Weshalb habe ich ihm vertraut?
Frau Schneider, wie lange wird sie wohl in diesem Zustand bleiben? fragte meine Mutter und warf einen besorgten Blick auf mich.
Ich lag auf dem Krankenhausbett, mein Kopf schmerzte, und in den Händen hielt ich ein altes Fotoalbum, das Mutter mir vorbeigebracht hatte.
Das kann man schwer einschätzen, seufzte der Arzt und zuckte mit den Schultern. Bei manchen kehrt das Gedächtnis nach einigen Tagen oder Wochen zurück. In anderen Fällen Er warf Mutter einen verständnisvollen Blick zu.
Und… sagen Sie schon, wie es wirklich ist! Ich muss wissen, worauf ich mich einstellen muss.
Es kann leider Monate dauern, bis jemand sich wieder erinnert, was vor dem Unfall war.
Monate?! stieß meine Mutter hervor und atmete tief durch. Herr Doktor, vielleicht ist es eine naive Frage, aber gibt es denn keine Methode, das zu beschleunigen? Irgendwelche Tabletten oder Spritzen? Ich bezahle auch, was immer es kostet. Ich habe genug Geld.
Sie öffnete ihre elegante Handtasche und zog einen Stapel Fünfhundert-Euro-Scheine daraus hervor.
Das ist nicht nötig Am sinnvollsten wäre es tatsächlich, wenn Ihre Tochter viel Zeit mit vertrauten Menschen verbringt. So können Erinnerungen am ehesten zurückkommen. Hat sie nahe Bezugspersonen, außer Ihnen?
Natürlich. Sie wollte sogar bald heiraten. In drei Wochen wäre die Hochzeit.
Und wo ist denn ihr Verlobter?
Ja, ähm… Mutter schaute verlegen weg. Er kümmert sich gerade um die Hochzeitsvorbereitungen.
*****
Frieda, warum bist du heute wieder so schlecht gelaunt? Ich ging zu meiner pechschwarzen Katze und kraulte sie liebevoll hinter den Ohren. Immer noch böse, weil ich heiraten will? Weißt du, so machen das die Menschen. Sie heiraten und leben gemeinsam. Aber keine Sorge, ich liebe dich deswegen nicht weniger das schwöre ich dir.
Unbeeindruckt drehte Frieda sich zum Fenster und signalisierte damit, dass sie auf meine Erklärungen gut verzichten konnte.
Und Moritz wird dich auch irgendwann mögen, fuhr ich fort und streichelte ihr Fell. Warum hast du dich nur so auf ihn eingeschossen? Er ist doch ein wirklich netter Kerl. Lieb, aufmerksam und hilfsbereit.
Frieda warf mir einen verständnislosen Blick zu, sprang dann elegant vom Bett auf den Nachttisch und fegte mit einer gezielten Bewegung das eingerahmte Foto auf den Boden.
Frieda! Was soll das? Ich bückte mich seufzend, um die Glasscherben einzusammeln.
Die Katze sagte nichts. Sie rollte sich wortlos wieder auf dem Bett zusammen.
Er ist wirklich ein guter Mensch. Er liebt mich, und ich liebe ihn auch. Egal, ob dir das gefällt oder nicht: Moritz wird bei uns einziehen. Und Mama hat uns versprochen, zur Hochzeit eine größere Wohnung zu schenken wir werden also alle Platz haben. Auch du bekommst dein eigenes, ruhiges Plätzchen.
Ich nahm das Bild aus der zerbrochenen Fassung. Darauf standen Moritz und ich Arm in Arm vor dem Standesamt das war der Tag, an dem wir uns angemeldet hatten. Bis dahin der schönste Tag meines Lebens. Oder einer der schönsten. Kennengelernt zu haben war für mich auch einmalig.
*****
Moritz lernte ich zufällig kennen. An einem Tag war ich bei meiner Mutter in ihrem Büro in München, um Mittag zu essen (sie führt ihre eigene Unternehmensberatung). In der Hektik stieß ich auf dem Flur fast mit ihm zusammen.
