Unter dem Druck fremder Erwartungen

Unter dem Druck fremder Erwartungen

Also, ich muss dir unbedingt erzählen, was da damals bei uns zu Hause in München los war das war wirklich ein Drama, wie aus einem schlechten Fernsehfilm. Stell dir vor: meine Mutter, Renate, steht im Wohnzimmer, die Fäuste geballt, und starrt mich also ihre Tochter, Leonie an, als ob ich gerade das schlimmste Verbrechen begangen hätte. In ihrer Stimme klang so eine Wut, du kannst dir das kaum vorstellen.

Wag es ja nicht, auch nur daran zu denken!, hat sie mich angefahren. Stell dir das mal vor! Und hast du überhaupt mal einen Gedanken an deine Zukunft verschwendet? Weißt du eigentlich, wie viel Mühe und Herzblut ich in dich gesteckt habe?

Ich hab sie mit tränennassen Augen angesehen, wirklich verzweifelt, aber ich hab versucht, mir nichts anmerken zu lassen und wenigstens halbwegs selbstbewusst rüberzukommen.

Mama ich versteh dich ehrlich nicht!, hab ich mit zittriger Stimme gesagt. Dann hab ich kurz tief durchgeatmet und weiter: Warst nicht du diejenige, die immer darauf bestanden hat, dass ich zuerst studiere und mich um Ausbildung und meinen eigenen Weg kümmere? Ja, ich hab mich verrannt ich hab Verliebtheit mit Liebe verwechselt aber ist das denn ein Grund, alles zu zerstören? Ich bin doch erst achtzehn! Ich weiß ja selbst noch gar nicht richtig, was ich will

Aber meine Mutter hat mich gar nicht ausreden lassen. Ihr Blick war eiskalt, und ihr Tonfall ließ keinen Widerspruch zu.

Entweder du heiratest Daniel und bringst mir endlich ein Enkelkind, oder du packst deine Sachen und gehst. Ich geb dir keinen einzigen Cent, dann kannst du mal sehen, wie du alleine klarkommst! Das ist vielleicht meine einzige Chance, Oma zu werden, verstehst du? Ich werd auch nicht jünger. Bald bin ich sechzig, ich will doch wenigstens noch ein bisschen Zeit als Oma erleben, bevor ich irgendwann zu alt dafür bin!

In mir hat sich echt alles zusammengezogen, ich hab nur leise geflüstert: Mama

Sag jetzt nicht Mama!, hat sie mich angefahren und mich nicht zu Wort kommen lassen. Ihr Blick war so hart, das hat richtig wehgetan. Ich hab mit deinem Daniel schon gesprochen er sieht das genauso wie ich, hat sie noch hinzugefügt, als wäre das alles schon längst abgemacht. Sie hat so seltsam triumphierend gelächelt, als ob sie jetzt endlich gewonnen hätte. Natürlich hat er erstmal gezögert, aber ich kann echt überzeugend sein, wenn es darauf ankommt, hat sie dann noch hinterhergeworfen.

Ich hab sie nur ungläubig angestarrt und gestammelt: Du hast was? Mit Daniel geredet? Mama! Das ist doch nicht mehr deine Sache! Wir lieben uns nicht, das wird ein einziger Albtraum! Er wird hundertprozentig fremdgehen, während ich mit einem Säugling zu Hause sitze willst du das etwa für mich? Willst du, dass ich ein Leben lang unglücklich bin? Mir sind wirklich die Tränen übers Gesicht gelaufen diese Hoffnungslosigkeit kannst du dir nicht ausmalen.

Das habt ihr euch selbst eingebrockt. Das Kind ist jetzt nun mal da, da gibt es keine Diskussion mehr, hat sie mit einer Handbewegung alles abgetan. Du kannst gern ein Urlaubssemester nehmen, dann helf ich mit dem Baby. Das hab ich schon alles durchdacht, hat sie gesagt so fest davon überzeugt, dass das jetzt der einzig richtige Weg für uns alle sei.

Und ich? Ich war einfach nur fertig. Ich konnte einfach nicht verstehen, warum sie sich jetzt gegen ihre eigenen Prinzipien gestellt hat. Immer predigen, dass man erst sich selbst auf die Beine stellen soll, und dann sowas Ich hab echt bereut, überhaupt je was gesagt zu haben. Warum hab ich mich nicht einfach heimlich um alles gekümmert dann wär das vielleicht alles anders gelaufen.

