutzt das geschickt aus.

Mit fünfunddreißig hat Liselotte noch nie geheiratet. Ihr Ex, mit dem sie mehrere Jahre zusammen war, hat sie betrogen, und sie ist nicht bereit für neue Beziehungen.

Möchten Sie Hilfe, junge Dame? fragt die Verkäuferin.
Nein, danke, alles gut.

Liselotte weiß, dass sie das Richtige tut. Felix ist kein Jugendlicher mehr er ist ein Mann, Vater eines neugeborenen Kindes und muss Verantwortung übernehmen, statt nur auf Kosten der Mutter zu leben.

Liselotte, wie konntest du ihm das antun? beginnt Klara mit Vorwurf.
Mama, ich habe nur die Wahrheit gesagt und dich verteidigt.
Habe ich dich darum gebeten? Wegen dir hat Felix laut geschrien, und wir haben ein kleines Kind verstehst du das nicht?
Wegen mir? Was soll das denn bedeuten?

Liselotte weiß nicht, wie sie auf die Worte ihrer Mutter reagieren soll.

Du hättest ihm das nicht sagen sollen. Du weißt doch, wie empfindlich er ist.

Die Mutter spricht nie über Felix Gefühle, sondern nur über ihre eigene Enttäuschung. Selbst wenn Liselotte sich für ihren Bruder einsetzt, bleibt sie im Unglück.

Ein halbes Jahr später spricht Liselotte keinen Ton mehr mit der Familie, bis die Mutter plötzlich anruft und sie bittet zu kommen. Nichts hat sich in der Wohnung geändert die Spülmaschine ist immer noch nicht da.

Wo ist Felix mit seiner Frau?
Sie wurden zu einer Feier eingeladen. Ich sitze hier mit Moritz, dein Neffe. Möchtest du Tee?
Nein, Mama, ich will nicht. Du wolltest doch mit mir reden, oder?
Ja, ich habe eine wichtige Entscheidung getroffen. Ich will die Wohnung an Moritz verschenken.

Liselotte nimmt an, dass ihre Mutter einen Scherz macht.

Meinst du, du willst die gemeinsame Wohnung dem Sohn deines Bruders schenken? Bist du verrückt? Hörst du dir selbst zu?
Liselotte, streite dich nicht! Das ist meine Entscheidung!

Natürlich versucht Liselotte zu erklären, dass dieser Schritt schlimme Folgen haben könnte, doch Klara beharrt.

Du kümmerst dich hier um alles und willst jetzt die Wohnung umschreiben?
Ich helfe nur.
Und was macht Alina jetzt?
Sie kümmert sich um das Kind. Das ist härter als jeder Job.
Hat dir Alina das gesagt? Ich sehe nur, dass sie ständig etwas in den sozialen Medien postet.
Du verstehst nichts, Liselotte! Du hast keine eigenen Kinder, deshalb denkst du so leicht.

Liselotte erkennt, dass sie nicht hätte kommen sollen. Ein halbes Jahr verging, und nichts änderte sich.

Ich sehe, du bist mit einem neuen Auto hier. Auf Kredit? fragt die Mutter.
Nein, ich habe es selbst gekauft.
Auch wenn dein Bruder nicht unterstützt wird. Er wurde gekürzt, sucht jetzt Arbeit, es ist eng mit Geld.

Liselotte wundert sich weiter über die Argumente ihrer Mutter. Felix ist schließlich erwachsen und muss irgendwann für seine Familie sorgen.

Worauf spielst du an?
Ich sage es dir klar: Ich könnte dem Kind ein neues Bett kaufen, weil wir das alte nehmen mussten. Und ich brauche wirklich eine Spülmaschine, meine Hände schmerzen vom Geschirr.

Ich habe Zeit, Mama.

Liselotte geht zur Tür, doch die Mutter hört nicht auf zu schimpfen. Bevor sie geht, stellt sie nur eine Frage:

Mama, wenn du die Wohnung auf das Kind umschreibst, werfen sie dich dann raus. Wo willst du dann hingehen?

Klara weigert sich, ihre Tochter zu hören.

Ach, Liselotte, du bist so stur! Moritz ist mein einziger Enkel! Von dir wirst du nie Enkelkinder sehen und du wirst nie heiraten. Ich bin nicht überrascht dein Charakter ist eben schlecht, du denkst nur an dich!

Nach diesen Worten verliert Liselotte jeden Wunsch, ihrer Mutter etwas beweisen zu wollen. Sie sagt, wenn alle so toll sind, dann kauf ihnen doch die Spülmaschine. Sie wird ihr Leben selbst regeln. Es war nicht leicht, aber sie hat keine andere Wahl. Klara hat ihre Entscheidung schon lange getroffen.

So ist es nun. Wer sich nicht anpasst, schläft, wie er sich legt. Und das Alter kommt näher

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Homy
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– Mama, willst du unsere Wohnung dem Sohn deines Bruders schenken? Und dann zu mir ziehen? Ich lasse das nicht zu!
Ich kannte die Theorie vom Stuhl nicht, als ich mit ihm zusammen war. Damals fühlte ich mich einfach…