Ich heiße Patricia, bin 49 Jahre alt und arbeite seit 20 Jahren als Nachtschwester im Städtischen Klinikum – ich habe schon alles erlebt.

Mein Name ist Anneliese Weber und ich bin 49 Jahre alt. Ich arbeite als Nachtschwester im Universitätsklinikum München. Zwanzig Jahre bin ich schon dort im Dienst und habe in dieser Zeit alles erlebt, was man sich vorstellen kann.

Seit acht Jahren bin ich geschieden. Ich habe eine Tochter, Sophie, die gerade 16 geworden ist. Sie lebt bei mir. Sophie ist ein wunderbares Mädchen verantwortungsbewusst, fleißig, hat mir nie große Sorgen gemacht.

Das stimmt so allerdings nicht ganz. Sie hat mir doch einmal Sorgen bereitet die bislang größten meines Lebens. Aber es war wirklich nicht ihre Schuld.

Vor etwa sechs Monaten begann Sophie, über Kopfschmerzen zu klagen. Ich dachte zuerst an ihre Augen vielleicht eine Brille? Also ging ich mit ihr zum Augenarzt, aber ihr Sehvermögen war vollkommen in Ordnung.

Die Schmerzen blieben. Kurze Zeit später kamen morgendliche Übelkeit und Erbrechen hinzu. Ich dachte, es läge vielleicht am Schulessen und begann, ihr Pausenbrote zu machen. Doch die Beschwerden verschwanden nicht.

Eines Morgens fand ich Sophie im Bad, blass und schwach, sie erbrach sich und sagte, ihr sei schwindelig und alles würde sich drehen. Ich fuhr sofort mit ihr in die Notaufnahme. Bluttests ergaben nichts Ungewöhnliches. Der Arzt vermutete schulischen Stress viele Jugendliche würden unter dem Druck psychosomatische Beschwerden entwickeln.

Doch ich bin seit zwanzig Jahren Krankenschwester. Mein Instinkt sagte mir, dass diesmal etwas anderes dahintersteckte. Ich bestand auf weiteren Untersuchungen. Der Arzt hielt mich wohl für überbesorgt, stimmte aber schließlich einer Computertomographie zu.

Ich erinnere mich genau an diesen Dienstag. Ich war selbst in der Klinik, als der Anruf kam, dass ich dringend in die Radiologie kommen solle es gäbe wichtige Ergebnisse bezüglich Sophies Untersuchung.

Ich ließ alles stehen und liegen, raste fast durch die Stadt. Im Besprechungsraum wartete ein mir unbekannter Neurologe ein etwa fünfzigjähriger Mann mit ernstem Blick.

Frau Weber, wir haben bei Ihrer Tochter in der Tomographie eine Auffälligkeit entdeckt, sagte er. Es handelt sich um einen Tumor im Gehirn. Wir müssen weitere Untersuchungen machen, um Art und Stadium festzustellen.

In diesem Moment brach meine Welt zusammen. Nach all den Jahren, in denen ich anderen Menschen schlechte Nachrichten überbringen musste nie hätte ich gedacht, dass ich selbst einmal so etwas über mein eigenes Kind hören würde.

Es folgten Tage voller MRT-Termine, Biopsien, Gespräche mit Onkologen. All die Begriffe, die mir so geläufig waren, klangen plötzlich wie Todesurteile.

Die Diagnose: Glioblastom, Grad IV. Hochaggressiv und wegen seiner Lage nicht operabel. Die Behandlung: Chemotherapie und Bestrahlung, um den Tumor vielleicht zu verkleinern. Die Prognose düster.

Sophie saß neben mir, als der Onkologe uns alles erklärte. Mein Kind mein ganzer Stolz und plötzlich sprach jemand von unheilbarem Krebs.

Muss ich sterben?, fragte sie mit ruhiger Stimme, die mir das Herz brach.

Der Arzt sah sie mit professionellem Mitgefühl an. Wir tun alles, um dir noch Zeit zu schenken, sagte er.

Mehr Zeit nicht Heilung. Nicht Besserung. Zeit.

Am Abend weinte ich im Flur. Doch Sophie kam und umarmte mich: Mama, bitte weine nicht. Wir kämpfen gemeinsam gegen den Tumor.

Von da an begann unser gemeinsamer Kampf. Alle zwei Wochen Chemotherapie. Sophie verlor ihre langen blonden Haare, wurde immer dünner, musste häufig erbrechen. Doch sie beschwerte sich nie und fragte nicht einmal: Warum ich? Sie lächelte jeden Tag.

