Die Bitte der Nachbarin
Na, guck mal einer an, der große Prinz! Was denkst du, bist du ein besonders seltenes Exemplar oder ein Mann von außergewöhnlicher Schönheit? Ein ganz normaler Dorfjunge bist du! Und deine Frisur sieht so aus, als hätte dich jemand daheim mit der Maschine geschoren, das sieht man sofort. Deine Sneakers kosten vielleicht dreißig Euro und das T-Shirt zehn. Das Auto ist alt, schon lange nicht mehr im Trend, vermutlich baugleich mit meinem ersten. Hoffentlich fällt das Teil nicht unterwegs auseinander. Und ehrlich, du riechst nach Pferdeschweiß! sagte Sonja schnippisch und betrachtete den Bräutigam.
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Sonja schleppte müde eine große Tasche und einen riesigen Industriesauger hinter sich her mit dem brachte sie alte Polstermöbel wieder in einen halbwegs ordentlichen Zustand.
Von Millionen zu träumen war leicht, doch sie zu verdienen war viel schwerer. Die Präsentationen und Werbeprospekte des kleinen Geschäfts malten rosige Aussichten und versprachen Euro, aber am Ende ging es darum, von Haustür zu Haustür zu ziehen und abgenutzte Schätze zu reinigen.
Sie verdiente mit Mühe und Rückenschmerzen: Der Rücken wollte nicht mehr, die Beine taten jeden Schritt weh. Und nach drei Stunden schrubben hatte sie kaum mehr im Portemonnaie.
Hätte ich nur weiterhin in der Klinik die Böden geputzt, murmelte Sonja. Wozu habe ich mich wohl in dieses komische Business gestürzt?
Vor ein paar Monaten war sie noch Reinigungskraft in einer Intensivstation gewesen, freute sich über ihre Sozialversicherungszeiten und die festen Monatsgehälter. Nun musste sie sich auf sich selbst verlassen krank sein gab es nicht, Lohnfortzahlung auch nicht. Was sie verdiente, blieb ihr, nur den Preis bezahlte sie: Jeden Tag schuften, um Kunden kämpfen, für jeden alten Sessel fast einen Krieg führen.
All diese trüben Gedanken erzählte Sonja ihrer jüngeren Schwester, Annika, als sie sie besuchte.
In Annikas Wohnung war es laut: Die Kinder jagten um einen kleinen Hund, ihr Mann Uwe saß im Wohnzimmer und schaute Fußball.
Annika zog Sonja in die Küche, in der es lecker nach Frikadellen und gedünstetem Kohl roch, und war am Herd beschäftigt.
Wasch dir die Hände und setz dich, sagte Annika. Magst du Frikadelle mit Kartoffelpüree oder mit Kohl?
Mit beidem, meinte Sonja und ließ sich mit einem wohligem Seufzer auf einen Stuhl fallen. Sie streckte die Beine:
Es ist so schön bei euch Manchmal beneide ich dich, Schwesterherz. Du hast einen Mann, Kinder, eine sichere Arbeit und du schaffst das alles. Sogar ein leckeres Abendessen bekommst du nebenbei hin.
Ach, das war keine Kunst, lachte Annika und stellte Sonja den Teller hin. Die Frikadellen haben Uwe und ich am Wochenende gemacht, eingefroren und heute nur aufgetaut. Kartoffeln schälen, Kohl schneiden fünfzehn Minuten. Ich teile mir meine Zeit gut ein, bei einer großen Familie bleibt mir nichts anderes übrig. Und wie läufts bei dir mit deiner mobilen Polsterreinigung?
Sonja seufzte:
Frag nicht, es läuft miserabel. Ich schleppe diese Geräte, den Sauger und Koffer voller Reinigungsmittel. Nachts tut mir alles weh, morgens kann ich mich kaum aufraffen, meine Knochen schmerzen. Und tagsüber muss ich um jeden Auftrag kämpfen, die Möbel sind immer total versifft und die Kunden erwarten Wunder. Außerdem ist mein Sauger so laut, als würde er die Wände einreißen das Brummen steckt mir noch in den Ohren.
