Wurst
Unser lautes, einem Ameisenhaufen ähnelndes Mietshaus befand sich in einem alten, mit bröckelndem Putz versehenen Gebäude an der Ecke der Berliner Straße und Lindenallee in München. Diese Straßen findet man heute nicht mehr, der ganze Komplex wurde abgerissen, die Namen abgeschafft und an ihrer Stelle führt jetzt eine breite, abends im gelblichen Licht der modernen Straßenlaternen leuchtende Allee entlang. Ich war schon ewig nicht mehr dort, es ergibt sich einfach nie, viel Arbeit, und, ehrlich gesagt, habe ich auch keine Lust. Auf alten Wunden herumzureiben und die Gegenwart anzunehmen, liegt mir nicht.
In meinem Kopf bleibt alles wie früher. Ich als Junge im zu großen Pullover meiner Mutter, Knie voller Flicken, meine Mutter mit elegantem Dutt am Hinterkopf. Nur sie, meine Mama, konnte ihre Haare so kunstvoll legen, niemandem sonst gelang das. Und besonders an Festtagen verwandelte sich unser Zimmer in einen kleinen Frisiersalon. Überall lagen heiße Lockenzangen, bunte Lockenwickler, eine Dose voller Haarnadeln. Tante Hannelore unsere Nachbarin saß im alten Sessel, ein Überbleibsel der Vorbewohner, und wartete darauf, dass meine Mutter etwas mit dieser schrecklichen Mähne anfing, wie sie ihre Haare selbst nannte. Sie hatte dickes, schweres, fast bläulich-schwarzes Haar, geerbt von ihrem Vater, einem Ungarn oder vielleicht einem Italiener. Auch die markante Nase und das stolze Wesen stammten von ihm. Tante Hannelore war unverheiratet und suchte den Richtigen, doch die Männer, die ihr im Leben begegneten, waren stets zu gewöhnlich.
Du bist zu wählerisch, Hanne. Niemand ist perfekt! Beweg dich nicht, Sophia, sonst hör ich ganz auf!, rief meine Mutter, Annemarie Engelhardt, streng.
Besser allein, als mit dem Falschen, schnappte Hannelore und alle im Zimmer wurden sofort still.
Tante Hannelore konnte meinem Vater bis heute nicht verzeihen, dass er meine Mutter und mich verlassen hatte, als ich ein Kleinkind war. Ich wusste nie genau, was passiert war, aber ich hörte, wie sich die Frauen in der Küche immer über ihn aufregten, nebenbei über die Knochen, die Großmutter Martha eigentlich Frau Martha Schäfer vom Markt mitbrachte. Sie war mit ihrem alten Berner Sennenhund Otto nach der Flut aus Niederbayern zu uns gezogen. Anfangs jammerte sie, dass es keine Hühner und Gänse wie auf dem Land mehr gab, dann aber beackerte sie sofort den Hinterhof: ein paar Gemüsebeete die Kinder brauchen Vitamine, Annemarie! , ein selbst gebautes Frühbeet und natürlich immer einfache, aber sättigende Gerichte. Wer sie nach den Zutaten fragte, bekam ein Augenzwinkern als Antwort: Beziehungen hab ich überall. Egal ob geräucherter Schinken, eingelegte Äpfel, getrocknetes Rehrückenfilet oder manchmal sogar Forelle, Frau Schäfer hatte alles.
Eines Tages schleppte sie ein riesiges Stück Fleisch an, lief in der kleinen Küche damit umher und rief schließlich nach meiner Mutter.
Annemarie, ich hab ein halbes Wildschwein hier, es passt nicht in den Kochtopf!
Meine Mutter starrte sie erschrocken an: Martha! Warum zur Hölle schleppt du ein Wildschwein an?
Ach Kind, mach nicht son Theater! Wenns verdirbt, werdet ihr’s noch bereuen!, blaffte sie.
Meine Mutter runzelte die Stirn, überlegte, dann war klar: Wir machen Maultaschen auf bayerische Art. Davon gab es so viele, dass wir nicht wussten, wohin damit.
