Die Trennung der Eltern – Wenn Familie in Deutschland neue Wege geht

Scheidung der Eltern

Das Kind ist nicht von mir! Ganz sicher nicht! Dieses Kind sieht mir überhaupt nicht ähnlich!, brüllte Bernd.

Er benahm sich bei der Scheidung wie ein ausgewachsener Erbenszähler. Jedes noch so kleine Teil wollte er teilen bis hin zum Wasserkocher.

Alles wurde während der Ehe gekauft, also steht mir die Hälfte zu. Eigentlich sollte mir die ganze Küchengeräteabteilung gehören, denn meine Frau und die Tochter bleiben ja schließlich in der Wohnung, argumentierte Bernd vor der Richterin.

Die etwas ältere Richterin warf Bernd einen tadelnden Blick über den Rand der Brille zu und blätterte missmutig in den Akten.

Soweit ich das sehe, gehört die Wohnung Ihrer Frau. Sie stammt noch aus der Zeit vor der Ehe, die ist definitiv nicht teilbar.

Genau, das sag ich ja. Wenn die Wohnung mir nicht zusteht, will ich wenigstens den Rest. Die Waschmaschine, die Mikrowelle, den Fernseher alles, was Stecker hat! Und die Duschkabine hab ich sowieso selbst bezahlt, das war mein ganz eigenes Geld.

Du willst die Duschkabine ausbauen? Dann machst du mir das halbe Badezimmer kaputt!, empörte sich Sabine und die Richterin lächelte ihr aufmunternd zu. Solch kleinliche Ehemänner waren selbst für sie selten.

Na gut, die Duschkabine bleibt, lenkte Bernd großzügig ein. Aber die Waschmaschine nehme ich. Das ist doch fair, oder?, grinste er die Richterin an.

Bernd grinste immer so charmant, sobald fremde Frauen im Raum waren. Er war überzeugt, sein Grinsen sei unwiderstehlich und manchmal hatte er damit sogar recht. Attraktiv war er ja. Von Sabine ging er übrigens nicht, weil er irgendwas gesucht hätte, sondern weil seine jüngere Kollegin plötzlich viel interessanter war. Selbst im Gerichtssaal versuchte er, Eindruck zu schinden blöd nur, dass die Richterin schon genug von solchen Schwätzern gesehen hatte.

Sabine fühlte sich von der Richterin verstanden. Natürlich ließ die Richterin das nicht durchblicken Objektivität muss sein. Aber als Bernd loskeifte, das Mädchen sei gar nicht seine Tochter, und das alles nur, weil es um Unterhalt ging, da konnte selbst die erfahrene Richterin nicht mehr.

Sie legte betont langsam die Brille ab, polierte das Glas und seufzte.

Verstehe ich richtig: Zwölf Jahre haben Sie Ihre Tochter großgezogen, haben sie auch so genannt. Und jetzt behaupten Sie plötzlich, sie ist nicht von Ihnen? Wie kommt das denn?

Naja, Sie wissen schon, winkte Bernd ab sein charmantes Grinsen war inzwischen eher schief. Ich hatte ja schon den Verdacht, aber Kinder können ja nichts für die Fehler ihrer Eltern. Aber Unterhalt möchte ich jetzt nicht mehr zahlen. Ich habe schließlich eine neue Familie und wenn alles gut geht, gibts bald auch ein richtig eigenes Kind!

Ein richtig eigenes?! Sabine bekam kaum Luft vor Empörung.

So viele Jahre hatte sie mit Bernd gelebt und hätte nie geahnt, dass er mal so tief sinken würde.

Sie sollten sich etwas zusammennehmen und nicht so laut werden, sagte die Richterin freundlich zu Sabine. Herr Weber, Ihnen muss ich leider mitteilen: Sie zahlen weiter Unterhalt. Solange Sie nicht gesetzlich nachweisen, dass das Kind nicht Ihres ist. Das heißt, ein DNA-Test ist fällig.

Bernd wurde blass. So einen Test wollte er auf keinen Fall. Er wusste schlicht zu genau, dass Klara seine Tochter war. Sie sah ihm nicht besonders ähnlich, das stimmte. Aber sie war das Ebenbild seiner Oma Ursula. Alle Verwandten staunten, wie sehr sich beide glichen: Oma in jungen Jahren, Klara jetzt fast wie Zwillinge. Das wusste selbst Bernd. Trotzdem hatte er die Skrupellosigkeit, sich jetzt einfach von ihr zu distanzieren.

