Danke für den Vater
Was hat die Polizei gesagt? flüsterte Katharina, als ihre Mutter das Telefon auf den Tisch legte.
Leider nichts Gutes, antwortete Marianne Schneider, griff nach dem Glas Wasser und nahm einen Schluck. Sie sagten, es sei noch zu früh für Alarm. Mindestens 24 Stunden müssen vergangen sein. Aber ich spüre es einfach… Ich weiß, dass etwas passiert ist!
*****
Mama, hallo! Ist Papa etwa schon weg? rief Katharina, als sie mit einer Schwarzwälder Kirschtorte hereinkam.
Hallo, mein Schatz. Ja, er ist schon los. Ich hab’s dir doch gesagt sein letzter Arbeitstag heute: Jubiläum und zugleich der Abschied in den Ruhestand. Alle Kolleginnen und Kollegen begleiten ihn gemeinsam. Das konnte er sich unmöglich entgehen lassen.
Schade… – seufzte Katharina.
Aber er hat versprochen, zum Mittagessen zurück zu sein.
Dann passt das ja. Mein Sebastian kommt auch gegen Mittag. Die ganze Familie dann beisammen. Und solange decken wir beide den Tisch, einverstanden?
Natürlich, hilfst du mir beim Kochen? Allein schaff ich das heute bestimmt nicht. Aber zuerst trinken wir zusammen einen Tee. Der Wasserkocher ist gerade durch, und ich hab Eclairs für dich gekauft. Magst du?
Sehr gerne!
Mutter und Tochter saßen zusammen am Esstisch, tranken Tee, aßen Eclairs und plauderten übers Wetter, über den Frühling und natürlich über Vater, der heute fünfzig wird.
Alles war wie immer nur dass…
…Marianne merkte, dass irgendetwas ihre Katharina bewegte, als würde sie etwas erzählen wollen, sich aber nicht trauen.
Da wurde Marianne unruhig.
Ist bei dir alles in Ordnung, mein Kind?
Sieht man mir das an? lachte Katharina.
Durchaus. Willst du mir vielleicht etwas sagen?
Ja, aber mach dir bitte keine Sorgen, Mama. Es sind gute Neuigkeiten.
Wirklich? Na dann, lass hören!
Also, Sebastian und ich haben uns überlegt: Wir schenken euch das Gartengrundstück, das wir letztes Jahr gekauft haben.
Wie, ihr schenkt es uns?
Ganz von Herzen. Sebastian hat das Gartenhäuschen fertig renoviert, jetzt könnt ihr die ganze Saison dort wohnen und wir kommen euch einfach besuchen. Weißt du, wir schaffen es im Moment sowieso nicht, uns wie geplant selber um den Garten zu kümmern … Katharina verstummte kurz und lächelte geheimnisvoll.
Warum denn nicht?
Weil ihr in acht Monaten Oma und Opa werdet.
Wirklich jetzt?
Wirklich!
Mein Gott, Katharina! Ich freu mich so! Und wie sich der Andreas erst freuen wird, wenn er es erfährt.
Marianne sprang auf, umarmte ihre Tochter fest und küsste sie mehrmals auf beide Wangen.
Ich wollte, dass ihr beide es zusammen erfahrt aber ich hätte nicht gedacht, dass Papa heute so früh aufbricht.
Nicht schlimm, er kommt ja bald zurück, und dann erzählst du es ihm. Solange, meine Liebe, Marianne schaute zur Uhr lass uns loslegen mit dem Kochen.
Los gehts!
In der Küche klapperten jetzt die Töpfe, Messer hackten auf den Holzbrettchen.
Es heißt ja, zwei Köchinnen passen nicht in eine Küche, aber Marianne und Katharina standen sich kein bisschen im Weg im Gegenteil, sie arbeiteten wie ein eingespieltes Team. Am Ende war der Tisch festlich gedeckt, mit Brathähnchen, Fischfrikadellen, Kartoffelpüree und gleich drei Salaten.
Marianne warf einen Blick auf die Uhr:
Siehst du, wir sind sogar früher fertig geworden als gedacht.
Tja, vier Hände schaffen eben mehr als zwei! lachte Katharina. Rufst du Papa mal an, wann er heimkommt?
Ja, mach ich …
Ich ruf derweil Sebastian an und frag, wann er kommt.
Katharina ging in den Flur, wo ihr Handy lag.
Marianne griff ihrerseits zum Telefon und wählte die Nummer ihres Mannes.