Genauer ich wäre beinahe über ihn gestolpert, weil er eilig zum Chefzimmer unterwegs war, um Unterlagen unterschreiben zu lassen.
Es tut mir leid! Lächelnd und etwas verlegen reichte ich ihm die Hand. Ich wollte zu meiner Mutter, hatte sie zum Mittag verabredet. Ich hab Sie nicht gesehen…
Kein Problem, das kann mal passieren, meinte er, als er schnell die heruntergefallenen Blätter aufhob.
Kann ich Ihnen helfen?
Nein, danke. Ich habe schon alles beisammen. Und… Ihre Mutter ist…
Er schaute auf das Schild an der Tür.
Ja, Frau Dr. Schneider ist meine Mutter, lachte ich. Aber wenn Sie ganz dringend reinmüssen, lassen Sie mich gern vor.
Nein, nein, gehen Sie ruhig. Ich warte.
In diesem Moment öffnete Mutter gerade die Tür. Sie musterte uns beide amüsiert.
Na, was ist denn hier los im Flur? Kommt lieber rein. Ich wollte sowieso gerade eine Kaffeepause mit ein paar Pralinen machen.
So begann alles mit Moritz. Wir haben uns danach öfters gesehen, als ich Mutter besucht habe. Dann lud er mich auf einen Kaffee in ein nahegelegenes Café ein. Später gingen wir ins Kino. Unsere Beziehung entwickelte sich rasant. Und ich mochte Moritz wirklich sehr. Freundlich, humorvoll, sensibel. Und Mutter war es auch gleich recht:
Moritz ist ein Guter. Wenn es dir ernst ist mit ihm, habe ich nichts dagegen. Dann weiß ich wenigstens, an wen ich den Betrieb später weitergeben kann. Mir reicht das Geschäft mittlerweile ich hätte gern wieder mehr Zeit für mich.
Schon ein halbes Jahr später machte er mir einen Antrag, und ich sagte Ja.
Mutter war so glücklich, dass sie Moritz direkt zu ihrem Stellvertreter machte und ihm durchblicken ließ, dass sie nach der Hochzeit weitere große Pläne für die Firma hat.
Ich dagegen kümmerte mich um alles rund um die Hochzeit: den Saal, die Gäste, die Einladungen, Fotograf, Fahrservice es war unglaublich viel zu tun und die Zeit drängte.
So war Frieda, meine geliebte schwarze Katze, meist allein zu Hause. Jedes Mal, wenn ich Moritz Namen erwähnte, sog sie hörbar die Luft ein. Sie mochte ihn einfach nicht von Anfang an.
Beim ersten Besuch fragte Moritz vorsichtig:
Eine schwarze Katze? Hast du keine Angst, Klara?
Wovor denn? lachte ich.
Die Leute sagen immer, schwarze Katzen bringen Pech. Sie sind angeblich die Verkörperung des Unglücks. Erst erschleichen sie sich das Vertrauen der Menschen, und dann…
Unsinn, Moritz. Ich hätte nicht gedacht, dass du an so etwas glaubst.
Naja, man sagt halt Wo Rauch ist, da ist auch Feuer, oder?
Frieda ist mein Glück. Wenn sie irgendwas verkörpert, dann Freundlichkeit. Willst du sie mal streicheln?
Ist das sicher?
Natürlich. Aber ihr müsst euch sowieso aneinander gewöhnen, schließlich werden wir zusammenleben.
Ich hob Frieda vom Boden, sie schaute Moritz misstrauisch an. Aber kaum hielt er ihr die Hand hin, schlug sie blitzartig mit der Pfote zu und kratzte ihn blutig.
Autsch! fuhr er zusammen.
Ich war wie vor den Kopf gestoßen. Frieda bleckte erneut die Zähne, doch Moritz war schon außer Reichweite.
Entschuldige… Ich verstehe nicht, was sie hat.
Hast du Desinfektionsmittel?
In der Hausapotheke, ich hole es sofort.
Ab da musste ich Frieda immer einschließen, wenn Moritz kam. Kaum hörte sie seine Stimme, stellte sie das ganze Fell und fauchte wie wild.
Ich redete endlos mit ihr, bat sie, sich zu benehmen. Genützt hat es bis dahin wenig.
