Der Wahrheit auf die Spur kommen

Die Wahrheit erfahren

Was ist das bloß für eine Arbeit, die du hast, dass du nicht einmal eine Stunde mit deiner eigenen Mutter verbringen kannst? Na gut Hannelore Seifert winkte ab, längst an diese Situationen gewöhnt. Dann lass mich dir wenigstens etwas Proviant für unterwegs einpacken. Wahrscheinlich bist du wieder hungrig, oder?

* * * * *

Oma, hallo! rief Frieda ausgelassen und sprang aus dem Wagen. Stell dir vor, ich darf einen ganzen Monat bei dir zu Besuch bleiben!

Hallo, mein Schatz! Einen ganzen Monat? Meinst du das ernst?

Ja! Mama hat es gesagt!

Das ist doch herrlich! Da schaffen wir bestimmt eine Menge zusammen! Hannelore Seifert schloss ihre Enkelin lächelnd in die Arme.

Dann warf sie einen Blick zum Gartentor und eilte ihrer Tochter entgegen, um beim Ausladen mitzuhelfen.

Wie war die Fahrt?

Hallo, Mama. Ging alles gut. So ein Glück, ein eigenes Auto zu haben. Ich weiß gar nicht, wie ich das sonst mit Frieda und dem ganzen Gepäck im Bus geschafft hätte.

Wir sind früher immer nur mit dem Bus zu dir gekommen ein Auto hatte ich ja nie, schmunzelte Hannelore, küsste ihrer Tochter beide Wangen.

Oh ja, das waren Zeiten Ich weiß bis heute nicht, wie du das bewältigt hast, als ich noch klein war und wir zusammen zum Markt gefahren sind. Da war ich vielleicht sieben

Stimmt, Hannelore sieben warst du. Genau wie Frieda jetzt Irgendwie hab ich es halt geschafft, mit Gottes Hilfe, wie man so schön sagt. Ihr wascht euch jetzt mal die Hände, ich deck in der Zwischenzeit den Tisch. Ich habe eine ganze Menge für euch gekocht.

Anna zog eine schuldbewusste Miene und blickte zu ihrer Mutter hinüber.

Ist etwas passiert? fragte Hannelore Seifert besorgt. Anna, sag nicht, dass du

Ja, Mama. Ich muss leider schon wieder los

Wie? Jetzt gleich?!

Ja, Mama, gleich. Es tut mir leid, aber mein Chef hat mich gebeten, das neue Projekt so schnell wie möglich fertigzustellen. Es ist noch so viel zu tun und wie immer zu wenig Zeit.

Es ist nie genug Zeit, seufzte Hannelore.

Mama, ich kann meinen Chef nicht enttäuschen. Der Job ist gut und das Gehalt ist es auch. Deshalb bleibt mir keine Zeit, mit euch zu Mittag essen, die Fahrt zurück nach München dauert noch drei Stunden.

Was ist das für ein Job, dass du nicht einmal eine Stunde bei deiner Mutter verweilen kannst? Ach Hannelore winkte ab, bereits daran gewöhnt. Dann lass mich dir wenigstens eine Kleinigkeit für den Weg geben? Du bist ja sicher hungrig?

Nein, danke. Gib dem Kind lieber etwas, die isst kaum noch zu Hause, lächelte Anna.

Sie umarmte ihre Mutter.

Oh, und das Wichtigste hätte ich beinah vergessen Frieda bleibt einen ganzen Monat bei dir, pass bitte gut auf sie auf. Sie ist nämlich ziemlich neugierig kann gar nicht anders, als überall ihre Nase reinzustecken.

Ich achte schon auf sie, mach dir keine Sorgen, mein Kind, Hannelore küsste Anna zum Abschied. Dann sah sie dem Auto lange nach, Tränen rannen ihr über die Wangen.

In letzter Zeit hatte sie ihre Tochter kaum noch gesehen, nur noch am Telefon sprachen sie miteinander.

