Das Herz einer Mutter

Herz einer Mutter

Illustration der Autorin. Erstellt mit Hilfe der Kandinsky-KI.

Guten Tag, Frau Ziegler! rief die Nachbarin und winkte fröhlich, während sie gleichzeitig versuchte, ihren lauthals schreienden Enkel in der Kinderkarre zu beruhigen.

Guten Tag nickte Johanna Ziegler zurück und wandte sich gleich ab.

Warum bekommen manche immer alles und andere gar nichts? Es ist doch so ungerecht! Es hätte genauso sie sein können Johanna, die nun voller Stolz ihren Enkel durchs Viertel fährt, wenn ihr Sohn auf sein Gewissen gehört und endlich eine Familie gegründet hätte

Familie gründen Was für ein blöder Ausdruck. Man gründet doch keinen Hundezwinger, sondern das ist das Größte, was es gibt: wenn einem Menschen nahe stehen, die einen lieben und verstehen.

Doch solche Menschen hatte Johanna schon lange nicht mehr um sich

Die Traurigkeit legte sich wieder wie eine schwere Decke auf sie und mit einem genervten Tritt versuchte sie, die Haustür aufzurammen, die mal wieder hakte.

Ach, Hannelore, was hast du denn der Tür getan? Will sie dich nicht reinlassen? ertönte hinter ihr eine Stimme, die sie sofort erkannte und die ihr mittlerweile nur noch zuwider war. Eine gepflegte, schlanke Hand legte sich auf ihre Schulter, und Johanna fuhr zusammen.

Klara Schönfeld Gut, eigentlich Klara Margarete Schönfeld. Früher ihre beste Freundin seit einiger Zeit allerdings ihr ärgster Feind.

Ich wollte schon längst mal vorbeischauen, weißt du? Zeit findet man halt nie. Immer was los, du kennst das. Meine Amalie hat geheiratet, erwartest ihr erstes Kind! Kannst du dir das vorstellen? Was für eine Freude! Wir spekulieren schon, was es wohl wird!

Klara schlug in mädchenhafter Manier die Hände zusammen, ganz wie eine Figur aus einem klassischen Gemälde. Johanna kämpfte sichtlich mit sich, ruhig zu bleiben.

Tut mir leid, Klara, ich habe es eilig.

Wohin denn so plötzlich? Du rennst doch sonst auch nur zum Bäcker. Weder ein Kätzchen noch Enkel Meldet sich Thomas wenigstens manchmal? Oder hat er euch ganz vergessen?

Johanna blieb wie angewurzelt stehen. Ihr Herz stockte, ein, zwei Schläge setzten aus und dann ein dumpfer Schmerz.

Doch, Klara, er schreibt. Jeden zweiten Tag. Mehr Zeit hat er einfach nicht. Er ist doch inzwischen ein gefragter Spezialist, falls du das vergessen hast. Seine Position verlangt eben viel. Entschuldige, ich hab wirklich einen Schüler, in einer halben Stunde.

Ach, Nachhilfeschüler! Musst du dich so abrackern? Unterstützt Thomas dich zu wenig?

Was macht dich da so sicher?

Sonst würdest du keine Schüler nehmen! Ach Gott Das sieht man doch sofort!

Johanna wurde schon wieder laut, besann sich aber noch rechtzeitig. Nein! Ihrer guten alten Freundin wollte sie wirklich keine Genugtuung gönnen.

Der Ärger bohrte wieder an ihrer Seele herum und höhnte leise. Na los, Johanna, wühl alles auf! Vergiss ja nichts!

Kaum war die Wohnungstür hinter ihr ins Schloss gefallen, atmete sie schwer durch der tägliche Ausflug zum Laden war geschafft.

Geschafft! Zu Hause! Sicher! Hier kann sie niemand verletzen, niemandem muss sie sich rechtfertigen. Hier ist es ruhig

Und gerade diese Stille macht sie manchmal wahnsinnig vor Wehmut.

Johanna ließ die Einkaufstasche auf den Boden sinken, und plötzlich liefen ihr die Tränen übers Gesicht.

