Tango – Leidenschaftlicher Tanz zwischen Tradition und Moderne in Deutschland

Tango

Gisela, wo willst du denn so fein herausgeputzt hin? rief Anna Gertrud, als sie ihre Nachbarin sah und sich sogar von ihrer Bank erhob.

Gisela Brendel zog eine elegante Augenbraue hoch, ließ sich davon aber nicht beeindrucken. Würdevoll nickte sie, hielt ihren Hut fest und schritt an Anna vorbei. Für Erklärungen war keine Zeit sie war eh schon spät dran.

Anna Gertrud starrte Gisela hinterher, fast den Atem anhaltend. Unglaublich! Absatzschuhe! Und ein Hut! Und das bei Gisela?! Die in den letzten fünf Jahren nie weiter als zum Rewe an der Ecke gegangen war! Und dann auch noch in Pantoletten und dazu ihren schicken Morgenmantel. Aber, zugegeben: Die Morgenmäntel von Gisela saßen perfekt die Haare immer ordentlich frisiert, von der Mutter antrainiert. Ihre eigene Mutter war nie ungepflegt unter Leute gegangen, daher wurde Gisela ebenfalls streng zurechtgewiesen, wenn sie als Kind einen strubbeligen Zopf hatte.

Gisela! Was soll das für ein Chaos sein da? Mach dich ordentlich!

Ihr Vorname war auch nicht zufällig gewählt. Keine Romantik dahinter reines Kalkül.

Den hat keiner in meinem Bekanntenkreis. Da wird dich niemand verwechseln! Der Name ist die Visitenkarte des Menschen, meine Kleine. Und du hast ihm Ehre zu machen. Erwarten die Leute.

Gisela entsprach diesem Anspruch. Jedenfalls bis man sie nur beim Vornamen nannte. Sobald jedoch Vor- und Nachname kamen, schmunzelten die Leute oder lachten gar: Gisela Brendel klingt wie eine verschollen geglaubte Operndiva!

Den Nachnamen änderst du, wenn du heiratest! Problem erledigt!

Unerschütterlich ihre Mutter. Der Name faszinierte sie noch immer. Und tatsächlich: Es war erstaunlich, dass ihre Tochter trotz all der Schwäche und Krankheit in der Kindheit wären nicht Oma und Mutter gewesen, die hätte aufhören müssen zu arbeiten doch so stark wurde. Der Vater? Eher der leere Platz auf dem Sofa, der sein Geld lieber in Bier investiert als in die Familie. Gisela verlor ihn rasch aus dem Gedächtnis. Ihre Mutter packte eines Tages kurzerhand seine Sachen und stellte sie vor die Tür.

Lieber allein, als mit so einem Mann. Ich schäme mich vor meinem Kind

Für die kleine Gisela war die Großmutter väterlicherseits da. Unglaublicherweise verstanden sich Mutter und Schwiegermutter wunderbar.

Was sollten wir uns streiten? Sie kennt ihren Sohn, ich kenne mich selbst. Unsere Sorge ist das Kind. Da muss man sich doch zusammenraufen.

Oma war eine urige Frau, konnte jedes Unkraut beim Namen nennen und bastelte aus Korken und Knöpfen fantastische Spielsachen.

Schau! steckte sie eine Weinbeere auf ein Zündholz, ein paar thailändische Blüten dran schwupps: Prinzessin im Ballkleid. Und beim Haarewaschen, während sie liebevoll die dünnen Zöpfe durchbürstete: Warts ab, mit deinen Zöpfen verblüffen wir sie alle!

Sie hatte recht. In der sechsten Klasse überragte Gisela plötzlich alle und ihre Zöpfe waren der Neid des ganzen Schulhofs.

Gisi, guck mal! Anna zeigte auf das Geschichtsbuch. Wie eine Kaiserin siehst du aus!

Mit der Divenfrisur der Abbildung hatte sie wenig gemein, aber die Komplimente taten trotzdem gut.