Und Daniel Da war ich fassungslos. Am Anfang hat er sofort klargemacht, dass er für nichts Verantwortung übernehmen will. Ich weiß noch genau, wie er damals einfach gemeint hat: Ich bin da nicht Schuld und sogar noch so ein paar fiese Sprüche losgelassen hat, von denen ich Gänsehaut bekommen hab. Und jetzt plötzlich ist er bereit zu heiraten ich verstehs bis heute nicht. Was meine Mutter dem wohl erzählt hat?

Letztlich ist alles ganz schnell gegangen. Daniel hat kein Wort verloren, hat mich zum Standesamt geschleppt, der Beamtin meinen Mutterpass auf den Tisch gelegt, und wir wurden noch am selben Tag getraut. Keine Feier, keine Gäste nur zwei billige Ringe, die wir in der Drogerie gekauft haben, und eine Atmosphäre, die so kalt war, dass man am liebsten sofort weggelaufen wäre.

Nach den Wünschen meiner Mutter sind wir dann bei ihr in der Wohnung geblieben. Sie hat alles kontrolliert: Was ich esse, wann ich schlafe, welche Vitamine ich nehme jede Minute wurde überwacht. Jeden Morgen stand sie mit einem Notizbuch in der Küche und hat mir das Menü für den Tag runtergebetet. Sie hat mir Bücher über Kindererziehung aufgezwungen dicke Wälzer, nach deren erstem Kapitel ich schon Kopfschmerzen hatte.

Ich war wie eingesperrt. Nicht mal so Kleinigkeiten wie wann geh ich schlafen konnte ich selbst entscheiden. Ich hab sogar versucht, leiser zu atmen, nur damit ich keinen neuen Vortrag bekomme Immer zurückstecken, nie eigene Wünsche, und die Hoffnung, wenigstens nicht aufzufallen. Klar hätte ich am liebsten alles hingeworfen und wäre abgehauen aber wie denn, wenn man kein Geld auf der Seite hat? Klar, alle meinen immer, man könnte ja studieren, arbeiten, sich selbst alles ermöglichen aber in Wirklichkeit ist das schwerer, als es klingt.

Einmal hab ich sogar versucht, mit einer Bekannten drüber zu reden, weil ich echt am Ende war. Aber die hat nur gesagt: Andere schaffen das auch mit Baby, du hast es einfach zu bequem! Zieh halt aus, such dir ne WG oder einen Nebenjob, da findet sich immer was. Jammern bringt nichts! Da ist mir echt der Kragen geplatzt leicht reden, wenn man nie wirklich ans Geld denken musste und die Eltern immer eingesprungen sind.

Wir hatten in München tatsächlich ein Studentenwohnheim aber allein, wie das nachts da aussah Betrunkene, die draußen rumgegrölt haben, Schlägereien, ständig Polizei Da wollte ich auf keinen Fall wohnen. Eine eigene kleine Wohnung? Unbezahlbar! Auch mit drei Nebenjobs hätte ich nicht viel mehr als die Miete zahlen können wovon hätte ich dann noch leben sollen?

Mein Vater hatte sich übrigens aus allem fein rausgezogen, und Großeltern hatte ich auch keine. Bleibt einem also nichts anderes als sparen und hoffen, dass man irgendwann wegkann.

Mama hat mir das Arbeiten auch verboten und selbst zur Uni durfte ich nur, wenn sie es kontrollieren konnte, weil ich ja angeblich Blödsinn machen könnte. Ihr Kommentar dazu war immer: Damit du keinen Unsinn anstellst!

***

Dann, kurz vor Weihnachten, hat meine Mutter gemeint, jetzt fährt sie mal zwei Tage ihre alte Freundin in Augsburg besuchen und plötzlich musste ich den Haushalt auf einmal selbst stemmen, obwohl es mir körperlich immer schlechter ging.

Ich hab Daniel gebeten: Kannst du bitte kurz in den Supermarkt gehen? Mir ist so übel und ich bin total schlapp

Er sah nicht mal von seinem Computer auf, die Finger wie verrückt auf der Tastatur: Frische Luft tut dir doch gut, oder? Ich brauch jedenfalls nix. Na klar, das Computerspiel war ihm natürlich wichtiger.

Da bin ich echt sauer geworden: Wir sind verheiratet, falls dus vergessen hast! Ich war von Anfang an dagegen du warst es, der unter Mamas Bedingungen zugestimmt hat! Du hast doch versprochen zu helfen, und jetzt zockst du nur!

