Arbeiter entdeckt bei eisigen -35°C ein leises Fiepen an einem verlassenen Bauwagen – das, was er dort sieht, stellt sein Weltbild auf den Kopf

Weißt du, ich muss dir was erzählen, was mir neulich passiert ist und das geht mir einfach nicht mehr aus dem Kopf.

Also stell dir vor: Es war minus 35 Grad draußen, mitten im Januar irgendwo tief in Bayern, in der Nähe von einem kleinen Ort namens Fichtenwald. Ich Johann Schneider, aber hier nennen mich eh alle nur “Hannes” schlurfe nach einer Nachtwache nach Hause und ärgere mich maßlos, weil ich meinen Thermobecher mit Tee auf dem Küchentisch vergessen hab. Wirklich, der Frost hat mir gefühlt jedes einzelne Knochenmark eingefroren, und ich wusste, ich hab noch knapp drei Kilometer vor mir, alles Eis und Schnee, herrlich rutschig.

Meine Abkürzung führte wie immer durch ein kleines Wäldchen, vorbei an einer alten Kiesgrube, die seit Jahren niemand mehr benutzt hat. Da verirrt sich selten jemand hin. Und gerade deswegen war ich erstmal richtig baff, als ich plötzlich ein ganz leises, klägliches Fiepen höre. Im ersten Moment dachte ich wirklich, ich bild mir das nur ein vielleicht wegen dem Wind, der durch die Tannen pfiff? Aber nein, das Geräusch kam wieder und noch mal. Ganz schwach, fast übertönt von Schnee und Sturm.

Ich steh wie angewurzelt, lausche nix. Dann nochmal weiter und da ist es wieder, irgendwo seitlich von mir. Ich fluche leise vor mich hin, stapfe weg vom Pfad.

Direkt neben einem halb eingeschneiten Baucontainer entdecke ich dann die Szene, die mich bis heute nicht loslässt: In einer kleinen Mulde, offensichtlich von ihr selbst gebuddelt, zitterte eine ausgemergelte Hündin, zusammengerollt um ihre zwei winzigen Welpen. Die Arme sah aus, als würde sie dort schon ewig liegen: die Rippen spitz, das Fell verfilzt, Augen groß vor Not und Verzweiflung.

Sie schaut mir direkt in die Augen kein Knurren, kein Weglaufen, gar nichts. Nur Betteln, Flehen: Hilf. Nicht mir, den Kleinen.

Mir wurde selber ganz eng ums Herz. Ich hock mich runter zu ihr und murmele: Ach Mensch, wer hat dich denn da bloß ausgesetzt? Man sah sofort: die kannte mal ein Zuhause, Wärme, Zuneigung.

Behutsam strecke ich ihr die Hand entgegen. Sie schnupperte zaghaft, winselte ein wenig aber wich nicht zurück. Ihr Vertrauen hat mich gleichzeitig berührt und erschüttert.

Wie lange liegst du denn bloß schon hier?, frage ich sie leise und streichle vorsichtig ihren eingefallenen Kopf. Der Schnee war ringsherum platt und aufgewühlt sie hat wirklich alles gegeben, um ihre Welpen zu wärmen. Sie hat sich tief eingegraben, um die Babys vor dem Wind zu schützen, hat sie mit ihrem Körper vor dem Erfrieren bewahrt und gewartet einfach auf ein Wunder. Das Wunder, das jetzt hoffentlich ich war.

Meinen uralten Parka zieh ich aus, wickel einen Welpen hinein, dann den zweiten. Beide quicken leise immerhin, sie leben!

Und du, meine Liebe?, frage ich die Hündin. Sie versteht wohl, was ich meine, stemmt sich taumelnd auf die Beine, macht einen vorsichtigen Schritt auf mich zu.

Komm mit gleich wirds warm, sage ich.

Der Rückweg war der totale Kampf: Die Welpen unter der Jacke, das zitternde Fellbündel trottet mir hinterher, und der Frost wird immer bissiger. Alle paar Meter warte ich auf sie, rede ihr gut zu, kraule ihren Kopf: Nicht aufgeben! Wir habens gleich.

Kurz vor meinem Haus bricht die Hündin erschöpft zusammen und bleibt einfach liegen. Ich hebe sie auf sie wiegt kaum was und trage sie rein in die gute warme Stube.

Drinnen, am Kachelofen, hebt sie nur kurz den Kopf, schaut mich so dankbar an, dass mir die Knie weich werden. Du bist jetzt meine Frieda, sage ich spontan. Die Welpen? Dafür finden wir später Namen.

