Verwöhnte Kinder – Wenn Erziehung aus dem Ruder läuft

Verdorbene Kinder

Du hast ihn verzogen! Du lässt ihm alles durchgehen, deshalb tanzt er dir auf der Nase herum! Franziska, so geht das nicht! Du hast den Jungen völlig verdorben! Genau wie meine Mutter damals mit mir! Es gibt niemanden außer uns selbst, den wir tadeln können! Wir sind alle verdorbene Kinder! Und erzähl mir nichts davon, dass du ja schon erwachsen bist! Im Inneren bist du immer noch ein Kind! Du bist einfach unfähig, vernünftige Entscheidungen zu treffen! Frau Gerda Neumann schlug voller Unmut die Kühlschranktür zu, und zuckte zusammen, als dabei der Magnet mit dem Foto der Familie ihrer Tochter auf den Boden fiel.

Das Bild war letzten Sommer am Bodensee gemacht worden, wohin man sie diesmal merkwürdigerweise nicht eingeladen hatte. Zahlreiche Jahre war sie mit den Kindern in die Ferien gefahren, half beim Aufpassen auf die Enkel, entspannte sich, knüpfte nützliche Kontakte. Aber eben diesmal nicht.

Die Begründungen, mit denen ihr die Reise verweigert wurde, fand Gerda ungewöhnlich.

Mama, in diesem Jahr haben wir es finanziell echt schwer. Wir fahren mit den Kindern allein. Später schenken wir dir einen Aufenthalt im Schwarzwald oder an der Ostsee, dann kannst du dich ebenfalls erholen. Überleg dir doch schon mal, wohin du gern fahren würdest, ja?

Aber Franziska! Wer passt denn dann auf die Kinder auf?

Mama, Manuel ist inzwischen groß. Er passt auch schon mal auf andere auf. Und Klara? Die bleibt ja bei mir. Diesmal reicht es eben nicht für das teure Familienhotel wie letztes Jahr. Deshalb müssen wir Abstriche machen. Klara braucht frische Seeluft, du weißt doch, dann ist sie ein halbes Jahr nicht krank. Und wenn es nicht für die Animateure reicht, fahren wir… Wie hieß das früher als Selbstversorger? Genau! Wir mieten eine Ferienwohnung und passen selbst auf unsere süßen Chaosmacher auf.

Für mich ist natürlich kein Platz!

Gerda war schwer enttäuscht von dieser Aussicht. Allein in einen Kurort fahren, wo das einzige Highlight Senioren-Schwoof am Samstag ist?! Und die Leute dort… Sie hätte so gerne in einem ordentlichen Hotel Urlaub gemacht, wo auch internationale Gäste sind und die Meisten anständig und kultiviert! Sie, mit ihrer Ausbildung und den zwei Fremdsprachen, bliebe die Qual der Wahl. Nur eben dieses Mal…

Mama, du verstehst das doch! Zu Urlaub gehört mehr als nur eine Unterkunft: die Anreise, die Verpflegung, alles.

Als würde ich euch einen Happen wegessen! empörte Gerda sich nun ernsthaft.

Um Himmels Willen, Mama! Warum muss ich dir alles erklären? Wir haben einfach nicht das Geld, nach der Renovierung deiner Wohnung, meinen Gesundheitsproblemen letztes Jahr und den Nachhilfestunden für Manuel! Ich hätte dich gerne dabei, aber es geht nicht. Was erwartest du? Soll ich absagen? Oder doch lieber den Kindern die Nordseeluft gönnen? Und ich bin so erschöpft… du weißt ja, in welchem Rhythmus ich gelebt habe dieses Jahr!

Ja, das weiß ich! Ich sehe doch, dass du keine gute Mutter bist! Du hattest nie Zeit für die Kinder, alles blieb an mir und deiner Schwiegermutter Margarete hängen. Klara aus der Kita holen, Manuel von der Schule empfangen, kochen, herumkutschieren das alles machen wir.

Mama, jetzt übertreibst du aber! Manuel fährt doch schon lange alleine zum Fußball. Du bringst nur Klara zum Ballett und das auch nicht jeden Tag. Und wenn es hart auf hart kommt, hätte die Kita auch noch einen Tanzkurs, aber du hast darauf bestanden: Das Kind muss sich entfalten.

