Der Schlüssel zum Glück

Der Schlüssel zum Glück

Probleme im Privatleben? fragte Frau Gerda Hoffmann, den Kopf ein wenig zur Seite geneigt, während sie die neue Untermieterin aufmerksam und ruhig musterte. Ihr Blick war freundlich und einladend, nicht neugierig, sondern offen für alles, was man ihr anvertrauen wollte.

Ein paar, ja, erwiderte Klara mit einem matten Lächeln und knetete nervös den Henkel ihrer Tasche. Sie fühlte sich etwas unwohl schließlich hatten Gespräche mit der Wohnungsvermieterin selten diesen Grad an Offenheit aber die Worte drängten sich unaufhaltsam nach draußen. Vor einer Woche habe ich mich von meinem Freund getrennt. Wir waren fast ein Jahr zusammen

Sie seufzte, und in ihrem Atem lag eine ganze Welle von Traurigkeit, die immer wieder aufstieg, sobald sie an die letzten gemeinsamen Tage dachte. Gleich darauf tauchte das besorgte Gesicht ihrer Mutter vor ihrem inneren Auge auf, ihr blasses Lächeln: Alles in Ordnung, meine Kleine? Damals hatte Klara genickt, ihr ein leises Alles gut, Mama abgerungen dabei zog sich in ihrem Inneren alles schmerzhaft zusammen. Ihre Sorgen der Mutter zu erzählen, kam nicht in Frage sie hat ohnehin schon genug mit ihrer angeschlagenen Gesundheit zu kämpfen.

Die Freundinnen machen sich nur lustig und meinen: Vergiss ihn! Ein anderer wird kommen, bestimmt ein besserer!, fuhr Klara fort und versuchte, ein Lächeln zu erzwingen. Doch es blieb gezwungen. Aber ich will doch gar nicht einfach vergessen. Wir haben so viel miteinander erlebt Ich dachte, das ist ernst.

Frau Hoffmann nickte bedächtig und ließ sich auf die Sofakante nieder. Die Atmosphäre im Raum war warm: weiches Licht von einer Leselampe, ordentlich arrangierte Bücherregale, der Duft von frischem Tee aus der Küche. So ließ sich leichter reden, die Anspannung fiel ein wenig von Klara ab. Frau Hoffmann war es gewohnt, solche Geschichten zu hören in den letzten Jahren hatten viele junge Frauen in ihrer Wohnung gewohnt, jede mit ihren eigenen Herausforderungen, Hoffnungen und Sorgen. Manche blieben nur Wochen, manche Jahre, doch fast alle redeten eines Tages über das, was ihnen auf der Seele lag.

Und weshalb habt ihr euch gestritten? fragte Frau Hoffmann, sehr behutsam klingend. Sie erwartete keine Antwort, aber sie gab Klara einen Raum, falls sie sprechen wollte.

Ich habe seiner Mutter nicht gefallen, murmelte Klara und senkte den Blick. Ihre Finger zupften wieder nervös am Saum ihrer Tasche, als suche sie Halt. Sie war ziemlich krank und ich hätte meine ganze Freizeit nur mit ihr verbringen sollen. Ich habe geholfen, wirklich war in der Apotheke, habe eingekauft, mich um sie gekümmert, wenn Olaf arbeiten war. Aber das genügte ihr nicht. Sie wollte, dass ich alles stehen lasse mein Studium, meine Freunde, meine eigenen Interessen. Und als ich sagte, dass das nicht geht, hat sie Olaf vorgeworfen, ich sei herzlos und wüsste Familie nicht zu schätzen.

Was hatte sie denn?, fragte Frau Hoffmann leise ahnte schon, wohin das führen würde.

Nicht viel leicht erhöhter Blutdruck, aber das hat sie nicht daran gehindert, täglich den Notarzt zu alarmieren und so zu tun, als hätte sie einen Herzinfarkt. Klaras Stimme schwankte zwischen Bitterkeit und Müdigkeit. Ich habe mein Bestes gegeben. Doch sobald ich mal länger auf der Arbeit blieb oder mit Freundinnen unterwegs war sofort kam der Vorwurf: Dir ist Familie egal, du kümmerst dich nicht!

Klara verstummte, den Blick gesenkt. Olaf, ihr Freund, hatte anfangs versucht, Verständnis zu zeigen, sie angehört doch nach und nach stellte er sich immer mehr auf die Seite seiner Mutter. Sie erinnerte sich an seine erschöpft ausgesprochenen Sätze: Mama geht es wirklich nicht gut könntest du bitte ein wenig mehr Rücksicht nehmen? Nach solchen Gesprächen fühlte sich Klara nur noch ungerechter behandelt ihre Mühe blieb unbeachtet, während jede kleinste Abweichung von der selbstlosen Idealvorstellung sofort als Gleichgültigkeit abgestempelt wurde.