Diese Bilder rauschten nun in Sekundenschnelle an mir vorbei.
Nachdem ich die Scherben entsorgt und das Bild in die Schublade gelegt hatte, setzte ich mich aufs Bett.
Frieda, lass uns bitte endlich Frieden schließen. Es wird sich nicht ändern. Gewöhn dich einfach daran.
Ich streichelte sie, dann zog ich mich an ich musste heute den Menüvorschlag im Restaurant absegnen. Moritz wusste noch nicht, welches Lokal ich ausgesucht hatte er war in letzter Zeit selten zu erreichen. Trotzdem war ich sicher, dass ihm meine Wahl gefallen würde.
*****
Mit guter Laune kam ich aus dem Restaurant. Es war mir gelungen, alles nach meinen Wünschen auszuhandeln und der Manager stellte mir sogar einen satten Rabatt in Aussicht.
Ich griff zum Handy und wählte Moritz Nummer ich musste es ihm einfach jetzt erzählen.
Er hob nicht ab.
Seltsam…, dachte ich.
Ich rief nochmal an. Nach langem Klingeln hörte ich schließlich seine Stimme:
Klarchen, ich kann gerade nicht reden, bin in einer Besprechung. Ich ruf dich später zurück, ja?
Na gut… bis dann.
Ich steckte das Handy weg, lief zu meinem Auto und blieb wie angewurzelt stehen.
Auf der anderen Straßenseite stand Moritz vor einem Café mit einer Frau, die ich nicht kannte. Hatte er nicht eben noch gesagt, er sei in einer Besprechung?
Ich wollte ihn erneut anrufen, dann sah ich, wie er sie ganz offen umarmte, küsste und die Hände unverhohlen auf ihren Rücken gleiten ließ. Sie mochte es offenbar, lachte und schmiegte sich an ihn.
Mir rutschte das Handy aus der Hand. Ich stand nur da, und mir traten die Tränen in die Augen.
Warum? Er hatte gesagt, er liebt mich, er würde mich nie betrügen, seine Gefühle wären echt. Nun war ich anscheinend nur Mittel zum Zweck er log, er täuschte, er liebte mich wohl nie.
Moritz nahm die Hand der Frau und führte sie in das Restaurant. Dort war auch ein Hotel ich konnte mir denken, was als Nächstes kam.
Ich hatte nicht vor, eine Szene zu machen. Ich wollte ihn lediglich in die Augen sehen. Ihn fragen: Warum mir das?
Wie in Trance überquerte ich die Straße und bemerkte gar nicht, dass die Ampel auf Rot stand. Stimmen riefen, Autos hupten.
Dann dieser schrille Bremsenquietscher. Ein heftiger Schlag, alles drehte sich und Dunkelheit…
*****
Erinnern Sie sich, was passiert ist? fragte der Arzt, als ich wieder im Krankenbett lag, den Kopf verbunden.
Nein.
Wissen Sie, wie Sie heißen?
Nein.
Können Sie mir sagen, welcher Wochentag heute ist?
Nein… Ich schüttelte den Kopf. Ich weiß nichts mehr, nur Fetzen von früher: Kindheit, Schule, Studium, Papas Beerdigung.
Wissen Sie, wo Sie jetzt sind?
Wahrscheinlich im Krankenhaus?
Korrekt. Ein Auto hat Sie angefahren. Zum Glück sind Sie glimpflich davon gekommen. Keine Brüche, keine inneren Verletzungen, aber Ihr Kopf hat einiges abbekommen und Sie haben einen Teil Ihres Gedächtnisses verloren.
Was heißt das?
Sie leiden an retrograder Amnesie. Aber das Gute ist, in den meisten Fällen kommt das Gedächtnis nach einiger Zeit zurück.
Hoffentlich…
Darf ich Ihr Telefon haben?
Wieso?
Damit ich Ihre Angehörigen verständigen kann. Haben Sie jemanden? Eine Mutter? Einen Ehemann? Einen Verlobten?
Meine Mutter… ja.
Ich rufe sie gleich an. Erholen Sie sich inzwischen. Sie bleiben eine Woche hier, dann sehen wir weiter.
