Zwei Monate lang habe ich eine 56-jährige Frau in deutsche Restaurants ausgeführt – doch kaum lud ich sie zu mir nach Hause ein, zeigte sie plötzlich ihr wahres Gesicht

Zwei Monate lang führte ich eine 56-jährige Dame durch die Berliner Lokale. Doch kaum lud ich sie zu mir nach Hause ein, fiel augenblicklich die Maske.

Vor fünf Jahren habe ich meine Ehe in aller Ruhe geschieden und mich schnell an den typisch deutschen Single-Lifestyle gewöhnt. Aber mittlerweile stelle ich fest, dass es ziemlich öde ist, abends in eine leere Wohnung zurückzukommen.

Ich bin 56 Jahre alt, vital wie ein Brandenburger Hase, und mein Kreislauf hält noch stand. Also beschloss ich, mich auf einer deutschen Partnerbörse anzumelden in der Hoffnung, eine Partnerin fürs Leben zu finden. Und siehe da, gleich nach den ersten Tagen des Schreibens hatte ich Glück: Ich landete einen echten Treffer.

Ihr Profil war schlicht gehalten:

Heike, 56 Jahre, verwitwet, suche einen anständigen Mann für eine ernste Beziehung.

Das Foto zeigte eine sympathische Frau, keine Spuren von Instagram-Filtern, freundliche Augen, bodenständiger Blick. Der Schriftwechsel kam schnell in Gang. Ich habe gleich zu Beginn klargestellt: Frau Heike, ich suche nicht nach einem ewigen Online-Geflirte. Ich will eine reale Frau im realen Leben, mit der man zusammen wohnen und in den Urlaub fahren kann. Sie war einverstanden, und so verabredeten wir uns für das kommende Wochenende im Herzen von Berlin.

Das erste Date war ein Volltreffer. Das Wetter ein Traum, stundenlang spazierten wir durch den Tiergarten. Sie erzählte begeistert von der Arbeit im Jugendamt und von ihren Enkeln, ich hörte aufmerksam zu und nickte verständnisvoll. Ich fand es angenehm, dass sie ruhig und keineswegs eine Dauerrednerin war. Danach lud ich sie ins Café Einstein am Kurfürstendamm ein natürlich ging das auf meine Rechnung. Ich bin aus einer Generation, für die es selbstverständlich ist: Wer einlädt, der zahlt.

Unsere Rendezvous nahmen einen typisch deutschen Blumen-Strauß-Charakter an. Die Blumen und Pralinen besorgte ich, die gemeinsamen Stunden investierten wir beide. Jeden Freitag und Samstag stand ein kulturelles Highlight an. Großzügig war ich schon immer, aber wenn ich heute die Ausgaben der letzten zwei Monate zusammenrechne ein Schock, auch für einen Berliner mit Sinn für Lebenskunst.

Wir gingen ins Theater, danach unvermeidlich zum Italiener, und so setzte sich das Wochenende für Wochenende fort: mal eine Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie, mal ein Klassik-Konzert oder ein Ausflug ins Umland mit strammer Brotzeit im Grünen.

Ich gab den deutschen Gentleman, überzeugt, dass wir uns langsam näherkamen. Sie lächelte charmant, hakte sich gern unter und sagte:

Jürgen, mit dir kann man echt was anfangen, du bist ein echter Kavalier.

Klar, das gefiel mir.

Die ersten Warnzeichen im Kino

Wenn ich heute zurückblicke, war aus ihrem Verhalten eigentlich alles klar.

Erstens: Sie lud mich kein einziges Mal zu sich ein. Nicht mal für Kaffee und Kuchen, nicht einfach so. Immer gab es eine Ausrede: Ach du, ich hab nicht aufgeräumt, Heute schläft meine Enkelin bei mir, Ich bin so k.o. von der Arbeit, lass lieber in ein Café gehen. Anfangs dachte ich, sie sei einfach recht schüchtern als alleinstehende Frau ist man vermutlich entwöhnt, Männer in die gute Stube einzuladen. Ich drängelte nicht und wartete brav auf den Moment.

Zweitens: Ihre Gespräche übers Alter waren irgendwie komisch. Sobald es um Freizeit, Ausflüge oder Restaurants ging, war sie aktiv und die geborene Abenteurerin. Begeistert schlug sie Wochenendtrips vor, wollte ins Schwimmbad. Aber kaum wurde es persönlicher oder gar körperlich zack, wurde sie zur quengeligen Oma.

Einmal im Kino Logenplatz letzte Reihe legte ich vorsichtig meine Hand auf ihr Knie. Nur locker aufgelegt, versteht sich, kein Skandal. Sie beförderte meine Hand jedoch gleich wieder weg. Streng, aber mit Contenance:

Jürgen, hier gucken Leute!

Heike, das Licht ist aus, hier sieht uns keiner.

Das ist mir egal, sowas macht man nicht, wir sind ja nicht auf Klassenfahrt.

Ich chalkte das unter Erziehung und Anstand ab. Vielleicht war sie wirklich so bodenständig und prüde Grenzen sollte man ja wahren, dachte ich. Aber langsam kam mir das etwas komisch vor. Schließlich sind wir beide nicht mehr 16, und um die Jahre, die einem bleiben, ists doch schade, wenn man sie mit Verklemmtheit verbringt.

Ihr Lieblingsgesprächsthema: Gebrechen und Medikamente

Heike hatte es drauf, den Abend mit medizinischen Geschichten zu garnieren. In dem Alter zwickt jedem mal irgendwo der Rücken oder das Herz stolpert alles normal. Doch sie schien richtig Freude daran zu haben, beim Abendessen ausgiebige Berichte über Bandscheibenvorfälle und Blutdrucktabletten zum Besten zu geben.

