Spiegel der Stärke
Jens, was machst du da? Der Klang von Katharinas Stimme kommt ihr selbst fremd vor zu hoch, zu brüchig.
Er dreht sich erst gar nicht um. Lehnen am Bartresen, die Hand an der Hüfte dieser Frau. Groß, mit kurzem Haarschnitt, Lederjacke. Sie flüstert ihm etwas ins Ohr, er lächelt. So wie er längst nicht mehr bei Katharina gelächelt hat.
Jens! Jetzt ist ihre Stimme lauter.
Da wendet er sich um. Zuerst sieht er überrascht aus, dann genervt. Als hätte sie ihn bei etwas Bedeutendem gestört.
Kathrin, was machst du denn hier?
Wie, was? Du hast doch selbst gesagt, ich soll um halb neun kommen, ich habe deinen Auftrag aus der Reinigung geholt. Dachte, wir treffen uns
Die Frau an seiner Seite tritt einen Schritt zurück, wirkt jedoch nicht ängstlich, eher neugierig. Sie mustert Katharina von oben bis unten. Mit langem, forschendem Blick. Katharina spürt plötzlich ihre abgetragene Lammfelljacke, die abgewetzte Schultertasche, den Ansatz grauer Haare, den sie schon so lange überfärben wollte.
Birte, das ist meine… Ehefrau, Jens spricht dieses Wort als entschuldige er sich. Kathrin, lass uns bitte nicht hier…
Nicht hier? Ihr eigener Tonfall überrascht sie. Und wo dann? Du tauchst zu Hause um zwei Uhr nachts auf, bist morgens gleich wieder weg, hebst das Handy nicht ab
Birte schmunzelt. Nicht hämisch, eher mit Verständnis. Das ist schlimmer als Verachtung.
Jens, vielleicht redet ihr einfach? schlägt Birte leise vor. Ich warte draußen.
Nein, bleib, sagt Jens und nimmt ihre Hand. Einfach so, vor Katharina. Kathrin, ich dachte, du hättest es verstanden. Ich sagte es doch letzten Donnerstag. Birte und ich…
Da warst du betrunken! Ich dachte, du hast nur so dahergeredet…
Ich war nüchtern. Ich meinte jedes Wort.
Katharina erinnert sich an diesen Abend. Er kam spät, sie wärmte das Abendessen auf. Er sagte, er sei erschöpft, das Leben rausche vorbei, er wolle… Sie hörte nicht richtig zu. Dachte, es seien wieder nur seine üblichen Klagen. Das Alter, die Krise, das kommt bei Männern eben. Geht vorüber.
Achtundzwanzig Jahre, Jens. Achtundzwanzig.
Eben, sagt er und atmet schwer. Deshalb will ich den Rest anders leben.
Birte legt ihm besitzergreifend die Hand auf die Schulter. Selbstsicher. Katharina starrt diese Hand mit dem schlichten Lederarmband an, sieht die kurz geschnittenen, unlackierten Fingernägel und spürt, wie in ihr alles kippt.
Geh nach Hause, Kathrin, sagt Jens müde. Morgen komme ich vorbei, wir klären das.
Nein.
Sie selbst wundert sich über dieses entschlossene Nein. Sie setzt einen Schritt auf Birte zu. Schiebt sie unsicher, fast schon verzweifelt an der Schulter.
Was bist du eigentlich für eine? Schlampe!
Alles passiert in Sekundenschnelle. Birte fängt Katharinas Arm ab, dreht sie an sich, hält sie am Tresen fest. Nicht schmerzhaft, aber fest. Sehr fest. Katharina versucht sich zu befreien, aber ihr Körper gehorcht nicht. Ihr Arm wird taub, in der Schulter zieht es scharf.
Lass sie los, murmelt Jens.
Birte öffnet ihre Hand. Katharina weicht zurück, reibt ihr Handgelenk. Alle im Lokal starren. Der Barkeeper, zwei Männer am Nebentisch, die Bedienung mit dem Tablett. Sie alle schauen sie an. Diese traurige, verlorene Frau im alten Mantel, die nicht einmal die Kraft hatte, ihre Nebenbuhlerin wirklich zu schlagen.
Entschuldigung, sagt Birte ruhig. Reflex. Wollte ich nicht.
Katharina dreht sich wortlos um und geht Richtung Ausgang. Schnell, stolpernd. Tränen schnüren ihr die Kehle zu, doch sie hält sie zurück. Nicht vor ihnen. Erst draußen, in der kalten Dezembernacht, lehnt sie sich an die Wand neben dem Eingang und lässt die Tränen laufen.
Dicke Schneeflocken fallen. In der Fensterscheibe der Bar spiegeln sich Weihnachtslichter. Passanten eilen an ihr vorbei, ihre Schals ins Gesicht gezogen. Niemand sieht hin zu der weinenden Fremden. In Berlin beachtet das keinen.