Der unangenehme Scheidungstermin war rum. Am nächsten Tag fuhr Bernd mit einem Transporter vor, um die ergaunerten Haushaltsgeräte einzusammeln. Er kontrollierte penibel, dass die Umzugshelfer bloß keine Kratzer an Waschmaschine und Spülmaschine machten. Sabine kümmerte der halbleere Haushalt wenig, aber als sie später feststellte, dass sogar der Wasserkocher, der neue Kochtopf-Satz und das noch nie benutzte Kaffeeservice fehlten, musste sie trotz Ärger lachen. Irgendwie war das alles so traurig, dass es fast wieder komisch war. Gut, dass Klara davon nichts mitkriegte Sabine hatte sie extra zur Oma gebracht und nie ein schlechtes Wort über Bernd zu ihrer Tochter verloren.

Für Klara war die Scheidung schon genug Stress. Wozu sollte Sabine das Kind auch noch gegen den Vater aufhetzen? Klara soll ihren Papa ruhig mögen was schadets? Dass Bernd bereit gewesen war, seine Tochter schon im Gerichtssaal abzugeben, das würde Klara niemals erfahren. Auch die Treffen zwischen Vater und Tochter behinderte Sabine nicht sie dachte in solchen Momenten einfach ans Kindeswohl, nicht daran, dem Ex eins reinzuwürgen.

Als Sabine Klara nach Hause brachte, schlurfte das Mädchen traurig durch die Wohnung. Die Lücke unter der Spüle da hatte mal die Waschmaschine gestanden. Auch Papas Sachen waren weg. In der Nacht hörte Sabine ihre Tochter im Bett weinen. Offenbar war der Stress doch größer als gedacht. Sabine schlich ins dunkle Zimmer, setzte sich aufs Bett, legte die Hand auf Klaras Zudecke.

Süße, mach dir keine Sorgen. Manchmal trennen sich Erwachsene eben. Aber du siehst deinen Papa trotzdem weiterhin das ändert sich nicht.

Plötzlich schleuderte Klara die Hand ihrer Mutter vom Bett.

Du bist schuld!, schluchzte sie wütend. Papa hat gesagt, nur wegen dir ist er gegangen, weil du immer an allem rumnörgelst und nie zufrieden bist!

Das traf Sabine aus heiterem Himmel. Klara, sonst eher ein Sonnenschein, war plötzlich eine Furie und sprach ganz wie ihr Vater.

Ich bin die, die nörgelt?, schluckte Sabine. Schließlich platzte es aus ihr heraus: Weißt du eigentlich, dass dein Papa wegen einer anderen gegangen ist?

Weiß ich! Klar weiß ich das!

Klara warf ihr das Bettzeug vor die Füße, sprang auf und starrte Sabine an.

Papa hat mir alles erzählt. Er hat jetzt eine andere, weil ers mit dir nicht mehr ausgehalten hat. Du hast ihn immer nur runtergemacht.

Sabine biss sich auf die Lippe. Auf Klaras Nachttisch tickte der blaue Schein der Digitaluhr, es ließ die Tränen in Klaras Augen besonders wütend blitzen. Wie sollte man in so einen Blick hinein noch erklären, dass das Kind zumindest ein bisschen recht hatte? Sabine hatte Bernd wirklich kritisiert spätestens als sie Wind von seiner Affäre bekam. Was hätte sie auch machen sollen? Fröhlich lächeln? Bernd betrog sie, kam spät heim, roch manchmal nach fremden Parfüms. Natürlich gab es dann Streit. Doch die Hoffnung starb zuletzt Sabine hatte bis zuletzt auf Besserung gehofft. Die Scheidung wollte vor allem Bernd. Wie sollte man das einer Zwölfjährigen erklären? Wozu überhaupt? Klara würde sich schon beruhigen und an die neue Situation gewöhnen, daran, dass Papa jetzt nicht mehr da ist.

Sabine wollte ihre Tochter trösten, doch Klara wich ihr erneut aus wie einer Fremden.

Geh schlafen, Schatz, seufzte Sabine. Du musst morgen früh raus.

Das war alles, was sie rausbrachte, bevor sie das Zimmer verließ. Am nächsten Morgen war Klara besonders einsilbig, und Sabine glaubte schon, ihr Kind bereue die harten Worte. Das Thema wurde nicht mehr angeschnitten. Klara ging zur Schule, und danach wirkte sie distanziert und antwortete hauptsächlich einsilbig.

