Träume vom sorglosen Leben
Das darf doch nicht wahr sein! Hat er dir wirklich so viel Geld nach der Scheidung überlassen? Und kümmert sich jetzt komplett um die Kinder? In Gretas Stimme lag ein fast ungläubiges Zittern. Und das, obwohl nur das Jüngste von ihm ist!
Marlene lächelte nur leicht und zuckte mit den Schultern, als ginge es um etwas ganz Alltägliches.
Für Leo macht das keinen Unterschied, erwiderte sie ruhig. Er liebt sowohl Annika als auch Jannis. Er bringt ständig Geschenke mit und nimmt sie zweimal im Jahr mit an die Nordsee. Was ist schon dabei? Er hat eben das nötige Geld dazu, das ist alles.
Greta drehte gedankenverloren die inzwischen kalte Tasse zwischen den Fingern. Ein Hauch von Neid glomm in ihrem Blick auf nicht bösartig, aber schmerzlich scharf. Wie sehr wünschte sie, so leben zu können: ohne Sorgen um morgen, ohne jeden Cent dreimal umzudrehen, ohne Angst, die Miete oder neue Bremsen fürs Auto nicht bezahlen zu können.
Aber was, falls er noch einmal heiratet? fragte Greta, bemüht, den Tonfall leger klingen zu lassen, obwohl sich ein kleiner spöttischer Unterton einschlich. Und die Geldquelle versiegt? Was dann?
Marlene lachte herzlich, ohne jede Spur von Verärgerung oder Groll. Sie verstand gut, dass Greta einfach nicht an solche Großzügigkeit und an eine solche Sicherheit glauben konnte, die beinahe unrealistisch schien.
Seit unserer Trennung hat er schon geheiratet und sich wieder scheiden lassen, erläuterte sie, immer noch lachend. So ist er eben: sehr liebenswürdig und wenigstens ehrlich genug, es sofort zu sagen, wenn er jemand anderen liebt.
Sie hielt kurz inne, als würde sie in Erinnerungen kramen, und fuhr dann fort:
Insgesamt war er fünfmal verheiratet, und keine seiner Exfrauen muss sich um ihre Zukunft Sorgen machen.
Greta schwieg, während sie dies alles zu begreifen versuchte. Ein Bild wollte sich einfach nicht fügen: Ein Mann, der allen neuen Liebschaften zum Trotz zu seinem Wort steht und sich noch um die kümmert, die er einst liebte. Es passte so gar nicht in die Welt, die sie kannte in der es nach einer Trennung meist Streit, Vorwürfe und das ewige Gerangel um Unterhalt gab.
Wirklich erstaunlich murmelte sie schließlich, unfähig, es ganz zu glauben. Was für ein Mann
Sie drehte den Teelöffel in der Tasse und starrte ins bittere Getränk. Gedanken rasten durch ihren Kopf hastig, fordernd, berechnend. Diese Information war geradezu verlockend: Ein reicher, spendabler Mann, der keine Gaben an Exfrauen scheut So einen zu finden war wie ein Sechser im Lotto. Natürlich, man musste ihn erst einmal für sich gewinnen, doch wenn es gelänge
Selbst eine kurze Ehe mit ihm und alle finanziellen Sorgen wären ein für alle Mal erledigt, überlegte sie, während sich ihre Finger unbewusst zur Faust ballten. Wenn sie ein Kind bekäme Dann wäre die Versorgung für viele Jahre gesichert.
Greta hob den Blick zu Marlene und fragte scheinbar beiläufig:
Ist Leo denn momentan verheiratet?
Marlene hob die Augenbrauen. Hinter der Frage spürte sie gleich mehr als bloße Neugier sie kannte ihre Freundin zu gut. Ruhig und freundlich schüttelte sie den Kopf:
Nein. Hat dich das Thema neugierig gemacht? Aber so einfach läuft das nicht. Leo erkennt berechnende Frauen auf zehn Metern Entfernung und lässt sie nicht nah an sich heran. Solche sucht er sich nicht aus, tut mir leid.
Greta fühlte, wie sich ein Kloß im Hals bildete. Mit einem gezwungenen Lächeln winkte sie ab:
Ach komm, ich habe nur so gefragt, ihr Lachen klang fast zu laut und schrill. Ich hab ja auch meinen Stolz! Für einen Mann zu heiraten, der einen womöglich jederzeit austauscht? Das wäre nichts für mich. Diese ständige Angst, dass er eine andere findet das hält doch niemand aus!