Nach Hause hat sie einen langen Weg. U-Bahn, Bus, dann ein Stück zu Fuß durch die vertrauten Siedlungen. Die Wohnung liegt im Dunkeln. Sie knipst kein Licht an. Zieht den Mantel in der Diele aus und lässt sich in den Klamotten aufs Bett fallen.
Jens erscheint weder am nächsten noch am darauffolgenden Tag. Drei Tage später ruft er an. Knapp, sachlich. Sagt, er holt seine Sachen am Wochenende, sie kann die Wohnung behalten, er zahlt weiterhin Unterhalt. Als wäre es eine geschäftliche Angelegenheit.
Katharina hört zu, nickt, obwohl er es nicht sehen kann. Danach legt sie auf und legt sich wieder hin. Eine Woche vergeht. Dann noch eine.
Ihre Freundin Sabine meldet sich täglich.
Kathrin, das reicht jetzt. Raus hier. Lass uns wenigstens spazieren gehen.
Keine Lust.
Isst du denn wenigstens was?
Klar.
Gelogen. Katharina isst fast nichts. Trinkt Tee mit Zwieback, ab und zu Fertigsuppe. Schon bei dem Gedanken an Essen verkrampft sich ihr Magen.
Sie hängt ewig in sozialen Netzwerken. Findet BIRTEs Profil. Fotos im Fitnessstudio, in den Alpen, auf dem Motorrad. Selbstbewusste Bildunterschriften: Training, Wochenende, Neue Herausforderung. Auf einem Foto steht Birte mit Boxhandschuhen im Ring. Unter den Posts begeisterte Kommentare.
Katharina liest alles, scrollt zurück bis zu Einträgen von vor fünf Jahren. Sucht einen Makel, eine Schwäche, irgendetwas, woran sie sich festhalten kann. Findet nichts.
Eines Abends sieht sie einen Beitrag über Birtes Job. Sie ist Trainerin Selbstverteidigung und MMA für Frauen. Auf einem Foto steht sie neben einem Plakat: Zentrum für Kampfsport ARAXIS. Frauengruppe. Anfängerinnen willkommen.
Katharina starrt lange auf das Bild. Dann legt sie das Handy weg und blickt in den Spiegel gegenüber vom Bett.
Aufgedunsenes Gesicht, stumpfes Haar, tiefe Augenringe. Achtundfünfzig Jahre. Ein Körper, der längst unwichtig geworden ist. Der einfach funktioniert, das Einkaufen erledigt, abwäscht und Hemden bügelt.
Wann hat sie das letzte Mal bewusst an ihren Körper gedacht? Nicht daran, ob der Rücken schmerzt, die Schuhe drücken oder ein Arzttermin naht. Gewissenhaft an ihn gedacht. Wie er bewegt, spürt, lebt.
Sie kann sich nicht erinnern.
Birte hat nicht gewonnen, weil sie jünger oder hübscher ist, sondern weil sie stärker ist. Physisch stärker. Hielt Katharinas Arm auf, als wäre es eine Fliege.
Reflex, hat sie damals gesagt.
Ein Reflex eines Körpers, der sich wehren kann. Der trainiert ist. Der keine Angst kennt.
Katharina steht auf, geht ans Fenster. Draußen leuchten die Lampen im Hof. Ein Junge fährt, trotz Kälte, auf dem Roller. Seine Mutter ruft ihn vom Hauseingang aus.
Das normale Leben geht weiter.
Ihr eigenes Leben endete an jenem Abend in der Bar. Die Katharina, die auf ihren Mann mit warmem Abendessen wartete, die auf eine gemeinsame Rente und vielleicht Enkelkinder hoffte, gibt es nicht mehr.
Was kommt jetzt?
Sie weiß es nicht. Aber sie weiß, dass sie nicht einfach weiter im Bett liegenbleiben kann.
Am nächsten Morgen steht Katharina früh auf. Zum ersten Mal seit drei Wochen. Sie macht Rührei, trinkt Kaffee. Setzt sich an den Computer.
Sportgruppen für Anfängerinnen Berlin.
Die Liste ist endlos. Yoga, Pilates, Aqua Fitness, Tanz. Zu sanft. Sie sucht nach etwas anderem. Etwas, das ihr zeigt, wie man keine Opferrolle annimmt.
Sie tippt: Selbstverteidigung für Frauen Berlin.
Nach einer Stunde hat sie eine Liste mit fünf Studios im Reuterkiez und Tempelhof. Eins ist zwanzig Minuten zu Fuß entfernt. Heißt einfach Energie.
In der Beschreibung steht: Fitness, Boxen, funktionelles Training. Gruppen für Einsteiger. Jedes Alter.
Jedes Alter. Perfekt.
Katharina nimmt das Telefon. Schaut lange auf die Nummer. Dann wählt sie.
Sportstudio Energie, guten Tag? meldet sich eine Frauenstimme.