Die berühmten Zöpfe spielten eine entscheidende Rolle, als sie älter wurde. Ihr etwas tollpatschiger Mitschüler Paul, mit dem sie die Schulbank drückte, zupfte erst an den Haaren, später strich er verstohlen darüber. Er verliebte sich in Gisela in der neunten Klasse, und als er zur Bundeswehr musste, wurde es ernst:

Wartest du auf mich?

Weiß ich nicht.

Gemein! Ich liebe dich und du

Paul, ich weiß einfach noch nichts, gib mir Zeit.

Die hab ich nicht! Sags mir jetzt! Wirst du warten?

Ich warte

Gisela war nicht der Typ für leichtfertige Versprechungen. Sie schrieb Paul brav Briefe, und zum Ende seines Dienstes war sie sicher, bis über beide Ohren verliebt zu sein. Doch Briefe sind das eine zusammen wohnen das andere. Die Hochzeit folgte schnell.

Pauls Eltern waren von der tollen Schwiegertochter zweifelnd angetan. Hübsch stimmt schon, aber irgendwie zu makellos. Das Kleid als hätte es exklusiv für sie ein Schneider erstellt. Und dann dieser Name!

Wenn das Kleid von Gisela stand handgemacht von ihrer Mutter, dass selbst die Nachbarinnen jauchzten , die Augen hielt sie aber gesenkt und blieb so sittsam, dass man doch argwöhnen musste. Und dann diese Schönheit als hätte sie etwa nicht nur auf ihren Paul gewartet?

Ein Jahr, zwei, drei Gisela machte ihren Abschluss, stieg ins Berufsleben ein, er dagegen hangelte sich von Job zu Job.

Ich weiß noch nicht, was ich machen will. Sich eingrenzen? Für wen? Ausbildung wer braucht das? Wer was werden will, der machts, nicht so n Theoriekram. Mach mich nicht verrückt!

Gisela schwieg. Sie wollte keinen Streit, nur, dass es endlich bergauf geht. Aber die Probleme häuften sich wie Pappkartons im Keller.

Siehste, nix hat sie noch! Mein Junge, das ist doch komisch. Vielleicht hatte sie ja mal was vor dir und kann jetzt keine Kinder mehr?

Pauls Mutter hielt sich mit Andeutungen nicht zurück.

Zuerst ignorierte er das. Kinder klappen halt nicht immer sofort

Doch der Tropfen höhlt den Stein. Schließlich stellte Paul seine Frau zur Rede ihr erster Vorwurf von ihm je.

Bleiben wir jetzt kinderlos? Wenn bei dir vorher was war, sags einfach dann grübel ich wenigstens nicht über mich nach!

Bis dahin hielt Gisela sich für eine starke, patente Frau. Schulabschluss mit Auszeichnung, Studium, immer gejobbt. Sie unterstützte ihre Mutter, führte Haushalt und Küche so vorbildlich, dass selbst die Schwiegereltern nur nicken konnten. Sie dachte, sie kann alles stemmen.

Da lag sie falsch.

Der Schlag traf sie umso härter. Sie hörte es wie ein quietschendes Knacken innerlich. Zum ersten Mal konnte sie das Geschehene weder annehmen noch erklären.

Zu dem Zeitpunkt war Gisela längst schwanger, wusste es aber nicht. Sie verkroch sich in sich selbst; schob alles auch die körperlichen Beschwerden auf die Nerven. Mit wem reden? Ihrer Mutter hätte niemals Verständnis gehabt. Bei Problemen bekam sie immer nur zu hören: Du und nicht fertig werden? Gisi, du überraschst mich!

Doch diesmal klappte es allein nicht.

Anna half.

Nach einem Arbeitstag stand Gisela vor dem Hauseingang und konnte einfach nicht weiter. Nach Hause wollte sie nicht, Paul sehen nicht, und über die Neuigkeit sprechen, die sie gerade erfahren hatte, schon gar nicht.