Doch ist das wirklich ein Gespräch?

Zum Glück brachte Anna ihr wenigstens ab und zu die Enkelin vorbei, sonst würde sie vor lauter Sehnsucht noch eingehen.
Übrigens Hannelore schaute sich um. Wo ist eigentlich Frieda?!

* * * * *

Eine ganze Ewigkeit suchte die Großmutter die spurlos verschwundene Enkelin im Haus, auf dem Grundstück, und fand sie schließlich im Garten hinter dem Haus.

Frieda! Du könntest doch wenigstens Bescheid sagen, wenn du in den Garten gehst, schüttelte Hannelore den Kopf. Ich hatte schon einen halben Herzinfarkt.

Tut mir leid, Oma Du hast dich ja mit Mama unterhalten, da war mir langweilig. Da dachte ich, ich geh mal spazieren, lächelte Frieda. Ich wollte dich übrigens noch was fragen: Warum hast du mir nie erzählt, dass du so eine schöne Katze hast?

Hannelore starrte verwundert auf ihre Enkelin, dann auf den roten Kater, der sich an Friedas Seite gesetzt hatte.

Erst jetzt fiel ihr das Tier auf.

Also das Warum habe ich nichts gesagt Weil ich gar keine Katze hatte, antwortete die Oma.

Und wer ist das dann? lachte Frieda. Das ist doch ein richtiger Kater! Stell dir vor, der kam ganz allein zu mir!

Sehe ich ja aber der gehört nicht mir. In der Nachbarschaft kenne ich keinen solchen Roten. Der ist bestimmt aus einem anderen Dorf hierhergewandert.

Aus einem anderen Dorf? Donnerwetter! Vielleicht wurde er von seinen Besitzern ausgesetzt Oma, darf er vielleicht bei uns bleiben? fragte Frieda hoffnungsvoll. Ich will jeden Tag mit ihm spielen und mich richtig gut um ihn kümmern. Ich hab ihm auch schon einen Namen gegeben.

Und wie heißt er? schmunzelte Hannelore.

Marzipan!

Das passt irgendwie Gut, dann bleibt dein Marzipan hier. Aber jetzt Hände waschen und an den Tisch! Ich füttere auch gleich deinen neuen Freund.

* * * * *

Nach dem Essen spielte Frieda den ganzen Nachmittag draußen mit Marzipan. Sie warf ihm einen Ball zu, dem der Kater begeistert nachjagte. Später spielten sie Verstecken.

Nur Marzipan fand Frieda immer sofort, während sie selbst noch nie herausbekam, wo er sich versteckte.
Genug, Marzipan! Ich weiß wirklich nicht mehr, wo ich suchen soll! Komm raus!

Einige Sekunden später schmiegte sich der Kater um ihre Beine, während Frieda sich verwundert umsah wo war er nur hergekommen?

Kann er sich vielleicht unsichtbar machen?, grübelte das Mädchen.

Frieda, es wird schon dunkel. Komm rein, rief Hannelore.

Oma, darf ich Marzipan mit in mein Zimmer nehmen? Ich fühl mich mit ihm so wohl.

Nein, mein Schatz, der Kater bleibt draußen. Es ist Sommer, da macht ihm das nichts. Im Haus schläft er nicht.

Naja Frieda war enttäuscht.

Sie verabschiedete sich von Marzipan und sagte ihm, dass sie schon sehnsüchtig auf den nächsten Morgen wartete.

Der Kater maunzte etwas, vermutlich so etwas Ähnliches zu ihr gesagt, und verschwand Richtung Geräteschuppen, seinem neuen Lieblingsplatz.

* * * * *

Am Morgen ging Hannelore wie gewohnt in den Schuppen, um die Hühner zu füttern.