Unsere Nachbarin Frau Gerda Weber, Mitglied der SPD und die Besitzerin des größten Kühlschranks im Haus, wurde gefragt, ob wir die Maultaschen dort lagern könnten ihr Kühlschrank war sowieso immer fast leer. Aber Gerda, dünn und stets mit verschlossenem Gesicht, schnitt nur kurz mit ihrer spitz zulaufenden Nase durch die Luft und lehnte ab.
Gerda, jetzt tu nicht so! Stell dich nicht an, der Kühlschrank läuft doch sowieso! Dann lohnt sich wenigstens der Strom, und die Kinder haben was zu essen. Sophia sieht doch schon aus wie der Hungerhaken persönlich nun öffne!
Doch Frau Weber blockierte den Weg und die Diskussion war beendet.
Na gut, Martha, dann essen wir sie eben frisch. Wo hast du nur so ein riesiges Wildschwein aufgetrieben?, zwinkerte meine Mutter.
Wir kochten und aßen gemeinsam: Ich, Tante Hannelore, unser kränkelnder Geschichtslehrer Herr Becker, Frau Schäfer und meine Mutter nur Gerda Weber blieb am Rand, ließ sich ihre Salami mit Schwarzbrot schmecken und verzog sich zum Kaffeekochen.
Die Frau ist wirklich schräg!, murmelte Martha.
Lass sie. Sie hat viel durchgemacht, ihr Sohn… entgegnete meine Mutter leise.
Was mit Gerdas Sohn geschehen war, wusste ich nicht aber ich spürte, es war etwas Schlimmes und fragte nicht weiter nach.
Ich schweife ab. Ich hörte, wie die Frauen in der Küche über meinen Vater herzogen.
Schwein! Das Kind einfach zurückgelassen! Annemarie ist eine gute Frau, vielleicht keine Schönheit, aber treu! Und wie sie gelitten hat, die Arme, als er ging! Heulte, bat ihn zu bleiben, aber der Kerl schleppte alles raus! Alles, was er je verdient hat mit welchem Fleiß denn? Ich hätt ihn persönlich rausgeworfen samt Schrubber! Nein, Annemarie ist zu weich!, schloss Hannelore ab.
Du redest viel. Ich war nicht dabei, als sie sich trennten, also was weiß ich, sagte Martha ruhig. Das ist unsere Schwäche wir vertrauen zu sehr. Du gibst alles und wirst verraten, und trotzdem kannst du es kaum glauben.
Es ging doch um Boris, Marias Mann, nicht deinen Michael! mischte sich Sophia ein.
Martha zuckte zusammen, All diese Männer, sie sind alle gleich… Schau du nach dem Gemüse, ich hole die Milch. Da kommt auch schon der Lieferwagen. Sophia, hast du deinen Krug?
Sophia nickte und wünschte schnellen Gang. Das Geld? Später machen wir’s aus, Kind!
Jedes dritte Tag kamen die Milchwagen und es hieß, schnell sein, um vorne in der Reihe zu stehen Frau Schäfer war immer fix dabei.
Zwischen Beeten, Kochtöpfen und Haushalt kümmerte sie sich um uns und warf meinem Vater so manches vor.
Und so bin ich: Johannes Engelhardt. Meinen Vater kenne ich nur vom Erzählen, Fotos gab es keine. Aber das macht nichts wir kommen auch so zurecht!
Unser helles, luftiges Zimmer hatte zwei Betten, einen Tisch, an dem ich meine Hausaufgaben machte, Mamas Frisiertisch und einen Schrank voller Bücher. Mama war Übersetzerin, saß tagsüber im Büro, abends arbeitete sie mit gedämpftem Licht an Aufträgen.
Jeder von uns tat, was er konnte. Ich half im Haushalt, goss die Blumen, gab mir Mühe in der Schule und Mama strich mir schlechte Noten durch und versprach, dass wir im Sommer ans Meer fahren. Ihr Kontakt am Goethe-Institut kannte wieder jemanden in Warnemünde und wir könnten ein Zimmer haben.