Aber die Bezahlung ist bestimmt gut, meinte Annika und nippte am Tee.
Sonja verzog das Gesicht:
So viel, wie ich rumschleppe, werde ich trotzdem nicht reich. Der Job ist nichts für mich.
Schon wieder? Annika schüttelte den Kopf. Du bist wirklich schwer zufrieden zu stellen. Wie oft hast du jetzt schon die Arbeit gewechselt? Dir passt nie irgendwas! Ganz ehrlich, hör auf, nach dem schnellen Geld zu suchen, und arbeite lieber ordentlich und beständig. Dann wirds im Leben auch was.
Du hast leicht reden, Annika, bist ja kaum je richtig gearbeitet ständig in Elternzeit! Du bist nie so müde wie ich. Außerdem habt ihr eure Wohnungen günstig bekommen, als die Preise noch normal waren, und auch noch mit Förderung. Und Uwe hat sogar eine geerbt! Und ich? Muss fremden Leuten für die Miete mein restliches Geld geben! Alle denken, ich hätte eine reiche Schwester, aber helfen tut sie mir nicht.
Annika blinzelte:
Reiche Schwester? Meinst du das ernst, Sonja? Ich habe drei Kinder, wir kommen gerade so hin! Jedes Kind muss angezogen und gefüttert werden! Und du? Du lebst allein, hast keinen großen Aufwand.
Ach, hör auf, Sonja sprang vom Tisch auf, Tränen stiegen ihr in die Augen. Ihr habt zwei Wohnungen, ich keine. Teilen hättet ihr können!
Sie raffte sich auf, zog eilig den Mantel über.
Warte, ich helfe dir das Zeug runterzutragen, meinte Annika.
Uwe hatte das Gespräch mitbekommen, trat in den Flur und sah die Schwestern vorwurfsvoll an:
Hätte nie gedacht, so viel Neid von dir zu hören.
Später, sie ist neben sich, sagte Annika schnell, hakte sich unter Sonjas Arm und drängte zur Tür.
Nein, Annika, geh bitte zurück. Ich komme schon klar, antwortete Sonja und machte sich alleine auf den Weg.
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Draußen war es frisch, der Regen hatte gerade aufgehört. Sonja und Annika gingen wortlos über den nassen Asphalt, beide schwer bepackt.
Sonja ärgerte sich im Stillen, dass sie vor ihrer Schwester und Uwe die Fassung verloren hatte. Annika jedoch wusste, dass Uwe ihr Weggehen übelnehmen würde, aber sie konnte ihre Schwester nicht einfach hängen lassen.
Sonja, du solltest mal heiraten, überlegte Annika laut. Du bist jetzt fünfunddreißig, vielleicht solltest du dich mal auf einen Mann einlassen?
Sonja schüttelte den Kopf, ihre braunen Locken wippten:
Wer nimmt mich denn noch? Ohne Ausbildung, ohne Eigentum und ohne Perspektive. Nicht mal einen Verehrer habe ich.
Ich kann ja mal mit Uwe sprechen, wir schauen in seiner Verwandtschaft. Da sind einige unverheiratete Cousins vielleicht ergibt sich ja was. Ich ruf dich morgen an.
Sonja zögerte, zu sagen, dass sie eigentlich viel lieber mietfrei in der geerbten Wohnung von Uwe wohnen würde als einen seiner Cousins kennenzulernen. Sie konnte Uwes Familie eh nicht leiden.
Die Wohnung teilte Sonja mit einer alleinstehenden, älteren Frau, Brigitte. Beim Eintreten verzog Annika das Gesicht:
Hier riecht es aber seltsam?
Sonja winkte ab:
Ach, Brigitte hat gestern Fisch gegessen und den Müll nicht runtergebracht. Es ist nicht leicht, mit jemand Fremdem zu wohnen da sind immer Kompromisse nötig
Kurz entschlossen holte Annika den überfüllten Mülleimer aus dem Schrank.