Ein Hauch verletzter Stolz schlich in ihre Stimme auf Marlene, auf sich selbst. Sie war bemüht, das Bild wieder geradezurücken und fügte betont gleichgültig hinzu:
Geistige Nähe ist mir wichtiger als Geld.
Marlene lächelte sanft und ließ das Thema ruhen. Sie wusste nur zu gut, dass sich hinter Gretas forschen Sprüchen das schlichte menschliche Bedürfnis nach finanzieller Sicherheit verbarg ganz alltäglich, aber deshalb nicht weniger beharrlich.
Schön so, entgegnete sie gelassen und nahm einen Schluck Tee. Dann wissen wir zumindest, was wir vom Leben erwarten.
Für einen Moment füllte schweigende Nachdenklichkeit das Zimmer. Greta spielte nervös am Saum der Tischdecke, suchte nach einem neuen Gesprächsthema. Marlene hingegen war vollkommen entspannt sie hatte nichts zu verstecken.
* * * * * * * * * *
Selbst als sie längst wieder zu Hause war, ließen Gretas Gedanken sie nicht los. In ihrem Innersten gestand sie sich ein: Sie beneidete Marlene glühend. Nicht einfach so es war dieses brennende, bittere Gefühl, sie wollte an ihrer Stelle sein. Aber nicht in der Rolle der Marlene von heute ruhig und selbstsicher. Nein Greta wäre zu gern die EX-Frau dieses Geschäftsmannes.
Ein Leben wie im Märchen: großzügige Abfindung, lebenslanger Unterhalt Keine Sorgen um Rechnungen, keine Zweifel, ob es fürs nächste Urlaubsziel oder die Kreditrate reicht. Endlich könnte sie die Arbeit aufgeben, die sie seit Jahren erschöpfte.
Sie wusste aber auch: Die aktuelle Ehefrau eines solchen Mannes zu sein, war ein harter Job. Makelloser Ruf, keine Partyfotos in der Klatschpresse, das Flirten mit Kollegen Tabu. Alles, was sie liebte, hätte sie aufgeben müssen aber wenn es nur für ein oder zwei Jahre wäre?
Das halte ich durch, redete sie sich ein. Ein, zwei Jahre, und dann kann ich aussteigen finanziell abgesichert. Das kriege ich hin.
Sie betrachtete sich im Spiegel. Fünfunddreißig das Alter für mutige Schritte. Sie könnte heiraten, ein Kind bekommen die Zeit war noch auf ihrer Seite. Und danach würde das eigentliche Leben beginnen.
Greta malte sich aus, wie sie morgens in einem luftigen Schlafzimmer aufwacht, ohne Wecker, ohne To-Do-Liste. Kaffeetrinkend auf die Dächer Münchens schauend, spontan Reisen buchen, endlich Malunterricht nehmen, Gutes tun
Keine Deadlines, keine Chefetagen, flüsterte sie sich zu. Nur Freiheit und das Leben, wie ich es mir immer erträumt habe.
Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht doch sie bremste sich. Es war nur ein Traum, die Wirklichkeit deutlich grauer. Trotzdem ließ sie der Gedanke an eine neue Wendung im Leben nicht los.
Frau von Leberbach hört sich gar nicht schlecht an, sinnierte sie. Und dazu die attraktiven Zusatzleistungen
Ihre Vorzüge kannte sie. Blond, schlank, auffällig Männer drehten sich immer nach ihr um, warben um ihre Gunst, überschütteten sie mit Komplimenten. Doch Ernst wurde es selten; niemand schien bereit zu sein, sie zu heiraten.
Vielleicht haben sie Angst, das sei zu viel für sie, dachte sie bitter. Oder sie wissen, dass ich mich mit Wenigem nicht zufriedengebe.
Dabei ging es ihr nicht mehr um Liebe. Es ging ums Leben, um Sicherheit, um Freiheit von Geldsorgen und dafür würde sie sich ändern.
Was war also zu tun, um Leos Interesse zu wecken?