Ich erinnere mich einmal musste ich unbedingt länger arbeiten, ein Projektabschluss, erzählte Klara, die Hände verkrampft. Ich kam spät nach Hause, sie lag schon scheinbar sterbend auf dem Sofa und klagte sofort: Siehst du, dir ist es gleichgültig, was mit mir ist! Ich hatte nicht mal die Schuhe ausgezogen und rannte direkt zu ihr, fragte, wie ich helfen kann. Aber sie wollte gar keine Hilfe Sie wollte nur, dass ich mich schuldig fühle!

Schweigend nickte Frau Hoffmann. Sie kannte solche Geschichten aus Gesprächen mit anderen jungen Frauen.

Du hattest einfach Pech, schüttelte Frau Hoffmann schließlich sanft den Kopf. Aber tröste dich besser, es ist jetzt vorbei, als wenn du geheiratet hättest! Stell dir vor, wie dein Leben mit so einer Schwiegermutter gewesen wäre. Es tut jetzt weh, das verstehe ich, aber vielleicht war es ein Zeichen damit du dich nicht an jemanden bindest, der nicht für dich einsteht.

Sie lächelte aufmunternd.

Weißt du, das Leben ist oft überraschend. Heute noch zerbricht alles, morgen ergeben sich neue Möglichkeiten. Du wirst jemanden treffen, der dich wirklich zu schätzen weiß, der dich nicht ständig vor eine Wahl stellt. Bis dahin atme durch, gib dir Zeit, wieder auf die Beine zu kommen. Und denk daran: Dein Leben besteht nicht nur aus den Problemen anderer. Deine Träume und Pläne zählen auch!

Klara schenkte ein leises Lächeln, voller Wehmut und zaghaftem Optimismus.

Vielleicht haben Sie recht, murmelte sie, den Blick abgewandt. Aber es tut trotzdem furchtbar weh. Dabei war er zu Anfang so fürsorglich, so liebevoll! Hat immer gefragt, wie es mir geht, Blumen gebracht, mich unterstützt alles schien so echt, so einfach. Aber als seine Mutter krank wurde, gab es nur noch sie und ihre Bedürfnisse.

Sie hielt inne und schluckte.

Damals war alles so leicht, voller Lachen und Wärme und in den letzten Wochen wurde jedes Gespräch ein Kampf, jeder Versuch, mich zu erklären, als Kälte ausgelegt.

Frau Hoffmann schmunzelte und legte den Kopf schief, ein verschmitztes Leuchten in ihren Augen.

Gib dir ein Jahr und du heiratest einen wirklich guten Mann. Einen, der dich respektiert, der deine Grenzen akzeptiert und der niemals verlangt, dass du zwischen ihm und jemand anderem wählst.

Sind Sie Hellseherin? Klaras Lächeln war schwach, aber ehrlich. Es tat gut, dass diese fast fremde Frau ihr so herzlich zusprach. Tief im Inneren ahnte Klara, dass Frau Hoffmann sie vielleicht nur aufmuntern wollte doch es wirkte.

Ach, ich doch nicht!, lachte die Vermieterin. Aber hier, in meiner Wohnung, sind schon so viele Mieterinnen glücklich geworden. Eine hat ihren Mann im Kunstkurs kennengelernt, eine andere im Café um die Ecke jetzt haben sie zwei Kinder und einen eigenen Laden. Die Listen ließen sich endlos fortsetzen! Die meisten haben am Anfang gelitten, später ihr Glück gefunden.

Klara konnte nicht anders, als leise zu lachen; in ihren Augen blinkten noch Tränen, doch ein kleines Stück der Schwere löste sich von ihr. Zum ersten Mal seit langem fühlte sie sich ein wenig erleichtert.

Frau Hoffmann erhob sich, strich ihr Kleid glatt und bedeutete Klara, ihr zu folgen.

Komm, ich zeige dir dein Zimmer. Es geht zum ruhigen Hinterhof raus, morgens fällt hier immer Sonne ein der schönste Start in den Tag!

Klara nickte und erhob sich langsam, die Tasche fest in der Hand, während sie unwillkürlich bemerkte, wie einladend dieses neue Zuhause wirkte, wie viel Fürsorge in jedem Detail steckte. Zum ersten Mal seit Wochen dachte sie: Vielleicht ist das wirklich ein Neuanfang.

***

Die ersten Tage in der neuen Wohnung vergingen mit Einräumen und kleinen Tätigkeiten als müsse sie beschäftigt bleiben, um nicht in Grübeleien zu versinken. Sie sortierte ihre Sachen, stellte Bücher und Erinnerungsstücke ins Regal, hängte Kleidung in den Schrank.