Er hat sich rumgedreht, mich genervt angeguckt und dann eiskalt gesagt: Sobald das Kind ein Jahr alt ist, lass ich mich scheiden. Deine Mutter weiß das. Hauptsache, das Kind ist offiziell in der Ehe geboren.

Ich stand da wie vom Blitz getroffen. Das Herz ist mir fast stehen geblieben.

Sag mal womit hat sie dich eigentlich bestochen?, hab ich gefragt, mir standen schon wieder Tränen in den Augen.

Er hat höhnisch gegrinst: Mit einem Auto. Weißt ja, meine Familie ist nicht gerade wohlhabend. Und so ein Angebot lässt man sich nicht entgehen. War ganz einfach ein paar Gespräche, ein paar leere Versprechungen, und schon bin ich dein Ehemann. Und jetzt lass mich in Ruhe, ich hab noch zu tun.

Ich hab mich nur noch umgedreht und bin rausgegangen, hab so halbherzig die Tür zugemacht wenigstens das bisschen Wut musste irgendwie raus.

Ich war erst im vierten Monat, aber gefühlt schien alles schon hoffnungslos ausweglos. Meine Mutter vor Freude völlig aus dem Häuschen zählte schon die Tage bis zur Geburt ihres Enkels. Ich dagegen konnte das Kind im Bauch kaum ertragen. Auch wenn ich wusste, das kleine Wesen konnte am wenigsten dafür in meinem Kopf verband ich all meine gescheiterten Pläne und den Verlust meiner Freiheit mit ihm.

Also bin ich einfach rausgegangen müde, leer, ohne Ziel, völlig in Gedanken verloren. Ich hab nicht mal gemerkt, dass die Sonne schien und die Kinder auf dem Spielplatz lachten, oder wie der Duft der Lindenbäume die Straßen füllte. Erst der laute Hupen und das Quietschen der Reifen direkt hinter mir hat mich aufschrecken lassen. Ich hab mich panisch umgedreht und ein Auto schoss direkt auf mich zu

***

Als ich wieder wach wurde, war alles wie durch Watte. Irgendeine Krankenschwester meinte: Ah, Sie sind wieder bei uns! Ich hol sofort den Arzt. Dann hörte ich Renates Stimme meine Mutter: eiskalt, enttäuscht, die Tasche auf die Schulter gestemmt.

Was hast du denn jetzt erreicht? Musstest du dich vor ein Auto werfen? Hab ich dich so erzogen? Jeder Satz ein Vorwurf. Ich wollte was erwidern, aber sie hat mich direkt unterbrochen: Jetzt hör auf zu reden! Spar dir deine Kraft. Durch deinen Blödsinn hast du das Kind verloren. Meinen Enkel! Das war meine letzte Hoffnung, Oma zu werden und jetzt kannst du nie wieder Kinder kriegen. Jetzt bleibt mir nur noch deine große Schwester Johanna! Kalt wie ein Richter hat sie das gesagt. Für sie war das wie eine Faktenaufzählung, kein bisschen Mitgefühl.

Ich hab nur noch Mama geflüstert und meine Tränen sind in das Kissen geflossen. Der Schmerz, sowohl körperlich als auch seelisch, hat mich fast zerrissen. Ich hätte ihr so gern irgendwas erklärt, aber da war einfach nichts mehr zu sagen.

Deine Sachen hab ich gepackt. Wenn du wieder fit bist, holst du sie ab. Sie hat mich angeschaut, als wär ich Luft und kalt gemeint: Weißt du, ich hab immer nur einen Sohn gewollt. Stattdessen hatte ich zwei unnütze Mädchen Ich hatte gehofft, wenigstens eine von euch bringt mir einen Enkelsohn. Die Große hat sich aber direkt aus dem Staub gemacht, kaum dass sie von meinen Plänen wusste. Mit dir dachte ich, ich kanns schlauer anstellen. Also hab ich Daniel bearbeitet. Und dann war endlich mein Enkel auf dem Weg und du hast wieder alles kaputtgemacht. Ich verschwende keine Kraft oder Geld mehr an dich. Sieh zu, wie du klarkommst!

Dann hat sie sich wortlos umgedreht und ist gegangen. Kein Abschied, kein Trost einfach weg, wie ein kalter Windzug.

***

Zu meinem Glück gab es dann noch Lena meine beste Freundin. Sie war die Einzige, die mich im Krankenhaus besucht hat. Sie kam mit frischem Obst und einem weichen Schal, hat sich einfach zu mir gesetzt, meine Hand gehalten und nichts verlangt oder gefragt. Dank ihr hab ich das alles irgendwie durchgestanden.