Erst kürzlich hatte sie beschlossen, es einmal als Hühnerbäuerin zu probieren vorher hatte sie nur Gemüsegarten und Blumen gehabt. Jetzt also Eier vom eigenen Hof. Keine Eier mehr bei Frau Weber holen müssen!

Schon im Schuppen zählte sie nun ihre kleine Herde und

stutzte.

Eines der Küken fehlte. Gestern waren es noch achtzehn, heute nur siebzehn. Seltsam.

Sind die etwa ausgebüxt? murmelte sie Aber wie denn, die Türe war geschlossen

Sie war natürlich besorgt, doch als sie an Frieda dachte, die bestimmt schon gleich aufstehen würde, eilte sie ins Haus, um Frühstück zu machen.

Oma, warum bist du so traurig? fragte Frieda und schob sich den dritten Pfannkuchen mit Marmelade in den Mund. Hast du schlecht geträumt?

Alles gut, Frieda. Nur nur ein Küken fehlt. Ich kann es nicht finden, seufzte Hannelore.

Du hast Küken?!

Ja, ich halte jetzt Hühner. Willst du sie dir anschauen?

Klar doch!

Dann iss auf, danach gehen wir in den Schuppen zu den Küken.

Zehn Minuten später schaute Frieda begeistert, wie die gelben, flauschigen Federbällchen durchs Streu rannten.

Fast wie ich genauso neugierig und hübsch, dachte Frieda lachend.

Dann zählte das Mädchen:

Siebzehn

Da siehst du, mein Schatz, ich hab auch nur siebzehn gezählt, bestätigte Hannelore. Und gestern waren es noch achtzehn. Merkwürdig.

Keine Sorge, Oma, das Küken kommt bestimmt zurück. Ein bisschen spazieren und dann wieder heim, tröstete Frieda.

Hoffen wir’s

Doch am nächsten Morgen fehlte erneut ein Küken. Und auch am dritten Tag nun waren es nur noch fünfzehn.

Fünfzehn. Also sind schon drei weg

Jeden Tag verschwand eines.

Wären sie alle auf einmal weg, würde ihr das noch eher einleuchten. Doch eins pro Tag ein richtiges Mysterium. Und alles begann mit der Ankunft der Enkelin und

Hannelore, warum so trübsinnig? rief von der Gartentür ihre beste Freundin, Margarete Weber, mit einem breiten Lächeln.

Was gibt’s da zu lachen, Grete? erwiderte Hannelore leise, beim Hinübergehen.

Wieso, Frieda ist doch zu Besuch! Sei froh! Oder ist doch was nicht in Ordnung?

Und wie

Hannelore erzählte ihrer Freundin von dem seltsamen Schwund, während Margarete immer wieder zu Frieda hinübersah, die mit Marzipan spielte.

Das sind schon drei Küken futsch! Ich weiß nicht, wie das sein kann. Ausbüxen können die nicht. Und warum sollten sie das tun? Etwa ein Fuchs?

Ein Fuchs, sagst du? grinste Margarete. Wann hast du hier das letzte Mal einen Fuchs gesehen?

Eben Wer dann?

Ich an deiner Stelle würde den roten da mal im Auge behalten sie deutete auf Marzipan. Wo kommt der überhaupt her? Früher hattest du nie einen Kater.

Der ist einfach aufgetaucht, Hannelore wusste noch nicht, worauf ihre Freundin hinauswollte.

Und wann?

Direkt, als Frieda kam. Wohl aus einem Nachbardorf, bei uns gibt es keine roten, meist nur schwarze, weiße oder graue. Warte mal Er ist also vor drei Tagen aufgetaucht

Siehst du! Glaubst du an Zufall?

Aber ich fütter ihn jeden Tag. Warum sollte er dann meine Küken nehmen? Außerdem man sieht keine Spuren

Kater sind Wildtiere. Nachts sind sie unterwegs. Sag ich dir das ist eindeutig.

Hm ich weiß nicht Er ist eigentlich so lieb.