Hallo. Ich wollte mich erkundigen. Für Anfängerinnen.
Natürlich. Was interessiert Sie? Fitness, Boxen, Stretching?
Boxen, sagt Katharina, und wundert sich selbst.
Super! Wir haben eine Frauengruppe, dienstags und donnerstags, siebzehn Uhr. Trainerin ist Franziska. Kommen Sie gern zum Probetraining vorbei, das erste Mal ist kostenlos.
Sind da… viele Jüngere?
Die Stimme in der Leitung überlegt.
Gemischt. Bei Franziska sind Damen zwischen vierzig und fünfzig, machen Sie sich keine Sorgen. Franziska ist nicht mehr ganz jung, sie versteht das.
Danke. Ich komme Donnerstag.
Katharina legt auf. Setzt sich auf die Couch. Ihre Hände zittern. Vor Angst oder Aufregung, sie weiß es nicht.
Jens holt seine Sachen samstags. Kommt allein, räumt still seine Anzüge, Bücher, Dokumente in Kisten. Katharina steht am Fenster, schaut auf den Hof. Sie dreht sich nicht um.
Das Geld überweise ich, sagt er beim Schließen der letzten Kiste. Wenn du was brauchst, melde dich.
Muss nicht.
Kathrin…
Geh einfach.
Er verlässt wortlos die Wohnung. Die Tür fällt leise ins Schloss. Sie bleibt stehen. Dann geht sie durch die Räume. Alles wirkt größer, luftiger. Leerer.
Ob das gut oder schlecht ist, weiß sie nicht.
Donnerstagabend zieht Katharina eine uralte Trainingshose an, findet ein T-Shirt und ihre Jacke. Nimmt Wasser mit. Geht eine halbe Stunde früher los, um nicht zu spät zu kommen.
Das Studio befindet sich im Souterrain eines Altbaus. Ein schlichtes Schild, kein cooler Schriftzug. Drinnen riecht es nach Schweiß und Gummimatten. Am Eingang sitzt eine etwa Dreißigjährige mit Tablet.
Guten Abend. Sie sind zum Boxen?
Ja, ich hatte angerufen. Katharina.
Gehen Sie durch, Umkleide ist links. Franziska kommt gleich.
Drei Frauen sind schon in der Umkleide. Zwei jüngere, eine ältere. Sie schweigen beim Umziehen. Katharina streift das ausgebeulte Shirt über, fühlt sich plötzlich unsicher. Was mache ich hier? Was will ich eigentlich?
Der erste Tag? fragt die Ältere, während sie ihre Schuhe schnürt.
Ja.
Keine Bange. Franziska ist fair. Schritt für Schritt.
Katharina nickt.
Im Trainingsraum stehen etwa zehn Frauen. Unterschiedlichen Alters schlagen sie auf Sandsäcke, dehnen sich oder unterhalten sich leise.
Trainerin Franziska kommt nach wenigen Minuten. Kompakt gebaut, kurze Haare, eine Narbe über der Braue. Bestimmt fünfzig, wenn nicht mehr.
Hallo allerseits! Neue da?
Katharina hebt die Hand.
Dein Name?
Katharina.
Ich heiße Franziska. Gut, Katharina, bleib erstmal am Rand, schau zu, dann mach mit. Los, Mädels, Aufwärmen!
Die ersten dreißig Minuten sind die reinste Qual. Der Körper will nicht. Arme werden schwer, Beine stolpern. Als Franziska zeigt, wie man richtig boxt, trifft Katharina dreimal an der Pratze vorbei. Die Scham schnürt ihr die Kehle zu.
Alles okay, meint Franziska, kommt näher. Am Anfang ist das immer so. Versuchs nochmal.
Katharina haut wieder zu. Erst zaghaft, dann ein wenig fester.
Siehst du? Noch mal!
Sie schlägt weiter. Erst zaghaft, dann schneller. Der Sandsack schwingt. Der Schweiß rinnt ihr über den Rücken. Ihr Atem rasselt.
Pause, sagt Franziska. Trink was.
Katharina sinkt auf die Bank. Ihr Herz rast. Alles zittert. Aber da ist etwas Neues. Undefinierbar. Ärger? Oder Ehrgeiz?
Leben.
Nach dem Training kommt sie kaum nach Hause. Alles tut weh. Unter der heißen Dusche betrachtet sie ihre Hände, sieht die roten Knöchel, den alten blauen Fleck am Handgelenk er verheilt langsam.
Kommst du wieder? fragt Franziska in der Umkleide.
Ja, antwortet Katharina. Ich komme wieder.
Und sie kam. Dienstags. Donnerstags. Und dann jede Woche, zwei Monate lang.
Ihr Körper verändert sich allmählich. Erst merkt sie nur, dass sie morgens keine Schmerzen mehr hat. Dann wird sie leichter auf den Beinen. Schließlich steigt sie ohne Mühe in den fünften Stock. Sie sieht plötzlich, dass ihr Bauch straffer geworden, ihre Arme kräftiger sind.