Lena hat mich dann überredet, mit ihr zusammen eine kleine Wohnung in Sendling zu mieten, hat mich bei sich im Büro untergebracht erst halbtags, damit ich wieder auf die Beine komme, später dann Vollzeit. Sie war immer da, hat mir bei der Arbeit alles erklärt, mich unterstützt und immer an mich geglaubt. Nur wegen ihr hab ich wieder einen Fuß ins Leben bekommen.

Im Büro hab ich dann Andreas Müller kennengelernt, den Chef unserer Abteilung. Anfangs war er für mich nur ein strenger, aber fairer Vorgesetzter: Er hat nie laut, sondern immer sachlich mit uns geredet und konnte alles plausibel erklären. Im Umgang mit allen Kollegen war er respektvoll ich hab richtig gemerkt, wie sehr ihn die Leute schätzen.

Nach und nach hab ich gemerkt, wie viel Herz hinter seiner manchmal kühlen Fassade steckt. Er wusste zum Beispiel immer, wer Geburtstag hat, hat sich Sorgen gemacht, wenn es jemandem nicht gut ging, und ungefragt geholfen, wenn jemand zu viel auf dem Tisch hatte.

Andreas war geschieden und lebte mit seinen beiden Söhnen Max und Simon, damals vier und sechs Jahre alt alleine. Ihre Mutter hatte damals alles hingeschmissen, ist nach Berlin gezogen und wollte ihr eigenes Leben leben. Andreas gab sich die größte Mühe, alles unter einen Hut zu bekommen: Job, Haushalt, Zeit mit den Jungs aber oft wurde es spät und die Oma, eine liebe, aber schon betagte Dame, musste die Kleinen abholen und aufpassen.

Eines Abends, als ich im Büro blieb, um noch einen Bericht fertigzumachen, hat Andreas mich gefragt, ob ich Lust auf einen Tee hätte. In der kleinen Küche hat er plötzlich sehr offen gesprochen: Seine Stimme leise, fast verletzlich, man hat die Erschöpfung dahinter richtig gespürt.

Leonie, ich schätze deine Wärme und deine Ehrlichkeit sehr, hat er gesagt. Ich will dir ein ungewöhnliches Angebot machen. Würdest du mich heiraten? Nicht aus Romantik auch wenn ich dich wirklich bewundere sondern wegen der Familie. Sei Mama für meine Söhne. Ich unterstütze dich bei allem, auch im Studium Hauptsache, die Jungen erfahren wieder Geborgenheit.

Ehrlich, da blieb mir erst mal die Luft weg. Es war völlig aus dem Nichts aber im selben Augenblick wusste ich, der meint das ernst, der braucht einfach jemanden, der zu ihm und den Jungs gehört.

Ich ich brauche etwas Zeit, hab ich ihm vorsichtig geantwortet, weil das doch so viel war auf einmal. Aber in mir drin war schon dieses winzig kleine Ja, dieses Gefühl, dass ich hier wirklich ein Zuhause finden könnte.

Andreas hat verständnisvoll genickt: Nimm dir alle Zeit, die du brauchst. Ich will nur, dass du dir wirklich sicher bist.

Eine Woche hab ich hin und her überlegt und am Ende zugesagt. Die Hochzeit war ganz schlicht: nur die Jungs, ein paar Kollegen aus dem Büro, aber trotzdem schön. Mein Kleid war hell, schlicht, und Andreas hat sich einen klassischen Anzug ausgesucht. Am Anfang waren die beiden Jungs sehr schüchtern Max hat sich fest an Papas Bein geklammert, Simon ist fast ganz hinter ihm verschwunden und hat mich mit großen Augen beobachtet. Aber schon nach wenigen Tagen haben sie zu mir Mama gesagt, als hätten sie das schon immer getan und das hat mir irgendwie das Herz geöffnet. Ich hab die beiden so schnell liebgewonnen, hab ihnen Geschichten vorgelesen, Plätzchen gebacken, kleine Überraschungen überlegt und zum ersten Mal gefühlt, dass ich irgendwo wirklich gebraucht werde. Nicht als Projekt, sondern einfach als Mensch.