Mehrmals hörte sie nur das Freizeichen, niemand hob ab. Sie versuchte es ein weiteres Mal wieder nichts. Mit bangem Gefühl blickte Marianne auf die Uhr.
Warum geht er nicht ran?
Jetzt fiel ihr ein, dass Andreas versprochen hatte, sich zu melden, sobald er in der Arbeit angekommen sei doch kein Anruf war gekommen. Ein kalter Schauer lief ihr über den Rücken.
Mama, Sebastian kommt in spätestens einer Stunde! berichtete Katharina, als sie in die Küche zurückkehrte. Und was ist mit Papa?
Er geht nicht ans Telefon…
Komisch.
Sehr komisch, Katharina… Ich hab es jetzt schon oft versucht, es klingelt, aber Andreas nimmt nicht ab.
Mama, du weißt doch selbst, was heute für ein Tag ist. Wahrscheinlich ist da die Hölle los auf der Feier.
Nein, Katharina. Er wollte doch zum Mittag daheim sein. Und was er verspricht, hält er immer. Noch seltsamer: Er hat mir heute Morgen nicht mal Bescheid gegeben, dass er angekommen ist! Das passt gar nicht zu ihm. Warum nimmt er nicht ab?
Soll ich seinen Chef anrufen? Vielleicht lassen die ihn schon früher gehen? Die Familie wartet immerhin!
Gute Idee, ich versuchs einfach.
Marianne war nie eine, die schnell in Panik geriet, aber heute hatte sie ein ganz schlechtes Gefühl. Andreas war immer zuverlässig ans Telefon gegangen.
Weil er ihr immer gesagt hatte, dass ihr Wohl am wichtigsten sei und dass sie sich nie sorgen sollte.
Gerade heute hätte er auf jeden Fall antworten müssen.
Obwohl … vielleicht war er einfach zu sehr bewegt immerhin, so ein Abschied von der Arbeit kommt nur einmal im Leben. Andreas hat ein Vierteljahrhundert dort gearbeitet, bestimmt fällt ihm das schwer.
Hallo? meldete sich eine Männerstimme.
Guten Tag, Herr Wagner! Hier spricht Marianne Schneider, die Frau von Andreas. Ich wollte mal fragen, wann sie meinen Mann heute entlassen? Wir warten hier schon, meine Tochter ist da, mein Schwiegersohn bald auch.
Ach, guten Tag Frau Schneider! Um ehrlich zu sein ich weiß gar nicht, was ich Ihnen sagen soll.
Wie bitte?
Wir warten auch Andreas ist noch nicht da. Wir haben schon ein paarmal bei ihm angerufen, aber er geht nicht dran.
Wie? Sie meinen, er war heute gar nicht auf der Arbeit? Marianne war baff.
Nein, noch nicht. Aber wir warten weiter auf ihn. Sobald er kommt, geben wir ihm natürlich Bescheid, er soll so schnell wie möglich zu Ihnen kommen. Aber Sie wissen ja, dass wir ihn heute gebührend verabschieden müssen, ist Tradition.
Ja, danke … Und bitte, geben Sie mir auch Bescheid, wenn er auftaucht.
Mit zittrigen Händen legte Marianne auf und schaute erschrocken zu ihrer Tochter:
Katharina, er war heute gar nicht in der Arbeit … und den Anrufen geht er seit Stunden nicht nach. Wo kann er denn nur sein?
Ganz ruhig, Mama. Lass uns ihn gemeinsam weiter versuchen zu erreichen.
*****
Andreas verließ das Haus, lächelte der wärmenden Morgensonne entgegen, grüßte die älteren Damen auf der Bank vor dem Haus und machte sich zur Straßenbahn-Haltestelle auf.
Der Weg war seit fünfundzwanzig Jahren derselbe und auch heute schien es ein Tag wie jeder andere zu werden.
Nur heute sollte er nicht mehr an den Schreibtisch zurückkehren, sondern seine Arbeitsmappe abholen und sich offiziell verabschieden.
Ein wenig war er nervös die ganze Nacht hatte er schlecht geschlafen, immer wieder Corvalol getrunken, es half aber nicht wirklich. Als ihn heute Morgen Marianne zum Geburtstag beglückwünschte, lachte er trotzdem.
Seiner Frau erzählte er von seinem Unwohlsein lieber nichts, um sie nicht unnötig zu belasten.
Er wusste aus Erfahrung, dass es mit der Zeit nachlässt.