Bald gewöhnte sie sich an die neue Tagesstruktur. Morgens schlief Klara etwas länger, machte sich einen Kaffee und setzte sich mit dem Laptop an den Tisch die Homeoffice-Stelle bedeutete weniger Stress, keine langen Wege, und das war angenehm. In den Pausen stand sie auf dem Balkon, atmete die frische Luft und lauschte den Geräuschen aus dem Hinterhof: Kinderlachen, fahrende Fahrräder, das Rascheln von Blättern.

Sie begann, die Nachbarschaft zu erkunden. Die Straßen waren ruhig, gesäumt von kleinen Geschäften und Bäckereien, Cafés mit dem Duft von frischem Brot. Einmal saß sie mit dem Laptop im gemütlichen Café an der Ecke leise Musik, freundliche Bedienung, niemand, der einen zum Gehen drängte.

Eines Abends, als Klara ihre Einkäufe heimtrug, bemerkte sie einen jungen Mann vor dem Hauseingang. Groß, dunkelhaarig, der Wind zerzauste sein Haar, während er sich auf das Handy konzentrierte.

Als Klara näher kam, hob er den Blick, hielt kurz inne und lächelte dann.

Hallo, sagte er. Bist du die Neue? Ich heiße Moritz, wohne im dritten Stock.

Klara, stellte sie sich ebenfalls vor, ein zaghaftes Lächeln auf den Lippen. Ja, ich bin erst vor Kurzem eingezogen und kenne noch nicht viele Nachbarn.

Nur keine Scheu!, zwinkerte Moritz. Man hilft sich hier, wenn mal ne Glühbirne kaputt ist oder das WLAN streikt. Melde dich ruhig.

Danke, antwortete Klara. Bislang läuft alles, aber ich komme gern darauf zurück.

Moritz grinste und widmete sich wieder seinem Handy, während Klara ins Haus ging. Der Moment hallte in ihr nach gar nichts Besonderes, aber doch irgendwie ein freundlicher, tröstender Anfang.

Sie wechselten noch ein paar Worte im Flur Moritz fragte, ob sie sich im fünften Stock schon zurechtfände (der Aufzug funktionierte einwandfrei, ein Glück), Klara informierte sich, wie lange er schon hier wohnt. Ein lockerer, angenehmer, flüchtiger Dialog und doch fühlte sich danach alles gleich ein wenig heller an.

Im Fahrstuhl betrachtete sich Klara im Spiegel und bemerkte ein kleines Lächeln. Nichts Aufregendes kein Herzklopfen, kein Funkenflug einfach Frieden und ein Gefühl, willkommen zu sein.

Am nächsten Tag zur Mittagszeit wollte Klara einige Kleidungsstücke in den Waschraum im Erdgeschoss bringen. Sie begegnete Moritz, der gerade den Müll rausbrachte. Er lehnte entspannt am Geländer und nickte ihr freundlich zu.

Wie läufts? Schon ganz angekommen oder brichst du noch Umzugskartons auseinander?

Geht alles seinen Weg, erwiderte Klara mit einem Schmunzeln. Nur einen guten Kaffee habe ich bisher noch nicht gefunden. Ohne Kaffee ist mein Morgen nur halb so gut.

Da kann ich helfen!, Moritz wurde lebhaft. Um die Ecke gibt es ein kleines Café, die machen einen sensationellen Cappuccino. Ich kann dir das zeigen wenn du Zeit hast?

Klara überlegte einen Moment, wollte aber gar nicht absagen. Sie brauchte wirklich einen guten Kaffee und die Unterhaltung mit Moritz fühlte sich überraschend leicht an.

Gerne. Aber ich warne dich: Ist der Kaffee schlecht, kannst du was erleben!

Moritz lachte leise.

Keine Sorge, den wirst du lieben.

Gemeinsam bummelten sie die Nebenstraße entlang. Die Herbstluft schmeckte nach Laub, es roch nach frischen Brötchen. Moritz erzählte, wie schwierig es war, nach seinem Umzug ein Lieblingscafé zu finden; dass er selbst gern Kaffee kocht, aber nie so hinbekommt wie die Profis.

Im Café nahmen sie Platz an einem Fenster, bestellten Cappuccino und Croissants. Das Gespräch ergab sich von selbst: Moritz erzählte von seinem Job als Bauingenieur, seiner Freude daran, neue Wohnviertel zu planen. Er reiste gern, spielte Gitarre manchmal jammte er mit Freunden in der Küche.

