Zehn Jahre Ehe ist das viel oder wenig? Genau so lange lebte Charlotte mit Tobias zusammen. Sie galten im Freundeskreis als das perfekte Paar, doch dann wurde Charlotte schwanger.
Ihre Wege kreuzten sich gleich nach dem Studium. Sie waren nicht lange zusammen, als sie beschlossen, zusammenzuziehen und zu heiraten. Tobias hatte von Anfang an klargestellt, dass er keine Kinder wollte. Jahrelang verhütete Charlotte, aber eines Tages versagten die Mittel. Sie hielt den positiven Schwangerschaftstest in der Hand: zwei Streifen.
Charlotte wusste nicht, wie sie es ihrem Mann beibringen sollte. Heimlich ging sie zur Frauenärztin, machte alle Untersuchungen und einen Ultraschall, um sicherzugehen, dass es dem Baby gutging. Schließlich gestand sie Tobias die Wahrheit. Er wurde sofort wütend so hatte Charlotte ihn noch nie gesehen. Er bestand darauf, dass sie abtreibt. Tobias warnte sie sofort: Wenn sie sich weigert, reicht er die Scheidung ein.
Charlotte traf ihre Entscheidung ganz bewusst: Sie behielt das Kind. Bereits am nächsten Tag packte Tobias seine Sachen und verließ die gemeinsame Wohnung in München. Charlotte dachte, er hätte sich einfach abgesetzt, doch in Wirklichkeit beobachtete er jeden ihrer Schritte. Sogar vor der Praxistür zum Ultraschall wartete er und bekam mit, dass es Zwillinge sein würden. Im Krankenhaus, nach der Geburt, suchte er einen Termin bei den Ärzten, um die Kinder kennenzulernen. Doch den Mut, Charlotte gegenüberzutreten, hatte er nicht gleich.
Eines Tages beichtete eine Krankenschwester Charlotte, dass ihr Mann regelmäßig die Zwillinge besuchte. Charlotte war erleichtert, ließ sich dies aber nicht anmerken. Und eines Abends stand Tobias vor ihr:
Charlotte, es tut mir leid. Bitte lass mich alles erklären. Ich war drei Jahre alt, als ich zuletzt mit meiner Mutter zusammen war. Sie war damals schwanger aber das hielt meinen Vater nicht davon ab zu gehen. Die Geburt begann viel zu früh. Es war sehr schwer… meine Mutter starb. Ich wuchs allein auf… meine Zwillingsbrüder starben nur einen Tag nach ihr. Damals schwor ich mir, nie selbst Vater zu werden nicht um diesen Preis.
Charlotte konnte ihre Tränen nicht zurückhalten und fiel Tobias in die Arme. Sie empfand tiefes Mitleid mit ihm, da er durch diese Begegnung an seine schreckliche Vergangenheit erinnert worden war. Nach diesem Gespräch versöhnten sie sich langsam und begannen, wieder gemeinsam zu leben jetzt aber zu viert.
Die Jahre vergingen und Charlotte und Tobias waren sich immer noch so nah wie am ersten Tag. Alles, was sie je gebraucht hatten, um vollkommen glücklich zu sein, waren ihre zwei Kinder.