Das Wissen, Mutter zu werden, brachte ihr Freudensprünge und Weinkrämpfe zugleich. Warum nicht ein paar Tage früher? Hätte sie es gewusst, wäre alles geklärt gewesen und bei der nächsten Schwiegermutter-Stichelei hätte sie kontern können. Doch jetzt? Dem Mann an den Kopf werfen: Siehst du! dazu fehlte alle Wut. Innerlich ausgebrannt.

Anna saß auf ihrer Bank und wiegte den Kinderwagen.

Die Bank im Hof war Annas Thron, gezimmert von ihrem Mann, als ihr Backfisch geboren wurde.

Da! Da kannst du mit den Frauen sitzen und klönen. Wir kommen heim, und zack ein Wasserfall an Geschichten. Ihr habt doch sonst nur Langeweile.

Ihr Mann war ein kluger Kerl, leider ging er mit Fünfzig viel zu früh. Jubiläum gefeiert, eine Woche später Herzinfarkt vorbei. Anna trauerte so heftig, dass am Ende Gisela sie an die frische Luft zerren musste. Wer klagt, dem wird leichter. Trauer möchte raus.

Aber damals war das alles noch weit weg. Abends knabberte Anna Sonnenblumenkerne und wartete, dass die Hitze des Juliabends nachließ und der Hof voller Leben wurde, die Freundinnen zum Schwatzen auf der Bank Platz nahmen.

Gisi, ist dir nicht gut? Mein Gott, du siehst furchtbar aus! Anna sprang auf. Was ist los?

Warum Gisela dann alles ausplauderte, weiß sie selbst nicht. Niemals war sie zu Gefühlsausbrüchen erzogen worden. Doch diesmal platzte es aus ihr heraus! Während die Tränen liefen, sprach sie, um endlich diese Wut und Ohnmacht loszuwerden.

Was für ein Kerl! Anna rief empört und wiegte gleich wieder energisch den Kinderwagen wehe, ihr Sohn wäre aufgewacht.

Anna schimpfte, sang den Kleinen leise in den Schlaf.

Dann aber besann sie sich. Es ist leicht, jemanden zum Aufgeben zu überreden und ruckzuck ist eine Familie zerbrochen. Aber ein Kind braucht den Vater, oder? Ist das besser ohne?

Gisi, überstürz nichts. Versuch, ihn zu verstehen! Ich sage nicht, dass das einfach ist! Aber möglich. Wenn die Schwiegermutter pausenlos Gift flüstert, fängt jeder irgendwann an zu zweifeln. Lass dich nicht beirren. Du bist klüger. Jetzt wartest du ab und wenn dein Prachtkerl geboren ist, werden sich alle noch umgucken. Dann soll mal einer was sagen. Und dein Mann wenn er was im Hirn hat, wirds ihm leid tun. Ein bisschen Schuldgefühl in der Ehe ist gar nicht schlecht, weißt du? Wenn man sich mal zofft, hält man dann leichter den Mund, erinnert sich: hey, auch ich war mal unfair. So verschwindet der Ärger schneller. Weißt du noch: Eine Nacht drüber schlafen, dann sieht das Drama schon weniger dramatisch aus. Schau nach vorne, nicht zurück. So läufts besser.

Gisela hörte schweigend zu, aber fühlte sich tatsächlich erleichtert. Vielleicht hat Anna recht? Was gewesen ist Schwamm drüber. Denkt er halt mal nicht mit, sondern hört auf seine Mutter. Pech. Jetzt ists sowieso passiert.

Die Rechnung ging erst auf, als Gisela Paul von ihrer Schwangerschaft erzählte. Soviel Freude hatte sie selten erlebt. Und Gisela konnte ohnehin nie lange Zorn hegen. Sie verzieh ihm.

Ihr Sohn, Felix, wurde krank geboren. Herzprobleme. Operation, dann noch eine. Gisela wachte an seinem Krankenhausbett und wusste: Zuhause läuft was schief. Gerede das Kind sei nicht richtig, sie selbst auch nicht.