Sie schämt sich und bereut, dachte Sabine.

Doch am Wochenende stellte sich das als Trugschluss heraus. Von Reue keine Spur.

Am Samstag genoss Sabine mal das Ausschlafen bis halb zehn! Sie tapste leise durch die Wohnung, um Klara nicht zu wecken. Um zwölf Uhr wurde sie nervös: So lange hatte Klara noch nie geschlafen! Ein Blick ins Kinderzimmer leer! Klara war schon weg. Sabine geriet in Panik, griff zum Handy und rief ihre Tochter an. Erst beim fünften Versuch meldete sie sich endlich mit aufreizend fröhlicher Stimme, im Hintergrund Musik und Stimmengewirr.

Was ist denn? Du hast hundertmal angerufen. Ich bin mit Papa im Einkaufszentrum, hier ist heute Kinderfest mit Clowns und Luftballons!

Mit Papa? Warum hast du mir nicht Bescheid gegeben?!

Du hast doch noch geschlafen. Hab jetzt keine Zeit.

Sabine starrte auf das Handy wütend, enttäuscht, schäumend. Klara machte das offensichtlich extra. Da musste unbedingt ein Gespräch her.

Zum Mittag tauchte Klara wieder auf. Ganz zufrieden aber auch demonstrativ pampig.

So geht das nicht, sagte Sabine ruhig.

Was geht nicht? Darf ich Papa nicht treffen? Er hat schon gesagt, dass du dich einmischen würdest.

Ich mich einmischen? Mach doch! Aber du musst mich informieren, wenn du gehst. Ich schlaf immer leicht, da bist du sicher extra auf Zehenspitzen an meiner Tür vorbei.

Quatsch, patzte Klara zurück. Mensch Mama, zieh Leine, ja?

Sie schnaubte verächtlich und knallte die Tür hinter sich zu. Sabine wollte ihr am liebsten hinterherlaufen und die Standpauke ihres Lebens halten, riss sich aber zusammen. Klara hatte es sowieso schwer genug.

Aber je mehr Zeit verging, desto frecher wurde Klara. Erst jedes Wochenende mit dem Papa, später seltener aber nach jedem Treffen schlug ihre Laune in pure Provokation um.

Sabine hielt das ein ganzes Jahr aus. Doch an Klaras Geburtstag riss ihr endgültig der Geduldsfaden. Sie hatte Torte gekauft, den Tisch schön gedeckt, ihre Eltern eingeladen ein gemütlicher Tag war geplant. Später hätte Klara mit Freundinnen in die Pizzeria gehen können. Doch Klara zog bloß die Augenbrauen hoch, verließ das Haus und blies nicht mal die Kerzen auf dem Kuchen aus. Sie wollte offenbar lieber zum Papa.

Sabine war sicher, Bernd hätte das aus purem Trotz genauso geplant, um sie zu verletzen: Schau, die Tochter feiert lieber mit mir!

Zum ersten Mal wurde sie laut.

Warum tust du das? Ich hab dich eingeladen, alles vorbereitet. Wenigstens kurz hättest du mit uns zusammensitzen können!

Vielleicht will ich ja nicht! Vielleicht will ich generell nicht mehr mit dir leben! Papa hat gesagt, du hast mich ihm einfach weggenommen. Du darfst alles entscheiden, und niemand fragt mich. Ich hätte ihn gewählt, wenn ich fragen hätte dürfen.

Ernsthaft? Papa wollte damals, dass du zu ihm ziehst?, fragte Sabine erschrocken.

Sowas von! Er hätte mich heute noch gern! Seine neue Frau würde mich mit offenen Armen nehmen! Mir ginge es bei ihnen viel besser!

Du hast sie also noch nie gesehen, die neue Frau von Papa? Ihr trefft euch nur draußen?

Nein, noch nie gesehen und? Irgendwann lern ich sie kennen. Papa sagt, sie mag mich sowieso.

Papa sagt… Papa sagt…, nun platzte es aus Sabine. Ein ganzes Jahr hatte sie sich zusammengerissen! Hast du mal dran gedacht, dass er dir einfach Quatsch erzählt? Er wollte dich nie zu sich holen!

Du lügst! Nur du! Papa war nur bei dir unglücklich. Und du gönnst mir ja auch nichts!

Sabine wollte nicht mehr schreien. Sie weinte insgeheim in der Hoffnung, die Tochter würde sie endlich in den Arm nehmen. Aber Klara blaffte weiter ihre Mutter an.