Das hätte man doch beim Weggehen mitnehmen können, bemerkte sie und schnürte den Müllbeutel zu.
Ja, aber ich schleppe doch morgens nicht die stinkenden Tüten durchs ganze Haus. Wenn Brigitte keine Fischgräten wegschmeißt, riechts auch nicht so!
Annika nahm den Müll raus, während Sonja den Wasserkocher anstellte.
Kurz darauf hörte sie Stimmen auf dem Flur.
Ich bin verheiratet und lerne niemanden kennen, wehrte Annika ab.
Sie tragen keinen Ring. Ihre Schwester vielleicht? tönte eine freundliche Männerstimme.
Sie werden es nicht glauben, ich habe tatsächlich eine Schwester! rief Annika fröhlich.
Sonja kam in den Flur, wo Annika mit einem freundlichen, jungen Mann stand, der im selben Haus wohnte.
Oh, das ist also Ihre Schwester? Sie sehen sich gar nicht ähnlich, sagte er unsicher.
Annika, betont sachlich:
Werden Sie sich nun vorstellen?
Der Nachbar machte sich klein. Annika schloss die Wohnungstür.
Sonja guckte verständnislos:
Wer war das denn?
Keine Ahnung. Ist wohl einfach mit rausgelaufen. Aber du siehst: Männer laufen euch hier in der Bude hinterher, wenn du nur raus gehst.
Annika lüftete die Fenster:
Viel Staub hier, Sonja. Nimm die Gardinen ab und wasch sie mal! Und beim Rausgehen lüftest du bitte!
Sonja sah ihre Schwester an. Wieso hing sich der Nachbar an Annika, die gar nicht auffiel? Während sie selbst ihm ein Jahr lang im Haus begegnete und er haargenau null Interesse zeigte. Seltsam.
-3-
Am nächsten Abend stand Annika wieder bei Sonja.
Sonja, wir haben mit Uwe gesprochen. In seiner Verwandtschaft gibt es einen alleinstehenden Mann. Er hat ein großes Haus auf dem Land, mit Pferden.
Pferde? wiederholte Sonja leise Ist er etwa Bauer?
Nicht direkt, er lebt halt im Dorf in der Nähe der Stadt. Züchtet als Hobby Pferde.
Wie alt ist er denn?
Gerade vierzig geworden. Noch nie verheiratet, trinkt nicht, raucht nicht. Sehr bodenständig, sucht Familie. Aber auf dem Dorf gibt es kaum Frauen, und zum Daten bleibt ihm keine Zeit.
Da sprang Sonja auf, stampfte mit dem Fuß:
Meint ihr das ernst?! Der ist älter als ich und vom Dorf! Was soll ich mit so einem Kandidaten?
Annika warf die Arme hoch:
Wen willst du denn sonst? Die Städter hattest du genügend Zeit zu finden. Aber du bist immer noch allein. Städter sind wählerisch. Sergej ist zumindest bemüht.
Sergej auch noch! Tolle Auswahl.
Sonja schlug auf den Tisch:
Weißt du was? Lass mich bloß in Ruhe mit deinen Vermittlungen!
Ich wollte doch nur helfen, wurde Annika sauer. Arbeiten willst du nicht, heiraten auch nicht. Dann lauf halt noch ein paar Jahre so weiter.
Annika packte und ging. Sonja sah ihr nicht nach.
Na klasse, sehr geholfen. Findet mir so einen alten Bauerntrampel
Brigitte, die Mitbewohnerin, humpelte herein.
Hallo Sonja, ich habe zufällig euer Gespräch mitgehört. Sag mal, wie wärs denn, wenn ich diesen Mann mal kennenlerne? Ich habe ein Faible für Pferde!
Sie lächelte, ihre Wangen glühten. Sonja hielt die Luft an:
Pferde? Wahrscheinlich meinst du Pferdewurst! Du hast wohl den Verstand verloren, so etwas zu fragen auf fremde Männer scharf zu sein, pfui!