Verzweiflung kam schubweise. In der Klinik ließ sich Gisela schließlich die berühmten Zöpfe abschneiden einfach so, mit einer Schere der Oberschwester. Danach fühlte sie sich seltsam befreit, leichter.

Ihre Mutter, die Essen brachte, sagte nichts, als sie Gisela so sah. Drehte sich weg, seufzte, packte die Tasche aus und versuchte, Mut zu machen. Doch sie war schwarz wie die Nacht vor Sorgen.

Mama

Nein, Gisela! Lass das jetzt. Hauptsache, dem Jungen geht es besser. Was sagen die Ärzte?

Das zählte. Gisela ignorierte, dass Paul nur noch selten in der Klinik vorbeikam und die Schwiegermutter nie.

Dann Entlassung

Und Gisela fuhr mit Felix zu ihrer Mutter, nicht nach Hause. Die Ehe war vorbei, leise, ohne Drama.

Also, Paul das wars?

Tut mir leid

Danke, dass du wenigstens ehrlich bist.

Darf ich Felix sehen?

Natürlich, du bist sein Vater.

Für drei Jahre hielt Paul durch. Dann heiratete er wieder und zog mit seiner neuen Frau nach Rügen. Neues Leben

Gisela aber blieb im alten. Alles lief nach Plan: Arbeit, Kind, Mutters Sorgen, Arbeit, Arbeit.

Sie mochte ihren Job. Wenn die Zahlen in den Rechnungen plötzlich aufgingen, war das für sie wie ein kleiner Sieg. Im Büro vergaß sie alles, außer Felix.

Felix war ihr ein und alles. Ihr Licht. Ihr Kummer obwohl die Ärzte beschworen, dass er jetzt kerngesund war und das lange so bleiben würde.

Und tatsächlich Jahre vergingen, und Gisela strahlte auf Felix Hochzeit so, dass Anna sie kneifen musste.

Alle Mütter heulen am Hochzeitstag ihrer Söhne und du bist Frühlingssonne pur! Gisi, fällt dir das gar nicht schwer?

Was denn? Meinen Sohn hergeben?

Ja, wen sonst? Du gibst ihn fort!

In gute Hände. Anna, du vergisst, wie ich selbst aufgewachsen bin. Ich weiß, was es heißt, gut aufgenommen zu werden. Ich hab gesehen, wie meine Mutter ihre Schwiegermutter bis zum Schluss gepflegt hat. Wie sie zusammen gesungen haben, als es Oma schlecht ging. Und wie sehr meine Mutter am Grab geweint hat. Das alles echte Familie. Bei meiner Schwiegermutter durfte ich nie so teilhaben, durfte sie nicht mal Oma nennen! Meinst du, ich mache denselben Fehler? Niemals! Wenn Felix diese Frau liebt, dann ist sies eben. Ich pass mich an.

Jetzt muss ich wohl von dir lernen, Gisela sinnierte Anna. Ich hab es nicht so geschafft. Hab meinen Sohn verheiratet, aber mit seinem Glück hader ich trotzdem noch. Da muss ich wohl noch ran

Enkel, dann Enkelin. Gisela hatte genug zu tun. Felix Frau verstand und schätzte sie, Gisela war immer willkommen, voll im Familienleben.

Doch die Jahre vergingen. Die Enkel gingen zum Studium in ganz Deutschland, Felix und seine Frau zogen an die Ostsee. Ein Häuschen in der Nähe von Rostock war ihr Traum gewesen, nun hatten sies geschafft.

Mama, komm mit ans Meer! Was willst du hier allein?

Gisela überlegte lange. Aber sie blieb.

Noch nicht. Vielleicht später mal. Jetzt genießt erst mal eure Zeit zu zweit. Zu dritt ist immer einer zu viel.

Mama!