Doch der Zweifel sammelte sich heimlich in Hannelores Herz. Sie erinnerte sich, wie Marzipan oft am Schuppen lauerte und und aufmerksam lauschte.

Vielleicht stimmt es ja? flüsterte sie.

* * * * *

Frieda, Mittagessen! Hannelore rief nach ihrer Enkelin.

Komme gleich, Oma! Ich sage nur Marzipan kurz Bescheid!

Lass mal, der hat hier nichts verloren.

Wieso nicht?! Frieda war wie vom Donner gerührt.

Weil dein Marzipan meine Küken stiehlt! Seit er auftauchte, verschwinden sie! Meinst du, das ist ein Zufall?

Oma, wie kannst du das sagen? Marzipan würde das nie tun! Er ist freundlich und brav. Wir geben ihm doch zu essen. Und außerdem

Frieda nahm Marzipan und drückte ihn fest an sich:

Und außerdem hast du keine Beweise, Oma! Und ohne Beweise ist er unschuldig! So!

Versteh doch: Katzen sind Räuber, sie lassen sich die Gelegenheit nie entgehen. Sie jagen nachts erwischen kannst du sie da nicht. Komm jetzt rein, ich werde Marzipan vom Hof jagen.

Da erschien neben dem Zaun die Silhouette eines Mannes. Er blieb kurz stehen, dann trat er an das Tor.

Hannelore, alles in Ordnung? Ich hör dich schon im ganzen Dorf, wie du rufst, schallte es von Bernhard Richter, dem Dorfpolizisten.

Guten Tag, Bernhard, antwortete Hannelore kühl, alles bestens hier. Und ich schreie nicht; ich spreche eben laut. Gehen Sie ruhig weiter, hier gibt es genug Ärger.

Ach was, vielleicht kann ich ja helfen? Dafür bin ich doch hier! ließ sich Bernhard nicht abschütteln.

Danke, ich schaff das allein.

Hannelore brachte Frieda ins Haus, dann jagte sie Marzipan vom Hof und warf noch einen nachdenklichen Blick auf Bernhards Rücken, der langsam die Dorfstraße entlangging.

Was will der denn hier noch? Glaubt er wirklich immer noch an eine Chance bei mir?

Bernhard war schon lange im Dorf gewesen. Als der alte Gendarm in Ruhestand gegangen war, hatte man ihn geschickt jung und wirklich attraktiv.

Hannelore hatte immer auf ein Zeichen von ihm gewartet, doch er hatte sich nie entschieden. Kein Liebesgeständnis, kein Antrag und die Zeit verging, ein Leben stand auf dem Spiel. Am Ende heiratete sie doch den Landwirt, der länger um sie geworben hatte.

Doch das Glück war nicht von Dauer sie wurde bald geschieden. Dafür hatte sie aber Anna bekommen ihr ganzer Stolz.

Bernhard blieb Junggeselle und schrieb ihr, als Hannelore längst kein Interesse mehr hatte, noch leidenschaftliche Briefe.

Eines Tages stellte sie ihm entschieden klar:

Es wird nichts mit uns, Bernhard. Also schreib mir nicht mehr und lauf nicht ständig um mein Haus, sonst gibts Ärger.

Danach ließ er sich lange nicht sehen und war nun plötzlich wieder da.

Vielleicht hatte er einfach nur einen Spaziergang gemacht…

* * * * *

Am Nachmittag kam Margarete zu Besuch; Hannelore servierte Tee und berichtete von ihren Sorgen wegen der verschwundenen Küken. Frieda war derweil am Zaun und unterhielt sich mit Marzipan.

Marzipan, sei meiner Oma nicht böse. Wahrscheinlich hat dir die Tante Grete was nachgesagt. Sie schaut ja ständig zu uns rüber. Aber ich weiß es: Du warst das nicht, oder?

