„Die können mir gestohlen bleiben! Ich bin doch kein Dienstleister.“ Das ehrliche Bekenntnis der 52-jährigen Sabine über die Männer, denen sie nach ihrem fünfzigsten Geburtstag begegnet

Ach, die können mir gestohlen bleiben! Ich bin doch kein Dienstleistungsunternehmen. Das ehrliche Geständnis der 52-jährigen Annemarie über Männer nach fünfzig

Nach zehn Jahren Pause ist meine Freundin Annemarie zurück auf dem Parkett. Sie hatte gehofft, einen inspirierenden Menschen zu treffen, bekam aber stattdessen zehn knallharte Lektionen darüber, wie das Spiel der reiferen Beziehungen in Wahrheit läuft. Spoiler: ganz anders, als wir uns das früher so romantisch ausgemalt hatten.

Es war spät abends, als sie mich anrief. Ihre Stimme klang müde, aber ein spöttischer Unterton war nicht zu überhören:

Weißt du, entweder liebe ich mein Alleinsein wirklich von Herzen. Oder diese Kerle leben in ihrer ganz eigenen Welt. Anders kann ich mir das nicht erklären.

Seit über zwanzig Jahren sind wir befreundet. Annemarie war schon immer diejenige, die sich über das Leben amüsieren konnte, ohne gleich in Dramen zu versinken. Die anderen haben sie belabert: Jetzt ist der Moment, probiers wenigstens aus, wer weiß, vielleicht hast du ja Glück. Sie ließ sich darauf ein. In einem halben Jahr folgten zehn Treffen. Jedes wie eine Folge einer tragikomischen Serie. Lachen war da nicht immer angebracht.

Der erste Eindruck: Passt du zu mir?
Ganz klassisch fing alles an. Café, Karte, höflicher Smalltalk. Der Mann starrte minutenlang so konzentriert in die Speisekarte, als müsste er eine Bilanz prüfen. Dann seufzte er tief und sagte:

Wissen Sie, ohne eine anständige Rinderroulade kann ich einfach nicht leben.

Annemarie nickte, hielt es für einen Scherz. Doch der Abend nahm eine unerwartete Wendung. Schnell berichtete er von seiner Exfrau, die nicht mehr wusste, wie man ein Bett ordentlich bezieht, und dass er jetzt eine Frau brauche, mit geschickten Händen und klarem Kopf. Besonders mit geschickten Händen betonte er.
Annemarie fragte sich, wann wohl Bettwäsche und Haushaltsorganisation zu Standardfragen beim ersten Date avanciert sind.

Vortrag darüber, wie eine Frau zu sein habe
Beim zweiten Treffen drehte sich das Gespräch zügig weg von ihr: Ihr Gegenüber begann einen Monolog über die Rolle der Frau in einer Beziehung. Für ihn sei wichtig: Unterstützung, Geborgenheit, Weisheit und Geduld. Prinzipiell schöne Worte wäre da nicht das Kleingedruckte gewesen.

Er klagte über seinen Bluthochdruck, zog einen Stapel empfohlener Diätpläne hervor und wollte wissen, ob sie Suppen nach ärztlicher Vorschrift kochen könne. Es wirkte, als suche er nicht eine Partnerin, sondern eher eine medizinisch geschulte Hauswirtschafterin zum festen Terminplan.

Der redete von Gefühlen, als läse er die Bedienungsanleitung eines Staubsaugers vor, erzählte mir Annemarie später. Alles in Stichpunkten, null Leidenschaft.

Es funkte nicht und zwar nirgends.

Erfundene Weisheit
Das dritte Date begann sie gleich mit einem Satz, den Annemarie noch lange nicht vergessen sollte:

Wiedersprich mir besser nicht. In unserem Alter soll die Frau schließlich die Reifere sein.

Annemarie hielt dagegen:

Und wie genau sieht dann Ihre Reife aus?

Die Antwort blieb vage, aber zwischen den Zeilen war klar: Er verlangte Ruhe. Jene Ruhe, bei der die Frau immer nickt, zustimmt, Geborgenheit zaubert und nie eine kritische Frage stellt. Keine Diskussion, von Gleichberechtigung keine Spur, aber ein wohliges Gefühl, wie es richtig sei.
Annemarie verstand: Dieser Mann suchte keine Beziehung, sondern nur Einverständnis um der Harmonie willen.