Denk mal drüber nach, okay? So, ich geh schlafen.

Da dämmerte es Sabine: Offensichtlich bewirkte ihre Taktik das Gegenteil. Je mehr sie zurücksteckte und Hoffnungen hegte, desto wilder wurde Klara. Nach jedem Treffen drehte Bernd weiter an der Schraube. Er hatte im Gericht mal eben behauptet, das Kind sei nicht mal seines von dem war alles zu erwarten. Aber warum bloß? Wegen der Wohnung?

Sabine wollte trotzdem nichts Schlechtes über den Vater sagen. Nach einer Nacht Schlaf versuchte sie es diesmal sachlich.

Klara, Papa erzählt dir nicht die Wahrheit. Er will mich bloß ärgern, und jetzt benutzt er dich.

Da braucht er mich nicht beeinflussen. Ich bin dreizehn, ich sehe das alles selbst. Deinen Kuchen kannst du auch behalten! Klara stieß den Kuchenteller weg. Ich brauch nichts von dir. Lass mich einfach in Ruhe.

Das nächste Jahr wurde der pure Horror. Klara war nun kaum noch auszuhalten, jede kleine Bitte endete mit Türenknallen und Lass mich!. Selbst Hausaufgaben wurden zu Konfliktfeldern.

Wenig später verlangte sie, Sabine solle einen Riegel an ihre Zimmertür montieren.

Ich brauch Privatsphäre! Du platzt dauernd rein!

Ich soll jetzt auch noch klopfen?, staunte Sabine. Ist ja ein Ding! Nix da, kein Schloss für dich.

Siehst du, du gönnst mir gar nichts! Und bei Papa darf ich auch nicht leben. Raus aus meinem Zimmer!

Mit vierzehn war Klara das reinste Pulverfass. Vermutlich hatte sie gehofft, ihr Vater würde sie zum Geburtstag endlich zu sich holen aber er rief nicht einmal an. Ihre ganze Wut kriegte die Mutter ab.

Du hast bestimmt wieder irgendwas gemacht! Papa hat mir versprochen, dass ich bald seinen Sohn kennenlerne, bald bekomm ich einen Bruder, und er will, dass ich mit ihnen wohne!

Sabine hatte sofort verstanden: Die Neue war schwanger. Für Bernd war Klara jetzt abgehakt. Die Treffen zuvor dienten offenbar nur dazu, Sabine zu ärgern. Wieso merkte Klara das nicht?

Sabine schlug Klara hundert Mal vor, mit zu einer Psychologin zu gehen.

Was willst du mir denn damit sagen? Hältst du mich für verrückt?!, fuhr Klara aus der Haut.

Das ist kein Psychiater! Wir reden einfach mal. Wir streiten nur noch.

Wer sagt denn, dass wir reden müssen? Hättest mich mal zum Papa gelassen, dann hätte ich dich freiwillig besucht. Bestimmt geh ich nicht zu irgendeiner Psychologin.

Vierzehn plötzlich fühlte sich Klara ganz erwachsen. Sabine wollte das für sich nutzen. Sie organisierte eine Therapeutin mittleren Alters, die nach Hause kam: Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt…

Du bist doch jetzt erwachsen, Klara. Dann lass uns sprechen ohne Drama. Bring deine Argumente vor!

Okay, machen wir, nickte Klara selbstbewusst.

Sie setzte sich, überschlug die Beine, versuchte besonders reif zu wirken.

Meine Mutter ist nie zufrieden, ständig nur Gemecker eine echte Nervensäge. Papa wollte damals unbedingt, dass ich bei ihm wohne, und ich wollte das auch! Mit ihr kann man einfach nicht reden.

Ich verstehe, Klara, sagte die Psychologin. Aber erklär mir eines: Wenn dein Vater das gewollt hätte, wieso hast du seine neue Frau nie kennengelernt?

Ach leckt mich doch!, schrie Klara, sprang auf und knallte die Tür zu.

Die Psychologin blieb blinzelnd zurück, während die Wohnungstür fast aus den Angeln flog.

Das ist schlimmer als erwartet, wandte sie sich an Sabine. Sind Sie sicher, Ihr Ex will Klara wirklich zu sich holen? Warum belügt er sie sonst so?

Um mir eins auszuwischen, um noch mehr Streit zu stiften, verzweifelte Sabine. Er hat nie gesagt, dass er Klara nehmen will im Gericht hat er sogar geleugnet, dass sie seine Tochter ist! Und die Neue will garantiert nichts mit meinem Kind zu tun haben.