Sie warf Brigitte raus, doch an Schlaf war nicht zu denken. Es wurde ihr klar: Es ist Zeit, endlich selbst ein Leben aufzubauen. Aber auf dem Dorf leben? Nein. Ihr Platz war in der Stadt.
Vielleicht hörte dort jemand im Himmel ihre Klage
-4-
Am nächsten Tag kam Sonja schon um fünf nach Hause, erschöpft, kaum noch Kunden heute.
Kaum war sie in der Wohnung, stand ein Mann im Flur.
Sonja? Sie sind sicher Sonja?
Ein recht gut aussehender Kerl, dunkle Augenbrauen, interessierter Blick.
Sergej, ich bin ein Verwandter von Uwe. Entschuldigen Sie meinen spontanen Besuch, ich wollte Sie persönlich treffen.
Aus der Küche kam Brigitte und strahlte:
Sei nicht böse, Sonja, ich habe ihn reingelassen. Man kann einen Gast doch nicht draußen stehen lassen.
Sonja war vollkommen überrumpelt.
Wer hat Ihnen meine Adresse gegeben?! rief sie. Ach, bestimmt Uwe. War ja klar.
Sergej lächelte und musterte sie.
Also, bei Ihnen ist ja echt was los.
Sonja fühlte Wut in sich aufsteigen.
Verlassen Sie sofort meine Wohnung. Ich will von Ihnen nichts hören!
Sergej hob eine Braue, Brigitte schnappte ihn sich:
Sonja, die Hälfte der Wohnung gehört mir, ich zahle auch Miete. Sergej kann bleiben. Wir machen es uns in der Küche gemütlich.
Sonja ließ nach, ihre Wut ebbte langsam ab.
Oha, Sie sind aufbrausend, lachte Sergej. Ich wollte Sie eigentlich ins Restaurant einladen.
Sonja zuckte die Schultern:
Restaurant? Na, dann lad halt ein. Nur klar: Bezahlen darfst du, ich hab kein Geld übrig. Keine halbe-halbe-Spielchen!
Sergej fuhr einen älteren Wagen, Sonja stieg zögernd ein:
Ist der wirklich deiner? Kannst du überhaupt in der Stadt fahren?
Natürlich, grinste Sergej. Warum, weil ich vom Dorf bin? Ich kenne die Stadt bestens, aber leben möchte ich hier nicht.
Die Fahrt ging quer durch die Stadt, bis an den Stadtrand, zu einem kleinen Rasthof an einer Tankstelle.
Sonja schaute belustigt:
Das soll ein Restaurant sein?
Sergej lachte:
Nun, du trägst auch kein Ausgeh-Outfit, also tun wir uns keinen Zwang an. Lass uns was Gutes aussuchen, die Küche ist echt nicht schlecht. Und besser als trockene Kekse mit ungesüßtem Tee wie bei Brigitte eben.
Sie aßen ordentlich, vor allem Sonja schlug zu. Danach verlangte sie die Heimfahrt.
Im Auto musterte Sergej sie:
Sie sind ganz anders als Frauen, mit denen mich sonst alle verkuppeln wollen.
Sonja gähnte:
Was denn? Weniger schön? Zu alt?
Nein, anders im Wesen. Normalerweise bemühen sich Frauen, mir zu gefallen, Sie hingegen sagen frei geradeheraus, was Ihnen passt.
Na, du bist doch kein besonderer Prinz. Ein normaler Typ vom Land. Selbst der Haarschnitt wirkt nach Selbermachen aus. Deine Sneakers vielleicht dreißig Euro, das T-Shirt zehn. Dein Auto alt, total unmodern. Und du riechst nach Pferd.
Das mit dem Geruch war gelogen es fiel ihr nur spontan ein.
Sie war nicht angeschnallt und bei der Vollbremsung hätte sie fast auf dem Armaturenbrett gelegen.
Pass doch auf! rief sie. Ich bin doch keine Ladung Holz!