Miau-uu…

Eben, sag ich doch! warum sollte sie dich beschuldigen? Oder… Plötzlich blickte Frieda misstrauisch zum Haus. Vielleicht nimmt sie die Küken? Sie ist ja oft bei Oma zu Besuch da sieht sie alles…

Frieda war sicher der wahre Dieb musste ein Dorfbewohner sein.

Wir müssen die Diebin nur auf frischer Tat erwischen!

Und da kam nur Margarete als Verdächtige in Frage.

Hilfst du mir, Marzipan?

Miau-uu…

Aber wie, das musste sie erst herausfinden! Notfalls würde Marzipan helfen schlau genug war er ja.

* * * * *

Frieda konnte lange nicht einschlafen, grübelte, wie sie ihren roten Freund entlasten könnte. Die Oma klapperte noch lange in der Küche, ging dann aber ins Bett.

Frieda erinnerte sich: Morgenstund hat Gold im Mund und dämmerte eben weg, als sie plötzlich ein Kratzen am Fenster hörte.

Sie sprang auf und zog die Gardine zurück Marzipan stand draußen und scharrte mit der Pfote gegen die Scheibe.

Marzipan?! Was machst du hier draußen? Wenn Oma sieht, dass du wieder da bist, gibts Ärger.

Miau!

Pssst!

Frieda holte Marzipan herein, überzeugt, dass er einfach Sehnsucht hatte. Doch der Kater sprang auf die Fensterbank und maunzte auffordernd.

Willst du, dass ich mitkomme? riet Frieda. Denkst du, der Dieb kommt heute Nacht wieder?

Natürlich! Wenn die Küken nachts verschwinden, kann man den Dieb nur nachts erwischen.

Sie zog sich hastig an, nahm Marzipan und schlich hinaus.

Durch das Fenster zu klettern war ihr zu riskant, also schlich sie leise zur Tür, drehte am Riegel…

Da hörte sie eine müde Stimme:

Und wohin willst du so spät noch?

Oma? Warum bist du noch wach?

Dasselbe könnte ich dich fragen, Frieda. Warum bist du nicht im Bett? Und wohin willst du?

Hannelore schaltete das Licht an und erstarrte.

Wie kommt denn der Kater hier rein?!

Oma, bitte, nicht schimpfen. Marzipan ist selber gekommen und will, dass ich mit ihm gehe. Vielleicht spürt er, dass heute der Dieb wieder kommt.

Was für einen Dieb meinst du, Frieda?

Na, den, der die Küken nimmt!

Ach, Frieda Das ist doch nur dein Kater; er schnappt sich die Küken und frisst sie irgendwo. Warum sollten die Menschen deine Küken stehlen?

Oma, liebst du mich?

Natürlich, was für eine Frage?

Dann glaub mir bitte: Marzipan ist es nicht gewesen, Frieda liefen die Tränen. Er ist unschuldig!

Und wenn nicht er, wer dann?

Genau das wollen wir ja rausfinden! Lass mich gehen, bitte! Ich bin überzeugt, heute Nacht kommt der Dieb wieder.

Hannelore seufzte schwer. Wie sollte sie Frieda von der Wahrheit überzeugen? Doch vielleicht war das die Gelegenheit, es ihr beweisen zu können…

Gut, Frieda! Aber wenn heute ein Küken verschwindet, dann musst du einsehen, dass Marzipan der Dieb ist.

Abgemacht.

Frieda griff nach der Tür, Hannelore hielt sie zurück.

Moment mal. Glaubst du etwa, ich lasse dich nachts allein raus? Ich komme mit. Gib mir fünf Minuten.

Fünf Minuten später pirschten Hannelore, Frieda und Marzipan wie Verschwörer durch den Garten und suchten ein Versteck. Marzipan sprang zu den Rosenbüschen und miaute eindringlich.

Oma, lass uns hier auf die Lauer legen! schlug Frieda vor.

In den Rosen?

Warum nicht? Die sind hoch genug von dort können wir alles sehen!