Auf der Suche nach einer Mutterfigur
Der vierte Bewerber sprach Tacheles:

Ich brauche Geborgenheit. So wie früher bei Mama, können Sie das verstehen? Mich umsorgen wie meine Mutter das tat.

Und so erzählte er ausführlich vom Streuselkuchen aus Kindertagen, wie seine Socken zu falten seien und welche Pantoffeln am bequemsten wären. Das alles todernst, keine Ironie.
Annemarie dachte: Er will keine Frau, sondern einen Lieferservice für Kindheitsnostalgie.

Bewerbungsgespräch statt Flirt
Das fünfte Treffen kam einer klassischen Job-Befragung gleich. Systematisch untersuchte er sie:

Sind Sie oft krank?

Wohnt Ihre Familie in der Nähe?

Festes Einkommen?

Mit einem skeptischen Grinsen berichtete Annemarie davon, aber ich spürte den Frust in ihrer Stimme. Anstelle von Wer sind Sie als Mensch? hörte sie nur Was können Sie mir bieten? Keine Dates, sondern Prüfungen gegen die Eignungsliste.

Was stimmt bei denen nicht?
Beim zehnten Date rief Annemarie an und sagte trocken:

Sie wollen keine Beziehung. Sie suchen eine Allround-Betreuung. Punkt.

Kein Groll, kein Ärger, nur ein nüchternes Fazit.

Ältere Männer haben Angst, allein zu bleiben, aber die Angst vor Veränderungen ist noch größer. Sie wollen Komfortgarantie. Eine Mischung aus Pflegekraft, Köchin, Psychologin in einer Person. Und diese Frau soll noch dankbar sein, dass man sich für sie entschieden hat.
Wenn Annemarie fragte:

Und was bekomme ich?

Kam nur erstaunt: Wie, was? Ich bin doch der Mann! Reicht das nicht?

Sind alle so? Gibt’s Hoffnung?
Oft sagte Annemarie zu mir:

Klar, es gibt kluge, interessante, tiefgründige Männer. Die sind aber alle längst vergeben oder beschäftigt.

Ihren Glauben hat sie dennoch nicht verloren. Sie hat sich einfach selbst verändert. Ist wachsamer geworden, achtet mehr auf die eigenen Grenzen.
Ihr neues Gesetz: Keine Service-Rollen mehr. Kein Verrat am eigenen Stolz. Kein Gefallen um jeden Preis.

Sie lacht immer noch, wenn sie von Herren mit übersteigerten Ansprüchen erzählt, aber ihr Lachen hat jetzt einen anderen Klang mehr Entschlossenheit als Nachgiebigkeit. Für die Illusion von Nähe wird sie nicht mehr ihr eigenes Leben aufgeben.

Was bleibt unterm Strich?
Zehn Dates sind kein Scheitern. Es ist Erfahrung, die einen lehrt, bewusst zu wählen. Vor allem: sich selbst zu wählen.

Annemarie hat erkannt: Die Freiheit, sie selbst zu sein, wiegt mehr als eine Beziehung, die nur auf einseitiger Anpassung basiert.

Liebe hält sich an keine Uhrzeiten. Sie kommt, wenn ein Mensch weiß: Weniger als gegenseitigen Respekt, Neugier und Reaktion akzeptiere ich nicht.

Zeit, das Auswahlverfahren zu ändern. Und sich nie wieder auf die Rolle der Bediensteten einzulassen, egal in welchem Alter.

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Homy
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„Die können mir gestohlen bleiben! Ich bin doch kein Dienstleister.“ Das ehrliche Bekenntnis der 52-jährigen Sabine über die Männer, denen sie nach ihrem fünfzigsten Geburtstag begegnet
Katharina ist von uns gegangen… Die Söhne sind aus der Stadt ins Dorf zur Trauerfeier gekommen. – Wenigstens jetzt zeigen sie sich, – tuschelten die Nachbarn.