“Sie sind in der fünften bis sechsten Schwangerschaftswoche”, sagte die Ärztin, legte das Instrument in die Schale und streifte sich langsam die Gummihandschuhe ab……….⚘

Schwangerschaft, etwa fünf bis sechs Wochen, sagte die Ärztin, legte das Ultraschallgerät zur Seite und zog ihre Handschuhe aus.
Möchten Sie das Kind bekommen?
Ich schwieg. Zweiundvierzig Jahre alt, viertes Kind, das ich eigentlich gar nicht geplant hatte. Das Geld war immer etwas knapp, wir kamen gerade so von Gehalt zu Gehalt.
Die Großen waren noch in der Schule, die Kleinste sollte erst eingeschult werden. Sie braucht einen neuen Ranzen, ein Kleid, eine Bluse und Hefte und Bücher sowieso. Und jetzt das!
Ich werde mit Matthias darüber reden, dachte ich, mal sehen, was er meint.
Ich war heute beim Arzt, erzählte ich abends am Esstisch. Ja, ich bin schwanger. Sechs Wochen.
Matthias hörte auf zu kauen, legte seine Gabel weg.
Was solls, lass uns das Kind bekommen. Dann hätten wir zwei Jungen, zwei Mädchen komplett.
Komplett! Wovon sollen wir denn leben?
Ich erzählte ihm von den Sorgen um die Älteren, die ganzen Ausgaben, die schon für die Jüngste anstanden. Immer mehr reifte in mir die Erkenntnis, dass ein weiteres Kind in unserem Alter, unter den Umständen, Wahnsinn wäre.
Ich mache die Untersuchungen für einen Abbruch, sagte ich schließlich.
Nachdem alle Untersuchungen abgegeben waren, war meine Stimmung ganz unten.
Mir tat das winzige Wesen leid, das da in mir heranwuchs. Vielleicht ein Mädchen hellhaarig, süß, ein kleiner Wirbelwind.
Zur Frauenärztin fuhr ich mit der Straßenbahn, eingequetscht zwischen fremden Menschen. Beim Aussteigen wurde ich förmlich herausgestoßen plötzlich fiel mir ein Riemen von der Schulter, und ich begriff erst nicht, was passierte. Dann schrie ich auf: Der Trageriemen gehörte zu meiner Handtasche.
Die Diebe hatten einfach den Riemen abgeschnitten und die Tasche entwendet samt aller Unterlagen, allen Papieren und dem Bargeld.
Mir blieb nichts übrig, als nach Hause zu fahren. Einige Untersuchungen musste ich wiederholen, manches ließ sich rekonstruieren.
Beim zweiten Versuch stieg ich aus dem Bus aus und stürzte dabei mein Bein tat höllisch weh.
Beim dritten Mal brichst du dir noch das Genick, fuhr es mir abergläubisch durch den Kopf. Da fasste ich einen Entschluss: Das Kind bleibt. Und plötzlich war alles ruhig in mir.
Die Schwangerschaft verlief unauffällig, ich wusste bald, es wird ein Mädchen. Doch beim zweiten Ultraschall dann der Schock: Der Arzt äußerte Verdacht auf Down-Syndrom.
Es wäre ratsam, das Fruchtwasser testen zu lassen, Amniozentese, erklärte die Ärztin und füllte das Formular aus.
Aber ich muss Sie warnen: Das ist nicht ungefährlich, es kann zu einer Fehlgeburt oder Infektion kommen.
Ich überlegte, dann stimmte ich der Untersuchung zu.
Am vereinbarten Tag fuhr ich mit Matthias zur Frauenklinik. Er blieb draußen auf dem Gang, während ich mit weichen Knien das Behandlungszimmer betrat. Die Ärztin hörte die Herztöne des Babys ab viel zu hoch.
Wir warten noch etwas, entschied sie. Wir geben jetzt Magnesium.
Das wurde gemacht und ich saß erstmal draußen, um mich zu beruhigen.
Nach einer Weile rief man mich zurück. Das Herz schlug wieder ruhig, aber jetzt hatte sich das Kind mit dem Rücken zur Ultraschallsonde gelegt. In dieser Lage kann keine Probe entnommen werden.
Wir warten, sagte die Ärztin noch einmal, vielleicht dreht sich das Kleine.
Beim dritten Mal lag alles perfekt: Das Baby lag richtig, die Herztöne waren in Ordnung.
Mein Bauch wurde desinfiziert.
Es war heiß und das Fenster stand weit offen. Die Schwester holte die Instrumente, und in diesem Moment flatterte eine Taube ins Zimmer. Das verschreckte Tier wirbelte durchs Labor, stieß gegen Menschen. Die Schwester ließ vor Schreck das Tablett fallen alles lag verstreut am Boden.
Ich musste erneut raus, während sie das Chaos beseitigten, die Taube verscheuchten und neue sterile Instrumente holten.
Was ist passiert? fragte mein Mann verwundert.
Eine Taube ist hereingeflogen, alles durcheinandergebracht.
Franziska, das ist ein Zeichen. Lass uns gehen.
Also gingen wir.
Zur rechten Zeit kam meine Tochter zur Welt.
Jetzt ist sie zehn Jahre alt: blond, süß, ein richtiger Wirbelwind.

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Homy
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“Sie sind in der fünften bis sechsten Schwangerschaftswoche”, sagte die Ärztin, legte das Instrument in die Schale und streifte sich langsam die Gummihandschuhe ab……….⚘
Der Preis der Freiheit: Sie entschied sich, das Leben eines Kindes zu retten – und zahlte dafür den höchsten Preis… 💔🌊