Kein auffälliges Outfit, nur elegante Schnitte, edle Farben, nichts Glänzendes, kein tiefer Ausschnitt. Das Make-up möglichst natürlich kein knalliger Lidstrich, keine roten Lippen. Und: sich im Verhalten versuchen, so dezent wie möglich, zurückhaltend, freundlich, aber bestimmt. Keine offensichtlichen Annäherungsversuche.
Sie stellte sich vor, wo sie Leo begegnen könnte eine Charity-Gala, eine Vernissage, ein Empfang für geladene Gäste. Sie kannte tatsächlich einige Leute, die sie zufällig einführen konnten.
Er hat mich ja damals schon gesehen, erinnerte sie sich. Bei einer Feier, als er noch mit Marlene verheiratet war. Er wird sich an mein Gesicht erinnern. Das ist schon mal ein Vorteil.
Der Gedanke, gewinnen zu können, entfachte ihren Ehrgeiz. Greta wusste stets, wie man Eindruck schindet. Nun musste sie diesen Instinkt nur richtig einsetzen.
Ich brauche einen genauen Plan, beschloss sie entschlossen. Kleid, Frisur, Smalltalk Aber nicht übertreiben. Zurückhaltung mit Charme. Interesse zeigen, ohne aufdringlich zu wirken.
Vor ihrem inneren Auge entwarf sie Szenarien: Welches Kleid, welche Frisur, worüber reden.
Sie lächelte. Sie spürte die aufsteigende Energie dieses Kribbeln, das immer auftauchte, wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hatte.
Ich schaffe das, dachte sie. Ich mache das. Und dann wird sich alles ändern
* * * * * * * * * *
Greta riss sich die Ohrringe ab und warf sie aufs Schminkkästchen, dass sie klirrend auf den Boden fielen und funkelnde Lichtpunkte durch den Raum streuten. Es waren Ohrringe von Leo hochkarätig, filigran, schon beim dritten Treffen geschenkt.
Sie setzte sich auf die Bettkante, die Arme um sich geschlungen. Heute war das fünfte Treffen gewesen, und eigentlich lief alles gut: Er lud sie stets in feine Lokale ein, kam mit riesigen Sträußen weißer Rosen, brachte sie galant nach Hause Aber Greta war tief enttäuscht.
Warum bloß? dachte sie, den Blick auf die funkelnden Ohrringe gerichtet.
Leos Interesse war spürbar seine Blicke, die Gespräche, die Aufmerksamkeit. Aber weiter ging es nicht! Kein Versuch, sie zu küssen, keine Einladung hochzugehen, nur vorbildliche Höflichkeit, ein Kuss auf die Hand, das Versprechen, zu telefonieren.
Greta trat ans Spiegelbild. Die Frisur saß, das Make-up dezent, das Kleid elegant und unauffällig. Sie hatte bewusst diesen Stil gewählt, um unaufdringlich, aber klassisch zu wirken gerade nicht aufdringlich, sondern distinguiert.
Vielleicht übertreibe ich es mit meiner Bravheit? kam ihr in den Sinn, und ein unangenehmes Gefühl kroch in ihre Brust.
Sie erinnerte sich an gemeinsame Abende: lange Gespräche, Spaziergänge an der Isar, Museumsbesuche Alles sehr nett, aber beinahe steif. Leo war zuvorkommend, beinahe zärtlich, doch immer auf Abstand. Keine Annäherung, kein Beweis von Begehren.
Greta fuhr sich nervös durch die Haare, zerstörte damit ihre Frisur.
Was, wenn er mich gar nicht als Partnerin sieht? schoss es ihr durch den Kopf. Wenn ich zu distanziert gewirkt habe, weil er denkt, ich bin so ‘anständig’, dass ich mit seinem Ruf fünf Ehen! ohnehin nichts anfangen kann?
Sie trat ans Fenster und schaute auf die leuchtende Stadt. Draußen pulsierte das Leben Lachen, Autos, Musik. Alles wirkte so einfach, während ihre Beziehung zu Leo wie eingefroren erschien.
Es muss sich etwas ändern, fasste sie einen Vorsatz. Ich muss ihm zeigen, dass ich bereit bin auf mehr.
Sie betrachtete die Ohrringe in der Schatulle, diesmal entschlossen.