Bin ich jetzt schuld? Gerdas Stimme sprang in die schwindelerregenden Höhen, und sie fasste sich theatralisch ans Herz. So eine Undankbarkeit! Ich reiße mir ein Bein aus und es ist euch trotzdem nie recht!

Mama… bitte… Franziska legte die Stirn gegen das Fensterglas und spürte, wie ihr schwarz vor Augen wurde. Ich danke dir für alles, was du tust. Aber bitte, bitte rechne es mir nicht immer wieder an, okay?

Doch Gerda wollte nichts mehr hören. Sie zog sich mit Stolz aus dem Wohnzimmer zurück, einen Beutel mit ihrem neuen Badeanzug dramatisch achtlos am Sofa fallend lassend und sauer.

Beleidigtsein war ihre Paradedisziplin. Sie verstand es, ganz ohne Szene, ganz ohne Sünde zu vermitteln, wer und was schuld war. Sie ging einfach nicht ans Telefon, ignorierte Versöhnungsversuche, und wenn sie dann nach Wochen Franziskas Anruf gnädig beantwortete, seufzte sie schwer und fragte mit schwacher Stimme:

Franziska, wenn das Herz mal ganz stehen bleibt, oder nur noch schwach klopft, was bedeutet das?

Und Franziska ließ alles stehen, rannte raus zur Gartenlaube, wohin Gerda sich regelmäßig nach Streit verzog, um der Seele Frieden zu schenken. Müde und ausgelaugt kehrte sie zurück, schmiss die Autoschlüssel achtlos auf die Konsole im Flur, verschwand wortlos in ihr Schlafzimmer und weinte leise, weil sie nicht verstand, warum ihre Mutter so mit ihr umging.

Manuel schlich herein, legte Decke über Franziskas Schultern und flüsterte:

Mama, bitte! Fahr nicht mehr raus zu Oma. Sie schmollt kurz und kommt dann eh von selbst zurück.

Ach, Manuel. Wenn ich mir da doch nur sicher wäre…

Franziska kannte ihre Mutter zu gut. Schon als Kind war Gerda sensibel und sprachgewandt. Sie konnte auf Deutsch, Englisch, oder Französisch schimpfen das machte kaum einen Unterschied. Für das kleine Franzi-Mädchen gab es keine schlimmere Strafe als Gerdas leises, distanziertes:

Franziska, ich möchte, dass du mal über dein Verhalten nachdenkst. Geh jetzt bitte in dein Zimmer.

Niemals, niemals gehörte dieses mein Kindchen je zu einem guten Tag von Gerda.

Wobei gute Tage? Die waren selten. Gerda war der Typ Mensch, deren Glas immer halb leer ist. In ihrer Wahrnehmung zählte nur ein Wort: ungenügend. Kollegen, Freunde, Verwandte, Nachbarn ungenügend, alle.

Franziska war ihr ganzer Stolz, zumindest als Mädchen. Sie lernte lesen mit drei, mit vier setzte sie sich brav ans Klavier, das Gerda einst gekauft hatte, und flüsterte sinnend:

Ich höre Musik!

Aber als Teenager, in der sechsten Klasse, kam der Riss: Stolze Musterschülerin und dann unerklärlich eine Sechs in Diktat. Gerda war außer sich, fasste sich ans Herz, ließ Franziska gar nicht zu Wort kommen.

Du enttäuschst mich maßlos! Unfassbar! Geh in dein Zimmer!

Franziska gehorchte, sprach mit niemandem. Schließlich fand ihre Großmutter sie weinend im Bad, mit Fleckenrock, den sie auswusch.

Franzi, Kind, was ist denn los?

Ihr erzählte Franziska von den Bauchschmerzen im Unterricht und der Angst danach, nicht ahnend, was mit ihr los war. Niemand hatte ihr erklärt, was unausweichlich auf jedes Mädchen zukommt. Das sei überflüssig, fand Gerda. Und Freundinnen hatte sie kaum, die geeigneten, von ihrer Mutter ausgesucht, besprachen solche Gelegenheiten eh nie…

Nach einem halbherzig geführten Gespräch mit ihrer Schwiegermutter gab es Kopfschmerzen und das gewohnte Solche Dinge bespricht ein Mädchen NUR mit der Mutter, nie mit anderen!