Sergej fuhr an den Straßenrand.
Bitte aussteigen, meine Dame. Für Sie ist die Fahrt hier zu Ende.
Sonja protestierte:
Sag mal, spinnst du? Fährst extra mit mir hierhin und willst mich jetzt stehen lassen! Bring mich gefälligst zurück!
Grimmig fuhr Sergej weiter stumm bis zum Haus. Sonja fühlte sich plötzlich schuldig.
Entschuldige, ich bin halt direkt. Aber du hättest dich ein bisschen netter anziehen können, wenn du ernsthaft Interesse hast. Man sagt doch: Der erste Eindruck zählt.
Er hielt am Haus, Sonja stieg aus, beschämt. Sie spürte, sie wollte ihn nicht verlieren.
Als sie nach Hause kam, saß Brigitte da:
Na, wie wars im Restaurant?
Gar nicht, murmelte Sonja.
Ihr habt euch gestritten? Sag Bescheid, falls du ihm überdrüssig bist ich finde ihn recht attraktiv!
Da kochte Sonja:
Der gehört mir! Finger weg!
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Seitdem konnte sie nicht mehr zur Ruhe kommen. Sergej ging ihr nicht mehr aus dem Kopf.
Plötzlich gefiel ihr alles an ihm sein Aussehen, sein Humor, seine leicht grantige Art. Leider kam sie spät dahinter.
Zwei Tage darauf traf sie ihn wieder: Sergej trank Tee mit Brigitte in der Küche.
Guten Tag, Sonja, grüßte Sergej höflich.
Aber zu höflich, er wandte sich gleich Brigitte zu. Das konnte Sonja nicht dulden.
Sonja setzte sich dazu, scherzte, lachte, war das erste Mal in ihrem Leben wirklich charmant.
Brigitte wurde rasch zur dritten im Bunde, hielt dem Konkurrenzkampf nicht stand, zog sich leise zurück.
Sergej und Sonja blieben allein.
Die Minuten dehnten sich. Sergej musste irgendwann zur Arbeit versprach, am Abend wiederzukommen.
Ich warte auf dich, hauchte Sonja.
Er küsste sie intensiv nun war alles ernst.
***
Nach seinem Aufbruch duschte Sonja, hörte Brigitte die Tür ins Schloss ziehen. Im Bademantel kam sie aus dem Bad.
Wo warst du die ganze Nacht? fragte Sonja lächelnd.
Brigitte stand mit einem großen Rosenstrauß strahlend da.
Ach, eine Überraschung? Hast du dir selbst Blumen gekauft?
Nein, ich habe sie bekommen.
Wer schenkt dir schon Blumen? spottete Sonja.
Brigitte lächelte selbstbewusst Sonja war irritiert, sie konnte das Gefühl eines leichten Triumphes in Brigittes Blick nicht übersehen.
***
Von der Liebe ganz übermannt, fiel Sonja ihre Schwester wieder ein. Sie besuchte Annika.
Setz dich, bat Annika.
Uwe ist bestimmt sauer, oder?
Ach was, winkte Annika ab. Er hat sich längst beruhigt, ist an deine Art gewöhnt. Ich habe ihm erklärt, dass wir unsere Dinge allein regeln.
Sonja wollte keinen Tee, sprudelte direkt los:
Annika, ich weiß nicht, wie ich euch danken soll. Der Sergej ist wirklich ein toller Kerl, wir haben uns ineinander verliebt!
Annika staunte nicht schlecht:
Was? Und wie habt ihr euch so schnell kennengelernt?
Na, ihr habt ihm doch meine Adresse gegeben, oder nicht?
Annika schüttelte irritiert den Kopf:
Eigentlich, ja. Aber soweit ich weiß, hat Sergej dich gar nicht aufgesucht. Er trifft sich jetzt mit einer anderen, die er sogar mitgebracht hat sie heißt Brigitte.