Wie lang noch? Es sind schon mehr als drei Jahre vergangen seit jenen Ereignissen, die sie freiwillig in diese Einsamkeit schickten und doch kann sie die Vergangenheit nicht loslassen. Der Schmerz bleibt, lässt sie nachts nicht schlafen

Man kann es eben nicht vergessen, wenn das eigene Kind verletzt wurde. Vor allem, wenn es auch noch zum Bruch geführt hat. Ihr Thomas ist doch nicht weggegangen, weil er es bei ihr schlecht fand! Nein, auch ihn hat der Schmerz getrieben Schmerz über die verlorenen Hoffnungen und die unerfüllten Träume, die ihr Sohn so viele Jahre gehegt hatte

Thomas Traum war die große, wahre Liebe. Die, von der Johanna ihrem Sohn immer erzählt hatte sie liebte die Literatur und die Gedichte Rilkes und Heines. Sie wünschte sich so sehr, dass er diese Liebe finden würde, die auch sie einmal erfahren durfte.

Dieses Gefühl hatte fast etwas Überirdisches für sie, so klar und zart wie eine Melodie, die nur aus wahrer Liebe entsteht.

Ihren Thomas Vater hatte Johanna einst in der Alten Pinakothek kennengelernt.

Als Studentin ging sie oft dorthin, um stundenlang vor der Sixtinischen Madonna zu stehen und zu träumen, dass ihr karges, freudloses Dasein irgendwann gegen echtes Glück eingetauscht werden würde. Und dass sie ein Kind haben würde und irgendwann jemanden treffen würde, der sie wirklich von Herzen liebt. Kinder sollten nur aus Liebe geboren werden davon war sie überzeugt.

Wer ihr diese Gedanken eingepflanzt hatte, wusste Johanna selbst nicht. Ihren Vater hatte sie fast gar nicht gekannt, der war früh verstorben. Und ihre Mutter war an dem Tag gegangen, an dem Johanna endlich ihre Studienzulassung an der Münchner Universität erhielt. Voller Freude war sie nach Hause gestürzt und fand die Mutter am offenen Fenster im Schaukelstuhl. Der Wind bauschte die weißen Gardinen wie Segel. Für einen Moment hatte Johanna das Gefühl, eine zarte Gestalt halte den Stoff zurück, damit er Mutter nicht im Gesicht kitzelte, dann war sie verschwunden.

Seltsam, aber diese Fantasie, so greifbar sie war, half ihr irgendwie, über den tiefen Verlust hinwegzukommen. Auch als sie älter wurde und sich der Welt als materiell stellte, blieb ihr diese Überzeugung: Die Mutter hatte ihr einen letzten Gruß geschickt. Es gibt mehr als Vergessen hinter dem Abgrund.

Der Auslöser für das plötzliche Ende ihrer Mutter war ein Herzinfarkt gewesen. Johanna glaubte: Ihre Mutter hatte schlicht ein zu großes Herz gehabt, so viel Wärme und Licht für alle verschenkt, bis es einfach nicht mehr konnte. Und als sie zur Beerdigung all die ehemaligen Schüler und Bekannte sah, beschlich sie das Gefühl, das war kein schlechtes Ende. Wer so in Erinnerung bleibt, hat sein Leben nicht vergeudet.

Es war zugleich bitter und tröstlich. Und ein wenig beängstigend Johanna musste lernen, auf eigenen Beinen zu stehen.

Eine andere Möglichkeit gab es nicht. Familie hatte sie keine mehr. Und sich bei den Freundinnen der Mutter anzubiedern, wollte sie nicht. Die hatten, so fand sie, ihre eigenen Familien, Kinder und Enkel. Ihrer Mutter wäre das zuwider gewesen, aber Johanna konnte sich nicht verbiegen. Sie war überzeugt, dass jeder für sein Leben selbst Sorge tragen muss

Sie musste alles, was ihre Mutter ihr beigebracht hatte, ins Gedächtnis rufen aber das reichte bei Weitem nicht. Sie konnte keine Rechnungen ausfüllen, hatte keine Ahnung von Haushaltsbuchführung. So reichte das Geld oft nicht, und es gab leere Tage, an denen sie irgendwas aß und sich mit Putzen ablenkte

Für eines aber hatte sie immer Geld übrig: Ein Ticket ins Lieblingsmuseum. Im Museum spürte Johanna kaum Hunger oder Durst. Sie schlenderte stundenlang durch die Gemälde, ließ Erinnerungen und die Vorlesungen ihrer Mutter Revue passieren die war eine der beliebtesten Geschichtslehrerinnen Münchens gewesen.

Eines Tages stand sie wieder vor ihrer Madonna, als sich ein leicht verschrobener junger Mann neben sie stellte. Unspektakulär gekleidet, leicht bucklig, aber mit einer tiefen Stimme und einem sympathischen Auftreten. Sie unterhielten sich über Gott und die Welt und gingen am Ende Hand in Hand hinaus. Ein Anfang war gemacht.