Ihre Freunde aus der Schule kamen sie besuchen erst oft, dann immer seltener. Es ist schwer, als Jugendlicher dem Sterben einer Gleichaltrigen zuzusehen.

Aber eine Freundin, Jana, blieb immer an ihrer Seite. Seit der Grundschule sind sie unzertrennlich. Jana kam täglich nach dem Unterricht, erzählte von der Schule, brachte Hausaufgaben mit. Manchmal spielten sie zusammen Videospiele, auch wenn Sophie wegen der Schwäche kaum noch mitmachen konnte.

Eines Abends bereitete ich das Abendbrot vor, als ich die beiden im Zimmer sprechen hörte.

Hast du Angst?, fragte Jana leise.

Die ganze Zeit, gestand Sophie. Aber ich sage es Mama nicht, sie hat schon genug zu tragen.

Wovor hast du am meisten Angst?

Dass Mama ganz allein sein wird. Dass sie sich schuldig fühlt für etwas, woran sie keine Schuld hat.

Ich musste mich zurückziehen, damit sie mich nicht hörten.

Die Therapie schlug nicht an. Der Tumor wuchs weiter. Die Ärzte sprachen schließlich vorsichtig von Palliativversorgung der verbleibenden Lebensqualität Vorrang zu geben.

Wie lange noch? Es gibt keine klare Antwort. Vielleicht drei Monate, vielleicht sechs. Vielleicht weniger.

Heute bat mich Sophie, sie in die Schule zu fahren. Es war Wochen her, seit sie dort gewesen war. Sie wollte ihre Klasse noch ein letztes Mal sehen, wollte sich noch einmal normal fühlen.

Ich half ihr beim Aussteigen. Wie dünn sie geworden war, wie schwach. Die Freunde empfingen sie herzlich, ihre Lieblingslehrerin kam und umarmte sie. In diesem Moment war sie wieder einfach Sophie, nicht das Mädchen mit Krebs.

Drei Stunden später holte ich sie ab sie war erschöpft, aber glücklich.

Danke, Mama. Danke, dass du mich gefahren hast. Danke für alles, was du für mich tust. Danke, dass du die beste Mama bist, sagte sie auf dem Heimweg.

Und du bist die beste Tochter, die man sich wünschen kann, antwortete ich.

Nach kurzem Schweigen sagte sie: Mama, wenn ich nicht mehr da bin, will ich, dass du glücklich wirst. Leb weiter. Du darfst nicht dein Leben lang trauern.

Sophie, bitte, nicht darüber reden

Doch Mama, wir müssen reden. Wir wissen beide, was kommt. Versprich mir, dass du mich mit einem Lächeln erinnerst und nicht nur mit Tränen.

Ich versprach es ihr, obwohl ich nicht weiß, wie ich es schaffen soll.

Jetzt schläft Sophie in ihrem Zimmer. Ich habe vorhin noch nach ihr gesehen. So friedlich sieht sie aus. Noch immer mein kleines Mädchen.

Morgen früh kommt die Palliativschwester. Übermorgen steht das Gespräch beim Onkologen an auch wenn wir wissen, was er sagen wird.

Ich sitze in der Küche mit einer Tasse kalten Kaffees. Überall an der Wand hängen Bilder. Sophie als Baby. Ihr erster Schultag. Ihr zehnten Geburtstag. Bilder aus Zeiten, in denen sie noch gesund war voller Lebensfreude, nichtsahnend von allem, was kommen würde.

Ich weiß nicht, wie ich weitermachen soll. Ich weiß nicht, wie eine Mutter den Verlust ihres Kindes überleben soll besonders, wenn dieses Kind erst sechzehn ist und voller Pläne war.

Aber für sie werde ich es versuchen. Ich werde ihr Lächeln erwidern, solange sie lebt. Ich werde diese letzte gemeinsame Zeit so schön wie möglich machen.

Und wenn sie einmal nicht mehr bei mir ist dann weiß ich nicht, wie es weitergeht. Aber das ist eine Aufgabe für später. Jetzt zählt nur eins: da zu sein, für sie.

Wie sagt man seinem Kind, wie sehr man es liebt, wenn die Zeit knapp ist? Wie fasst man ein ganzes Leben voller Liebe in die verbleibenden Tage? Wahrscheinlich kann man es nicht, aber man kann jeden Tag sein Bestes geben. Man lernt, dass Liebe stärker ist als der Tod und dass Erinnerungen bleiben, wenn Worte vorbei sind.

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Homy
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Ich heiße Patricia, bin 49 Jahre alt und arbeite seit 20 Jahren als Nachtschwester im Städtischen Klinikum – ich habe schon alles erlebt.
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