Klara wiederum berichtete von ihrer Arbeit als Webdesignerin, wunderbar ortsunabhängig, was den Umzug so leicht gemacht hatte. Sie hatte sich bisher nur lose in München eingelebt, aber die Gegend gefiel ihr mehr und mehr.

Es wurde gelacht, geträumt und die besten Plätze im Viertel diskutiert. Irgendwann fragte Moritz ganz direkt:

Was hat dich eigentlich nach München verschlagen? Sein Ton war interessiert, aber nicht forschend.

Ich wollte ganz von vorn anfangen, gab Klara offen zu. Ihre Stimme war ruhig, aber Moritz spürte, dass das nur die Oberfläche war. Ich musste einiges neu sortieren.

Moritz nickte verständnisvoll, bohrte nicht nach. Er was einfach da, ein ruhiger Zuhörer, der nicht sofort urteilen oder Ratschläge verteilen musste. Klara gefiel das es ließ sie durchatmen.

Seit diesem Nachmittag begegneten sie sich häufiger im Flur, am Hauseingang, vor dem Supermarkt. Die Konversation blieb mühelos, nie peinlich. Klara ertappte sich dabei, dass sie sich inzwischen auf diese kleinen Begegnungen freute. Sie mochte Moritz ruhigen Humor und seine Fähigkeit zuzuhören. Mit ihm musste sie sich nicht verstellen.

Eines Tages, nach dem gemeinsamen Einkauf, fragte Moritz:

Am Wochenende spielt meine Band in einem kleinen Club. Kommst du vorbei? Ich verspreche dir keine Grammy-verdächtige Performance, aber wir haben Spaß!

Ohne Zögern willigte Klara ein sie war selbst überrascht, wie selbstverständlich das für sie war.

Am Abend des Konzerts traf sie früh am Veranstaltungsort ein. Der Club war gemütlich, eher familiär als Szene, mit zurückhaltender Beleuchtung. Als Moritz mit seinen Freunden auftrat, fiel Klara auf, wie viel Freude und Leidenschaft in seinem Spiel lag. Die Musik war ehrlich, eine Mischung aus Rock und bluesigen Balladen.

Nach dem Auftritt gingen sie gemeinsam nach draußen, wo die Herbstnacht mild und die Straßenlaternen ein weiches Licht warfen.

Danke, dass du gekommen bist, sagte Moritz leise vor ihrer Haustür. Es war mir wichtig, dass du dabei bist.

Mir hats gefallen. Du hast echtes Talent und man merkt, dass du dein Ding gefunden hast.

Moritz wurde ein bisschen rot, schaute sie offen an. Etwas Neues lag in seinem Blick, ruhig, ernst und zugewandt.

Ich wollte dir schon lange sagen Es ist so leicht mit dir. Das tut gut.

Klara spürte ihr Herzklopfen. Sie sagte nichts, aber Moritz setzte sie nicht unter Druck. Sie mussten einander nichts erklären es war einfach gut.

***

Monate vergingen, und die Beziehung vertiefte sich, ohne große Dramen, mit Alltäglichem und Glück zwischendurch: Kinobesuche, gemeinsames Kochen, Ausflüge an den Starnberger See, Spaziergänge am Isarufer. Klara ließ das Vergangene langsam los; die alten Wunden schmerzten immer weniger, machten Raum für Dankbarkeit. An die schlimmen Nächte dachte sie immer seltener.

An einem Nachmittag kam Frau Hoffmann in die Wohnung, um den Zählerstand zu prüfen. Auf dem Tisch stand ein frischer Strauß rosafarbener Rosen, ein Hauch von Duft erfüllte die Luft.

Na, da freut sich aber jemand über Aufmerksamkeit!, lächelte Frau Hoffmann, als sie die Blumen sah.

Von Moritz, gab Klara zu und streichelte eine zarte Blüte. Er überrascht mich häufig einfach so.

Siehst du? Ich habes dir damals gesagt! Frau Hoffmann lächelte breit. Du bist angekommen. Deine Augen sprechen Bände.

Klara musste schmunzeln ja, das Leben war längst nicht perfekt, aber gut. Sie fühlte sich wieder offen für das Leben, erlebte Freude am Hier und Jetzt.

Eines Abends, als Klara bei Moritz eingeladen war, hatte er den Tisch festlich gedeckt, Kerzen angezündet, Musik angemacht. Er streckte ihr die Hand hin, sah ihr dabei tief in die Augen:

Ich habe lange darüber nachgedacht, begann Moritz leicht nervös, aber dann ganz bestimmt. Ich liebe dich, Klara. Willst du meine Frau werden?

Sie hielt den Atem an dann überkam sie ein warmes, glückliches Gefühl. Tränen stiegen ihr in die Augen, aber dieses Mal waren es Tränen des Glücks.