Ihr gemeinsames Glück dauerte nicht lang, doch es war ungeheuer intensiv. Auch als Witwe fühlte sich Johanna nicht einsam, so viele Erinnerungen waren geblieben und ihr Sohn.

Ihr Stolz, ihre Freude. Ihr Herzensjunge!

Wenn es perfekte Kinder geben sollte, dann war Thomas ganz bestimmt so einer. Johanna war sich sicher. Bei ihm war alles besonders und nicht nur, weil sie seine Mutter war. Sie sah ja die anderen Kinder im Umfeld, Thomas war einfach anders.

Mama, bitte, können wir ihn nicht behalten? Keiner hat ihn lieb!

Der Kater, den Thomas mit nach Hause brachte, war ein Trauerspiel: kahl, struppig, entzündete Augen, ganz elend anzuschauen.

Aber in den Blicken ihres Sohnes lag so viel Flehen, und Johanna, die nach dem großen Verlust noch immer Halt suchte, nahm den Kater auf. Und hatte dadurch fortan ordentlich zu tun.

Der kleine Kerl lag im Karton bei der Tonne.

Müll rausbringen, das ließ Thomas seine Mutter nicht mehr machen.

Das ist Männersache, Mama! Meine Aufgabe!

Thomas hatte noch gut in Erinnerung, dass im Elternhaus keine Männer- oder Frauensachen galten. Papas Prinzip: Allen helfen, ungefragt.

Weißt du, Thomas, eine Frau kann mehr tragen als ein ganzer Ameisenhaufen aber das heißt nicht, dass es so sein muss. Nimm ihr was ab, und sie kann erblühen wie eine zarte Rose, statt ein Grautier unter zu schwerer Last zu sein.

Erst lachte Thomas über den Esel-Vergleich, aber schließlich schnappte er seiner Mutter den Putzlappen weg.

Lass mich das machen!

Aber du kannst das doch nicht

Zeigs mir einfach! Wenn Papa das kann, kann ich das auch!

Johanna war dann immer stolz auf ihn, auch wenn sie heimlich dabei schniefte.

Seit der Vater gegangen war, half Thomas, wo er konnte.

Tut mir leid, Mama sagte er, während Johanna versuchte, das Katerchen sauberzubekommen.

Kein Problem, Thomas. So ist das, wenn man von der Straße kommt.

Ja, und vom Müllplatz

Eben! Also, das wird dauern, bis der sauber und fit ist. Aber wir schaffen das, er gehört jetzt zu uns!

Wie aufmerksam der Kater Johanna dabei anschaute, als würde er wirklich alles verstehen! Geduldig ließ er das ganze Pflegeprogramm über sich ergehen, wurde gefüttert und tags darauf mit allen Medikamenten vom Tierarzt versorgt.

Sind Sie sich sicher, dass Sie ihn behalten wollen? Da steckt viel Arbeit drin. Ich weiß nicht, ob wir das schaffen.

Das ist genau das, was wir jetzt brauchen, Herr Doktor! konterte Johanna, nahm das struppige Tier unter den Arm und stapfte los. Wollen wir anfangen?

Fast ein Jahr haben sie gemeinsam gekämpft, bis aus dem Halbkahlen ein stattlicher Kater wurde, der seine Menschen abgöttisch liebte und eigentlich ganz friedlich war.

Allerdings, ein wenig eigen war er immer schon. Liegt vielleicht am Namen, den Thomas ihm gab: Barbarossa. Johanna kürzte das ziemlich bald auf Barni, aber ein Pirat war da trotzdem in ihm.

Jeder Besucher wurde gründlich inspiziert. Missfiel ihm jemand, konnten seine scharfen Krallen Gäste in Windeseile aus dem Haus befördern!

Barni war es auch, der als Erster spürte, wenn Ärger nahte. Damals, als Thomas Mitschülerin Amalie plötzlich auftauchte und der Kater mit gezückten Pranken über ihre Strumpfhose herfiel.

Au! Die kleine Blondine mit den hellblauen Augen schleuderte Barni rabiat gegen die Wand. Weg mit ihm! Er hat mich gebissen!

Thomas packte das Katerchen, das gleich nochmal losziehen wollte, und Johanna musste sich mehrfach entschuldigen.