Aber das Entscheidende verändert sich innen.
Sie denkt nicht mehr ständig an Jens. Oder zumindest nicht mehr so. Nicht mit Selbstmitleid, nicht mit Wut. Mit Ruhe. Wie an einen Teil der Vergangenheit. An eine Jahreszeit, einen alten Film.
Sabine fällt der Wandel auf.
Du hast abgenommen, sagt sie im Café. Und wirkst anders.
Gehe ins Studio.
Wirklich? Du?
Ich.
Sabine lacht, dann wird sie ernst.
Entschuldige. Ich hätte nie gedacht… Sport war ja nie deins.
Ich habe vieles gesagt.
Eine Pause. Sabine rührt in ihrem Kaffee.
Hat Jens sich nochmal gemeldet?
Nein.
Ich habe gehört, er lebt mit… Birte zusammen.
Weiß ich.
Und?
Katharina überlegt. Ist es ihr egal? Nein, nicht ganz. Es schmerzt noch immer. Tut weh. Manchmal wacht sie nachts auf, in dem viel zu großen Bett und weiß nicht, was los ist. Dann erinnert sie sich.
Aber es tut nicht mehr so weh. Es ist ein heilender Schmerz, wie ein blauer Fleck, der langsam vergeht.
Es ist nicht mehr wichtig, sagt sie ehrlich. Aber ich kann leben.
Der Frühling kommt schnell. Der Schnee schmilzt in einer Woche, alles riecht nach Wasser und Sonne. Katharina läuft jetzt zu Fuß zum Training, vierzig Minuten hin und zurück. Franziska nickt anerkennend.
Gehen ist gesund. Gutes Ausdauertraining.
Im März, nach dem Training, fragt Franziska:
Du hast echt Fortschritte gemacht. Willst du mal Sparring versuchen?
Was?
Locker. Mit Helm, allem. Nur Gewöhnung an echte Gegner, nicht Sandsäcke.
Katharina hat Angst, nickt aber.
Versuchs.
Erster Sparring mit einer Älteren: Ute. Sie ist zwei Jahre dabei, fünfzig. Sie trifft präzise, ruhig, nicht hart, aber bestimmt.
Katharina kassiert ein paar Körpertreffer, einmal auf die Schulter. Weicht nicht gut aus, verkrampft. Aber dann passiert es: Sie blockt rechtzeitig und trifft zurück.
Ute lacht.
Gut gemacht!
Katharina setzt sich auf die Bank, nimmt den Helm ab. Die Hände zittern nicht vor Angst, vor Begeisterung. Sie hat bestanden. Sie kann reagieren.
Super für deinen ersten Versuch, lobt Franziska später.
Ich hatte Schiss.
Ging uns allen so. Aber du hast’s durchgezogen.
Katharina fragt:
Warum hast du eigentlich damit angefangen, Franziska? Boxen, Frauen trainieren?
Franziska zuckt mit den Schultern.
Längere Geschichte. Kurzfassung: Mein Ex hat mich geschlagen. Lange. Bis ich gelernt habe, zurückzuschlagen. Hab mich getrennt, das Training angefangen. Seitdem will ich, dass andere Frauen nicht so lange warten müssen wie ich.
Katharina sagt eine Weile nichts.
Auch bei dir eine Geschichte? fragt Franziska.
Ja. Mein Mann hat mich nicht geschlagen. Er ist einfach gegangen.
Tut auch weh.
Sehr, sagt Katharina. Wird aber besser.
Franziska nickt. Klopft ihr auf die Schulter.
Dauert. Aber heilt.
Im April geht Katharina zum ersten Mal seit einem halben Jahr zum Friseur. Färbt sich die Haare, lässt sich schneiden. Kauft eine neue Jacke, Jeans, Sneakers. Nicht teuer. Aber neu. Für sie.
Jens überweist den Unterhalt jeden Monat, wie vereinbart. Sie hebt das Geld auf. Für irgendetwas. Sie weiß noch nicht, für was.
An einem Abend nach dem Training betritt sie das Einkaufszentrum an der Ecke, um Wasser zu kaufen. Steigt die Rolltreppe hoch. Und sieht sie.
Birte steht vor dem Sportgeschäft, allein. Schaut sich Jacken an. Sie sieht aus wie damals. Ruhig, souverän.
Katharina bleibt stehen, Herzklopfen. Die alte Angst, der alte Schmerz steigen auf. Am liebsten würde sie gehen.
Aber sie bleibt.
Geht Schritt für Schritt auf Birte zu.
Birte schaut auf und erkennt sie sofort. Ihr Gesicht wird wachsam.
Katharina?
Hallo.
Sie stehen sich gegenüber. Erst schaut Birte weg, dann wieder hin.
Wie gehts? fragt sie leise.