Leider klappt es dieses Mal nicht, mein Kleiner…, sagte Mama traurig. Aber nächstes Jahr ganz bestimmt!
Sie sah meine wässrigen Augen, und ich biss die Lippen zusammen, doch es half wenig.
Wir hatten viele Ausgaben…, sagte sie. Den Wintermantel, deine neuen Schuhe… Johannes, versprochen nächstes Jahr.
Wie peinlich mir das war! Dass meine Mutter sich bei mir entschuldigte! Das sollte nicht sein! Meine Mutter war die Beste! Manchmal weinte sie nachts. Sie sagte dann, dass sie müde sei und Weinen helfe. Ich nickte, strich ihr übers Haar und brachte ihr Wasser.
Dann schliefen wir beide ein.
Auch wenn wir nicht ans Meer fuhren, wir gingen spazieren, aßen Eis, fingen Schmetterlinge und lebten einfach. Und das war genug.
Die Einzige, die etwas gegen das Alleinsein meiner Mutter hatte, war Fräulein Weber. Sobald das Thema auf meinen Vater kam, verkniff sie die Lippen, hob das Kinn und sagte streng, Annemarie sei selber schuld außer, dass sie mit ihm nicht verheiratet gewesen war, hatte sie ja alles bekommen, sogar das Zimmer. Also war sie selbst verantwortlich.
Dann war das Thema beendet und alle schwiegen. Und ja, im Grunde hatte sie recht.
Das Zimmer war Boris Engelhardt damals von seinem Chef zugeteilt worden, ordnungsgemäß per Erlaubnis vergeben.
So lebten wir. Meine Mutter war Waise, hatte keine Familie mehr und hing sich an den freundlichen Kerl, der sieben Jahre älter war und um eine Frau wusste.
Elegant wie ein Konzertmeister und doch egoistisch, spottete Tante Hannelore, wobei sie an meinen Vater dachte. Er rief deine Mutter aus der Badewanne, damit sie ihm die Rasierklinge bringt, selbst als sie mit dir schwanger war! Und trotzdem bemutterte sie ihn.
Ihr wisst nicht, wie Männer sind. Das ist ihr Problem nicht. Sie tragen keine Verantwortung für das Austragen von Kindern, meinte Fräulein Weber.
Und Respekt ist überflüssig?!”, polterte Hannelore.
Man muss den Kopf gebrauchen, bevor man zu jemandem zieht. Wenn Boris will, kann er Annemarie jederzeit rausschmeißen, stieß Frau Weber hervor und verschwand in ihr Zimmer. Sie kochte dort für sich allein.
Mich beschäftigte immer, was sich eigentlich hinter Frau Webers Tür verbarg. Sie war mit einem Herz aus Holz ausgekleidet, später mit einer Sperrholzmütze vernagelt worden.
Niemand offenbarte mir, wie das entstanden war. Ich träumte davon, heimlich ein Loch zu bohren, um alles zu sehen.
Sie war für mich aus einer anderen Welt nach Tabak und bitterem Kaffee.
Jeden Monat packte Fräulein Weber ein Paket, einen Holzkasten mit Deckel, und füllte ihn mit Wurst, Dosen, manchmal Socken und ein zusammengerolltes Handtuch. Dann nagelte sie den Deckel zu, schrieb die Adresse und trug es weg. Wieder unterwegs?, fragte Herr Becker aus dem Schatten des Flurs. Es ist nicht Ihr Bier, knurrte sie.
Herr Becker schüttelte nur den Kopf, und ich stand in der Tür, bohrte mir in die Nägel und träumte weiter davon, ihr Geheimnis zu entdecken.
Alles wäre so weitergegangen, wenn nicht dieser Skandal gewesen wäre.
Es geschah plötzlich, und niemand hatte es erwartet: Aus Gerdas Kühlschrank verschwand ein Stück Wurst. Morgens gingen alle normalen Dinge nach, nachmittags war sie weg.