Die Psychologin gab ihr einen einzigen riskanten, aber wirksamen Ratschlag.

Wenige Stunden später, als Klara wieder nach Hause kam, stand ein Reisekoffer mitten im Flur der mit den bunten Stickern vom letzten Nordsee-Urlaub vor Jahren, als die Welt noch heil war. Klara war irritiert, wollte gerade wieder einen Spruch bringen, als Sabine im Mantel in den Flur kam.

Zieht bitte nicht die Schuhe aus, meinte Sabine gutgelaunt. Ich habe nachgedacht du hast recht. Ich darf dir dein Glück nicht verwehren. Wenn du mit Papa und seiner Frau leben willst, unterstütze ich dich. Die wichtigsten Sachen sind im Koffer, alles andere kannst du nachholen. Weißt du, wo dein Vater wohnt?

Nein, stammelte Klara alle Frechheiten auf einmal verflogen.

Aber ich weiß es, lächelte Sabine freundlich. Die Adresse hab ich vom Umzugsunternehmen, als die Waschmaschine ausgezogen ist. Los, ich bring dich hin. Taxi ist schon bestellt.

Warte ich will vorher Papa anrufen!

Lass das, Klara, dann ist die Überraschung doch ruiniert! Stell dir mal vor, wie sehr er sich freut!

Während der ganzen Fahrt schwieg Klara. Sabine dagegen plapperte unermüdlich:

Na, endlich wird deine Sehnsucht erfüllt! Wie toll, dass die Psychologin mich wachgerüttelt hat. Jetzt kannst du bei Papa leben und mich immer besuchen richtig schön!

Das Taxi hielt vor einer hübschen kleinen Doppelhaushälfte in einer ruhigen Siedlung. Hier wohnte Bernds neue Frau. Klara wollte noch am Fenster klopfen, doch Sabine drückte direkt die Gartenpforte auf offen, wie der Neuanfang. Unsicher klingelte sie. Nicht Bernd, sondern seine neue Frau machte die Tür auf hochschwanger, die Augenbrauen tief im Gesicht. Sie taxierte Klara mit dem Koffer und Sabine mit dem freundlichsten Grinsen.

Klara, das ist deine neue Mama. Hier wirst du jetzt leben, verkündete Sabine.

Wie hier wohnen?! Was? Bernd!, rief die Frau ins Haus.

Bernd kam und sah aus, als hätte ihm jemand die Kaffeetasse aus der Hand geschlagen.

Was soll das hier? Was habt ihr denn vor?

Er wirkte total überfordert, schob seine Frau ins Haus.

Schatz, geh rein ich klär das!, flüsterte er. Die Tür fiel ins Schloss.

Sabine rief ihm achselzuckend hinterher: Mensch Bernd, jetzt sei mal nicht so! Deine Tochter will doch nur bei dir wohnen, wie dus ihr immer versprochen hast! Und deine neue Frau sollte die Klara nicht längst kennen?

Bernd schwieg. Klara fing an zu weinen.

Papa, stimmt das? Hast du gelogen?

Klara, fahr bitte nach Hause, murmelte er mit gesenktem Blick.

Dann schlich er sich ins Haus und schloss die Tür. Für immer vor Klara. So, wie Klara oft vor ihrer Mutter die Tür zugemacht hatte.

Sabine nickte: Komm, wir warten draußen auf das Taxi.

Als es kam, fragte Sabine ganz sachlich: Wohin denn jetzt, Fräulein?

Was wie wohin? Nach Hause!, schluchzte Klara.

Aber du willst doch nicht mehr bei mir wohnen? Bitte doch Papa nochmal!

Mama, bitte hör auf! Lass uns nach Hause fahren. Es tut mir leid!

Wie bitte? Sabine lächelte. Hab ich nicht richtig verstanden?

Entschuldige, Mama. Es tut mir leid. Ich war so blöd. Ich will nicht mehr so sein. Versprochen.

Ein Triumph? Vielleicht. Aber Sabine war nun mal Mutter und das Weinen ihrer Tochter ließ sie sofort weich werden. Sie breitete die Arme aus, und Klara fiel ihr um den Hals.

Schon gut, mein Schatz. Wir fahren jetzt heim und kochen was richtig Leckeres. Hilfst du mir?

Klara nickte heftig an der Schulter ihrer Mutter.

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Homy
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