Nun haben wir uns endlich kennengelernt…

So haben wir uns kennengelernt

Max, was ist denn los mit dir? fragte Annike nach einigen Minuten des Schweigens. Du wirkst wie ausgewechselt. Du bist ja ganz blass … Ist alles in Ordnung mit dir?

Ja, alles bestens, antwortete Maximilian, nachdem er sich gesammelt hatte. Er legte die Gabel zur Seite und griff nach seinem Glas Apfelsaft, um das Unvermeidbare noch etwas hinauszuzögern: Annike eine Antwort zu geben.

*****

Maximilian stand vor dem Altbau in der Schwabstraße in Stuttgart, hielt die schwere Tür aus Metall am Griff und wollte sie gerade aufziehen, als ihn ein Zittern beschlich und er sich plötzlich dagegenstemmt.

Eigentlich wollte er nicht hinein.

Er wusste, Annike wartete auf ihn, sein Versprechen, heute Abend zum Essen zu kommen, lag ihm wie ein Stein im Magen aber die Angst war stärker als er.

Peinlich eigentlich: ein erwachsener Mann von fünfunddreißig Jahren, und die Knie schlottern ihm wie einem Schüler beim ersten Aufruf an die Tafel.

Es fehlte scheinbar nur ein letzter Schritt. Die Tür öffnen, das Treppenhaus betreten, hinauf in den dritten Stock, Wohnung Nummer 36 finden

Aber irgendetwas hielt ihn zurück.

Wie paralysiert stand er da und wurde von einer unsichtbaren Kraft festgehalten, die ihn daran hinderte das Offensichtliche zu Ende zu bringen.

Am liebsten hätte er sich auf der Stelle umgedreht und wäre gegangen. Nach Hause, oder irgendwo ans andere Ende der Stadt. Hauptsache weg von hier.

Warum habe ich nur zugesagt? murmelte er vor sich hin und ging einen Schritt zurück. Klar, ich werde sowieso nicht bestehen.

Maximilian machte noch ein paar Schritte rückwärts, warf einen Blick hinauf ins erleuchtete Fenster im dritten Stock.

Das Licht dort schien viel heller als in allen anderen Fenstern des großen Wohnblocks fast übertrieben, wie ein Leuchtturm, der ihn zu sich rief, damit er bloß nicht den Weg verfehlte.

Hatte er aber nicht. Er stand genau dort, wo er jetzt stehen sollte. Nur das Hineingehen das war das Problem.

Was ihn davon abhielt? Vielleicht doch nur Annike. Wie würde sie reagieren, wenn er jetzt einfach verschwände? Sie hat ihn ausdrücklich gebeten, heute zu kommen.

Und er hat es ihr versprochen.

*****

Max, ich muss dir noch was sagen… Du darfst aber nicht erschrecken, hatte Annike gestern Abend gemeint. Also, meine Eltern wollen dich kennenlernen

Annike war seine Freundin.

Die beiden saßen zusammen im Café in der Tübinger Straße, aßen Maultaschen, redeten über das Wochenende, schmiedeten Pläne. Und plötzlich: Eltern wollen ihn kennenlernen. Das war eine Überraschung für Maximilian. Der Bissen blieb ihm fast im Hals stecken, und er starrte Annike verwundert an, nicht sicher, ob sie nur einen Scherz machte oder es ernst meinte.

Eigentlich war ja gar nichts Seltsames daran. Im Gegenteil es ist ziemlich normal, wenn die Eltern ihre potentielle Schwiegertochter oder den zukünftigen Schwiegersohn kennenlernen wollen. Seltsam wäre es eher, wenn sie das ablehnten.

Doch trotzdem

Maximilian fürchtete, dass er ihnen nicht gefallen würde. Oder besser: Dass er als Schwiegersohn nicht akzeptabel wäre. Nicht ohne Grund.

Er hatte seine Gründe, das zu glauben. Und sogar gute Gründe.

Ihre Mutter Beatrix hatte ein beeindruckendes Berufsleben hinter sich, war von der Assistentin all die Jahre zur Rektorin der Uni Stuttgart geworden und leitete nun ein Referat im baden-württembergischen Kultusministerium.

Ihr Vater Dietrich hatte sich ebenfalls hochgearbeitet. Erst Ingenieur in einer großen Baufirma, dann Prokurist, und jetzt

jetzt führte er sein eigenes Bauunternehmen und kannte sogar den Oberbürgermeister persönlich eine Autorität in der Stadt. Nur so viel: ein Mann von Format.