Am Anfang war unser Familienleben eher geprägt von Organisation und Absprache: Wer bringt die Kinder abends ins Bett, wer macht die Hausarbeit, wie teilen wir das Budget? Aber Stück für Stück wurde daraus etwas viel Größeres. Andreas hat immer mehr auf mich geachtet: Mal hat er die Wäsche übernommen, ohne zu murren, mal die Jungs abgeholt, damit ich durchschnaufen konnte. Ich hab gemerkt, wie ich entspannt und glücklich werde, wenn Max und Simon abends um mich herum schwirren in so einem normalen Alltag. Und Andreas hat oft einfach nur gelächelt, wenn er sah, wie gut wir harmonierten.

Eines Abends die Kinder waren schon im Bett und ich hab ihre T-Shirts gebügelt kam er zu mir, hat sich kurz gesammelt und dann ganz leise gesagt:

Du bist für mich viel mehr als nur die Mutter meiner Kinder. Ich bin dankbar für alles und ich liebe dich wirklich.

Mir sind sofort die Tränen gekommen, diesmal aber vor Glück. Das Eis in mir ist endlich geschmolzen, und dieser neue Anfang hat sich plötzlich ganz richtig angefühlt.

Mit der Zeit sind wir wirklich glücklich geworden. Ich hab doch noch mein Fernstudium an der LMU angefangen, obwohl ich echt gezweifelt hab, dass ich das alles unter einen Hut bekomme Arbeit, Familie, Lernen. Aber Andreas hat mich immer unterstützt: Hat mir Lerntipps gegeben, Bücher besorgt, mit mir gelernt, und mir Mut gemacht. Darum hab ichs tatsächlich geschafft.

Max und Simon sind fröhlich aufgewachsen, mit beiden Eltern an ihrer Seite. Im Winter haben wir zusammen Schneemänner gebaut, im Sommer Gänseblümchen gepflückt, abends vorgelesen, gekuschelt, und jeder Tag hatte seine kleinen, schönen Momente.

Meine Mutter Renate hat nie ihren Wunsch-Enkel bekommen. Johanna, meine große Schwester, war längst ins Ausland gegangen, um die Karriere zu starten und endgültig dem Kontrollwahn unserer Mutter zu entkommen. Nach einem knappen Brief von ihr, in dem sie schrieb: Mama, ich bin glücklich aber nicht nach deinen Vorstellungen., ist Renate ganz allein zurückgeblieben. Sie hat es echt lange nicht verarbeiten können, hat mir immer wieder wütende Nachrichten geschrieben, Forderungen gestellt, Vorwürfe gemacht aber ich bin standhaft geblieben. Ich wollte nie wieder in so ein Leben zurück, wo ich immer nur zeigen muss, dass ich den Erwartungen anderer gerecht werde.

Und jetzt? Ich hab endlich das gefunden, was ich wirklich Familie nennen kann. Hier muss ich niemandem etwas beweisen ich werde einfach geliebt, weil ich ich bin, mit all meinen Fehlern und Ecken. Zum ersten Mal fühle ich, ich bin angekommen.

Ein paar Jahre später: Ein goldener Herbsttag in München, wir schlendern als Familie durch den Englischen Garten Andreas, Max, Simon und ich. Überall bunte Blätter, die Luft kühl, aber klar und voller Leben. Die Jungs rennen voraus, sammeln Kastanien, lachen, beobachten Enten. Auf einmal kommt Max zu mir gerannt, hält stolz einen riesigen roten Ahornblatt hoch: Mama, schau mal! Der größte Blatt der Welt!

Ich hab mich runtergekniet, ihn fest gedrückt, den Duft von Wind und Kind in der Nase, und dann zu Andreas geblickt, der ein paar Meter abseits steht und mich anlächelt. In seinem Blick lag so viel Wärme und echte Dankbarkeit das hat mich so berührt wie selten zuvor.

Und Simon zieht mich an der Hand zu einer Pfütze: Mama, siehst du? Da spiegeln sich die Wolken drin. Da ist das ganze Himmel!

Ich nehm beide Jungs bei der Hand, wir gehen zusammen zur Pfütze, und Andreas legt seinen Arm warm auf meine Schulter. Gemeinsam schauen wir, wie sich Himmel und Baumwipfel im Wasser bewegen.

Und in dem Moment hab ich mir nur gedacht: Das ist echt mein Leben mein echtes, pures Glück. Meine Familie, meine Freunde, meine Liebe einfach alles, was ich je hoffen konnte. Und wie glücklich ich war, lass ich dir lieber persönlich erzählen, wenn wir uns sehen, weil manche Dinge einfach nicht in Worte passen.

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Homy
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