*****
Kaum hatte Mutter davon erfahren, stand sie am Krankenbett und hielt meine Hand. Sie weinte, obwohl sie sich fest vorgenommen hatte, stark zu sein.
Kleines, wie konnte das nur passieren? Die Hochzeit steht vor der Tür Erinnerst du dich gar nicht an Moritz?
Nein… Wie sieht er aus?
Attraktiv, sehr nett. Ich hab ihn schon angerufen, aber er kann grade nicht kommen.
Wieso nicht?
Er kümmert sich um alles Organisatorische. Wir hoffen beide, dass bis dahin deine Erinnerung zumindest teilweise zurückkehrt.
Du hast ihm erzählt, dass ich Gedächtnisverlust habe?
Natürlich. Was hätte ich denn sonst tun sollen?
Jeden Tag besuchte mich Mutter im Krankenhaus, brachte Fotoalben und Dinge von zu Hause, um mir beim Erinnern zu helfen.
Doch ich erinnerte mich an nichts.
Als Moritz einen Tag vor meiner Entlassung zu Besuch kam, schaute ich ihn an, als wäre er ein Fremder. Er lachte, machte Witze, versprach, alles würde wieder gut.
Auch wenn du dich zur Hochzeit nicht an alles erinnerst, nicht so schlimm. Wir heiraten trotzdem, ja?
Ich schwieg. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Ich wusste nicht einmal, ob ich diesen Mann liebte.
Als ich heimkam, war Frieda da. Mit großen, erschrockenen Augen.
Sie schaute mich an, als wollte sie fragen: Wo warst du? Was ist passiert?
Hab ich eine Katze? fragte ich Mutter verblüfft. Warum hast du da gar nichts gesagt?
Ach, weißt du, die Ärzte haben gemeint, du sollst dich lieber auf den Kontakt zu Menschen konzentrieren. Menschen sind fürs Erinnern wichtiger als Katzen.
Aber Frieda war ja eine Woche allein. Wer hat sich um sie gekümmert?
Ich bin extra gekommen und habe sie gefüttert. Du solltest dich echt mehr um die Hochzeit als um die Katze sorgen, Kind.
Ich schwieg und zog Frieda auf meinen Schoß. Plötzlich pochte ein warmes Gefühl in meinem Innern als hätte ich eine Tasse frischen Kaffee in den Händen. Mochte ich eigentlich Kaffee?
Wie heißt sie?
Wer?
Die Katze. Ich weiß es nicht mehr…
Frieda.
Hübscher Name. Weißt du, warum ich sie so genannt habe?
Keine Ahnung, Mutter zuckte mit den Schultern. Du hast sie damals angeschleppt, als du in Tübingen fürs Studium warst. Am Tag der Aufnahmeprüfung.
Und?
Du riefst an und hast nur von der kleinen schwarzen Katze erzählt. Ich fragte nach den Prüfungen, und du redetest die ganze Zeit davon, wie süß Frieda sei.
Die ganze Woche mühte ich mich, zu erinnern vergeblich. Mir war zum Weinen zumute.
Zum Glück war Frieda immer da. Sie kam aufs Bett, miaute, bettelte um Zuneigung. Es half.
Bis sie plötzlich wieder flüchtete.
Bleib bei mir, bitte. Ich brauch dich doch jetzt! rief ich ihr hinterher.
Sie kam nicht. Nach einer Weile schlich sie aber zurück ins Zimmer und legte sich matt zu mir.
Wenn Frieda so seufzte, spürte ich, dass sie mir etwas sagen wollte. Doch ich wusste nicht, was.
Was hat das zu bedeuten? fragte ich Mutter. Sie zuckte nur die Schultern und meinte wieder, ich solle mit Menschen reden und nicht mit Katzen. In einer Woche sei Hochzeit und ich wisse immer noch nichts.
Eines Abends, als Frieda wieder weglief, beschloss ich, ihr zu folgen. Ich spürte, dass sie wollte, dass ich sie suchte.
So zog ich durch die Wohnung schaute in der Küche, im Bad, auf dem Balkon, nichts. Blieb nur der Flur übrig.