Na gut, lachte Hannelore leise.

Sie wusste ja, dass niemand käme, aber um Frieda vom Gegenteil zu überzeugen, spielte sie mit.

Wir warten jetzt ein Stündchen, dann ab ins Bett, dachte sie.

* * * * *

Eine Stunde später döste Hannelore schon im Rosenstrauch. Beinahe wäre sie eingeschlafen, hätte Frieda sie nicht angestoßen.

Was ist los?

Schau, Oma Frieda deutete zum Tor.

Hannelore rieb sich die Augen tatsächlich war jemand auf dem Hof. Dann erkannte sie eine Frau und als diese an den Rosen vorbeischlich, erkannte Hannelore bestürzt Margarete Weber.

Was für eine verrückte Welt

Doch Margarete schlich seltsam herum und sah sich ständig um, als suche sie etwas.

Da konnte Hannelore sich nicht mehr zurückhalten.

Na, Grete, was führt dich denn zu so später Stunde zu mir? Hast du dich vielleicht verlaufen?

Margarete zuckte zusammen und als sie Hannelore, Frieda und den Kater sah, atmete sie hörbar aus.

Du bist es, Hannelore? Warum erschreckst du mich so? Da kriegt ja jeder einen Herzanfall!

Was schleichst du ums Haus, Grete? Drei Küken haben dir nicht gereicht, oder willst du alle holen?

Sag mal, hast du sie noch alle? Was soll ich mit deinen Küken? Ich hab doch selbst genug Hühner Küken, Hennen, alles da!

Warum bist du dann hier?

Ich wollte den Dieb auf frischer Tat ertappen. Kann nicht mehr mitansehen, wie du dich sorgst.

Lüg nicht!

Ich lüge nicht! Wir kennen uns doch seit der Schule. Wie kannst du denken, ich würde dich bestehlen? Und dann Freundin nennen!

Hannelore war sprachlos

So überzeugend sprach Margarete, dass sie ihr sofort glaubte.

Ach, Frieda, wegen dir wäre ich beinahe mit meiner besten Freundin zerstritten, dachte sie beschämt.

Tut mir leid, Grete. Ich

Still! unterbrach Margarete und schaute zum Gartentor.

Was ist?

Da kommt jemand!

Oma, Tante Grete, schnell ins Gebüsch! befahl Frieda, Marzipan auf dem Arm.

Die Frauen gehorchten dem Kind und kauerten sich neben Frieda nieder.

Da schlich ein Mann durch das Tor, einen Sack in der Hand, in dem es geheimnisvoll raschelte.

Als der Mann an den Rosenbüschen vorbeiging, erkannte Hannelore erschrocken: Das ist ja Bernhard Richter!

Du wie kannst du nur?! stürmte sie hervor. Gestern hast du noch um mein Haus geschlichen und heute das?

Bernhard war völlig perplex, als er seine Liebe, Margarete und Frieda mit dem Kater vorfand.

Was ist los, Bernhard? Nichts zu sagen? schimpfte Hannelore. Wolltest du dich rächen, weil ich dich damals nicht erhört habe?

Du hast das ganz falsch verstanden, Hannelore stammelte der Polizist.

WIE soll ich das sonst verstehen?

Bernhard wurde rot und gestand dann alles. Er hatte die Küken gestohlen, wollte aber gar keine Rache nein, er hoffte, dadurch könnte er Hannelores Aufmerksamkeit gewinnen, ihr imponieren und als Held dastehen.

Na wunderbar Was für ein Held Weißt du eigentlich, dass das strafbar ist?

Dafür könnte ich dich sogar anzeigen! warf Margarete ein.

Und ausgerechnet der Polizist… Hannelore konnte nur den Kopf schütteln.

Frieda betrachtete Bernhard nachdenklich und glaubte ihm irgendwie sogar. Sogar Marzipan blieb gelassen.