Ach, halb so wild schmunzelte Amalie. Meine Mama kauft mir neue. Das ist keine große Sache für sie. Kann Thomas mich begleiten? Also, Thomas. Nicht der Kater.

Johanna stand immer noch fassungslos in der Wohnungstür, mit Barni im Arm, und sah, wie die süße Kleine ihren Sohn davonzog.

So war es von da an: Durch die Schul- und die Unizeit führte Amalie Thomas an der Hand.

Auf die Frage ihrer Mutter, warum gerade der Studiengang, winkte Amalie nur ab:

Ach Mama, das ist optimal. Ich muss selbst nichts machen! Thomas macht das für mich!

Aber wie

Ja, für uns beide! Wozu sonst ist er da? Außerdem gibts da viele Jungs, nicht nur Mädels. Und den schuldigen Pädagogik-Kram überlässt du mal anderen! Mir reichts zu Hause mit dem Weiberkram.

Thomas wusste davon nichts. Er war einfach verliebt. Und selbst Johanna, die sich so gefreut hatte, dass ihr Sohn dieses Gefühl erleben durfte, merkte, dass es hier nicht um Liebe, sondern eher um Abhängigkeit ging.

Thomas, bist du sicher, sie ist die Richtige für dich?

Klar, Mama! Wir gehören zusammen. Jetzt muss ich sie einfach heiraten das ist doch Ehrensache! Thomas lachte, aber Johanna spürte, dass es eher erzwungen war.

Sie konnte sich nicht erklären, warum diese zierliche, hübsche Frau so viel Macht über ihren Sohn hatte.

Barni wurde regelmäßig ausgesperrt, wenn Amalie kam. Danach schmollte er stundenlang an Johannas Schoß.

Ich weiß auch nicht, was sie von Thomas will Sie liebt ihn nicht, das sieht man doch! Was soll ich machen, Barni? Wie bewahrt man seinen Sohn vor Liebeskummer? Aber wenn ich was sage, versteht er mich eh nicht Und wenn doch, reicht das überhaupt?

Der Kater tat, was er konnte: Er schmuste, schnurrte, leckte ihre Hand.

Es half für einen Moment.

Der Knall kam, als Johanna innerlich schon fast akzeptiert hatte, Amalie bald als Schwiegertochter zu haben. Thomas hatte nach dem Studium einen tollen Job gefunden und Amalie den Antrag gemacht. Sie sagte zu nur die Hochzeit sollte noch warten, ein paar Monate.

Warum? Johannas Finger kraulten Barni, er spürte ihre Anspannung.

Sie weiß es nicht, sagt sie. Sie ist noch nicht bereit.

Wenigstens ist sie ehrlich…

Johanna spürte, irgendwas stimmt nicht.

An jenem Abend, an dem sie fast ihren Sohn verloren hätte, verhielt sich Barni so merkwürdig, dass Johanna ihn anschnauzte. Der Kater sprang immer wieder auf die Fensterbank, gaffte hinaus, maunzte seltsam.

Lass das! Thomas und Amalie kommen doch gleich! Du nervst heute!

Doch Barni machte weiter. Plötzlich preschte er ans Fenster und schmiss sich mit ganzer Kraft dagegen.

Was hast du denn?! Johanna nahm den Kater auf den Arm und entdeckte plötzlich auf dem verschneiten Nachbardach eine dunkle Gestalt.

Warum sie das Fenster aufriss? Woher sie wusste, dass gleich etwas Schreckliches passiert sie wusste es nicht. Reflex.

Kater raus, Küchentür zu, ans Fenster: Sie schrie, voller Panik, ihren Sohn:

Thomas! Nicht! Bitte nicht!

Woher sollte sie wissen, dass es wirklich er war? Das Gesicht sah sie nicht, höchstens die Umrisse auf dem Dach. Doch sie zögerte keine Sekunde.

Der Schatten schwankte, dann war er weg.

Sie atmete erleichtert aus alles war vorbei.

Thomas kam erst früh morgens nach Hause Johanna sagte kein Wort, sie nahm ihn einfach nur in den Arm, deckte ihn zu, zog ihm vorsichtig den Pullover aus, wie früher.

Ganz wie als Kind, Mama Danke

Thomas weinte. So wie damals, als Barni um sein Leben rang und Thomas ihn bat zu kämpfen.

Jetzt war es der Kater, der zu ihm kam und die kalte Hand anstupste, Streicheleinheiten forderte. Bis Thomas wieder lebte und den Kater kraulte. Und so ging es weiter und weiter, bis die Liebe ihn langsam heilte.