Sonja runzelte die Stirn:
Wie bitte? Sergej war in der letzten Nacht bei mir Sag mal, wie sieht diese Brigitte aus?
Klein, unscheinbar, humpelt leicht.
Sonja stöhnte auf:
Das ist doch meine Mitbewohnerin!
Annika runzelte die Stirn:
Echt jetzt? Dann müssen wir uns die beiden genauer ansehen!
Gemeinsam fuhren sie zu Sonjas Wohnung.
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Annika und Brigitte erkannten sich sofort wieder.
Brigitte gestand:
Ja, ich habe euren Gespräch belauscht und gedacht, dass Sergej eine gute Partie für mich wäre. Alter, Dorf egal Hauptsache, ein guter Mensch.
Und während Sonja blöd guckte, führte ich mein eigenes Spiel. Sergej hat sich Sonjas Adresse geholt, sie war nicht zuhause. Ich habe nicht gezögert und ihn zum Kaffee eingeladen.
Sonja wurde unruhig.
Wie konnte Sergej sich eigentlich mit uns beiden zeitgleich abgeben?
Brigitte zuckte die Achseln:
Dein Sergej ist ein anderer! Mein Cousin, auch Sergej, spielte den Landei, damit ich mit meinem Sergej in Ruhe ausgehen konnte.
Da platzte Sonja der Kragen:
Du bist ja eine schlimme Schlange!
Annika bremste sie:
Hör auf. Der eine Sergej ist weg bleibt offen, mit wem du eigentlich zusammen bist
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Am selben Abend kam Sergej nicht mehr. Brigitte schien ihn rechtzeitig gewarnt zu haben.
Er antwortete auch nicht mehr auf Anrufe.
Nach ein paar Tagen verkündete Brigitte, sie werde ausziehen.
Ich ziehe zu meinem Verlobten aufs Land, verkündete Brigitte. Großes Haus, Hof, Pferde mein Traum.
Sonja seufzte schwer:
Sag mal, wie finde ich deinen Bruder?
Brigitte schwieg.
Sonja flehte:
Brigitte, hilf mir. Ich würde ihm alles verzeihen, egal! Ich will nur noch ihn.
Brigitte schloss ihren Koffer, seufzte:
Tut mir leid, Sonja. Dein Sergej ist verheiratet. Haufenweise Frauen fallen darauf rein… Mein Rat: Vergiss ihn.
Sonja schnappte nach Luft:
Doppelt hintergangen!
Tja, du warst auch nicht gerade freundlich zu mir, sagte Brigitte mit kühler Zufriedenheit. Jetzt sind wir quitt. Machs gut.
Sie zog ihren Koffer zur Tür, Sonja packte plötzlich ihre Haare und ein lauter Streit entbrannte im Flur. Da klopfte es an der Tür.
Brigitte ließ sofort los und öffnete.
Oh, Sergej. Alles gepackt!
Sonja stand da, klopfte sich den Staub von der Kleidung, blickte Sergej an freundlich, sympathisch, aber für sie unerreichbar.
Der Zug war abgefahren.
Guten Tag, nickte Sergej ihr zu und wandte sich liebevoll an Brigitte.
Gemeinsam räumten sie die Koffer ins Auto.
Beim Blick aus dem Fenster sah Sonja voller Schmerz, wie Sergej Brigitte einen Kuss gab und sie auf den Beifahrersitz setzte.
Jetzt überkam Sonja tatsächlich Neid. Sie trat zurück.
Allein kann ich die Miete nicht zahlen, murmelte sie, werde wohl ausziehen müssen. Vielleicht Zeit, wieder zurück zu Mama aufs Dorf zu gehen. In der Stadt gibts für mich wohl nichts mehr zu holen
Das Leben lehrt: Wer immer nur nach dem schnellen Glück und Vorteil sucht, verliert vielleicht am Ende viel mehr aufrichtige Beziehungen und echte Chancen. Manchmal öffnet sich das Herz für die Liebe genau dann, wenn man endlich auch anderen ihr Glück gönnt.