Gut.
Du Birte zögert. Du siehst anders aus. Schlanker.
Ich gehe ins Studio.
Ein Nicken.
Das ist gut.
Schweigen. Ein Kloß im Raum. Katharina sieht die Frau, die einmal der Grund allen Schmerzes war. Jetzt ist sie einfach nur eine andere. Müde, Augenränder, ein neuer Zug um den Mund.
Wie läufts mit Jens? fragt Katharina plötzlich.
Birte lächelt schief.
Jens… Wir sind seit zwei Wochen getrennt.
Ach?
Hat nicht geklappt. Er wollte, dass ich… Sie winkt ab. War wohl nicht das Richtige.
Katharina schweigt. In ihr ist nichts mehr. Kein Triumph, keine Genugtuung, nur Leere.
Entschuldige sagt Birte für den Abend damals. Für alles.
Ist schon gut.
Nein, ist es nicht. Ich wollte nicht verletzen. Es war einfach schön mit ihm. Aber am Ende wars nicht das, was ich dachte.
Katharina sieht sie aufmerksam an.
Du bist Trainerin, oder?
Birte zieht die Augenbraue hoch.
Ja. Woher weißt du das?
Hab im Internet recherchiert… Damals.
Warum?
Wollte wissen, wer du bist. Habe irgendwann gemerkt, es geht nicht um dich. Es ging um mich. Ich habe nicht den Kampf um Jens verloren, sondern mich selbst. Vor langer Zeit.
Birte nickt langsam.
Du bist klüger, als ich. Ehrlich.
Nein. Nur älter.
Sie lachen beide, verlegen.
Ich muss los, sagt Birte. Viel Glück, Katharina.
Ebenso.
Birte wendet sich, geht zum Lift. Katharina bleibt noch einen Moment, dann kehrt sie um.
Draußen ist es warm. Mai ist da. Die Bäume tragen frisches Grün, Kinder schreien in den Höfen. Katharina geht langsam, schaut sich alles an.
Das Handy vibriert. Sabine.
Wie gehts? Lange nicht gesehen. Treffen wir uns morgen?
Katharina tippt:
Heute schaffe ich nicht, Training. Morgen?
Super!
Sie verstaut das Handy, biegt in ihren Innenhof. Sie sieht zu den hellen Fenstern ihrer Wohnung im fünften Stock. Licht brennt sie hat es angelassen.
Früher hat das Jens genervt. Kathrin, jetzt mach doch endlich das Licht aus! Jetzt ist es ihr egal. Sollen die Lampen leuchten. Ihre Wohnung, ihr Strom, ihr Leben.
Vor dem Haus sitzt Nachbar Herr Lehmann, füttert Tauben.
Guten Abend, Frau Nowak.
Guten Abend, Herr Lehmann.
Sie kommen spät zurück.
Vom Training.
Respekt. In Ihrem Alter wäre ich schon nur auf dem Sofa gelegen. Und Sie sind noch so flott.
Katharina lächelt.
Ich geb mir Mühe.
Sie nimmt die Treppen bis in den fünften Stock ohne Pause. Schließt auf, zieht sich aus, geht ins Bad. Steht lange unter der Dusche spült sich alles ab.
Dann macht sie sich Tee, setzt sich in die Küche und blickt hinaus. Auf den Kiez, die Lichter, den fernen Fernsehturm.
Früher dachte sie: Wenn Jens geht, ist alles vorbei. Sie könne nicht mehr, werde am Alleinsein zerbrechen.
Sie ist nicht zerbrochen.
Sie hat es geschafft.
Das Leben geht weiter. Anders. Schwerer. Einsamer. Aber ihres.
Das Handy klingelt nochmals, unbekannt.
Hallo?
Frau Nowak? Franziska von Energie hier.
Guten Abend!
Ich wollte Sie fragen: Ich suche eine Assistentin für die neuen Einsteigergruppen morgens. Kein Trainer, erstmal nur Hilfe. Ein bisschen Geld gäbs auch, aber es geht um die Erfahrung. Wollen Sie probieren?
Katharina denkt einen Moment. Sie? Anderen helfen? Sie kann doch selbst kaum was.
Ich weiß nicht, ob ich das packe
Vertrau mir! Sie haben so viel durchgezogen. Sie wissen, wie schwer der Anfang ist. Genau das brauchen die Damen. Keine Über-Coach, sondern jemand, der versteht.
Ich überlege.
Nicht zu lang. Start ist in zwei Wochen.
Katharina legt auf. Sie sieht auf ihre Hände. Sie sind kräftiger, sehniger, mit Schwielen. Hände, die sich jetzt verteidigen können.
Vielleicht kann sie anderen zeigen, wie das geht?
Nächste Woche nach dem Training sagt sie zu Franziska:
Ich mache es.
Großartig! Komm am Montag, dann zeig ich dir alles.