Es tut mir leid

Das musst du nicht, mein Junge. Ich weiß Bescheid.

Sie hat mich betrogen. Hatte schon die ganze Zeit einen anderen

Passiert.

Wie kann man lügen, wenn man liebt? Ist das möglich?

Nein. Die Liebe kann nicht lügen, Thomas. Wo gelogen wird, ist keine Liebe.

Meinst du?

Ich weiß es.

Was soll ich machen, Mama?

Trauern. Das gehört dazu. Loslassen. Muss auch sein. Verzeihen Nicht jetzt. Irgendwann. Und wenn du ihr irgendwann Glück wünschen kannst, dann weiß ich, du weißt jetzt, was lieben wirklich heißt.

Das schaff ich nicht.

Was loslassen?

Alles andere schon. Ich wünsche ihr wirklich, dass es ihr gutgeht

Siehst du, das ist Liebe.

Sie redeten die ganze Nacht. So offen wie nie.

Am nächsten Morgen schickte Johanna ihn los:

Pack deine Sachen!

Wohin soll ich, Mama?!

Dein Leben aufbauen. Das ist jetzt deins! Vergiss nie: Du hast ein Zuhause. Und mich. Und Barni. Und wir warten immer auf dich

Mama

Alles wird gut, mein Junge! So muss es sein, ich spüre das!

Thomas zog um. Nicht von heute auf morgen, aber als alles geregelt war, wechselte er die Stadt und fand einen neuen tollen Job.

Johanna, die ihn verabschiedet hatte, fing an zu grübeln. Sie saß oft stundenlang am Fenster und streichelte Barni, betete, dass es Thomas dort gutgehen möge.

Irgendwann wurde die Bitte erhört: Thomas fand seinen Rhythmus, ging voll im Job auf, wurde schnell befördert. Die Kollegen wunderten sich, wie er in den menschlichen Dschungel anständig blieb. Aber das war kein Wunder: Thomas hatte immer das verschneite Dach im Kopf und seine Mutter, wie sie zitternd am Bett stand und Mut zusprach:

Alles wird gut, mein Sohn! Ich weiß es!

Ihre Stärke trug ihn. Was sie ihm beigebracht hatte, zeigte sich in allem, was er tat. Das Leben wurde leichter.

Nur eines fehlte: Jemand, der alles mit ihm teilen wollte

Johanna hatte sich einigermaßen gefangen, hob die Einkaufstasche auf und grinste Barni an, der sie beobachtete.

Na, alter Barbarossa? Wann hast du zuletzt einen Heulanfall einer Frau erlebt? Ganz witzig, oder?

Naja, nicht so wirklich, Mama! erklang Thomas Stimme plötzlich in der Stille, und Johanna ließ sich erschrocken auf den Boden sinken. Mama, was ist mit dir? Ich ruf gleich den Notarzt

Ach Quatsch! Sie zog ihren Sohn an sich. Wann bist du gekommen? Warum hast du nicht angerufen?

Ich wollte dich überraschen

Ist dir gelungen!

Und, Mama ich weiß gar nicht, wie ichs sagen soll Thomas half ihr hoch, schlang den Arm um sie.

Ach, brauchst gar nichts sagen Johannas Stimme zitterte vor Glück. Sie ist es, oder?

Ja, Mama

Dann danke dem lieben Gott! und sie fühlte, wie ihr Herz aufstieg, weit weg von allem Groll und alten Wunden. Wann lernen wir sie kennen?

Ich bin heute für euch gekommen! Für dich und Barni! Ich möchte, dass wir zusammenleben.

Nein, mein Junge! Euch will ich nicht die Freiheit nehmen. Ihr sollt euer Leben leben! Zum Kaffeekränzchen gern! Und auch mal zu Besuch. Aber zusammen wohnen das stimmt nicht für uns! Nicht wahr, Barni? Johanna sah Thomas mit ruhigem, glücklichem Lächeln an. Hauptsache, sie

Ein Jahr noch und Johanna flaniert stolz mit Kinderwagen durchs Viertel, winkt den Nachbarinnen.

Guten Tag! Alles gut bei euch? Wir genießen die frische Luft

Und der große rote Kater sitzt im Fenster, summt sein altes Lied und weiß: Die, die er liebt, ist endlich wirklich glücklich.

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Homy
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Das Herz einer Mutter
Die Frau als Herz und Seele des deutschen Zuhauses