Gefühls-Check: Ehrliche Emotionen auf dem Prüfstand

Gefühlsprobe

Findest du es schlimm, wenn ein Mann überhaupt nicht eifersüchtig ist? fragte Friederike gedankenverloren in die Runde, während sie mit ihrer Gabel gedankenverloren im Stück Bienenstich auf ihrem Teller herumstoch. Der Appetit war ihr vergangen. Früher fand ich es toll, dass wir so ein vertrauensvolles Verhältnis haben, aber mittlerweile denke ich, ganz so einfach ist es doch nicht

Saskia, die ihr gegenüber saß, legte den Kopf leicht schief, blinzelte und musterte ihre Freundin genau. In ihrem Blick lag aufrichtige Verwunderung.

Meinst du wirklich, also gar keine Spur? hakte sie nach und beugte sich interessiert vor. Kein bisschen Besorgnis? Er fragt nicht, wann du kommst, mit wem du dich triffst? Und er wird nicht nervös, wenn du länger arbeiten musst?

Friederike musste ein leises, resigniertes Lächeln andeuten und zuckte mit den Schultern.

Genau so ist es, seufzte sie. Ich komme nach Hause, er begrüßt mich freundlich an der Tür, als wäre ihm meine Abwesenheit gar nicht aufgefallen. Immer ein Lächeln, gute Laune. Er bringt mir Kaffee, fragt, wie mein Tag war, schlägt vor, gemeinsam fernzusehen. Kein Anzeichen von Eifersucht, keine Spur von Sorge.

Sie ließ ihren Blick in die halbvolle Tasse Kaffee sinken, als könnte sie darin nach Antworten suchen. In ihrer Stimme lag ein leiser Hauch von Ratlosigkeit:

Früher war das für mich das Optimum. Ich war stolz, dass wir uns so vertrauen konnten. Aber mittlerweile frage ich mich manchmal, ob ihm vielleicht einfach alles egal ist.

Anne lehnte sich auf dem Stuhl zurück, verschränkte die Arme und sah Friederike mit einem Hauch Melancholie an. Vor nicht allzu langer Zeit hatte sie selbst nur zu genau erfahren, was es heißt, mit krankhafter Eifersucht leben zu müssen ihre Ehe war daran zerbrochen.

Ich beneide dich, lachte sie, schüttelte leicht den Kopf. Halt ihn fest, dein Mann ist eine echte Seltenheit, fast schon wie ein Findling im Naturkundemuseum. Stell dir vor, du müsstest ständig Rechenschaft ablegen, wohin du gehst, mit wem du sprichst, warum du dich fünf Minuten verspätet hast. Er vertraut dir das ist Gold wert.

Friederike lächelte traurig, rührte nachdenklich in ihrem kalten Tee. Sie wollte schon etwas erwidern, doch da meldete sich Saskia zu Wort und wechselte in einen fast missionarischen Tonfall:

Unsinn, schnitt sie entschieden ab. Wenn er liebt, MUSS er eifersüchtig sein! Natürlich nicht so extrem wie Annes Ex, aber so ein bisschen das gehört dazu! Sonst sieht es doch so aus, als ob es ihm völlig egal ist, wo du bist und was du machst.

Anne öffnete den Mund zum Widerspruch, doch Friederike sagte leise:

Vielleicht liebt Max mich ja gar nicht mehr

Die Sätze hingen schwer im Raum. Saskia reagierte sofort:

Mach mal nicht so schnell die Pferde scheu! rief sie, beugte sich zu Friederike. Wahrscheinlich gibst du ihm einfach nie einen Grund. Männer sind manchmal schwerfällig, man muss sie manchmal ein bisschen anstupsen, damit sie ihre Gefühle zeigen. Wir testen das jetzt einfach dann sehen wir weiter.

Friederike sah sie überrascht an:

Testen? Was meinst du damit?

Saskia grinste verschwörerisch, ihre Augen glänzten:

Erzähl ihm doch mal, dass du dich mit einem alten Freund triffst. Oder bleib nach der Arbeit ein bisschen länger außer Haus, mit einer plausiblen Ausrede. Wenn er dich liebt, wird er reagieren. Wenn nicht sie hielt inne, dann wissen wir zumindest, woran du bist.

Anne schüttelte skeptisch den Kopf:

Saskia, du hast es ja wieder eilig mit deinen Experimenten! Vielleicht wäre es besser, einfach mal offen zu reden, ehrlich und ohne Theater?