Ihr erster Einsteigerkurs besteht samstags aus fünf Frauen. Zwei junge, eine um die Fünfzig, zwei ältere. Eine, Helga, wirkt besonders schüchtern, steht in der Ecke, alte Jogginghose.
Katharina geht zu ihr, während Franziska den Rest einweist.
Hallo, ich bin Katharina, Assistenztrainerin.
Helga, sie sieht weg.
Zum ersten Mal hier?
Ja. Meine Tochter hat mich überredet. Sie meint, ich verkümmere sonst ganz.
Verstehe. Ist am Anfang schwierig, oder?
Furchtbar. Ich hab Angst, alles falsch zu machen…
Katharina sieht Helga an. Erkennt sich selbst darin.
Hier lacht niemand, sagt sie leise. Wir alle haben so angefangen. Sie schaffen das.
Helgas Augen flackern.
Wirklich?
Ganz sicher.
Nach dem Training bedankt sich Helga.
Sie sind so ruhig und sicher. Waren Sie schon immer sportlich?
Katharina lacht.
Nein, ich habe auch erst vor einem halben Jahr angefangen. War genauso verängstigt.
Warum? Was war los?
Katharina überlegt kurz.
Ich habe mich verloren. Wollte mich wiederfinden.
Und, hat’s geklappt?
Katharina schaut hinaus.
Ich bin unterwegs. Schritt für Schritt.
Ich will das auch. Mich finden.
Nicht aufgeben.
Abends durchstöbert Katharina alte Fotos. Hochzeitsalbum. Junge Gesichter, weißes Kleid, glückliche Lächeln. Jens hält ihre Hand. Sie schaut ihn verliebt an.
Achtundzwanzig Jahre her.
Lange betrachtet sie die Bilder. Ohne Schmerz. Ohne Wehmut. Das war ein anderes Leben. Diese Katharina, dieser Jens, die gibt es nicht mehr.
Jetzt gibt es sie. Achtundfünfzig. Allein. Müde. Stark.
Das Telefon klingelt. Jens.
Hallo?
Kathrin, wie gehts?
Gut. Was ist?
Nichts weiter. Wollte nur mal reden… Länger kein Kontakt.
Ja.
Stille. Dann seufzt er.
Ich dachte… vielleicht treffen wir uns auf einen Kaffee? Über alles reden? Vielleicht waren wir überstürzt mit der Trennung…
Katharina hört zu und fühlt sich merkwürdig distanziert. Sie kennt die Worte, wie ein altes Lied, das im Hintergrund läuft.
Jens, ich will nicht.
Wieso? Ich habe nachgedacht. Birte und ich, das hat nicht funktioniert. Ich denke immer noch an dich, an uns. Vielleicht könnten wir es noch mal versuchen?
Früher hätte sie geweint, sich gefreut, geschrien. Jetzt ist nur Erschöpfung.
Nein, Jens. Das geht nicht.
Warum?
Ich habe mich verändert. Ich will nicht zurück in mein altes Leben.
Was für ein Leben? Wir waren doch glücklich!
Vielleicht du. Ich weiß nicht, ob ich glücklich war. Ich war halt da. Habe funktioniert.
Das ist nicht fair…
Vielleicht nicht. Aber wahr.
Er ist ruhig. Dann fragt er leise:
Hasst du mich?
Nein. Aber ich liebe dich nicht mehr. Und das ist alles.
Das wars dann?
Ja, Jens. Das wars.
Sie legt auf. Verstaut das Album oben im Schrank. Es bleibt Erinnerung. Aber kein Anker mehr.
Im Juni fährt Katharina zum ersten Mal allein aufs Wochenendhaus nach Brandenburg, das noch von Jens Eltern stammt. Nach der Scheidung hat sie das Nutzungsrecht. Zwei Jahre war sie nicht dort. Zu viele Erinnerungen.
Jetzt fährt sie hin.
Das Haus ist verwildert, die Wiese hoch, Schuppen windschief, es riecht modrig. Fenster auf, putzen, Sachen raus. Zwei Tage schuftet sie. Mäht, streicht Zaun, repariert die Stufen. Alles tut weh, die Hände sind voller Blasen, aber sie fühlt sich lebendig.
Abends sitzt sie auf der Veranda, trinkt Tee. Die Sonne verschwindet hinter dem Wald, Vögel singen, in der Ferne bellt ein Hund.
Frieden.
Nicht schlecht ruft eine Stimme.
Nachbar Herr Scholz schaut über den Zaun, lebt ganzjährig hier.
Guten Tag.
Kathrinchen! Lange nicht gesehen. Bist du allein da?
Ja.
Und Jens?
Wir sind geschieden.
Er schüttelt den Kopf.
Ach, die Jungen heute! So viele Jahre zusammen und dann das…
Passiert.
Das Leben geht schon weiter, Kindchen. Ich bin auch seit fünfzehn Jahren allein. Man gewöhnt sich an alles.