Wer war das?, fragte Frau Weber, ließ ihren Blick durch die Runde schweifen. Das ist Diebstahl! Für meinen Eugen! Wer war das?!
Hat niemand genommen, vielleicht haben Sie sie selbst gegessen?, warf Martha ein, Sie nehmens doch mit Humor!
Es war für Eugen! Das ist unerhört! Ich hasse euch! Ihr seid so falsch! Boris war der Einzige, der zu mir hielt, und ihr… ihr stehlt!, explodierte sie, und schrie, meine Mutter habe es genommen.
Die wurde rot: Was unterstellen Sie mir denn? Johannes, geh bitte in unser Zimmer!
Ich wollte nicht weg; sie verteidigen, aber sie wurde laut: Geh endlich!
Weinend rannte ich weg, verschanzte mich unter dem Tisch.
In der Küche flogen weiter die Fetzen.
Du bist unsauber, Annemarie! Gut, dass Boris gegangen ist, und diese Wohnung immerhin auf dich überschrieben hat! schnaubte Frau Weber und zeigte auf meine Mutter. Widerlich
Was soll das? Sie war gar nicht da!, schaltete sich Martha ein.
Gerade als alle nach dachten, tauchte unser Hausmeister Herr Scholz auf.
Entschuldigung, meine Damen, aber der Boris war heute hier. Kam in die Wohnung, hatte den Schlüssel verloren, setzte sich, wartete auf Annemarie, ging dann wieder. Hat draußen im Hof Petersilie gepflückt. Damit verschwand er.
Stille. Dann murmelte Hannelore: Na, dann hat er wohl die Wurst gefressen.
Alle stürzten zu ihren Kühlschränken. Sophia fehlte saure Sahne und ein Stück Käse, Martha ein paar Eier und Kartoffeln. Bei uns auf dem Tablett nur noch Krümel.
Na, da lagen Fischfrikadellen, schnüffelte Martha. Dieser Lump! Das Kind hat er bestohlen! Annemarie, weinst du? Hattest du eine Verabredung mit ihm?
Meine Mutter schüttelte energisch den Kopf.
Also wars ein ungebetener Gast. Heute Abend, sagt Herr Scholz, will Boris kommen. Da werd ich ihm was erzählen! Gerda, dein Paket, das war unser Boris!, rief Martha und klopfte gegen die Zimmerwand.
Gerda erschien am Türrahmen und fragte: Und?
Dein guter Boris wars, hat bei uns allen was genommen auch Johannes!
Am Abend warteten alle in Unruhe. Ich auch ich musste meinen Vater sehen. Nicht, weil ich ihn liebte, sondern aus Neugier. Danke für die Wohnung, dachte ich.
Er kam gegen neun. Ich flitzte aus dem Bad, wollte bei Mama sein.
Er war mittelgroß, abgemagert, die Schultern eingefallen, trug einen Mantel und eine Mütze. Kurz sah er mich an: Ist Mutter da?
Nicht mal ein Händeschütteln.
Welche Mutter interessiert Sie denn? Johannes, zieh dich warm an!, sagte Martha.
Ich verließ das Zimmer.
Ich rede nicht mit Ihnen. Annemarie! Mach auf!, donnerte Boris an unsere Tür. Gib mir was zu essen!
Meine Mutter saß am Tisch und stopfte Strümpfe, schaute kaum auf: Hallo Boris. Es ist nichts da, du hast alles gegessen.
Er brüllte: Ich bin in meinem Haus! Ich werf dich raus, sag, Johannes ist nicht mal mein Kind!
Dann beschimpfte er sie auf übelste.
Mama begann zu weinen. Gut, ich schmeiß dich nicht raus. Gib Abendessen!
Da ging die Tür auf Gerda stand plötzlich davor.