Saskia winkte ab:

Reden ist schön und gut, aber Taten sprechen lauter als Worte. Nach unserem Test weiß Friederike, wie der Hase läuft.

Friederike neigte den Kopf, musterte ihre Freundin neugierig.

Und wie soll ich mich verhalten?

Saskia legte los, als hätte sie nur darauf gewartet:

Wurde dir nicht neulich eine Beförderung angeboten? Und jetzt hast du fünf Männer in deinem Team? Sag ihm das ruhig mal ganz nebenbei.

Friederike runzelte leicht die Stirn, erinnerte sich an Max entspannte Reaktion.

Er weiß das längst, murmelte sie verwundert. Er hat gratuliert und ist mit mir essen gegangen, um zu feiern. Das war alles einfach zu normal.

Saskia gab sich nicht geschlagen:

Na, dann beklag dich doch mal, wie herausfordernd es ist, mit jungen Männern zusammenzuarbeiten. Und betone, dass die alle auch noch ganz nett aussehen. Lass mal fallen: Weißt du Max, die Jungs quatschen den ganzen Tag von ihren Affären, die können den Job nicht ernst nehmen. Das wird ihn sicher beschäftigen!

Friederike spielte gedankenverloren mit dem Löffel, betrachtete das Lichtspiel auf dem Silber. Scenarien von Gesprächen mit Max kreisten in ihrem Kopf: einerseits kam ihr das Ganze kindisch vor wie ein Teenager, der im Schultheater auffallen will. Andererseits keimte darin auch leise Hoffnung: Vielleicht sieht sie endlich eine ehrliche Reaktion, wenn sie es versucht.

Sie blickte Saskia an Zweifel und vorsichtige Entschlossenheit zogen durch ihren Blick.

Ich versuche es, sagte sie leise. Auch wenn ich nicht sicher bin, ob das richtig ist.

Anne, die bisher still zugehört hatte, mischte sich sanft ein:

Saskia, vielleicht ist das nicht die beste Idee. Am Ende macht sich Max unnötig Sorgen. Es wäre ehrlicher, einfach mit ihm zu reden.

Saskia blieb bei ihrem Plan, ihre Augen leuchteten:

Du bist immer so vorsichtig, Anne! Manchmal muss man dem Leben einen kleinen Schubs geben. Friederike, probiers aus dann werden wir sehen

******************

Saskia rauschte am nächsten Nachmittag ins Café, warf ihre Daunenjacke über die Stuhllehne und war kaum zu bremsen:

Na, wie liefs? fragte sie ohne Umschweife. Und, wie hat Max auf die Geschichte mit deinen Kollegen reagiert?

Friederike setzte langsam ihre Tasse ab, die Schultern leicht hängend, der Blick versonnen.

Er hat mir Tipps gegeben, wie ich mich durchsetzen kann, seufzte sie. Und die waren sogar hilfreich gestern hab ich einen Rat gleich angewendet, und es hat funktioniert.

Saskia kaute sich auf die Lippe, suchte offenbar nach Formulierungen, um die Enttäuschung zu kaschieren, aber ihren Plan nicht fallen zu lassen.

Das ist nicht die Reaktion, die wir uns gewünscht haben, meinte sie schließlich. Also, nächste Stufe! Jetzt verhältst du dich einfach verdächtig. Leg ein Passwort auf dein Handy, tu, als würdest du etwas verbergen. Wenn Max reinkommt, hör beim Telefonieren auf zu sprechen. Schreib viele SMS an uns, dann können wir dich live coachen!

Friederike strich nervös durch ihre Haare.

Und wenn er wieder gar nicht reagiert? Was dann? Vielleicht ist er wirklich einfach nur gelassen?

Saskia schüttelte energisch den Kopf, der Blick voller Kampfgeist:

Dann müssen wir weitersehen. Aber jetzt gehen wir dieses Experiment erst mal richtig an. Du willst doch wissen, wie er fühlt, oder?

Friederike blickte auf ihre Tasse. Stimmen in ihrem Kopf stritten: War das der richtige Weg? Wollte sie das überhaupt herausfinden und was, wenn ihr das Ergebnis nicht gefiel?

Aber sie nickte.

Okay Ich probiere es. Aber wenn sich trotzdem nichts ändert

Dann überlegen wir gemeinsam weiter! Nicht aufgeben! Wir kriegen das raus! bekräftigte Saskia.