So verließ er zeitig das Haus, damit niemand etwas merkte. Bloß nicht den großen Tag verderben denn hätte Marianne etwas geahnt, wäre alles abgeblasen und er hätte seinen Kollegen keinen Gruß mehr werfen können.
Wird schon gehen, ist bestimmt gleich vorbei… tröstete er sich, immer öfters mit der Hand auf seiner Brust.
An der Haltestelle dachte Andreas darüber nach, was er den Kollegen als Abschiedsworte sagen würde… und presste sich an ein Geländer. Als die Straßenbahn eintraf randvoll traute er sich nicht einzusteigen: zu stickig, zu voll.
Vielleicht war ein Spaziergang einfach besser: Die Sonne schien, Zeit hatte er noch genug, und frische Luft tat ihm sicher gut.
Seiner Frau meldete er sich nicht wie ausgemacht, er wollte erst durchrufen, wenn er in der Arbeit ankam.
Doch dort kam er nie an. Er erreichte sie nicht …
Sein Weg führte ihn durch einen kleinen Stadtpark, an Werktagen fast menschenleer, und genau dort wurde ihm plötzlich schwindelig.
Er setzte sich auf eine Bank, öffnete das Hemd, lockerte die Krawatte und versuchte, tief durchzuatmen. Wie lange er dort saß, wusste er nicht nur dass es nicht besser wurde.
Er wollte Marianne bis zuletzt nicht beunruhigen, aber als er spürte, dass es wirklich kritisch wurde, griff er nach dem Handy, um sie anzurufen, und wollte danach sofort den Notruf wählen.
Doch die Hände zitterten so sehr, dass das Handy zu Boden fiel, rollte unter die Bank und war für ihn unerreichbar.
Ein Versuch noch, sich hochzustemmen es gelang nicht. Seine Brust zog sich so zusammen, dass er kaum noch Luft bekam, die Sicht verschwamm.
Das Letzte, was er dachte: Na toll, jetzt zum Jubiläum, zum Ruhestand…
Und er war am traurigsten, weil er sich von weder Frau noch Tochter verabschieden konnte.
*****
Marianne nahm ein paar Tropfen Baldrian, griff wieder zum Telefon, erneut nur Klingelzeichen … auch Katharina versuchte es zehnmal hintereinander vergeblich.
Als Sebastian kam, saßen sie zu dritt am festlich gedeckten Tisch, schauten sich wortlos an und warteten.
Worauf warten wir eigentlich? ergriff Marianne das Wort. Wir müssen sofort die Polizei einschalten. Vielleicht können die helfen!
Katharina und Sebastian waren ganz ihrer Meinung jeder verstand, dass Andreas nicht einfach so verschwindet.
Zumal er im Katastrophenschutz gearbeitet hatte und mit Gefahrensituationen umgehen konnte. Wenn er so lange nicht erreichbar war, musste etwas passiert sein.
Was hat die Polizei gemeint? flüsterte Katharina, als die Mutter den Hörer auflegte.
Nichts Gutes, Marianne nahm einen Schluck Wasser. Sie sagten, es sei zu früh für Alarm. Es müssten erst 24 Stunden vergangen sein. Aber ich weiß… Ich weiß, dass was passiert ist!
Dann suchen wir ihn eben selbst! sagte Katharina nun entschlossen.
Ja, du hast recht. Wir suchen selber… Er wollte mit der Straßenbahn fahren, also zur Haltestelle hier um die Ecke. Vielleicht weiß dort jemand etwas, vielleicht sogar die Fahrer von heute Morgen.
Mama, Sebastian und ich gehen. Bleib du zu Hause falls Papa heimkommt. Ruf derweil die Krankenhäuser an, nur zur Sicherheit.
Gut so…
Katharina und Sebastian zogen sich an und machten sich auf den Weg.
Marianne verschloss die Tür, griff wieder zum Telefon und rief Krankenhaus um Krankenhaus an.
Bitte, lass ihm nichts Schlimmes passiert sein, flüsterte sie und bekreuzigte sich.
*****
Andreas war noch bei Sinnen, doch es wurde immer schlimmer. Er konnte kaum noch die Hand bewegen, sprechen war unmöglich.
Hil…fe… murmelte er, streckte die Hand nach zwei vorbeigehenden Frauen aus.
Doch sie sahen ihn verächtlich an.
Der nächste Säufer! meinte eine.
Ja, wohl zu tief ins Glas geschaut, liegt hier mitten am Tag auf der Bank herum … so was, spottete die andere.