Auch Annike hatte mit ihren dreißig Jahren schon einiges geschafft. Sie leitete die Rechtsabteilung einer bekannten Investmentfirma.

Und Maximilian? Was hatte er im Vergleich dazu in seinem Leben vorgezeigt?

Nicht allzu viel. Er war ein einfacher Systemadministrator. Ohne Abschluss, wohlgemerkt.

Die Bezahlung war für seine Verhältnisse in Ordnung, aber Karrierechancen keine.

Wie sollte er da am Familientisch mit Annikes Eltern Eindruck machen? Was sollte er ihnen sagen? Wie würde er ihnen in die Augen schauen?

Und ihr fragt euch vielleicht, wie Maximilian überhaupt Annike kennenlernte? Schicksal.

Es war Anfang Mai, als er beschloss, im Rosensteinpark spazieren zu gehen. Annike war auch dort mit zwei Freundinnen. Aber ihre Freundinnen wollten Eis kaufen, und Annike

Annike blieb sitzen, um die Bank zu reservieren und telefonierte währenddessen mit ihrer Mutter.

Sie bemerkte nicht, wie ein junger Typ völlig betrunken auf einem E-Scooter direkt auf sie zuraste. Der junge Mann hatte nicht die Absicht, auszuweichen.

Maximilian griff Annike im letzten Moment an der Hand und zog sie zur Seite, genau als der Typ haarscharf an ihr vorbeischoss.

Was machen Sie da!, rief Annike empört.

Aber dann sah sie, wie der betrunkene Junge schnurstracks gegen den Müllcontainer knallte und sie erfasste, dass Maximilian sie gerade gerettet hatte.

Danach sah sie ihn mit anderen Augen an. Wenn er nicht gewesen wäre

So kamen sie ins Gespräch, während die Freundinnen noch in der Schlange für Spaghettieis standen. Sie tauschten Nummern aus und verabredeten sich für in ein paar Tagen. Nun sind sie schon seit einem halben Jahr ein Paar.

All das ging Maximilian noch einmal durch den Kopf, während die Worte von Annike in ihm nachhallen. Sehr viel Angst hatte er, Annike irgendwann den Eltern vorstellen zu müssen. Ganz sicher würden sie ihr die Beziehung mit ihm verbieten, ihn für einen Taugenichts und Mitläufer halten. So war ihm das schonmal passiert in jüngeren Jahren damals hat er eine sehr geliebte Freundin verloren.

Und nun drohte dasselbe mit Annike

Max, was ist los? fragte Annike wieder. Du bist ja kreidebleich! Ist was passiert?

Nein, alles gut, raffte er sich auf und antwortete tapfer. Er legte die Gabel weg und griff nach dem Glas Apfelsaft, in der Hoffnung, noch ein paar Sekunden zu gewinnen.

Also, kommst du jetzt zu mir?

Wo was meinst du?

Na, zu meinen Eltern! Annike lächelte. Mama macht was Feines zu essen. Und Papa bringt einen besonderen Wein mit. Der stammt aus der Sammlung von seinem besten Freund. Alles, was ich brauche, ist deine Zusage, Max. Kommst du?

Ich weiß nicht, Maximilian zögerte. Ich hab einfach das Gefühl, deinen Eltern passt das nicht, dass du mit mir zusammen bist.

Und warum?

Ich… naja, ich bin eben nur jemand ohne Abschluss. Ich kann ja nichts, außer Betriebssysteme installieren und verlorene Dateien retten. Die wünschen sich doch sicher einen anderen Schwiegersohn. Einen Geschäftsmann, einen Abgeordnetensohn oder zumindest einen aufstrebenden Beamten. Und ich? Ich bin bloß Systemadmin, ohne große Aussichten. Was soll ich da sagen?

Ach, Max Annike packte sanft seine Hand. Meine Eltern sind doch auch nur ganz normale Menschen. Du kennst sie einfach nur noch nicht. Also, siebzehn Uhr, nicht zu spät kommen!

Mhm, nickte Maximilian. Obwohl er selbst noch gar nicht wusste, ob er wirklich hingehen würde.

*****

Dann kam der nächste Tag.

Maximilian stand in der dunklen Januar-Kälte vor Annikes Haus, fünf vor sieben, fror und wusste nicht, was er tun sollte.