Die nächsten Tage melde ich mich krank und das war ehrlich nicht mal geflunkert. Mein Herz tat weh, wenn ich Frieda und die Kleinen anschaute.

Frieda fraß nichts, nur lauwarme Milch nuckelte sie ganz vorsichtig. Ich wusste, nach der langen Hungerzeit darf der kleine Magen nicht zu viel bekommen. Also fütterte ich sie stündlich mit dem Teelöffel, redete ihr gut zu: Los, für die zwei, komm schon, bitte Und sie fraß, weil sie mir vertraute.

Nach vier Tagen kam das Wunder: Sie stand auf und fraß selbstständig. Die Welpen ich taufte sie dann auf Emil und Fips waren quietschfidel und langsam fiel mir echt ein Stein vom Herzen.

Die Nachbarn fingen bald an zu tuscheln, allen voran Frau Schuster schüttelte den Kopf: Hannes, bist du jetzt komplett durchgedreht? Drei Hunde?! Bei deinem Haus?

Aber weißt du was? Ich grinste nur. Keinem habe ich erzählt, dass diese Hunde eigentlich mich gerettet haben. Nach all den einsamen Jahren seit Annas Tod war mein Haus so still wie eine Gruft. Jetzt kicherte und tobte es, wenn auch auf vier Pfoten.

Frieda war unglaublich klug: Sie wusste immer Bescheid, was ich vorhabe, weckte mich morgens zur Schicht, erwartete mich abends am Gartentor. Sie hat nie vergessen, dass ich sie damals heimgebracht habe.

Jeden Morgen kam sie zu mir, legte sanft die Pfote auf meine Hand, schaute mir ernst in die Augen, als wollte sie sagen: Danke. Ich brummte immer: Das ist doch meine Aufgabe, dich zu beschützen, Frieda.

Emil und Fips waren wie kleine Tornados: rannten durch den Hof, schleppten meine Hausschuhe weg und benahmen sich wie richtige Kinder. Frieda war streng, verlor aber nie die Geduld mit ihnen.

Im Sommer kam mein Bruder Thomas aus Nürnberg zu Besuch. Nach einem Blick auf Friedas Hundefamilie meinte er: Sag mal, gibst du wenigstens einen Welpen ab? Das ist doch teuer mit drei Hunden

Ich zucke nur mit den Schultern und sage: Würdest du deine Kinder auch voneinander trennen?

Im Herbst gabs dann noch eine Szene, da wurde alles klar: Ich arbeite im Garten, Frieda schlägt plötzlich heftigen Alarm. Draußen am Tor steht ein Typ im teuren Wintermantel und ein Junge, vielleicht zehn Jahre alt.

Was wollt ihr?, frage ich.

Der Mann stammelt: Mein Sohn sagt, das wär unser Hund. Sie ist im Winter verschwunden

Frieda verkriecht sich hinter meinen Beinen. Der Junge ruft: Bella! Bella, komm zu mir! Frieda zittert noch mehr, schaut den Jungen nicht an.

Da wusste ich: Die haben sie ausgesetzt, als sie schwanger war.

Tut mir leid. Unser Hund heißt Frieda, sage ich fest.

Der Typ protestiert: Wir holen die Papiere!
Wofür? Für eine Hündin, die ihr bei minus 35 Grad einfach rausgeschmissen habt?

Es wird rot im Gesicht, der Junge weint. Ich bleibe hart und sage: Verschwindet. Kommt nie wieder.

Nachdem sie weg waren, leckte Frieda erst meine Hände, dann trabte sie zu Emil und Fips und setzte sich zu ihnen. Ich hockte mich dazu: Na, Familie jetzt sind wir komplett, oder?

In diesem Moment wurde mir klar: Indem ich Frieda und die Welpen geholfen habe, haben sie eigentlich mich gerettet vor der Leere, dem Alleinsein, vor dem Leben ohne irgendwas, worauf man sich freuen kann.

Heute beginnt jeder Morgen mit Hundegebell und endet mit warmer Gesellschaft auf dem Sofa. Zuhause bedeutet wieder Liebe wortwörtlich treue Liebe auf vier Pfoten.

Weißt du, ich denke oft: Gut, dass ich das Fiepen damals gehört und angehalten habe. Denn manchmal ist Rettung ein Weg, der in beide Richtungen geht. Du rettest jemanden, und am Ende rettest du dich selbst.

Rate article
Homy
Add a comment

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!:

Arbeiter entdeckt bei eisigen -35°C ein leises Fiepen an einem verlassenen Bauwagen – das, was er dort sieht, stellt sein Weltbild auf den Kopf
Die Freundin bittet um vorübergehenden Aufenthalt und beginnt, ihre eigenen Regeln aufzustellen.