Frieda, wo bist du? Wenn ich dich finde, gibts viele Schmuseminuten! scherzte ich.
Miau! klang es aus dem Schrank.
Da entdeckte ich sie auf der unteren Ablage im Kleiderschrank und plötzlich war es, als würde ein Scheinwerfer in mir angehen, als würde mir ein Blitz durch den Kopf sausen. Ich musste mich festhalten, um nicht umzukippen.
Langsam ging ich zu ihr, hob sie hoch, streichelte sie. Minutenlang, still. Dann flüsterte ich:
Wie lange haben wir so nicht mehr gespielt? In der letzten Zeit war ich so gestresst, dass ich sogar das vergessen habe. Verzeih mir.
Frieda schnurrte glücklich in meinen Armen, ihre Augen funkelten warm.
Wenige Minuten später klingelte es an der Tür. Moritz, mit Blumenstrauß.
Hallo. Deine Mutter meinte, ich soll heute vorbei kommen, sie hats leider nicht geschafft.
Komm rein, sagte ich klar, aber ohne Begeisterung. Musst die Schuhe nicht ausziehen…
Ähm Könntest du Frieda bitte ins Schlafzimmer bringen? Vielleicht erinnerst du dich nicht, aber sie kratzte mich gleich beim ersten Besuch blutig. Du wolltest sie damals eigentlich abgeben, erinnerst du dich?
Ehrlich? Das kann ich mir gar nicht vorstellen.
Doch… du hast es versprochen.
Was ich dir versprochen habe, war, dass ich mit ihr rede und sie sich benehmen soll, wenn du da bist. Aber ich hätte Frieda nie weggegeben, weil ich sie liebe.
Moritz schaute mich eine Weile baff an. Dann wurde ihm klar:
Du erinnerst dich wieder an alles, oder? Echt?
Ich nickte.
Gott sei Dank! Dann müssen wir die Hochzeit nicht mehr absagen, und alles wird gut…
Er wollte mich umarmen, doch ich wehrte ihn freundlich aber bestimmt ab.
Für Frieda und mich wird es jetzt wirklich besser. Aber für uns beide… nein. Die Hochzeit ist abgesagt, Moritz. Es tut mir leid.
Was?! Warum?
Ich erzählte ihm alles, ruhig, ohne Tränen und ohne Wut. Einfach die Fakten. Moritz starrte mich an, versuchte sich herauszureden.
Klara, das mit der anderen das war wirklich nichts Ernstes…
Bei dir scheint ja gar nichts ernst zu sein. Vielleicht solltest du einmal lernen, ernsthaft zu lieben. Geh bitte.
Was, wenn ich nicht gehe? Ich liebe dich doch!
Dann bleibt dir nur eins: rennen.
Ich ließ Frieda los, die nun wütend und zähnefletschend auf Moritz zuschoss.
Er stürmte hinaus, dass es nur so schallte. Ich schloss die Tür, atmete auf und wünschte mir, ich könnte alles mit ihm vergessen. Aber: Die Zeit heilt, sagt man. Und ich bin nicht allein. Frieda ist bei mir. Irgendwann ist das alles nur noch ein böser Traum.
Am selben Abend rief ich Mutter an, berichtete, dass meine Erinnerung zurück war und auch von Moritz.
Nach einer Pause meinte sie:
Die Hochzeit abzublasen ist nicht das Schlimmste, mein Schatz. Hauptsache, du bist heil, und dein Gedächtnis ist wieder da. Um Moritz kümmere ich mich. Der ist morgen gefeuert.
Mir macht das inzwischen auch nichts mehr. Eigentlich bin ich jetzt einfach nur… glücklich. Und weißt du, wer darauf aufgepasst hat? Frieda. Wie hat sie nur gewusst, was zu tun war?
Ich habe neulich gelesen, dass in Großbritannien und Japan schwarze Katzen Bräuten als Glücksbringer geschenkt werden. Vielleicht hat dir das Schicksal Frieda geschickt, damit du glücklich wirst.
Nicht vielleicht, Mama ganz sicher. Frieda ist mein größtes Glück.