Ich hörte tapfer zu, bekundete aufrichtiges Mitgefühl und bot sogar an, sie zu einem Spezialisten in Charlottenburg zu fahren. Doch sobald ich erwähnte, dass ich zweimal die Woche ins Schwimmbad gehe, um mich fit zu halten, verzog sie das Gesicht:

Jürgen, warum quälst du deinen Körper nur so? Lass das doch, wir sollten die Zeit auf dem Sofa verbringen, ein gutes Buch in der Hand, statt uns im Chlor zu wälzen.

Aber rumlümmeln wollte ich mein Leben nicht. Ich will doch noch was erleben.

Der Moment der Wahrheit und eine Lektion in Scham

Gestern wars so weit: Ich hatte endgültig genug von diesem ewigen Rumgeeier. Schließlich waren zwei Monate vergangen, das sollte reichen, um sich kennenzulernen.

Wir saßen im Georgischen Restaurant am Savignyplatz, schlemmten uns durch die Chinkali und öffneten eine Flasche guter Spätburgunder. Stimmung: top, sie lachte laut und erzählte witzige Anekdoten aus ihrem Büro. Ich dachte: Jetzt oder nie.

Nach dem Essen fuhren wir zu meinem Wagen. Draußen nieselte es, im Auto wars warm, die Musik dudelte leise. Ich nahm leicht ihre Hand, diesmal zog sie sie nicht weg.

Heike, wie wärs, wenn wir zu mir fahren? Noch einen Tee, ein bisschen Musik?

Da wurde sie richtig steif, das Lächeln war weg, Gesicht auf Eiche massiv.

Jürgen, worauf willst du hinaus?

Eigentlich sage ich es doch geradeheraus: Ich mag dich. Du bist frei, ich bin frei. Nach acht Wochen da kann man sich ruhig etwas näherkommen.

Und dann kams: Ein Vortrag über Alter, Schamgefühl und höhere Spiritualität, der sich gewaschen hatte.

Dir ist schon klar, was du da erzählst? Das ist doch was für junge Leute! In unserem Alter, das ist lächerlich. Stell dir vor, wie wir ohne Kleider aussehen ich mit meinen Röllchen, du mit deinem Bauch. Igitt! Im besten Alter zählt seelische Nähe, gemeinsames Alltagsmanagement und Freundschaft. Du denkst scheinbar nur ans Primitivste.

Ich saß da und dachte: Veräppeln kann ich mich selber! Offenbar bin ich ein ordinäres Tier, nur weil ich nach acht Wochen mal Lust auf Nähe habe.

Heike, warte mal! Welcher Bauch? Ich gehe ins Fitnessstudio, alles im Lot. Und du bist für dein Alter top in Schuss! Wer erzählt dir bloß, dass mit 56 die letzte Kerze ausgeblasen wird und nur noch die seelische Verbindung existiert?

Das ist so gesellschaftlich üblich!, blaffte sie. Anständige Frauen meines Alters hüten ihre Enkel und gärtnern. So peinlich, wenn die Kinder Wind bekommen, dass ich mir noch einen Mann für solche Dinge anschaffe!

Da platzte mir der Kragen:

Heike, dann suchst du doch eigentlich gar keinen Partner! Zwei Monate lang tafeln auf meine Rechnung, durch meine Stadt kutschieren, Kultur alles fein. Aber sobald es um Nähe geht: Tabu.

Sie lief rot an aber nicht vor Scham, sondern vor Empörung.

Glaubst du etwa, dass ich wegen ein paar Essen sofort über dich herfallen muss?

Jetzt mal langsam. Ich habe mich einfach nur um dich bemüht, und das sollte doch eine Beziehung werden. Aber du scheinst eher eine praktische Freundin mit Portemonnaie und Auto gesucht zu haben.

Da sprang sie aus dem Auto, Tür zu, fertig. Ich blieb sitzen und fuhr nicht hinterher. Es war alles klar wie Brühe. Ich sah noch, wie sie sich empört Richtung Eingangstür davonstolzierte und war ehrlich beleidigt, vor allem über mich selbst.

Ich liebe kluge Gespräche, gute Bücher, Geschichte. Aber ich bin eben auch ein lebendiger Mann mit normalen Bedürfnissen und werde die bestimmt nicht begraben, nur weil jemand ihre Komplexe über Altersröllchen kultiviert.

Jetzt: Nummer gelöscht und auch mein Profil bei Parship dichtgemacht. Ich brauche eine kleine Erholungspause von diesem Theater.

Mein neuer Plan: Beim ersten Date gleich direkt fragen, wie sie zum Thema Nähe steht. Wenn dann sofort eine Grundsatzrede über Alter und Enkel als Lebensinhalt kommt, teile ich die Rechnung und sage höflich auf Wiedersehen.

Und wie seht ihr das? Ist es wirklich ein Skandal, mit 56 einer sympathischen Frau Nähe vorzuschlagen? Und warum melden sich manche Damen überhaupt auf Partnerschaftsportalen an, wenn sie die besten Jahre längst im Gemüsebeet vergraben glauben?

Rate article
Homy
Add a comment

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!:

Zwei Monate lang habe ich eine 56-jährige Frau in deutsche Restaurants ausgeführt – doch kaum lud ich sie zu mir nach Hause ein, zeigte sie plötzlich ihr wahres Gesicht
Das Glück der alten Wohngemeinschaft