Aber ich wusste es doch nicht…

Dann benutz in Zukunft deinen Kopf!

Sie verstand nicht, was der Vorwurf bedeutete. Doch erstmals geriet Franziskas klar gezeichnete Welt ins Wanken.

Danach folgte ein Enttäuschungsvorfall dem anderen. Gerda hatte kein Interesse mehr, ihre Unzufriedenheit zu verstecken. Immer öfter zog sie das goldene Stirnband gegen Migräne auf, und Franziska wusste: Das gibt wieder Ärger.

Streit gab es nie, aber Gerda setzte sich majestätisch in ihren Lehnsessel, hob die Hände und platzierte fingerkuppenzart die Eismelodie auf der Stimme:

Franziska! Du zerstörst mich…

Warum? Wie? Selbstfindung war Pflicht.

Etwa wenn die Tochter unbedingt Ärztin werden wollte, Gerda aber meinte, das sei komplett überflüssig:

Überleg mal! Ich habe so lange Arztfrau gelebt, und sehe meinen Mann nur an einer Hand voll Tagen! Chirurgin? Das ist nichts für Frauen!

Aber Oma sagte, Menschen zu heilen sei etwas Edles. Und Papa wollte doch auch schon als Schüler Chirurg werden…

Was zählt, ist das Ergebnis, Franziska. Was blieb am Ende? Ich Witwe. Du ein Kind, das ohne Vater aufwuchs. Dein Vater hat sich in der Klinik aufgerieben, Herz kaputt! Du musst auch an die denken, die an dich glauben!

Diese Streits zogen sich bis zum Schulabschluss, als Franziska ins Studium ging. Gerda sprach monatelang kaum mehr als ein Ja oder Nein beim Frühstück.

Nächster Stolperstein: Franziskas Ehemann war nicht der Schwiegersohn ihrer Träume.

Franziska, wie kannst du nur! Gab es keinen besseren Fang? Und ich meine damit nicht Geld! Ihr seid komplett unterschiedlich! Dein Mann weiß nicht, wer Goethe war und hat noch nie eine Wagner-Oper gehört!

Michael ist ein guter Mensch, Mama… und er liebt mich.

Auf Liebe allein kann man keinen Hausstand bauen! Du wirst es schon begreifen, nur dann ist’s zu spät!

Und auf Franziskas Hochzeit flirtete Gerda herzhaft mit dem verwitweten Dr. Heiner Klose, einem pensionierten Oberfeldwebel, entfernte Verwandte von Michael. Mit seinem Charme und gutem Französisch hatte er sie sofort gewonnen.

Mon dieu, was für ein bezaubernder Akzent!

Meine Mutter war Diplomatentochter und hat Jahre in Paris gelebt.

Heiner las ihr Gedichte alter Minnesänger auf Französisch, war galant, ordentlich und besaß eine liebevoll gepflegte Gartenlaube am Stadtrand. Dort fand Gerda neue Aufgaben und Franziska ein wenig Ruhe.

In dieser Ehe blühte Gerda auf und wurde weicher. Die Geburt des Enkels und später der Enkelin begrüßte sie mit Freude:

Was für entzückende Kinder, Franziska! Manuel, ganz der Großvater! Klara ein Wunder, meine Augen und Nase! Sie wird einmal schön!

Und trotz aller Prophezeiungen hielt Franziskas Ehe. Michael und Gerda arrangierten sich. Gegen Gerdas Willen nahmen sie einen Kredit für ein Haus auf.

Euer Heim ist euer Haus, unser altes Haus ist eure Heimat.

Aber Franziska wird unter der Last mit Kindern leiden… einer allein schafft das nicht!

Meiner Firma geht’s gut, ich schaffe das. Und Franziska will sowieso in die Klinik zurück. Meine Mutter hilft mit den Kleinen.

Opa! Unsere Enkel haben doch nicht nur die Schwiegermutter als Oma! Ich kümmere mich um die Kinder!

Franziskas Traum vom OP wurde wahr. Die Familie zog um, das Leben schien geordnet, doch dann kam der Schicksalsschlag. Heiner erkrankte schwer und trotz aller Hilfe starb er, ließ Gerda trauernd und gebrochen zurück.