Ja, flüsterte sie, das Herz voller Zuversicht.

Moritz umarmte sie zärtlich, als müsse auch er dieses Glück erst ganz begreifen. Und Klara wusste in diesem Moment Zuhause ist nicht ein Ort, sondern ein Mensch. Jemand, der zuhört, lacht, da ist und liebt. Jemand, bei dem alles richtig wird.

***

Hab ichs doch gesagt! lächelte Frau Hoffmann breit, als Klara die Schlüssel der alten Wohnung zurückgab, bereit für den Umzug in das neue gemeinsame Heim. Es wird alles gut bei dir!

Klara betrachtete den goldenen Ring an ihrem Finger. Er fühlte sich immer noch ungewohnt an, aber ehrlich und richtig.

Sie hatten recht, erwiderte sie leise. Ich hätte das nie zu hoffen gewagt.

Frau Hoffmann lachte dieses unverfälschte, wohlwollende Lachen.

Weißt du, der Mut, neu anzufangen, ist das Wichtigste. Viele bleiben aus Angst im Alten stecken. Du bist gesprungen und schau, es hat sich gelohnt.

Klara spürte ein warmes Ziehen im Bauch. Sie erinnerte sich an die Monate voller Zweifel und Schmerz und wie fern sie nun waren.

Es war die beste Entscheidung, sagte sie leise. Ich wusste gar nicht, dass Frieden so schön sein kann.

Das ist Glück, sagte Frau Hoffmann sanft. Wenn du nichts beweisen musst und einfach loslassen kannst. Wenn es einfach gut ist.

Nach einer kurzen Pause reichte sie Klara die Richtung:

Nun los dein Glück wartet schon. Halte es fest!

Klara lächelte, nahm ihre Tasche und trat durch die Tür.

Und sie wusste: Das war erst der Anfang. Aber es war ein richtig gutes.

Manchmal ist ein Neuanfang genau der Schlüssel zum Glück. Wer den Mut hat, die eigene Geschichte umzuschreiben, entdeckt oft, dass das Leben viel mehr zu bieten hat, als man zu hoffen wagt.