Also machte Friederike mit. Anfangs erschien ihr das alles ziemlich albern wie ein dummes Spiel aus Kindertagen. Aber die Unruhe, die Neugier auf Max wirkliche Gefühle gaben den Ausschlag.

Anfangs hielt sie häufiger demonstrativ ihr Handy in der Hand, prüfte sichtbar Nachrichten, ließ ihr Smartphone mit leuchtendem Display offen auf dem Esstisch liegen, auf der Couch, am Bett. Die Freundinnen schickten fleißig Emojis und belanglose Na?-Nachrichten, damit immer wieder eine neue Benachrichtigung erschien, die Max eventuell auffallen könnte.

Sie atmete jedes Mal gespannt ein, wenn Max sie mit dem Handy sah. Würde er etwas sagen, zumindest neugierig nachfragen?

An einem Abend, als das Display zum gefühlt hundertsten Mal aufleuchtete, sah Max vom Teekocher zu ihr rüber:

Wer schreibt dir da so spät?

Ach, nur was von der Arbeit, antwortete Friederike so beiläufig wie möglich. Ein paar kleine Rückfragen.

Max nickte entspannt:

Okay, dann halt dich nicht zu lang wach.

Am nächsten Tag das gleiche Spiel. Max warf einen Blick auf das vibrierende Handy und fragte:

Immer noch Arbeit?

Ja, sagte Friederike, und spürte das Enttäuschung in ihr aufstieg. Was Dringendes.

Max nickte und ging in die Küche:

Falls du Hilfe brauchst, sag einfach Bescheid.

Friederike sah ihm nach, wie er verschwand. Weder Unruhe noch Eifersucht einfach Gelassenheit. Ein Verhalten, so normal, dass es schmerzte.

Er liebt mich sicher nicht, dachte sie bitter, während wieder eine SMS von Saskia auftauchte. Die Freundinnen probierten neue Tricks, aber es nützte nichts: Max blieb höflich, freundlich, entspannt kein Anzeichen von Verdacht oder Eifersucht.

Friederike legte das Handy aus der Hand und seufzte. Das Spiel lieferte keine Antworten, nur mehr Fragen und in ihrem Inneren wurde das Gefühl der Unsicherheit immer schwerer.

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Saskia saß, das Bein lässig überschlagen, und gestikulierte wild, als sie den nächsten Plan vorgetragen hatte.

Jetzt müssen wir einen draufsetzen! verkündete sie siegessicher. Du schläfst einfach mal ein- oder zweimal pro Woche bei mir. Sag Max, ich hätte seelischen Beistand nötig Liebeskummer, irgendwas. Guck ständig weg, verrat keine Details, sei nervös. Er soll grübeln, was bei dir los ist.

Friederike rührte lustlos in ihrem Tee, ihr Gesicht spiegelte Unentschlossenheit aus dem Spiel war plötzlich etwas Ernstes geworden. Doch bevor sie protestieren konnte, schaltete sich Anne ruhig ein.

Sie hatte bisher meist geschwiegen, nur manchmal den Kopf geschüttelt. Jetzt fragte sie:

Friederike, wem gehört eigentlich eure Wohnung?

Friederike erwiderte überrascht:

Max? Ja, und?

Anne wurde ernst:

Ich befürchte, du spielst mit dem Feuer. Wer weiß, wie er reagiert, wenn das alles rauskommt! Wie willst du ihm erklären, dass es alles ein Test war?

Friederike spürte, wie sich ihr Magen zusammenzog. Ihr fiel nichts ein, was sie entgegensetzen konnte.

Anne ließ nicht locker:

Und wenn Max wirklich ausrastet, bringt es auch nichts, wenn wir als Zeugen antreten der glaubt uns eh kein Wort. Bist du bereit, dafür alles aufs Spiel zu setzen?

Saskia zögerte kurz, dann lachte sie leicht schnippisch.

Jetzt dramatisier halt nicht! Er hat gar keinen richtigen Grund, auszuflippen wir versuchen ja nur, ein bisschen Leben in die Bude zu bringen!

Sie lehnte sich zurück, verschränkte die Arme und musterte Anne.

Dann wandte sie sich an Friederike, ihre Augen funkelten.

Na, traust du dich oder kneifst du?

Friederike zögerte, zuckte innerlich vor der Wahl. Anne hatte recht das Risiko war groß. Aber Saskias Energie, ihr Engagement, die eigene Unzufriedenheit Es fiel ihr schwer, einfach aufzugeben.