Es tut mir leid, Hannelore. Ich wusste halt nicht, wie ich sonst jemals deine Aufmerksamkeit bekomme. Ich liebe dich, weißt du das denn nicht?

Ach, liebe

Ja, liebe!

Und warum hast du mich nie gefragt, als ich doch gewartet habe? Warum hast du nie etwas gesagt?

Ich hatte Angst dass du nein sagst

Diese Männer Hannelore griente. Siehst du das, Frieda? Lass dir nie so einen Dussel aufschwatzen!

Herr Richter, was ist denn nun mit den Küken? fragte Frieda. Etwa gegessen?

Nein, hier sind sie schaut mal! Bernhard öffnete den Sack und ließ die Küken heraus.

Er reichte den Sack Hannelore.

Ich habe gestern gemerkt, dass du so traurig geworden bist. Da wusste ich, dass du mich nicht um Hilfe bitten würdest, also wollte ich wenigstens die Küken zurückbringen. Ich dachte

Schon klar Hauptsache, du kannst noch denken! Na los, kommt alle rein! Tee gibts an Schlaf ist jetzt eh nicht zu denken.

Vor Freude, dass die Küken wieder da waren, durfte Frieda Marzipan mit ins Haus nehmen, und Hannelore, Margarete und Bernhard tranken noch bis zum Morgengrauen Tee und redeten über alles Mögliche.

Sie verzieh Bernhard. Und eigentlich war es ja schön, dass jemand nach so vielen Jahren noch an ihr hing.

So sehr, dass er nie geheiratet hatte.
Vielleicht, ja vielleicht sollte ich ihm doch endlich eine Chance geben, dachte Hannelore heimlich.

* * * * *

Mama, hallo! Und, hat sich Frieda gut benommen? fragte Anna, als sie ihre Tochter abholte.

Hallo, Anna! Alles bestens, glaub mir.

Du sagst doch die Wahrheit, oder? Frieda ist manchmal ganz schön wild. Sogar die Lehrerin beschwert sich öfter.

Nein, alles war herrlich. Ein Goldschatz von Kind. Isst du mit, oder hast du wieder Eile?

Ich bleib zum Essen, lachte Anna.

Wirklich?

Klar. Ich hab das Projekt erfolgreich abgeschlossen und eine Woche frei bekommen.

Wie schön! Das ist ja wunderbar.

Beim Essen staunte Anna über Bernhard, der so aufmerksam zu ihrer Mutter war, und freute sich im Stillen: Vielleicht hat Mama jetzt doch noch jemanden an ihrer Seite.

Auch das Zusammenspiel von Frieda und Marzipan war auffällig Anna wunderte sich, wie eng die beiden waren. Mit Gleichaltrigen spielte ihre Tochter gewöhnlich nur ungern.

* * * * *

Eine ganze Woche blieb Anna zu Besuch und versuchte, gutzumachen, dass sie ihre Mutter so lange hatte warten lassen.

Am letzten Tag packte sie, um nach München zurückzufahren.

Frieda, bist du soweit?

Moment, Mama! Also, Marzipan, benimm dich bei Oma gut, ja? Ich komm in den nächsten Ferien wieder, versprochen! Frieda drückte ihren flauschigen Freund fest.

Erst als sie ihn losließ, brachte Marzipan ein gedehntes Miau-uu… hervor.

Und Mama, wir holen Marzipan nicht mit ich komme jetzt jedes Mal zu Oma und Opa Bernhard in den Ferien!

* * * * *

Hannelore blickte dem Auto lange nach, diesmal aber mit einem Lächeln.

Denn Frieda und Anna würden bald wiederkommen, und sie war nicht mehr allein: Der Mensch, den sie liebte, war endlich bei ihr, und auch Marzipan, den sie nun immer öfter mit leckerem Fisch und Kartoffeln verwöhnte. Und Marzipan? Der liebte Oma Hannelore dafür umso mehr.

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Homy
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