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Homy
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Der Schlüssel zum Glück
Deine Sachen stehen am Aufzug. Nimm sie und geh — Dasha, warum hast du dich eingeschlossen? — Er lächelte, aber in seinen Augen blitzte Unruhe auf. — Ich habe das Schloss gewechselt, Roman. — Wieso? — Das Lächeln verschwand aus seinem Gesicht. — Weil ich schlauer geworden bin. Deine Sachen stehen am Aufzug. Nimm sie und geh. Dasha ist sechsundvierzig, ihr “Romeo” einundfünfzig. Eigentlich der perfekte Altersunterschied, beide lebenserfahren, keine rosa Brille mehr. Dasha hat eine Scheidung hinter sich, die sie längst verarbeitet hat, Roman zwei tragische Beziehungen… Sie waren das perfekte Paar. Roman lobte seine Auserwählte immerzu: — Es duftet herrlich, — meinte er, während er ein Stück Apfelkuchen aß. — Du bist eine Zauberin, Dasha. — Ist nur ein ganz normaler Apfelkuchen, — winkte sie ab und errötete. — Iss, solange er noch warm ist. Nur eine Sache störte Dasha an ihrem Mitbewohner: Romans ständige Rückblicke in die Vergangenheit. — Weißt du, für Lucy habe ich auch manchmal gekocht. Immer am Wochenende. Pfannkuchen gebacken. Aber sie sagte immer, ich würde nur das Mehl verschwenden. Kannst du dir das vorstellen? “Roman” — meinte sie — “du bringst nur die Lebensmittel um.” Und später, als wir uns scheiden ließen, hat sie sogar noch die Pfannen mitgenommen. Hat gesagt: “Das war ein Geschenk von meiner Mutter, fass das nicht an.” — Ganz schön kleinlich, — meinte Dasha kopfschüttelnd. — Wegen ein paar Pfannen so ein Theater… — Ach, wenn es nur die Pfannen gewesen wären! — Roman zog verbittert die Mundwinkel runter. — Sie hat alles abgeräumt. Die Wohnung auf sich umgeschrieben, während ich für die Familie unterwegs war, um Geld zu verdienen. Das Auto dem Sohn überlassen, obwohl der erst achtzehn und keinen Führerschein hatte. Ich bin mit einer Sporttasche raus. Wortwörtlich. Unterhosen, Socken und Zahnbürste. Dasha tat er in diesen Momenten schrecklich leid. Wie kann man so sein? Jahre mit jemandem verbringen und ihn dann wie einen räudigen Hund auf die Straße setzen. — Und die zweite? — fragte sie leise, obwohl sie die Geschichte längst kannte. — Bei der Zweiten haben wir schnell gemerkt, dass es nicht passt. Nach vier Jahren war Schluss. Wieder die Schwiegermutter, die sich einmischte. Es gab kaum was zu teilen, nur Schulden und das Kind. Ich bin gegangen und habe alles ihr gelassen. Ich prozessiere doch nicht mit einer Frau! Ich habe Prinzipien. Bin ein Mann, ich kann alles wieder aufbauen. “Männer wie er”, dachte Dasha mit Respekt. Ehrwürdig. Ein anderer würde um jeden Löffel klagen, aber er war mit erhobenem Haupt gegangen! — Meine Wohnung ist groß, da ist genug Platz für uns beide, — sagte sie am Anfang, vor etwa drei Monaten. — Und ich habe auch ein Häuschen außerhalb. Da kann ich Männerhände brauchen. — Dasha, das ist mir unangenehm, — Roman senkte den Blick. — Ich will nicht wie so ein Schmarotzer rüberkommen. Ich such mir was Richtiges und stehe bald wieder fest im Leben… — Red keinen Unsinn. Zu zweit ist alles leichter. Letztlich zog er ein. Viel hatte er wirklich nicht: einen abgewetzten Koffer, zwei Anzüge aus besseren Tagen und ein Laptop. Dasha überschüttete ihn mit Fürsorge. Sie wollte diesen Menschen aufwärmen, zeigen, dass nicht alle Frauen Raubtiere sind. Mit ihrem Ex-Mann Vadim war sie ruhig auseinandergegangen — die Liebe war eben vorbei. Die Wohnung geteilt, verkauft, zwei kleinere dafür gekauft. Vadim zahlte pünktlich den Unterhalt, gratulierte zu Silvester. Nüchtern, aber verlässlich. Roman war anders. *** Der erste Warnschuss kam nach einem Monat Zusammenleben. Eigentlich nichts Großes, Kleinigkeiten, aber … Roman meinte, er müsste kurz in den Baumarkt, Scharniere für den Garderobenschrank kaufen — die Tür hing schief. — Ich bin gleich zurück, — rief er aus dem Flur. — Nur schnell hin und wieder zurück. Vier Stunden später kam er wieder. Ohne Scharniere. — Stell dir vor, überall geschlossen! — erzählte er empört, während er die Schuhe auszog. — Inventur oder so, hab den ganzen Tag den halben Ort abgeklappert, nirgendwo die richtige Größe. Dasha war verdutzt: — Im “BauMarkt”? Am Samstag? Die haben doch rund um die Uhr offen. — Sag ich ja! Chaos pur. Zettel an der Tür. — Komisch, — meinte Dasha und zuckte die Schultern. — Na gut, wir kaufen sie später. Als sie abends