Klar war: früher oder später würde er Annikes Eltern sowieso begegnen (er hatte es schließlich ernst mit ihr und wollte sie mal heiraten). Aber heute… heute fühlte er sich unfassbar unvorbereitet. In einigen Monaten (maximal ein halbes Jahr), so hatte man ihm gesagt, könnte er in den neuen IT-Standort nach Heilbronn wechseln und dann hätte er möglicherweise bessere Karten bei Annikes Eltern. Vielleicht würde er dann akzeptiert werden.

Doch kaum war Maximilian drauf und dran sich aus dem Staub zu machen, vibrierte sein Handy in der Tasche.

Annike.

Hi Max, trällerte ihre Stimme. Wir sind mit dem Kochen fast fertig, Mama und ich. Papa kommt gleich, hat aber noch ein Meeting. Und du, bist du schon da?

Hallo, Annike, brachte Maximilian schwach hervor. Ich

Du bist schon fast da, oder? Ich hör dich so schlecht!

Ja, ich bin schon fast da, seufzte er. Nur

Soll ich rauskommen und dich abholen? Max, wenn du wieder mit diesen Gefühlen von gestern anfangst, hör auf es wird alles gut. Ehrlich. Vertrau mir.

Nein, nein, ist schon in Ordnung, stammelte Maximilian. Ich ich komme gleich.

Gut, wir warten.

Maximilian steckte das Handy weg, trat auf die Straße, rieb sich die Schläfe und suchte nach einer guten Ausrede, nicht ins Haus gehen zu müssen aber sein Kopf blieb leer.

Und jetzt steht bestimmt Dietrich schon jeden Moment vor der Tür, fürchtete Maximilian und beschloss, den Block noch einmal zu umrunden.

Unterwegs begegnete ihm ein anderer Typ, bei dem er sich verlegen eine Zigarette schnorrte obwohl er sonst eigentlich nie rauchte. Aber jetzt musste er einfach. Ein bisschen Nervosität loswerden, den Kopf sortieren.

So stand er schließlich im Halbdunkel an der Ecke, zog an der Zigarette, blies bizarre Ringe in die kalte Luft und schaute sich nervös um.

Viel gab es da nicht zu sehen: rechts der Müllcontainer, links eine Brache dort, wo mal Garagen standen jetzt, so hatte Annike erklärt, wird wohl ein Neubau entstehen.

Eigentlich war alles unspektakulär.

Aber da da war eine seltsam zusammengerollte Gestalt im Schnee: Ein Hund lag ganz hinten auf dem Gelände. Zuerst spannte sich Maximilian an, denn Streuner sind unberechenbar, vielleicht greift er ihn an. Doch schnell bemerkte Maximilian, dass das Tier ihn keines Blickes würdigte.

Der Hund lag einfach nur da, reglos, halb in den Schnee gedrückt.

Seltsam, dachte er. Warum liegt der Hund hier, wo es doch so eisig ist? Aber vielleicht hat er ja keine Wahl.

Keiner würde ihn hier hereinlassen, bei diesem Wetter nicht auch nicht zum Aufwärmen.

*****

Hier beginnt alles zu verschwimmen.

Die Szene verwischte leicht zu einem Traum, alles wurde seltsam flimmernd und unwirklich. Der Wind brachte Glockenläuten, das nach Kamille schmeckte, und Maximilians Hände verwandelten sich in kleine Äste.

Hasso so nannte man den Hund, den Maximilian auf der Brache aufspürte hatte seit Tagen nichts gegessen.

Früher streunte Hasso durch einen anderen Hinterhof, wo sich jemand um ihn gekümmert hatte. Doch dann kam eine Dame (mit grauem Dutt, ihrer Stimme haftete etwas von abgeblasenen Seifenblasen an), die verkündete: Dieses Tier hier ist eine Bedrohung! Was, wenn es ein Kind erwischt? Schaut euch diese traurigen, hungrigen Augen an! Unwesen!

Hassos Augen waren jedoch nicht gefährlich, sondern tieftraurig und hundemüde. Sein erster Besitzer war ein kleiner Junge, Emil genannt.

Einst holte ihn die Familie vom Land mit dem Kombi (Schau mal, Mama, kann ich ihn behalten? Na gut, Emil, aber nur für die Ferien!).