Andreas hörte den Spott, Tränen liefen ihm über die Wangen. Hilflosigkeit. An ein so hilfloses Gefühl hatte er noch nie gedacht kein Helfen mehr, weder für sich selbst noch für andere. Er, der doch so viele Menschen- und Tierleben gerettet hatte!
Warum denn heute?
Als das Klappern der Absätze verstummte, schloss er die Augen, darauf gefasst, dass niemand mehr kommen würde … Doch plötzlich:
Neben ihm bellte es laut. Sehr nah, direkt am Ohr.
Jemand legte Pfoten auf ihn, begann sein Kinn zu lecken.
Ein Hund! Ein Hund! freute Andreas sich. Wenn ein Hund hier ist, müssen Menschen in der Nähe sein…
Er zwang sich, die Augen zu öffnen tatsächlich, ein mittelgroßer älterer Hund. Und Andreas erkannte ihn. Aber woher …
Dann kamen die Erinnerungen in grellen Bildern:
Ein brennendes Haus, Kameraden bringen eine Frau und einen Mann hinaus; dann hört Andreas durch ein Fenster lautes Bellen.
Da ist noch ein Hund?! fragt Andreas den Mann, der im Rettungswagen sitzt.
Ja, stimmt! Die Hündin ist noch drinnen… Aber wir konnten sie nicht mehr retten.
Warum sagen Sie das jetzt erst?! Andreas hebt die Stimme und rennt ohne zu überlegen zurück ins brennende Haus.
Man wollte ihn bremsen, weil die Einsturzgefahr groß war, aber er hörte nicht.
Zehn Minuten später kam er, hustend und nach Atem ringend, mit der Hündin auf den Armen hinaus.
Andreas gab den Hund zurück, vergaß den dankbaren Blick nie.
Er sah in diesen Hundeaugen ein riesengroßes menschliches Danke. Der Hund warf Andreas diesen Blick zu, weil er unter Einsatz seines Lebens gerettet wurde.
Jetzt flackerten die Bilder ein letztes Mal auf, dann wurde es dunkel und kalt.
Wuff! bellte der Hund, leckte Andreas weiter, der reglos auf der Bank lag.
Er kannte seinen Retter. Und jetzt …
… half er selbst.
Wenn du kannst… flüsterte Andreas, hol Menschen. Irgendjemanden.
Dann verlor er das Bewusstsein.
Der Hund aber er hatte Andreas verstanden.
Er lief zum Ausgang des Parks, suchte nach Leuten. Zuerst einen Studenten an der Imbissbude, dann eine Frau mit Kind am Zebrastreifen, dann einen Zeitungsleser.
Doch niemand …
… niemand verstand, was der Hund wollte. Im Gegenteil, sie verscheuchten ihn, als ob er gefährlich wäre. Dabei wollte er nur Hilfe holen.
*****
An der Straßenbahnhaltestelle erfuhren Katharina und Sebastian nichts. Niemand, dem sie das Foto zeigten, hatte ihren Vater gesehen. Katharina hatte extra ein Foto aus dem Familienalbum mitgenommen, aber vergeblich.
Sie wusste, dass jede Minute zählte es hatte keinen Sinn, noch länger zu warten.
Also liefen die beiden in einen Laden nach dem anderen, durchsuchten die Nachbarhöfe.
Nirgendwo eine Spur vom Vater. Es war, als wäre er vom Erdboden verschluckt. Auch ans Handy ging er nicht. Wo bist du, Papa, wo?
Als sie am Park vorbeieilten, hörte Katharina plötzlich lautes Bellen. Sie drehte sich scharf um da war ein älterer Hund, der bellend die Passanten auf sich aufmerksam machen wollte und sich immer wieder losriss, wenn jemand nach ihm schlug.
Hau ab! fauchte ein Rentner den Hund an und schwang seinen Gehstock. Diese Köter, man kann sich kaum noch bewegen!
Was ist, Katharina? fragte Sebastian, als sie stehen blieb. Ihr Ziel war eigentlich der Taxistand, in der Hoffnung, dass dort jemand ihren Vater gesehen hatte.
Ich weiß nicht … Der Hund bellt nicht aus Spaß. Als wollte er etwas mitteilen … Ich kann es nicht erklären, aber ich fühle es.
Der Hund sah Katharina an, ihre Blicke trafen sich. In den Hundeaugen lag mehr als Bitte, eher Verzweiflung.
Katharina, wo willst du hin? rief Sebastian ihr nach.
Doch sie war schon losgelaufen.