den Müll rausbrachte, traf sie die Nachbarin, Frau Waltraud. Die schleppte einen riesigen Sack mit Baumischungen aus genau dem „BauMarkt“. — Ganz schön schwer, oder? — fragte Dasha und hielt die Tür auf. — Und wie! Aber heute gibt’s dort Rabatte, das war voll bis unters Dach! Musste mich richtig durchkämpfen zur Kasse. Dasha blieb stehen. — Wie voller Laden? Ist der nicht wegen Inventur zu? Frau Waltraud schaute sie an, als hätte sie nicht alle Tassen im Schrank: — Welche Inventur? Die machen ganz normal weiter. Ich war vor ner Stunde da. Dasha kehrte nervös in die Wohnung zurück. Warum hatte er gelogen? Hätte er doch einfach gesagt, dass er einen Freund besucht, im Café saß, einfach spazieren gegangen ist! Warum so eine Lügengeschichte? Roman saß auf dem Sofa und zappt durch die Kanäle. — Roman, — sie blieb ruhig. — Ich habe draußen die Nachbarin getroffen. Sie kommt gerade vom Baumarkt. Offen ist alles, sagt sie. Roman drehte sich nicht mal zu ihr um. In seinem Gesicht keine Regung. — Ach ja? Dann haben sie halt wieder aufgemacht. Als ich da war, stand ein Schild „Technische Pause 15 Minuten“. Ich hab ne halbe Stunde gewartet, keiner kam. Ich bin dann zum Baumarkt am Markt, aber auch nichts gefunden. — Du hast vorher gesagt „Inventur“. Und dass du überall unterwegs warst. Jetzt sah er sie an. Und sein Blick war ganz unschuldig. — Dasha, warum hakst du so auf Worten rum? Pause, Inventur — spielt doch keine Rolle! Ich hab es nicht gekauft, fertig. Warum jetzt ein Drama draus machen? Dasha fühlte sich schuldig. Ehrlich, warum nervt sie ihn? Hat er einfach verwechselt oder vergessen. Männer nehmen es eben nicht so genau… Eine Woche später das gleiche Spiel. Roman behauptete, ihn habe ein alter Chef angerufen, es gäbe ein Vorstellungsgespräch. — Eine echt gute Firma, Dasha. Top Gehalt, — der Daumen ging hoch. — Wenn die mich nehmen, hab ich dir schon mal die neue Winterjacke versprochen. Abends kam er missmutig zurück. — Und? — Dasha machte sich gleich Sorgen. — Ach, Betrug! Versprochen klang alles super, in Wirklichkeit ein Hungerlohn und unmögliche Arbeitszeiten. Ich hab gleich gesagt: Sucht euch andere Trottel. — Schade, — seufzte Dasha. — Aber das klappt schon noch. War das Ivan, der dich angerufen hat? — Ivan? — Roman runzelte die Stirn, als wüsste er überhaupt nicht, wovon sie spricht. — Na, du meintest doch, dein Ex-Chef. — Ach so, nee, das war Serge, der stellvertretende Chef. Mit dem hab ich mich immer gut verstanden. Und Ivan ist schon lange in Rente, — sagte er, sah weg und verschwand im Bad. Dasha war sich sicher, erst ein paar Tage zuvor erzählt bekommen zu haben, wie ihm eben jener Ivan bei der Kündigung die Hand gedrückt und versprochen habe, ihn zurückzuholen. „Vielleicht stimmt etwas mit meinem Gedächtnis nicht?“, dachte sie. Als Roman später schlief, piepte sein Handy. Dasha hätte sonst nie auf fremde Telefone geschaut — das war ihr zuwider. Doch das Display leuchtete auf, und die Nachricht war deutlich zu lesen: “Liebling, wann gibst du mir mein Geld zurück? Es ist schon ein Monat vergangen. Ignorieren ist nicht die feine Art.” Die Nummer war nicht eingespeichert. *** Beim Frühstück am nächsten Morgen sprach Dasha ihn an: — Roman, du hast letzte Nacht eine SMS bekommen. Jemand will sein Geld zurück. Roman verschluckte sich. Sein Gesicht wurde schlagartig rot. — Muss sich wohl vertan haben. Spam. Heute gibt’s von den Gaunern ja leider immer mehr… — Da stand aber „Liebling“ am Anfang. Er lachte, aber ziemlich gequält. — Genau die Gauner! Wissen schon, wie sie einen ansprechen. Mach dir keinen Kopf, Dasha. Er schnappte das Handy und löschte hastig etwas. — Hör zu, — begann er schnell das Thema zu wechseln. — Es ist was. Meine Tochter aus erster Ehe, Katharina, hat Probleme. Ihr Sohn ist krank, braucht teure Medikamente. Sie hat angerufen und geweint. Ich kann da nichts abschlagen, ist doch meine eigene Tochter. — Natürlich, — Dasha wurde stutzig. — Wie viel brauchst du? — Fünfzehntausend Euro ungefähr. Bis zum nächsten Gehalt, ich kriege das gerade nirgends zusammen. Kannst du mir helfen? Sobald ich was habe, bekommst du alles auf Heller und Pfennig zurück. Dasha blickte ihn an. — Fünfzehn tausend. Was hat der Kleine denn? — Na ja… starke Allergie. Schock, braucht jetzt eine Kur. — Alles klar. Sie ging zum Kommodenschrank, holte das Geld. — Hier. — Du bist ein Schatz! — Er sprang auf, umarmte sie, gab ihr