Morgen lasse ich ihn etwas merken, sagte sie zu sich selbst. Einen leichten, aber klaren Hinweis. Damit er sieht, dass ich mehr will und nicht nur eine Bekannte für Spaziergänge bin.
Sie atmete tief durch, spürte neuen Mut. Ja, es war ein Risiko, aber diese ungewisse Phase war nicht zu ertragen.
Es wird Zeit, zu handeln, dachte sie und schloss die Schatulle.
* * * * * * * * * *
Greta schaute wieder und wieder aufs Telefon kein Anruf, keine Nachricht. Sie versuchte, sich zu sammeln, doch die Unruhe blieb.
Klar, Leo ist eben viel beschäftigt, redete sie sich gut zu. Sein Unternehmen, wichtige Verhandlungen, Geschäftsreisen nach Frankfurt, Zürich, wer weiß wohin Der Mann kann nicht jeden Tag anrufen!
Sie versuchte, nicht nervös zu sein. Sich abzulenken. Einkaufen gehen, Freunde treffen, Yoga probieren Doch immer kreisten die Gedanken um Leo.
Hat er es sich anders überlegt? klang die leise Sorge. Vielleicht hat er längst eine andere gefunden?
Aber sie wischte es beiseite. Nein, das konnte nicht sein es lief doch alles gut
Als dann nach einer Woche der Anruf endlich kam, fiel ihr fast die Tasse aus der Hand. Ihre Hände zitterten.
Hallo Greta, klang es vertraut und warm durchs Telefon. Tut mir leid, ich habe mich lang nicht gemeldet. War viel unterwegs und dann einfach zu viel los
Oh, alles gut, antwortete sie so locker wie möglich. Ich weiß, du hast viel um die Ohren.
Ich habe dich vermisst, sagte er, und ihr Herz machte einen Sprung. Wollen wir uns morgen sehen? Ich habe im Rosenpalais reserviert.
Sehr gerne! platzte es aus ihr heraus.
Und noch eins Leo hielt kurz inne. Ich würde dich gern meinen Freunden vorstellen.
Greta hielt den Atem an. Er stellt mich seinen Freunden vor! Das ist ernst! Ein Mann stellt keine flüchtige Bekanntschaft seinem Freundeskreis vor.
Ich freue mich sehr, sagte sie, so ruhig wie möglich. Aber in ihr jubelte alles.
Das Gespräch war vorbei, aber Greta stand noch lange da und strahlte. Sie plante schon das Outfit für morgen. Jetzt war alles an seinem Platz Leo hatte offensichtlich ernstes Interesse. Keine kurze Affäre, keine Spielerei mehr.
Endlich! jubelte sie innerlich. Ich wusste, es braucht nur etwas Geduld.
Sie verbrachte den Abend bestens gelaunt, hörte Musik, trank duftenden Tee, plante Details. Kleid, Frisur, Schmuck alles sollte perfekt sein. Es war eben mehr als ein Rendezvous es war der nächste große Schritt.
Vor dem Spiegel übte sie noch. Jeder Handgriff durchdacht, jedes Lächeln geprobt. Sie wollte perfekt aussehen. Heute muss alles stimmen, sagte sie sich.
Das Kleid war schlicht, aber raffiniert dunkelblau, mit zartem Schimmer, figurbetont, jedoch nicht zu auffällig. Schuhe mit mäßigem Absatz, eine elegante Frisur, nur dezenter Schmuck.
Ich sollte umwerfend aussehen, murmelte sie. Vielleicht merkt Leo erst dann, was ihm entgehen könnte.
Pünktlich um sieben klingelte der Fahrer: das Auto wartete vor dem Haus. Greta warf einen letzten prüfenden Blick in ihre Wohnung, griff zur Tasche und machte sich auf den Weg.
Im Wagen versuchte sie sich mit dem Fahrer zu unterhalten. Doch der, ein Mann mittleren Alters mit strengem Gesicht, blieb wortkarg und vollkommen professionell.
Frisch heute Abend, oder? versuchte sie Smalltalk.
Ja, kurz und knapp.
Sie fahren schon lange für Herrn von Leberbach?
Wohl lange genug.
Greta seufzte innerlich. Sie hatte gehofft, mehr über Leo herauszufinden Hobbys, Vorlieben Aber hier war nichts zu machen. Absolute Diskretion, keine Extraworte.