Ach, Heiner, wie konntest du mich so schnell verlassen? Endlich war ich mal wieder eine Frau mit Herz!

Wen Gerda diesmal für ihr Witwendasein verantwortlich machte, blieb ihr Geheimnis. Nun kaufte sie zwei weiße Chrysanthemensträuße, hielt Zwiegespräch am Friedhof, und ward für die Lebenden unausstehlich.

Franziska versuchte, den Kummer der Mutter zu lindern: Jeder Urlaub, jedes Osterfest, Weihnachten stets war Gerda dabei.

Ist doch nur recht! Ich gehöre doch zur Familie! Ohne meine Kontrolle kommen sie doch eh nicht aus!

Als Manuel älter wurde, stieß Gerdas Kontrolle auf Widerstand. Sie liebten sie, aber allzu oft kam Ärger auf.

Manuel! Du schon wieder? Ich habe dir gesagt: Diese schreckliche Musik! Wie kann man das aushalten? Gerda kam nach gutem Brauch ohne anzuklopfen ins Zimmer.

Diesmal half auch das Stirnband nicht. Manuel klärte Differenzen auf seine Art.

Klara! Komm, wir singen und tanzen!

Wenn Gerda beide zu Punk-Rock tanzen sah, packte sie das Entsetzen.

Manuel! Aber Klara! Unmöglich! Ich rufe eure Mutter an!

Ruf lieber Papa. Mama operiert. Ihr Handy ist dann aus, das weißt du!

Michael blieb immer gelassen, kutschierte Gerda abends nach Hause, sang aber bei Gelegenheit mit Manuel die Lieblingslieder, träumte davon, dass die Songs eines Tages ein echtes Publikum finden würden.

Manuels Musiktalent drängte heraus: Franziska beschließt, ihm eine Gitarre zu schenken.

Franziska, lass das, willst du mich loswerden?

Mama, was redest du…?

Das halte ich nicht aus! Der Junge soll lernen, nicht rumklimpern!

Aber er ist ein Musterschüler! Was spricht gegen Musik?

Ich meinte etwas völlig anderes, und das weißt du!

Die Diskussion wütet, Michael steht hinter Franziska. Nun zieht Gerda ihren patentierten Rückzugsmodus: Keine Anrufe, Tür bleibt zu, Schlüssel inzwischen nur ihr.

Doch diesmal bleibt Franziska ruhig:

Soll sie doch! Es reicht!

Als die Lieblingskaffeetasse, ein Geschenk von Manuel, bei der Arbeit in der Spüle zerbricht, steht für Franziska fest: Es reicht.

Warum traf sie genau dieser farbenfrohe Splitterteppich so? Vielleicht, weil sie wusste, dass die Mutterliebe fortan nur noch eine Form annehmen sollte, die niemanden mehr verletzen darf.

Manuel! rief sie die Treppe hinauf.

Hier, Mama! Manuel rutschte hinab, spürte den Ernst.

Hast du eine Gitarre ausgesucht?

Meinst du wirklich?

Ja, welche willst du?

Bassgitarre, Mama. Aber bist du sicher?

Hundertprozentig! Wie du immer sagst!

Und Oma?

Wiederholt, dass wir verdorbene Kinder sind… Lass sie reden! Los, pack dich, wir fahren in den Musikladen!

Super, ich sage Klara auch Bescheid. Sie hilft beim Aussuchen!

Beim Gedanken, dass ihr Sohn die kleine Schwester beratend zum Gitarrekauf nimmt, lächelte Franziska so ein lieber Junge…

Die Gitarre wird gekauft, das Zimmer zur Probenbühne, die Band nimmt Videos auf, Klara trällert im Netz gleich mit, tausende Klicks auf den Clip. Franziska sieht zufrieden, dass die Kinder beschäftigt sind, Manuel keine Widerhaken mehr zeigt und alle Pläne und Ideen am Abendbrottisch teilen.

Gerda wartet. Jeden Tag sortiert sie, kocht, wartet, dass Franziska zur Entschuldigung kommt. Sie bleibt aus.

Erst wundert sich Gerda, dann wütet sie dann überkommt sie Nachdenklichkeit: Zum ersten Mal hat ihr jemand die Grenzen gezeigt.