Am Sommerende wurde Hasso im Garten gelassen. Wie soll das gehen mit Hund in der Altbauwohnung? Und wer geht dann jeden Morgen bei Regen raus? Du?

Emil schüttelte den Kopf.

So blieb Hasso zurück. Am Anfang weinte er und wünschte sich, mitgenommen zu werden. Eine andere Frau nahm ihn später mit in die Stadt, brachte ihn Woche für Woche auf den Wochenmarkt, bot ihn zwischen Kartoffeln und Radieschen an. Eines Tages überzeugte sie ein kinderloses Ehepaar: Er hat Stammbaum, wirklich! Allein, ich hab gerade keine Papiere.

Doch als Hasso älter wurde, bemerkten die beiden: nicht von Adel, sondern Straßenadel. Sie kreuzten die Stadtgrenze, ließen ihn einfach am Waldrand zurück.

Immerhin: es war April, nicht Dezember.

Seitdem zog Hasso durch die Straßen, wurde regelmäßig aus anderen Vierteln verjagt (in einem Traum zersplitterte die Straße in kleine Kieselsteine aus Marzipan), bis er irgendwann in diesen ruhigen Block fand, ohne böse Hunde und mit ein paar freundlichen Spielplatzkindern, denen er beim Toben zusah und dabei mal tief in seiner Erinnerung nach Emil kramte.

Manchmal hoffte er, der Junge würde zurückkommen und ihn holen und ihm ein Zuhause schenken.

Emil kam nie wieder.

Einige Tage zuvor hatte selbst jener scheinbar freundliche Hinterhof seine Geduld verloren. Die Dame warf Äste und Kiesel nach Hasso, rief Unverschämtheit!, während ihre Silhouette ins Zickzack schwankte. Die anderen blickten zunehmend bitter, als hätte Hasso ihnen die Mittagspause verdorben.

So floh er suchte sich den kältesten Platz, ließ sich im Schnee nieder, wurde schwächer, bis er sich nicht einmal mehr bewegen wollte. Ein Schatten im Schnee, fast durchsichtig und dennoch anwesend.

Ja, Hasso bemerkte Maximilian, den Mann am Hauseck mit der Zigarette, aber worauf sollte er noch hoffen? Der raucht jetzt ganz in Ruhe und verschwindet dann in die Nacht , dachte Hasso leise und träumte schon fast weiter.

*****

Maximilian rauchte zu Ende, warf den Stummel nicht einfach in den Schnee, sondern lief zum Müllcontainer so hatte es seine Mutter ihm beigebracht: Die Veränderung der Welt beginnt bei dir.

Gerade, als er am Hauseingang war, bog ein riesiger, schwarzer Mercedes um die Ecke. Maximilian wich erschreckt aus und rannte wieder Richtung Brache, wo Hasso lag fast stolperte er über den Hund.

Da war er nun, keine fünf Meter entfernt. Er hatte Angst, der Hund könnte schlagartig aufstehen und bellen. Doch Hasso lag nur da, rührte sich kaum.

He, ist alles okay mit dir? flüsterte Maximilian in das Traumgebilde hinein.

Keine Reaktion.

Anfangs wollte er schon gehen. Aber dann übermannte ihn die Sorge und langsam, als würde jede Bewegung in Zeitlupe stattfinden, ging er auf allen Vieren näher, befühlte das zitternde Fell und stellte fest: Ja, der Hund lebt noch. Ganz schwach, aber Lebensatem war noch da.

Er war steif wie ein festgefrorenes Brot. Wenn ich dich jetzt nicht rette, überlebst du die Nacht nicht, flüsterte Maximilian leise, und schon im selben Moment hob er Hasso hoch und trug ihn wie einen seltsamen Schatz zurück durch die Straßen, auf der Suche nach Wärme.

In seinem Kopf war alles durcheinander.

Die Haustüren waren verschlossen, also irrte Maximilian durch die Kälte, Hasso wiegt schwer in den Armen, das Handy summte in der Tasche, aber er konnte nicht rangehen.

Da bog dieselbe schwarze Limousine zurück um die Ecke, blendete ihn mit Lichtern, als wollte sie ihn in einen anderen Traum verschieben.

Ein Mann in einem eleganten Mantel öffnete das Fenster: Kerl, brauchst du Hilfe?

Der Hund … er erfriert! Gibt es hier eine Tierklinik?, stotterte Maximilian.