einen Kuss auf die Wange. — Du bist Gold wert. Katharina wird dir ewig dankbar sein. Aber Dasha ließ das ganze Tag über den Verdacht nicht los — nicht wegen des Geldes, das war nur Geld. Ihr war klar: Roman log. Sie erinnerte sich, dass Roman mal sein altes Tablet zum Laden in der Stube hatte. Damit machte er sonst nichts, alles lief übers Handy. Sie kannte das Passwort — viermal die Eins. Hatte er ihr mal verraten, als sie einen Film für ihn suchen sollte. Sie durchsuchte die sozialen Medien, wurde fündig. Genau die Chatnachrichten mit Katharina Romanowa. Der Tochter. Chats waren knapp. „Papa, wann zahlst du den Unterhalt? Mama droht wieder, zum Amt zu gehen. Wir haben nichts mehr zu essen und du erzählst nur Märchen!“ Gestern gesendet. Romans Antwort: „Katharina, halt durch. Gerade versuche ich, einer dummen Ziege Geld aus der Tasche zu ziehen, dann bekommst du alles. Druck mich nicht so!“ Dasha sackte aufs Sofa: Ihre Beine waren wie aus Gummi. Dumme Ziege… Sie ist gemeint. SIE ist die dumme Ziege. Sie scrollte weiter. Chat mit „Tanja“. „Liebling, wo bleibst du? Ich warte. Du wolltest heute kommen.“ Roman antwortete: „Ich komme, Süße. Habe von meiner Tussi gerade Kohle abgegriffen, angeblich für meinen Enkel. Bin in ‘ner Stunde da.“ Dasha legte das Tablet hin. Die Hände zitterten nicht. Im Gegenteil — sie war eiskalt. Das Puzzle war komplett. All die „bösen Ex-Frauen“, die ihn abgezockt hatten… Weder die eine noch die andere hat ihn ruiniert. Es waren normale Frauen, die wohl einfach genug hatten vom ewigen Lügen. Er war kein Opfer. Sondern ein Schmarotzer. Sie ging in die Küche, holte große schwarze Müllsäcke, in den Schlafraum, öffnete den Kleiderschrank. Anzüge flogen samt Bügel in die Säcke. Hemden, Socken, das ganze „Hab und Gut“. Dasha packte seinen Rasierer, Zahnbürste, Ladekabel — und stellte drei prall gefüllte Säcke an die Haustür. Das Schloss hatte sie innert Minuten getauscht — ihr handwerkliches Geschick war oft nützlich, und ein Ersatzschloss lag noch im Werkzeugkasten vom letzten Umbau. Sie hatte es in zwölf Jahren allein gelernt. *** Roman kam nach drei Stunden, wollte den Schlüssel ins neue Schloss stecken. Vergeblich, er klingelte. Dasha öffnete, ließ die Kette an der Tür. — Dasha, warum hast du abgeschlossen? Das Schloss hakt… — Er lächelte, doch in seinen Augen zuckte Panik. — Ich habe das Schloss getauscht, Roman. — Warum? — Sein Gesicht wurde starr. — Weil die „dumme Ziege“ schlau geworden ist. Roman erstarrte. — Was redest du da? Welche dumme Ziege? — Na die, die du abzockst. Deine Sachen stehen am Aufzug. Nimm sie und geh. — Dasha, bist du verrückt? — Er versuchte Empörung, doch es kam nur dünn heraus. — Wer hat dir denn den Mist erzählt? Ich war doch bei meiner Tochter, habe Medikamente gebracht! — Ich habe die Nachrichten gelesen, Roman. Mit Katharina. Und mit Tanja. Er wurde still. Angst blitzte kurz auf, dann Hass. — Ach, hast du in meinem Tablet geschnüffelt? Dafür hast du kein Recht! Das ist meine Privatsphäre! — schrie er. — Meine Privatsphäre — das ist meine Wohnung und mein Geldbeutel. Du bist ein Dieb und ein Lügner. — Geh zum Teufel! — brüllte er. — Wer will dich schon, alte Schachtel! Ich war nur aus Mitleid mit dir zusammen! Dachte, wenigstens kochen kannst du, aber dein Eintopf ist nicht mal genießbar! — Nimm deine Sachen, Roman. Die fünfzehntausend Euro sieh als Honorar für dein Schauspiel. Günstig davongekommen. Er wollte noch etwas sagen, aber Dasha knallte ihm die Tür vor der Nase zu. Von draußen dumpfe Tritte und wilde Beschimpfungen. Sie ging in die Küche. Auf dem Tisch seine Tasse, abgeschlaffter Teebeutel am Boden. Dasha nahm die Tasse, kippte sie in die Spüle. Dann warf sie die Tasse in den Müll. Danach noch seinen Lieblingsteller. Das Handy vibrierte — Vadim, der Ex, schrieb. “Hallo! Deine Tochter sagte, das Wasser läuft in der Datscha. Ich fahre am Samstag vorbei, soll ich mal nachschauen? Alles ok bei dir?” Dasha lächelte. “Hallo! Komm gern vorbei. Es gibt Apfelkuchen und Tee. Mir geht’s gut. Sogar besser als vorher!” *** Der Schmarotzer ließ ihr noch eine Weile keine Ruhe. Er kam fast jeden Abend, kroch die Treppe rauf, heulte und bettelte, dann wieder trat er gegen die Tür und schrie, drohte, sie „rauszuekeln“. Die Anzeige bei der Polizei brachte Ruhe — Roman ließ sie endlich in Frieden. Und Dasha brauchte nichts mehr. Nur noch eines: Ruhe, Frieden und… Alleinsein.