Andere hätte sie schon lange aus dem Leben gestrichen, aber bei Franziska geht das nicht so sehr liebt sie das Erwachsen gewordene Kind auf ihre Weise.

Ein Monat, noch einer…

Schließlich wird Gerda klar: Franziska kommt nicht mehr. Keine Vergebung dieses Mal.

Es bricht sie fast. Sie versteht nicht, wie die eigene Tochter so herzlos handeln kann nach all den Opfern für die Familie. Wie kann ein im Zorn gesprochenes Wort alles zerstören?

Ohne Frieden fährt Gerda aufs Landhaus. Auch dort: Unruhe. Regen, Herbst. Sie muss sich eingestehen: Sie trägt an der Lage Mitverantwortung.

Als sie in einer regnerischen Septemberwoche auf Tee am Fenster sitzt und sieht, wie die Nachbarkinder in bunten Gummistiefeln durchs nasse Gras hüpfen, beschließt sie: Jetzt reicht es. Man kann sein Leben kauernd vergeuden und dann, plötzlich, ist der Moment verpasst und es bleibt nur, selbst Chrysanthemen zu kaufen.

Entschlossen verstaut sie ihren Tee, setzt sich ins Auto.

Am Sonntagnachmittag fährt sie ins Neubaugebiet zu Franziska und Michael. Sie zögert vor dem Haus, der erste Schritt diesmal ihrer. Sie bleibt lange im Wagen, überlegt Gesprächseinstieg. Doch als sie den Zaun öffnet, fällt ihr die Unsicherheit ab. Die Haustür steht offen, sie tritt ein.

Oben kracht es. Schlagzeug, Gitarrengeklimper, und Gerda sieht durch die Küchentür: Franziska, mit Holzlöffel in der Hand, tanzt und singt ein irres Lied über eine Puppe und einen Zauberer. Klara klatscht begeistert.

Super! Mama, nehmen wir zusammen ein Video auf? ruft Klara und lässt die Gläser fürs Mittagessen stehen.

Franziska gießt Saft ein, reicht Gläser an Klara.

Hier, nimm zwei mit, ich bringe die anderen. Die Jungs haben sicher Durst.

Sie dreht sich zur Treppe, sieht Gerda im Türrahmen stehen.

Die Zeit hält holprig inne, als warte sie, was jetzt passieren müsste.

Klara bleibt stehen, setzt an zu sagen, doch Franziska ist schneller.

Hallo Mama! Schau bitte nach dem Braten, ja? Gleich ist Mittag! Die Jungs beenden die Probe und wir setzen uns. Hast du Hunger?

Gerda nickt und streift die Jacke ab.

Ja!

Wunderbar nickt Franziska ihrer Tochter zu. Klara, erstarr nicht! Hast du Oma etwa vergessen?

Klara lacht und schüttelt den Kopf.

Nie! Oma, ich habe Ballett aufgehört! Mama hat mich im Musikverein angemeldet, ich lerne Singen. Manuel meint, es klingt super!

Gerda spürt, wie sich Tränen in die Augen drängen, beugt sich schnell zu Klara, nimmt die Gläser.

Ich bringe sie nach oben! Ich will doch Manuels Gitarre sehen. Ist sie schön?

Sehr! Rot! Ich habe mit ausgesucht! Komm, ich zeige sie dir!

Klara hopsend voran, Franziska schaut ihrer Mutter nach.

Na los, geh schon! Der schwerste Schritt ist gemacht…

Gerda nickt, folgt nach oben. Manuel schaut ernst und erwachsen, zeigt ihr die Gitarre.

Etwas verändert sich.

Nicht alles, das geht nicht von jetzt auf gleich. Es wird noch Diskussionen geben und unausgesprochene Sätze. Noch oft wird Franziska seufzen, wenn ihre Mutter versucht, wieder alles zu bestimmen. Und Gerda wird weiterhin überlegen, was sie an Franziska falsch gemacht hat.

Aber eines wird diese Familie endlich begreifen: Wer gehört werden will, muss selbst zuhören lernen. Dann wird alles seinen Platz finden. Und die, die man liebt, bleiben an deiner Seite. Was braucht ein Mensch mehr?

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Homy
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Verwöhnte Kinder – Wenn Erziehung aus dem Ruder läuft
Der ungeliebte Enkel.