Sie ballte die Fäuste unter dem Tisch.

Wir machen weiter!

Saskia strahlte, schlug in die Hände:

Super! Dann gehts morgen los, ich hab schon einen Plan

Anne seufzte leise in ihren Tee. Sie widersprach nicht, aber die Sorge in ihrem Blick blieb.

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Friederike saß abends auf einer alten Bank im Innenhof ihres Mietshauses. Die Arme um den eigenen Körper geschlungen, nicht gegen die Abendkälte, sondern gegen die Kälte in ihrem Innern. Vor ihr drei Koffer, deutlich gebraucht, aber prall gefüllt. Sie starrte sie an und konnte nicht fassen, dass es soweit gekommen war.

Wie konnte es nur so weit kommen, schoss es ihr durch den Kopf, und sie dachte an das letzte Gespräch mit Max.

Es fing mit den Übernachtungen bei Saskia an. Friederike erzählte Max, sie müsse Anne beistehen, verstärkte das Spiel mit Blicken, Pausen, Ausweichmanövern. Die ersten Male sagte Max nur, sie solle sich um ihre Freundin nicht zu sehr sorgen. Doch als sie nach der dritten Nacht bei Saskia nach Hause kam, blieb sie wie angewurzelt im Flur stehen.

Koffer. Drei Stück. Ihre.

Max stand an der Wand, ruhig wie immer, aber mit bitterem Zwinkern.

Fünf Jahre kennen wir uns, sagte er, als Friederike, stammelnd, die Wahrheit erklären wollte.

Er ließ sie nicht.

Du bist doch nicht dumm. Für so einen Blödsinn zu erwachsen. Eifersucht provozieren… Warum? Das ist unlogisch. Überlege dir das nächste Mal eine bessere Ausrede.

Friederike wollte widersprechen, erklären, dass es nicht um einen Ausrutscher, sondern um echte Unsicherheit ging. Aber Max hatte sich bereits abgewandt:

Alles gepackt. Nimms mit. Und hör auf zu lügen.

Ich lüge doch nicht, es war wirklich nur ein Test! brach es aus ihr heraus, Tränen liefen ihr übers Gesicht. Es schien dir einfach immer alles egal

Max stand da, Hände in den Hosentaschen, das Gesicht wie gemeißelt. Nur ein Runzeln zwischen den Brauen verriet seine Spannung.

Das glaubst du selbst nicht. Das war kindisch, nicht erwachsen. Ich will nicht mehr reden. Vielleicht findest du ja jemanden, der dich mit mehr Drama beglückt. Annes Ex wäre ja frei, sie hat sich doch genau deswegen getrennt.

Die Worte trafen sie wie eine Ohrfeige. Friederike wollte entgegnen, dass sie sich nicht nach jemand anderem sehnte, sondern sich einfach verirrt hatte aber Max kehrte ihr bereits den Rücken zu. Schweigend brachte er die Koffer vor die Tür, jede Bewegung wirkte so, als sei längst alles entschieden.

An der Wohnungstür hielt er kurz an und sagte kalt, ohne sich umzudrehen:

Die Scheidung beantrage ich.

Dann schloss sich die Tür. Leise, bestimmt, unwiderruflich.

Friederike sank in die leere Diele, taumelte zu Boden und weinte endlich hemmungslos. Die einzig wiederkehrende Frage:

Warum musste ich diese dumme Eifersucht erzwingen

Sie dachte an den leichten Anfang: witzige Ideen der Freundinnen, ein bisschen Zögern, ein Hauch Abenteuer. Alles wirkte damals wie ein harmloser Test, ein Spiel, um Max Gefühle zu entlocken. Jetzt, auf dem kalten Boden der leeren Wohnung, wurde ihr klar: Sie hatte damit keine Gefühle geweckt sondern zerstört.

Hätte ich doch einfach ehrlich mit ihm gesprochen hätte ihm gesagt, dass ich mich oft alleine fühle, dass seine emotionale Kühle mich verunsichert Zu spät. Draussen wurde es Nacht, die Stadt summte fremd hinter den Fenstern, und sie blieb zurück mit ihrem Schmerz, der Unsicherheit und einer Erkenntnis:

Spiele mit dem Vertrauen können alles zerstören, was wertvoll ist. Hätte ich statt zu testen offen geredet, hätte ich nicht alles verloren. Ehrliche Worte wiegen schwerer als jede Inszenierung.

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Homy
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