Auch ans Alleinsein?
Nicht dran gewöhnen. Aber man lernt, es zu nutzen. Freiheit eben. Machen, was man möchte.
Katharina muss überlegen.
Vielleicht hast du recht.
Klar. Melde dich, wenn du was brauchst.
Er geht. Sie trinkt aus, legt sich schlafen und schläft traumlos. Zum ersten Mal seit Monaten.
Am nächsten Morgen wecken sie die Vögel. Sie macht sich frisch am Waschbecken im Garten, Frühsport auf der Wiese, Frühstück auf der Veranda.
Der Tag ist sonnig und ruhig. Sie spaziert in den Wald, sammelt Walderdbeeren, sinnt nach.
Wie weit sie gekommen ist seit Dezember. Von der Verzweiflung zur Akzeptanz, von Schwäche zur Kraft, von Abhängigkeit zur Freiheit.
Sie ist kein anderer Mensch geworden. Sie hat nur gefunden, wer sie einmal war. Die junge Katharina war mutig, reiselustig, wollte arbeiten dann kam Jens, Liebe, Ehe. Kinder hätten sie gern gehabt, ging aber nicht. Dann bestand ihr Leben nur noch daraus, eine gute Ehefrau zu sein.
Sie war eine gute Ehefrau. Aber sie hat sich selbst aufgegeben.
Und jetzt? flüstert sie im Wald.
Die Bäume antworten mit Blätterrauschen.
Zurück am Häuschen schaut sie auf ihr Handy, stöbert alte Nachrichten von Sabine. Ein Jahr ist es her: Sabine, ich glaube, mein Leben ist vorbei. Habe nichts geschafft.
Sabine schrieb zurück: Du bist eine wunderbare Frau und Gastgeberin. Das ist auch wichtig.
Damals glaubte sie das. Jetzt weiß sie: Für andere gut sein reicht nicht. Für sich selbst muss man gut sein.
Eine Nachricht von Franziska:
Wie läufts im Grünen? Helga vermisst dich übrigens. Wann bist du zurück?
Katharina lächelt. Antwortet:
Noch zwei Tage, dann Training. Freue mich schon!
Sie packt zusammen und geht zurück.
Zwei Wochen später begegnet sie Birte im Supermarkt an der Kasse.
Birte steht vorne, packt ein. Sie dreht sich zufällig um sieht Katharina, staunt.
Schon wieder!
Sie gehen gemeinsam hinaus.
Wie gehts? fragt Birte.
Gut, und dir?
Auch. Ich arbeite viel, trainiere, das Leben läuft.
Katharina lächelt.
Jens hat sich gemeldet. Wollte zurück, letzten Monat.
Birte rollt die Augen.
Im Ernst? Und du?
Habe abgelehnt.
Richtig so, Birte schweigt. Er ist kein schlechter Typ, aber… schwach. Braucht immer Halt.
Nicht mehr mein Problem.
Genau. Alles Gute.
Ebenfalls.
Sie verabschieden sich. Katharina schaut Birte hinterher. Ohne Hass. Ohne Bitterkeit. Dann geht sie langsam heim durch die sommerliche Stadt, an Cafés vorbei, aus denen Musik dringt.
Das Leben zieht weiter. Ihr Leben.
Leise kommt der Herbst. Die Blätter vergilben, die Tage werden kürzer. Katharina trainiert weiter, hilft Franziska bei den Kursen. Helga bleibt, ist fitter, dankbar.
Sie haben mich gerettet, sagt sie.
Nein, sagt Katharina. Du hast dich gerettet. Ich war nur da.
Im Oktober schlägt Franziska ihr vor, den Trainerschein zu machen.
Du hast das Talent. Die Frauen hören auf dich. Probiers.
Katharina hadert, Geld ist knapp, aber sie tut es.
Drei Monate Theorie und Praxis, Prüfungen. Sie besteht.
Im Januar, exakt ein Jahr nach jener Nacht, erhält Katharina ihr Zertifikat: Trainerin für Fitness und Grundtechniken Selbstverteidigung.
Franziska umarmt sie.
Ich bin stolz auf dich.
Danke. Ohne dich hätte ich das nie geschafft.
Das hast du selbst geschafft.
Abends sitzt sie mit dem Zertifikat in der Küche. Ihr Name, sauber gedruckt:
Katharina Nowak. Trainerin.
Vor einem Jahr fühlte sie sich wie niemand. Verlassen, verloren.
Jetzt ist sie Trainerin, gibt anderen Frauen Kraft. Findet sie dabei selbst.
Das Handy klingelt. Sabine.
Kathrin, bist du daheim?
Ja.
Ich komme gleich. Das feiern wir!
Was denn?
Den Trainerschein! Franziska hats mir verraten. Ich bin stolz auf dich!
Sabine kommt mit Sekt und Kuchen vorbei. Sie sitzen und lachen.