Keine Widerrede, Felix! Ihr braucht das. Ich kenn meine Schwiegertochter, sie meints gut aber dann verfrachte ich mich aufs Sofa und sie lässt mich nur noch Kaffeetassen tragen. Was mach ich da? Den Balkon zusammenklappen? Ich will niemandem zur Last fallen. Ich komm euch besuchen, das reicht.

Kaum war Felix weg, fiel Gisela die Decke auf den Kopf.

Ach, Anna, alles so leer. Wie in einer Turnhalle, in der keiner mehr spielt. Du kannst rufen so laut du willst und keiner hört es

Tja, dann brüll nicht. Zieh zu Felix.

Nein, ich mag keine Last sein. Ich weiß, ich setz mich da nur fest wie ein alter Ficus, dann komm ich nicht mehr hoch. Du kennst meine Schwiegertochter doch. Sie lässt mich nichts Schweres mehr machen. Keine kleinen Kinder im Haus! Was soll ich machen den Mond anheulen? Dazu brauch ichs nicht ans Meer.

Anna, die als Untermieterin beim Sohn wohnte und sich jeden Abend auf die Bank verzog, genau um nicht an Familienzanken teilzunehmen, nickte wissend.

Dann tu was. Was wolltest du immer, als keine Zeit war?

Tango tanzen lernen

Dann los, worauf wartest du?

Doch nicht in meinem Alter!

Gisela! Was für ein Alter hast du denn? Solange du dich nicht in Staub auflöst, wird getanzt! Jetzt ist die beste Zeit. Später ist zu spät. Man bereut höchstens, was man nicht getan hat.

Woher hast du das jetzt schon wieder?

Na, gelesen halt. Aber stimmt! Das Leben ist endlich. Wir schieben eh viel zu viel auf. Warum nur?

Gisela nahm sich das zu Herzen. Warum auch nicht?

Die Anmeldung in einer Tanzschule war einfach. Nur reingehen das war schwieriger. Am Fenster stand sie, schaute den Paaren zu alles elegant, sogar die älteren Herrschaften, und sie fühlte sich plötzlich alt und grau. Figur naja. Zöpfe schon seit Jahren weiß.

Auf dem Heimweg schimpfte sie auf Anna aber als sie an einem Friseursalon vorbeikam, stoppte sie. Schluss, Zeit für einen Schnitt!

Am nächsten Tag: Gleicher Weg, keine Zeit zu fackeln auf, durch die Tür. Die überraschten Blicke ignorierte Gisela.

Und natürlich es war gar nicht schlimm. Es gab eine Ü50-Gruppe. Und Tango-Fans ohne Ende.

Hier lernte sie Alexander Petermann kennen vornehm grau, charmant, zurückhaltend. Viel erzählte er nie, aber Zuhören konnte er wie kein Zweiter. Gisela fand sich plötzlich beim Erzählen ihrer ganzen Lebensgeschichte vom Sohn, den Enkeln bis zum Ex-Mann.

Alex, warum reden Sie eigentlich nie über sich?

Gewohnheit aus dem Beruf und gibt auch nicht so viel Schönes. Aber wenn Sie wollen, erzähle ich Ihnen von meiner Tochter.

Unbedingt!

Und Gisela staunte: Wie kann ein Mensch so viel durchmachen und trotzdem lebensfroh bleiben?

Ich war zweimal verheiratet… Die erste Ehe aus. Wir waren jung, wollten uns dauernd etwas beweisen, aber nichts zu beweisen. Sie hat das Kind nicht gewollt, lieber Freiheit, Touren, Skifahren. Ich aber war bereit. Nach der Trennung, als ihr Vater mir beruflich Steine in den Weg warf, habe ichs auch geschafft bin rumgekommen, hab meine Frau Nummer Zwei in einer bayerischen Kaserne kennengelernt. Gabi. Ein Schatz. Neben ihr konntest du gar nicht griesgrämig sein sie hat einen angelächelt und alles war leicht. Erinnerst mich an sie.

Ich? Sie kennen mich gar nicht!

Doch. Sie haben dieses Licht. Das sieht man.

