Valentina war auf dem Weg zur Arbeit, als ihr plötzlich auffiel, dass sie ihr Handy zu Hause vergessen hatte. Sie beschloss, umzukehren, stieg in den Aufzug und…

6. Juni

Heute war einer dieser Tage, die mein Leben komplett auf den Kopf gestellt haben. Es fing alles ganz harmlos an: Ich, Veronika Weber, wollte wie immer morgens zur Arbeit. Kaum hatte ich das Haus in München verlassen, bemerkte ich, dass ich mein Handy vergessen hatte. Erst stand ich ein paar Minuten unschlüssig draußen, überlegte hin und her, kehrte dann aber doch eilig zurück.

Ich stieg in den Aufzug hoch zu unserer Wohnung im achten Stock. Plötzlich ein leichtes Ruckeln und der Fahrstuhl blieb stecken! Da saß ich nun, eingesperrt, auf dem Weg nach oben. Es dauerte nicht lang, da hörte ich Stimmen auf dem Flur vertraute Stimmen. Mein Mann Martin!

Er sprach dort mit einer Frau, Andrea, die Nachbarin aus der vierzigsten Wohnung, wie sich gleich herausstellte. Ich traute meinen Ohren kaum sie flüsterten vertraut und liebevoll zueinander. Meine Liebste, hauchte Martin. Ich freue mich so auf heute Abend, endlich wieder mit dir zusammen sein! Andrea erwiderte kichernd: Nach zehn, wenn mein Mann in der Spätschicht ist wie immer diese Woche. Du weißt, er geht halb zehn und kommt erst morgens heim. Übrigens, wir müssen uns beeilen, er ist bald wieder da.

Martin wurde dann unruhig: Warum fährt der Fahrstuhl denn nicht weiter? Rief sie, während sie wohl direkt neben meinen Gefängnis standen. Ich zitterte, konnte kaum glauben, was ich hörte. Erst dachte ich, ich hätte mich getäuscht, so viele reden hier auf dem Flur. Doch als Andrea Martins Namen nannte, fiel auch mehrfach meiner. Da wurde es mir endgültig klar: Mein Mann betrügt mich mit der Nachbarin! Ich fiel fast vom Sitz vor Schreck.

So ist das also, dachte ich bitter. Sie lebt direkt auf diesem Stockwerk. Kein Wunder, dass du abends immer an die frische Luft willst. Jetzt weiß ich, welch frische Luft das wirklich ist. Ich machte mir einen festen Plan, wie ich ihm das nicht durchgehen lassen würde.

Irgendwann kamen die Hausmeister und befreiten mich aus dem Fahrstuhl. Inzwischen war ich fest entschlossen heute Abend würde ich Martin eine Lektion erteilen.

Gegen zehn Uhr abends: Martin bereitete sich wie gewohnt vor und sagte mit seiner ruhigen Art: Veronika, ich geh nochmal eine Runde frische Luft schnappen. Ich erwiderte: Aber draußen regnet es doch in Strömen! Er lächelte: Macht nichts, ich nehme den Regenschirm. Ein bisschen Bewegung schadet nie, tut dem Herzen gut. Auf dem Balkon herumstehen bringt ja nichts.

Ich gab nur zögerlich nach. Ich würde es mir trotzdem überlegen an deiner Stelle. Heute ist irgendwie kein guter Tag für dich, Martin. Ach was, winkte er ab. Du und deine Vorahnungen. Ich bin in einer Stunde zurück!

Etwa 30 Minuten später war er wieder da. Etwas war offensichtlich passiert er klopfte, ich ließ nur vorsichtig die Tür auf, Kette noch vorgeschoben.

Wo ist denn dein Regenschirm? Und warum bist du gar nicht richtig angezogen wo sind Mantel und Schuhe? fragte ich scheinheilig. Martin fror: Stell dir vor, da kamen plötzlich so Typen die haben mir alles abgenommen, sogar die Schuhe! Kann ich bitte reinkommen?

Ich blieb ganz ruhig: Deine Sachen habe ich vorhin gepackt, sie stehen beim Müllraum. Grüße Andrea von mir Welche Andrea?, stotterte er. Die vom achten Stock. Ich schloss die Tür und schaltete entspannt den Fernseher ein. Zum Glück sind unsere Kinder schon ausgezogen sie hätten diese Peinlichkeit besser nie erlebt.

Martin blieb nichts anderes übrig, als zum Müllraum zu eilen, wo seine Reisetasche stand. Er zog sich an und verschwand ich sah noch im Augenwinkel, wie er draußen auf ein Taxi wartete. Später hörte ich, er habe beschlossen, zu seiner Mutter zu fahren.

Doch das Schicksal meinte es nicht gut mit ihm: Sein Handy lag noch bei Andrea in der Wohnung! Deshalb versuchte er noch einmal, zurück in unsere Wohnung zu kommen, wollte mich nach einem Telefon fragen und blieb prompt selbst mit dem Fahrstuhl stecken. Stromausfall im ganzen Haus wie aus dem Bilderbuch.

Erst spät in der Nacht wurde der Strom wieder angeschaltet. Als Martin schließlich aus dem Fahrstuhl befreit wurde, war ich längst weg zur Arbeit ohne eine einzige Nachricht auf seinem Handy, das er ja ohnehin nicht hatte. Den Wohnungsschlüssel besaß er auch nicht, der gehörte immer mir.

Beim Herunterlaufen begegnete er dann Andrea beide mit Koffern im Arm, beide ahnungslos, was sie gemeinsam im Aufzug erwartete. Hast du mein Handy?, fragte Martin. Ja, und deine Sachen auch erwiderte sie. Gemeinsam fuhren sie nach unten und danach brachte sie das bestellte Taxi in verschiedene Richtungen fort.

Ich frage mich jetzt, ob ich je wieder jemandem so vertrauen kann. Aber eines weiß ich: Ich bin nicht gebrochen. Morgen scheint die Sonne über München auch für mich wieder.

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Homy
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