Sie war bereit, Boris alles zu vergeben. Er interessierte sie, auf eine seltsame Weise, vielleicht war sie sogar heimlich verliebt. Früher, als sie gemeinsam wohnten, war Boris immer charmant zu ihr gewesen wenn auch gespielt, aus Berechnung.
Doch der Bruch war hart gewesen.
Er hatte Gerdas Sohn das Wurstpaket weggegessen, der im Gefängnis saß; sie schickte es fast jede Woche, obwohl es verboten war.
Gerda, sagen Sie ihr, sie soll mich endlich füttern!, wandte er sich an sie.
Das war zu viel. Gerda schlug ihm eine. Das ist für die Wurst. Wäre es normal abgelaufen, hättest du was bekommen aber so Du bist ein Dieb, Boris.
Was habt ihr gegen mich, wenn euer Eugen selber im Gefängnis sitzt! Ich wohne hier!
Dein Zuhause ist da, wo deine Familie ist und die ist nicht hier. Ernährt deine Frau dich nicht?, fragte sie kühl. Hannelore nickte.
Was ist denn mit deiner idealen Familie? Gibts kein Essen?, zischte Sophia.
Dir fehlt wohl was! Sag Bescheid, wir geben dir gern ein paar Bohnen dazu. Kommst du aus dem Harz?, lachte Martha.
Mein Vater schwieg, suchte nach Worten.
Boris, das war schäbig. Vor Johannes und mir. Es ist besser, du gehst jetzt, sagte sie.
Boris fluchte, Hannelore hielt mir die Ohren zu, und er stürmte hinaus.
Er kam später zurück, schon betrunken, und beschwerte sich bei Herr Becker, dass seine neue Frau ihn aushungern ließ, von ihm Geld wollte und er sich dafür aber nicht krumm machen würde. Er sei schließlich krank, habe einen Bruch am Steißbein! Und überhaupt, Frauen wollen immer nur Kinder!
Herr Becker hörte wortlos zu, Martha brachte ihm Umschläge für seine Entzündung.
Später rief Boriss neue Frau an, sie flehte, ihn nach Hause zu schicken.
Hannelore warf ihn raus. Lange stand er unten am Laternenpfahl, schimpfte, fluchte über die Frauen, dann verschwand er in der Dunkelheit.
Am nächsten Tag gingen wir zum Leihhaus, meine Mutter gab ihren einfachen Goldring ab. Für das Geld kauften wir Gerda Wurst sie weigerte sich zwar, nahm sie am Ende aber doch und bat meine Mama um Verzeihung.
Damals wusste ich nicht, welchen schweren Lebensweg Frau Weber hinter sich hatte, wie sehr es sie quälte aber meine Mutter wusste es, und so luden wir sie zum Nachmittagskaffee mit Apfelkuchen ein. Natürlich war es Apfelkuchen es war Oktober und Martha hatte dem Hausmeister zwei Säcke Äpfel abgeluchst. Herr Scholz, ganz außer Atem, brachte sie herein und wurde von Martha mit einem Kuss auf die Stirn belohnt ich tat, als hätte ich es nicht gesehen.
Gerda lächelte verlegen beim ersten Bissen:
Backen, das habe ich nie gekonnt. Meine Mutter konnte das damals gab es andere Zeiten… und mehr Kraft.
Martha winkte ab: Kraft reicht nie! Möglichkeiten gibt es. Esst, solange es warm ist. Sophia, hol den Kognak! Wir trinken einmal auf alle, dann auf unsere Gesundheit und vielleicht aufs Glück, und möge Boris satt werden Mitleid muss man auch haben.
Wir alle lachten, und plötzlich war alles nicht mehr so wichtig Boris, die Wurst, all der Ärger. Es war Vergangenheit.
Wir lebten weiter. Wir glaubten fest daran, dass morgen besser würde als gestern. Ich glaubte. Und meine Mutter auch.
Und im Sommer fuhren wir doch ans Meer.
Das war unser Glück.
Heute weiß ich: Alles, was man teilt, wird leichter. Und dass das Leben, so wie es ist, schon mehr als genug ist.