Du bist ganz anders geworden, meint Sabine. Wie auf einmal vollständig.
Ich habe mich selbst wiedergefunden.
Und Jens?
Nein. Aber ich habe ihn losgelassen. Das ist nicht dasselbe.
Vermisst du ihn?
Katharina denkt nach. Vermissen? Manchmal, ja. Wegen der Vergangenheit, nicht wegen ihm. Aber keine Sehnsucht mehr zurück.
Ein bisschen. Nach der Zeit von damals. Nicht nach ihm.
Richtig so, Sabine hebt ihr Glas. Auf dich. Auf dein neues Leben.
Auf ein neues Leben.
Sie stoßen an. Katharina sieht hinaus. Den winterlichen Berliner Kiez, wie Schneeflocken unter den Laternen tanzen, Lichter brennen.
Jens lebt irgendwo, mit seinem eigenen neuen Leben.
Birte arbeitet, sucht ihren Weg.
Und Katharina lebt hier. 59 Jahre alt. Allein, frei, stark.
Und das ist genug.
Eine Woche später, nach dem Morgentraining, sitzt Katharina auf der Bank vorm Studio. Trinkt Kaffee aus der Thermoskanne. Beobachtet Jogger, Gassi-Geher, Skifahrer.
Eine alte Dame setzt sich neben sie. Siebzig, mit Stock und Fellmantel.
Darf ich?
Aber gern.
Schweigen. Dann seufzt die Frau.
Weit zu laufen für eine Oma. Wohne außerhalb, bin heute wegen meiner Tochter hier. Ihr Mann ist weg, ich helfe mit dem Enkelkind. Sie jammert, die Welt sei untergegangen. Ich sage, lass dich nicht hängen, das Leben geht weiter. Hört mir aber nicht zu.
Katharina schweigt. Und fragt:
Wie haben Sie es geschafft? So allein zu sein?
Die Frau lacht.
Mein Mann ist gestorben, nicht abgehauen. Dreißig Jahre ist das her. Mit vierzig dachte ich, das wars. Aber es kam alles anders. Ich hab meine Kinder großgezogen, gearbeitet, jetzt helfe ich bei den Enkeln. Solange man lebt, geht es weiter.
Da haben Sie recht.
Klar. Man darf nicht liegenbleiben. Viele tun das und warten, dass das Leben vorbei ist.
Katharina lächelt.
Weise Worte.
Ach wo, Erfahrung. Nun denn, alles Gute!
Die Frau geht. Katharina bleibt noch, leert ihren Becher, läuft dann heim. Durch den Park, vorbei an Spielplatz, Mahnmal, Supermarkt.
Unterwegs ruft Franziska an.
Wo bist du?
Auf dem Heimweg.
Super. Ich hab eine neue Interessentin für das Training. Sie ist sechzig, unsicher, noch nie Sport. Ich habe ihr gesagt, du redest mit ihr. Okay?
Katharina bleibt stehen. Der Himmel ist klar.
Natürlich. Schick mir ihre Nummer.
Du bist die Beste.
Nein, ich verstehe sie nur.
Franziska sendet die Nummer. Katharina speichert und wählt.
Hallo? Eine unsichere Frauenstimme.
Guten Morgen, ich bin Katharina vom Energie-Studio. Sie wollten sich informieren?
Ja aber ich weiß nicht, ob das in meinem Alter noch was bringt. Ich war nie sportlich…
Wie alt sind Sie?
Fünfundfünfzig.
Ich bin neunundfünfzig. Vor einem Jahr habe ich genauso angefangen.
Eine Pause.
Ehrlich?
Wirklich. Es ist das Beste, was ich getan habe. Nicht wegen Figur oder Kraft, sondern weil ich mich selbst gefunden habe.
Sie sich selbst?
Ja. Die Frau, die ich lange verloren hatte. Kommen Sie ausprobieren. Wenns nichts ist, lässt man es. Aber probieren Sie es.
Ich hab Angst.
Alle hatten Angst. Ich auch. Aber ich bin geblieben. Weil es sich gelohnt hat.
Dann komme ich am Donnerstag.
Ich freue mich.
Danke.
Katharina lächelt, legt auf. Geht weiter.
Daheim kocht sie, liest, bis es dunkel wird. Dann steht sie im Flur vor dem Spiegel. Betrachtet ihr Gesicht. Müde, mit Falten, grauen Haaren. Aber ihre Augen leuchten wieder. Klar und lebendig.
Das ist sie. Die Echte.
Vor einem Jahr dachte sie, das Leben sei vorbei. Jetzt weiß sie: Es fängt gerade erst an. Es bleibt schwer, bleibt einsam, aber es gehört endlich ihr.
Das ist kein Ende.
Es ist ein Anfang.
Katharina, murmelt sie zu ihrem Spiegelbild. Du hast es geschafft.
Ein Lächeln und das Spiegelbild lächelt zurück.