Erzähl weiter, bitte nicht über mich!

Also Gabi. Sie ist gestorben. Komplett sinnlos Ein Jahr waren wir verheiratet, ich hatte gerade ihre Tochter adoptiert Svetlana, damals knapp zwei. Nannte mich sofort Papa. Wir machten Urlaub, Gabi ging am Morgen baden. Ich döste am Flussufer ein, sie ist ertrunken. Nach drei Tagen fanden sie sie Ihre Mutter tröstete mich: Das Leben ist Glückssache. Niemand weiß, wann Schluss ist. Trotzdem mache ich mir bis heute Vorwürfe. Hätte ich nur nicht geschlafen, hätte ich sie retten können

Mach dich nicht verrückt, Alexander. Man weiß nie, wanns zu Ende ist.

Vielleicht. Die Tochter blieb bei mir. Wie hätte ich sie weggeben können? Wir drei zogens durch. Ich hab nie wieder geheiratet. Wollte nie eine Stiefmutter zumuten Svetlana ist eine starke Frau. Jetzt Ärztin, Chirurgin im Klinikum. Mit ihrem Mann zusammen. Zwei Kinder hab ich meine Enkel. Beide sporty und clever, einer wird sogar Physiker.

Schön

So ergab sich nach und nach ein richtig gutes Tanzpaar. Der erste Wettbewerb sie tanzen Tango vor allen, Alexander flüstert: Nur Mut! Du schaffst das!

Nach einem Jahr macht er ihr einen Antrag und Gisela erstickt fast an ihrem Tee.

Bist du verrückt geworden?! Hochzeit?! Wir sind doch nicht mehr die Jüngsten! Und die Kinder, die Enkel, was werden die sagen?

Die sind einverstanden.

Woher willst du das wissen fing sie an zu protestieren, hielt aber inne. Was hast du angestellt?

Geschrieben, angerufen, alle zur Hochzeit eingeladen.

Welche Hochzeit denn bitte?! Alexander!

Und warum nicht?

Weil Gisela seufzte. Was sollen die Leute denken

Sollen sie doch! Du hast selbst gesagt: Wir sind nicht mehr zwanzig. Uns muss niemand mehr was vorschreiben.

Einen Monat später sitzt Anna im Sommerkleid und uralten Absatzschuhen, staunt über Gisela, die leuchtet vor Glück: Sogar die Kinder stehen beifällig, während der Fotograf posiert.

Gisela Petermann Das klingt! Tango also? Sag mal, wo ist die Tanzschule? Ich wills auch lernen.

Du hast doch immer gesagt, das ist nix für dich!

Was hab ich schon alles erzählt Allein sein ist das Schlimmste. Nichts ist trauriger, als niemandem wirklich zu fehlen und nur gebraucht zu werden, damit du Handlanger spielst. Dann wirst du auch noch sauer auf die, die du am meisten liebst, ohne zu wissen warum. Du hast es richtig gemacht. Schau, wie sich die Kinder für dich freuen! Was wollen Eltern mehr als zu wissen: Dem Kind geht’s prima. Ich glaube nicht, dass meine sich so für mich freuen, aber einen Versuch ists wert. Find ich keinen wie deinen Alexander, lern ich wenigstens Tango und mache das Beste aus meiner Zeit. Schadet ja nicht, hab ja nur noch ein paar Monate.

Wieso?

Hab ichs nicht gesagt? Bald gibts noch einen Enkel.

Ehrlich?

Ja! Was für ein Laternenumzug! Die sind doch keine zwanzig mehr, aber los geht’s

Gisela schüttelt den Kopf, drückt Anna die Hand auf den Mund.

Tango, Anna, Tango! Höchste Zeit!

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Homy
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Tango – Leidenschaftlicher Tanz zwischen Tradition und Moderne in Deutschland
Ich bin zu meiner Schwiegertochter nach Hause gegangen, habe für sie gekocht, überall sauber gemacht, und trotzdem war sie nicht zufrieden.