Sie folgte dem Hund, der wedelnd vorauslief zurück in den kleinen Stadtpark, dorthin, wo ein Mensch auf der Bank lag, dem er sein Leben verdankte. Katharina folgte ihrem Gefühl, Sebastian hinter ihr her.
Fünf Minuten später standen sie an der Bank, wo Andreas bewusstlos lag aber er lebte noch, er atmete noch!
Papa! schrie Katharina, hob seinen Kopf und versuchte, ihn wiederzubeleben. Sebastian, ruf sofort den Notarzt!
*****
Der Rettungswagen kam schnell, Andreas kam direkt auf die Kardiologie des nächsten Krankenhauses.
Katharina nahm den Hund, sie und Sebastian holten das Auto und fuhren zur Klinik.
Unterwegs rief sie auch Marianne an, erklärte in Stichworten, was passiert war, und versprach, sofort zu informieren, sobald sie Genaueres wusste.
Ihr Vater hatte Glück … sagte der Arzt nach der Not-OP, Glück, dass Sie ihn rechtzeitig gefunden haben. Noch eine halbe Stunde mehr, und wir hätten nichts mehr tun können.
Er wird wieder gesund? fragte Katharina und wischte sich die Tränen ab.
Er wird.
Katharina ging zu Sebastian, der mit dem Hund am Auto wartete, und umarmte den Hund fest.
Danke … Danke, dass du meinen Vater gerettet hast.
Wie gehts ihm? fragte Sebastian.
Alles gut, er wird wieder gesund, antwortete Katharina erschöpft. Und alles nur dank ihm, sie zeigte auf den Hund.
Er hat ein Halsband, also einen Besitzer.
Ja, aber weißt du … Wir sollten ihn bei uns aufnehmen, bis wir die Besitzer finden. Immerhin hat er meinem Vater das Leben gerettet. Ich kann ihn jetzt nicht draußen allein lassen.
Selbstverständlich, Schatz.
*****
Marianne, Sebastian und Bodo (so stand es auf dem gravierten Hundemarke am Halsband) standen vor dem Krankenhaus und warteten auf Andreas.
Nach zehn Minuten öffnete sich die Türe Katharina kam, den Vater im Arm.
Bodo bellte begeistert, wedelte mit dem Schwanz und stürzte sich auf Andreas. Er sprang, bellte, war sichtlich überglücklich.
Schaut, Papa, er hat dich gerettet. Er hat dir das wertvollste Geburtstagsgeschenk gemacht dein Leben.
Danke, mein Freund, lächelte Andreas, beugte sich langsam hinunter und streichelte den Hund. Sag mal, Katharina, wo sind seine Besitzer? Der Hund gehört doch jemandem.
Wir haben gesucht, im Internet, aber niemand hat sich gemeldet, solange du im Krankenhaus lagst.
Marianne schloss Andreas in die Arme, Tränen liefen, aber sie lächelte:
Danke, dass du lebst, Andreas.
Es tut mir leid, Marianne, dass ich dir nichts von meinem Unwohlsein gesagt habe. Ich dachte, es geht schnell vorbei …
Ich verzeihe dir. Jetzt fahren wir heim? Deinen zweiten Geburtstag feiern?
Lass uns heimfahren.
*****
Was Bodo angeht Andreas versuchte selbst, den Besitzer zu finden, fuhr sogar zu dem Haus, das vor einem Jahr abgebrannt war.
Aber das war schon lange verlassen. Die Nachbarn meinten, die ehemaligen Besitzer seien weggezogen, ohne den Hund. Keine Zeit, kein Interesse wohl.
So blieb Bodo ganz selbstverständlich bei Andreas. Und er war glücklich darüber.
Andreas nahm seinen Hund zur Abholung der Papiere ins Büro mit, verbrachte die Wochenenden mit Bodo im Schrebergarten. Und gemeinsam mit Sebastian holte er schließlich seine Tochter und das neue Enkelkind aus dem Krankenhaus ab.
Herzlichen Glückwunsch, Papa! strahlte Katharina. Du bist jetzt Opa und hast zwei Enkelinnen!
Was für ein Glück, meine Tochter!
Wuff! meldete sich Bodo, der sichtlich froh war, dass es allen, die er liebt, wieder gutging.
Ja, so fand Andreas langsam zurück ins Leben. Es wurde heller, bunter und erfüllter. Und bis zum Ende seiner Tage wird Andreas seinem Bodo dankbar sein, dass er ihm dieses Leben geschenkt hat.