Klar, antwortete der Fahrer nach kurzem Überlegen, steig ein, ich kenne eine Tierärztin persönlich.

Maximilian traute seinen Ohren kaum und stieg im selben Moment ein.

Während sie losfuhren, telefonierte der Fahrer: Anna, ich komme später, es gibt einen kleinen Notfall Wen? Nein, hab ihn nicht gesehen. Er fehlt auch? Sag ihm, er soll zurückrufen. Ich halte die Augen offen.

Maximilian fühlte sich seltsam winzig im warmen Lederpolster des Mercedes.

Wegen mir jetzt Ärger?, fragte er den Fahrer.

Ach, Unsinn. Wie gehts deinem Hund? Lebt er?

Er atmet, schwer aber er lebt.

Na dann volle Fahrt voraus!

Nach zehn Minuten kamen sie bei der Tierklinik am Marienplatz an. Die Tierärztin, freundlich und resolut, wartete bereits am Eingang. Hasso wurde in einen surrealen Raum getragen Diagnosen flackern auf wie Seifenblasen, alles schwebte und Maximilian blieb allein zurück auf dem bunten Kunststoffstuhl.

Er schaute auf sein Handy: fünf verpasste Anrufe von Annike. Nachricht: Max, wo bist du? Alles gut?

Eigentlich hätte er zurückrufen sollen. Aber er dachte an den Hund den Rest ließ er fahren. Die Zeit lief irgendwie rückwärts durch den Flur.

Die Lichter im Flur schwammen.

*****

Es war eine Dreiviertelstunde vergangen, und aus dem Sprechzimmer kam niemand heraus. Stimmen klangen wundersam aufgeregt vom Empfang herüber, und plötzlich erschien Annike, hinter ihr ihre Mutter mit feuerrotem Schal und… tatsächlich der Mercedesfahrer.

Der winkte Maximilian herzlich zu: Habs doch gleich gesagt, Annike: Er sitzt hier. So ein Kerl lässt einen Hund nicht im Stich.

Annike kam zu ihm, ganze drei Schritte in einer Szene, die sich anfühlte wie Kaugummi auf dem Asphalt.

Warum hast du nicht angerufen?, fragte sie. Ich hab mir solche Sorgen gemacht.

Sorry, Annike, murmelte Maximilian. Ich dachte nur deine Eltern freuen sich bestimmt nicht über einen streunenden Hund in ihrer Wohnung.

Du Dummerchen, wir haben selbst drei Straßenkatzen zu Hause, die meine Mutter von der Straße aufgelesen hat. Natürlich liebt Mama Tiere.

Echt?”

Klar!

Jetzt traten auch ihre Eltern näher es kam, wie er es sich so oft vorgestellt und gefürchtet hatte.

Dietrich, der Vater, schüttelte ihm die Hand: Tja, jetzt sind wir bekannt gemacht

Beatrix sah ihn lange an, dann sagte sie: Ich danke Ihnen, Maximilian. Was Sie getan haben, ist richtig wirklich menschlich. Hätten ruhig gleich herkommen können. Hoffentlich kommt der Hund wieder zu Kräften.

Kommt er, lachte die Tierärztin, die plötzlich aus dem Zimmer kam. Glück gehabt! Ein bisschen Liebe, ein bisschen Pflege, und Hasso bleibt bei uns!

Hasso durfte am selben Abend mitkommen.

Eine Szene, als hätten die Wände Mandarinen atmen gelernt: Drei Katzen umringten Hasso, Annike und Maximilian saßen bei Spätzle und Trollinger am Küchentisch, und aus dem Kühlschrank wehte ein Duft von Hoffnung. Die Eltern lachten, alles war warm und freundlich.

Einige Tage später wurde Hasso wieder kräftiger und kam bei Maximilian unter.

Nimmst du mich auch gleich mit?, grinste Annike, eine Reisetasche in der Hand.

Dich? Meinst du das ernst?

Ernst! Meine Eltern haben mir gerade Hausverbot erteilt: Sie wollen Enkel. Es gehe um die Rettung der Menschheit.

Wirklich jetzt?!, lachte Maximilian.

Annike lachte auch. Und Hasso wackelte neben ihnen mit dem Schwanz, als hätte er auf genau diesen absurden Moment gewartet.

So eine absurde, schöne, herzenswarme Geschichte wie im Traum, aus dem man nicht mehr aufwachen möchte.

Rate article
Homy
Add a comment

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!: