Die Ex-Schwiegermutter kommt zu Besuch – sie wusste nicht, dass wir geschieden sind.

**Tagebucheintrag Eine unerwartete Begegnung**

Meine ehemalige Schwiegermutter kam zu Besuch. Sie wusste nicht, dass wir geschieden sind.

Stell dir vor, Nina Walter weiß nicht, dass Armin und ich getrennt sind, sagte Lina und schaltete ihr Handy aus. Ihr Blick verriet Angst, als sie ihre Freundin ansah.

Was? Jetzt einfach so hierher? In diese Wohnung?, rief Bella entsetzt.

Genau das ist das Problem, seufzte Lina. Sie denkt, ihr Sohn und ich sind noch zusammen. Sie sagte, sie vermisst die Enkelkinder.

Warum hast du solche Angst? Sie ist doch nichts mehr für dich. Also, keine Panik.

Ach ja, keine Panik. Für dich ist das leicht. Du kennst sie nicht. Sie ist eine einflussreiche Frau. Sie wird denken, ich habe es absichtlich verschwiegen. Und dann verdächtigt sie mich noch was. Rächt sich vielleicht.

Habt ihr euch in all der Zeit nicht gesehen?, fragte Bella ungläubig.

Wir waren im Streit. Beim letzten Mal, als sie aus München vor zwei Jahren zu uns kam, gab es Krach.

Wegen Armin?

Nicht nur, antwortete Lina. Es war alles zusammen. Nina Walter fand an uns kaum etwas gut. Wie wir sie empfingen, wie wir die Kinder erzogen, wie Na ja, eben alles.

Und?

Was und? Sie sagte ihre Meinung, ich antwortete. Wortgefechte, und dann war es aus. Sie meinte, sie wolle mich nicht mehr sehen. Seitdem sprach sie nur noch mit Armin.

Und er?

Was soll er? Für ihn war das perfekt. Ein Grund mehr, mir die Schuld zu geben. Er sagte, wenn ich seine Mutter nicht respektiere, liebe ich ihn auch nicht. Deshalb lief es bei ihm auch beruflich schlecht. Dann verschwand er. Eine Woche lang keine Spur. Bis er anrief und sagte, er habe eine Neue und wir müssten uns trennen.

Also hat Armin seiner Mutter nichts von der Scheidung erzählt, überlegte Bella.

So siehts aus.

Und auch nicht, dass er die Hälfte der Wohnung bekam und du jetzt mit zwei Kindern, einer Katze und einem Hund in einer WG lebst?

Genau das. Sie denkt, bei uns ist alles gut. Sie sagte, sie habe dringende Termine in Berlin und würde eine Woche bei uns wohnen.

Wo denn bei uns?

Hier, sagte Lina und musterte das Zimmer.

Es klingelte.

Sie ists, flüsterte Lina. Was soll ich tun? Wie erklär ich ihr das?

Sag es einfach, wie es ist.

Sie wird mir wieder alles in die Schuhe schieben. Schreien. Ich habe Angst. Vielleicht nicht aufmachen?

Nicht aufmachen ist schlimmer. Dann wird sie erst recht misstrauisch.

Erneut klingelte es.

Mach auf, sagte Bella entschlossen. Keine Angst. Lass sie schreien. Du bist nicht schuld. Falls was ist, bin ich da.

Lina öffnete die Tür.

Guten Tag, Nina Walter, sagte sie leise.

Warum machst du nicht gleich auf?, fragte Nina Walter streng und rollte zwei Koffer herein. Versteckst du jemanden?

Ich verstecke niemanden, antwortete Lina. Ich war mit einer Freundin am Reden.

Welcher Freundin?

Bella trat in den Flur.

Guten Tag, sagte sie. Ich bin Bella. Linas Freundin.

Nina Walter musterte sie verächtlich.

Ist Armin auf Arbeit?, fragte sie Lina.

Vermutlich, antwortete Lina.

Was heißt vermutlich? Weißt du nicht, wo dein Mann ist?

Lina zuckte die Schultern.

Er ist nicht ihr Mann!, warf Bella herausfordernd ein.

Nina Walter sah sie interessiert an.

Wie meinst du das?

Ganz genau so, antwortete Bella stolz.

*Ich wollte schon immer meiner Ex-Schwiegermutter so etwas sagen*, dachte sie. *Schade, dass es bei meiner nicht klappte. Wenigstens hier.*

Lina und Ihr süßer Söhnchen haben sich vor einem Jahr scheiden lassen, fuhr Bella spöttisch fort. Die Zweizimmerwohnung, die sie gemeinsam gekauft hatten, musste geteilt werden. Armin verkaufte seinen Anteil. Und so lebt Lina jetzt mit zwei Kindern, einer Katze und einem Hund in einer WG. Noch Fragen?

Nina Walter starrte Lina an.

Stimmt das?

Ja, antwortete Lina. Wir sind letzten Herbst geschieden.

Das meine ich nicht. Dass er dir die Wohnung genommen hat stimmt das?

Ja. Es war sein Recht. Die Wohnung gehörte uns beiden. Außerdem hat er jetzt eine neue Frau.

Eine neue Frau?

Armin sagt, sie erwartet ein Kind. Er bat mich, ihn mit Unterhalt nicht zu bedrängen. Versprach, alles später zurückzuzahlen. Er hat gerade berufliche Probleme.

Und du hast ihm geglaubt, mischte Bella sich ein. Naiv. Dein Armin wird nichts zurückzahlen. Probleme hat er wohl auch keine. Und ein Baby erwartet er auch nicht. Sie sind nicht mal verheiratet. Das haben sie sich nur ausgedacht, um Mitleid zu erregen.

Warum hat er mir nichts von der Scheidung gesagt?, überlegte Nina Walter.

Vielleicht wollte er Sie nicht verärgern?, wagte Lina zu vermuten.

Vielleicht, sagte Nina Walter nachdenklich.

In Wahrheit hatte Armin einen anderen Grund, es seiner Mutter zu verschweigen.

*Sie soll denken, Lina und ich sind noch zusammen*, dachte er. *Das ist besser für mich. Mama hasst Lina, aber liebt die Enkelkinder. Dank ihnen wird sie mir helfen, eine Wohnung zu kaufen.*

Jeden Monat telefonierte er mit ihr und beschwerte sich, wie eng es zu viert in der Zweizimmerwohnung sei. Er schickte Fotos der Kinder, denn er wusste, wie sehr sie sie liebte. Er log, alles sei gut, aber für das große Glück fehle nur eine größere Wohnung.

Die Ältere kommt bald in die Schule, seufzte er am Telefon, und wir haben nicht mal Platz für einen Schreibtisch. Eine größere Wohnung wäre perfekt. Aber das Geld reicht nicht. Mein Gehalt ist zu niedrig. Die Mädchen haben sogar dem Weihnachtsmann geschrieben, ob er ihnen eine Wohnung schenken kann. Irgendwo in Berlin-Mitte. Süß, nicht? Sie fragen ständig nach dir: Wie geht es Oma? Aber mach dir keine Sorgen. Wir kommen schon zurecht. Notfalls lernt sie in der Küche.

Armin wusste genau, was er tat. Seine Mutter würde Mitleid haben.

*Sie wird eine Lösung finden*, dachte er, *und mein Wohnungsproblem klären. Und damit es ihr leichter fällt, gebe ich ihr einen Tipp.*

Man könnte natürlich dein Wochenendhaus am Starnberger See verkaufen, sagte er. Damit ließe sich eine Vierraumwohnung in Berlin kaufen. Ich habe die Preise verglichen. Das würde passen. Dann hätten alle genug Platz. Die Große bekäme ihr eigenes Zimmer. Und die Kleine auch. Aber ich will dich nicht zwingen, Mama. Ich weiß, wie sehr du das Haus liebst.

Und jetzt, da Nina Walter aus München nach Berlin gekommen war, erfuhr sie die Wahrheit.

Verstehe, sagte sie. Wo sind die Mädchen?

Im Kindergarten.

Und wo arbeitest du?

Im Homeoffice.

Wer sind die Mitbewohner?

Eine nette Frau. Sie hat nichts gegen die Katze und den Hund. Sie hat sich auch gerade getrennt. Sie ist jetzt auf Arbeit.

Nett, sagst du, spottete Nina Walter. Na gut. Ich gehe.

Sie verließ die Wohnung.

Es ist gutgegangen, seufzte Lina erleichtert. Ich dachte, sie würde schreien.

Zwei Monate vergingen.

*Ich sollte Mama mal wieder anrufen*, dachte Armin. *Sie muss an meine schwierige Lage erinnert werden.*

Mama, hallo! Alles gut? Schön, dass es dir gut geht. Wie bei uns? Ach, bei uns ist alles wie immer. Zu viert in der Zweizimmerbude. Aber ich hatte eine Idee. Was, wenn wir doch dein Wochenendhaus verkaufen? Wie du damals meintest. Erinnerst du dich?

*Was heißt, kein Haus mehr? Mama! Wie denn? Ist es abgebrannt? Nein? Gott sei Dank. Was dann? Schon verkauft? Und das Geld? Ausgegeben? Ich verstehe nicht. Wofür? Eine Vierraumwohnung gekauft? Für wen? Die Kinder? Meine Kinder? Geht das überhaupt? Sie sind doch noch klein! Wirklich? Aber warum hast du das getan, Mama?*

*Warum hast du nicht mit mir geredet? Ja, ich habe darum gebeten. Ja, ich sagte, die Mädchen bräuchten eigene Zimmer. Ich weiß. Aber du hättest fragen können. Und die Wohnung mir kaufen, nicht den Kindern. Du hast nicht gefragt, weil ich nicht da war, als du kamst? Wann warst du denn da? Ah, verstehe. Und wo ist die Wohnung? Nahe U-Bahn Alex? Warte, Mama Mir wird schwarz vor Augen Nein, schon gut. Nur die Aufregung. Danke dir.*

Am nächsten Tag erschien Armin in Linas neuer Wohnung.

Er schweigend durchquerte die Räume, musterte jedes Detail.

*Das alles hätte mir gehören können*, dachte er. *Nur mir. Wenn nicht Lina gewesen wäre. Wie hat sie es geschafft, Mama zu manipulieren? Aber es ist noch nicht zu spät. Ich heirate sie wieder und sorge dann dafür, dass sie hier verschwindet. Sie hat ihr Zimmer, da kann sie bleiben.*

Lina, sagte er feierlich, nachdem er fertig war, nach allem, was passiert ist, können wir wieder zusammen sein. Ich sehe, Mama hat dir vergeben. Sonst hätte sie uns diese Wohnung nicht gekauft.

Sie hat sie nicht uns gekauft.

Wie nicht uns? Wem denn?

Den Mädchen.

Das ist doch dasselbe. Und nach all dem schuldest du es mir, meine Frau zu werden.

Schulde ich?

Armin blickte sie streng an.

Du verstehst nicht, sagte er. Ich frage nicht nach deiner Zustimmung. Ich setze dich vor vollendete Tatsachen. Übermorgen treffen wir uns beim Standesamt. 10 Uhr. An der Laterne rechts vom Eingang. Erinnerst du dich?

Natürlich. Das vergisst man nie.

Und bitte sei pünktlich. Du weißt, wie ich das hasse.

Ich komme.

Natürlich kam Lina nicht. Armin war wütend. Er rief an. Sie habe es vergessen, sagte sie. Sie verlegten den Termin. Doch am nächsten Tag erschien sie wieder nicht.

Wie kannst du nur, Lina?, schrie er ins Telefon. Warum schon wieder?

Tut mir leid, antwortete sie. Ich habe es wieder vergessen.

Erneut wurde der Termin verschoben. Und wieder tauchte Lina nicht auf. Doch Armin gab nicht auf.

Ein halbes Jahr verging, und er hielt noch immer an seinem Plan fest. Immer neue Termine wurden vereinbart und immer wieder vertagt. Jedes Mal stand er pünktlich an der Laterne.

Die Standesbeamten bewunderten ihn.

Das nennt man wahre Liebe!, sagten sie. Er kommt bei Regen und Schnee. Erinnert ihr euch an den Sturm in Berlin? Bäume wurden entwurzelt. Selbst da war er hier. Wenn er irgendwann nicht mehr kommt, sollten wir ihm ein Denkmal setzen. Als Symbol für männliche Standhaftigkeit!

**Was ich daraus gelernt habe:** Manchmal ist Schweigen stärker als jedes Wort. Und manche Menschen lernen nie sie stehen ein Leben lang an derselben Laterne und warten auf etwas, das nie kommt.

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Homy
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Die Ex-Schwiegermutter kommt zu Besuch – sie wusste nicht, dass wir geschieden sind.
Die Schwiegermutter konnte es kaum erwarten, dass Opa endlich geht – sie hoffte auf die Wohnung.