Wirklich loyal, dachte sie etwas enttäuscht.
Im Restaurant dann empfing sie leiser Jazz und dezente Beleuchtung. Eine Kellnerin in makelloser Uniform führte sie zum Tisch.
Schon von weitem erkannte sie Leo. Im dunkelblauen Anzug, der ihm fantastisch stand, perfekt frisiert. Er sieht fantastisch aus, schoss es ihr durch den Kopf, begleitet von einer unwillkürlichen Vorfreude.
Doch das Lächeln erstarb, als sie sah, wer neben ihm saß.
Dort, keine Armlänge entfernt, eine junge Frau. Elegant, mit makelloser Frisur und einem teuren, aber zurückhaltenden Kleid. Sie unterhielten sich; Leo hörte aufmerksam zu, nickte, lächelte.
Wer ist das? Gretas Herz zog sich zusammen.
Sie verharrte einen Moment, zwang sich zu Fassung. Vielleicht die Schwester? Er hat ja zwei Aber warum nie von ihr erzählt? Geschäftspartnerin? Doch wozu dann ein Restaurant?
Greta, heute bist du einfach bezaubernd! Leo begrüßte sie mit einem strahlenden Lächeln und erhob sich. Da wird heute Abend jemand sehr glücklich sein.
Für einen Wimpernschlag war sie irritiert. Meint er sich selbst? Sie zwang sich zur Ruhe, setzte sich elegant und antwortete:
Freut mich, dass du so von mir denkst.
Leo blickte sie mit warmem beinahe väterlichem Blick an. Dann wandte er sich an den Tisch:
Greta, begann er nachdrücklich, du bist in kurzer Zeit eine wirklich gute Freundin geworden
Nur eine Freundin? sie spürte, wie ihr Herz kurz aussetzte. Das viele Planen, all der Aufwand und das ist der Dank? Sie errötete leicht, senkte die Augen und zwang ein Lächeln heraus.
Du verstehst mich wie kein anderer, fuhr Leo fort, darum sollst du als Erste von etwas ganz Besonderem erfahren: Ich heirate.
Was? Wie kann er das nur sagen? Nach all dem dichtes Wortgetümmel in ihrem Kopf. Sie merkte, wie das Blut ihr ins Gesicht schoss, doch sie beherrschte sich.
Glückwunsch, brachte sie mühsam heraus. Wer ist die Glückliche?
Sie sitzt neben dir. Meine Verlobte: Elisabeth.
Greta drehte langsam den Kopf. Nun sah sie die Dame wirklich zum ersten Mal. Sie lächelte verlegen, ein Hauch von Röte auf den Wangen.
Deshalb also ist sie hier, war ihr einziger Gedanke.
Greta zwang sich, ein Lächeln zu zeigen, redete höflich und beglückwünschte; lobte den Ring, fragte nach dem Termin der Hochzeit, versprach gar, sich bei der Planung einzubringen alles automatisch, wie eine Darstellerin in einem schlechten Theaterstück.
In ihr tobte das Chaos. Sie hörte kaum zu, nickte, antwortete, lachte so, wie es verlangt war. Die Minuten dehnten sich endlos.
Nach einer Viertelstunde hielt sie es nicht mehr aus; holte ihr Handy hervor, tat so, als hätte sie eine dringende Nachricht, und erhob sich mit einer entschuldigenden Geste:
Es tut mir leid, ich muss ganz dringend weg. Etwas Unerwartetes
Ohne auf Antwort zu warten, griff sie zur Tasche und verließ rasch den Saal. Erst draußen atmete sie auf.
Zurück am Tisch saßen Leo und Elisabeth. Kurz darauf stieß Marlene dazu.
Ich habe mich nicht geirrt, schüttelte Marlene den Kopf und blickte Richtung Tür, durch die Greta verschwunden war. Sie hat also versucht, das, was ich erzählt habe, zu ihrem Vorteil zu nutzen. Ich kann mir vorstellen, wie sie gekocht hat, bei deiner Galanterie. Sie dachte wohl, sie hätte dich schon sicher.
Leo lächelte kalt, rührte in seinem Espresso.
Das wird nie passieren, sagte er bestimmt. Ich durchschau diese Maschen sofort.





