Und das Leben ist vorbei

Tante Zoë, wo ist Michi?
Was willst du von ihm?
Wir wollten doch heute Morgen Beeren pflücken.
Er ist weg, mit den Jungs weggegangen.

Wie, weg? Dem Mädchen zitterten die Lippen Er hat es mir versprochen…

Hör mal, Lotte, warum hängst du bloß so an dem Jungen, hm? Bald wirst du selbst Männer jagen, und du klammerst dich an ein Kind. Geh doch zu den Mädchen, lass Michi in Ruhe, ja?

Zoë konnte diese großmäulige, langbeinige Lotte nicht ausstehen, die wie ein Reiher im Sumpf wirkte. Schon der Anblick des Mädchens verdross sie noch ein Kind, aber so widerlich.

Lottes Lippen zitterten, ihre Augen füllten sich mit Tränen.

Pfui Teufel, ein Waisenkind, kein richtiges Mädchen, dachte Zoë, zuckte mit den Schultern und ging tiefer in den Hof. Diese Aufdringliche! Keine Ruhe lässt sie dem Jungen.

In diesem Moment kam ihr Sohn Michi aus dem Stall gerannt.

Wohin?
In den Wald.
Hast du die Schweine gefüttert?
Hab ich, Mama.
Stroh aufgehäuft?
Ja.
Und die Hühner…?
Mama, ich arbeite seit dem Morgen, ich hab Ferien! Außerdem wollten wir in den Wald, deshalb bin ich so früh aufgestanden. Die Jungs warten schon.

Welche Jungs?
Mama, was ist denn los? Die Üblichen: Basti, Flo, Sepp, Benni und Heiner.

Hast du niemanden vergessen?
Nein, Mama, ich muss los.

Und diese Großmäulige, ist sie auch mit euch? Ein Mädchen unter lauter Jungs?

Mama, hör auf, ja? Was hat dir Lotte getan? Sie ist meine Freundin.

Freundin, lass dich nicht verarschen, Michi. Zoë packte ihn an der Schulter und flüsterte ihm ins Ohr Hör auf mit ihr, Junge, sonst verwickelt sie dich in etwas, verstehst du? Hör auf mich.

Mama, wovon redest du? Der Junge riss sich los und rannte davon, ohne sich umzudrehen, sprang auf sein Fahrrad.

Lotte! Lotte! hörte sie seine helle Stimme. Sie setzte sich hin und… weinte.

Warum hängt sie nur an dem Jungen? Was will sie? In ein paar Jahren wird er heiraten, und dann bringt er diese Großmäulige mit, sagt: Mama, Papa, ich heirate sie, habt sie lieb. Nein, das wird nicht passieren.

Zoë wischte sich die Tränen ab, stand entschlossen auf und ging zum Gartentor. Sie blieb stehen, als überlegte sie, ob sie wirklich tun sollte, was sie vorhatte, und schritt dann entschlossen die Straße entlang.

Am Zaun spielten Kinder im gelben Sand. Zoë rief einen wild aussehenden Jungen mit zerzaustem Haar.

Andi, ist deine Mutter da?
Ja , sagte der Junge und grub vertieft ein Loch in den Sand.
Hol sie.
Mama! brüllte der Junge.

Pfui, dachte Zoë, hätte er sie doch wenigstens geholt, aber nein, er brüllt nur. Großmäulig, die ganze Familie.

Ja? kam es von hinterm Zaun.
Komm her, Tante Zoë sucht dich.

Hinter dem Zaun erschien Andis Mutter, eine sommersprossige, großmäulige Frau, genauso langbeinig wie ihre Tochter.

Anneliese, komm mal her.

Guten Tag, Zoë. Was ist los? Ist was passiert? Mit den Kindern? Sie wischte sich die Hände an der Schürze ab.

Ach was, nichts ist passiert, aber es könnte… Halte deine Lotte im Zaum, sie ist schließlich ein Mädchen…

Was?
Na ja… sie läuft den Jungs hinterher, gibt meinem Michi keine Ruhe.

Zoë, hast du heute Morgen etwa Tollkirschen statt Mohn gegessen? Was redest du da? Sie sind noch Kinder! Wir sind früher auch mit Jungs losgezogen Pilze gesucht, Beeren gepflückt, Kräuter für die Kaninchen geholt, Mais gestohlen, im Kolchosgarten Obst geklaut…

Vielleicht bist du das, ich nicht , schnitt Zoë sie ab.

Ach, hör dir das an! Und wer hat damals meinem Bruder Jakob nachgestellt? Deine Mutter hat dich mit der Rute aus unserem Hof gejagt, glaubst du, ich erinnere mich nicht? Ich bin nur vier Jahre jünger als ihr. Ich weiß noch, wie ihr hinterm Schuppen rauchen gelernt habt, wie ihr schlüpfrige Bilder angeschaut und gekichert habt, wie ihr zum Angeln geschlichen seid, wie ihr euch hinterm Schuppen geküsst habt… Oder soll ich sagen, das war alles nicht so?

Ich hab gesagt, was ich zu sagen hatte. Halt deine Tochter zurück, sonst bringt sie bald was im Schoß nach Hause.

Und du? Hast du nichts mitgebracht? Vielleicht ist Paul, Jakobs Sohn, gar nicht…?

Du bist dumm! Was soll ich mit eurem Geschlecht? Meine Kinder sind von meinem Mann, aber du hast lauter Bastarde…

Ich? Seit wann sind das denn Bastarde? Bist du verrückt? Ich hab einen Mann, der mich liebt, deshalb leben wir in Frieden. Deiner ist nur aus Pflicht bei dir, er traut sich nicht zu gehen… Du hast den erstbesten genommen und ihn geheiratet, weil mein Jakob dich verlassen hat, du warst niemandem mehr was wert.

Zoë wusste, dass Anneliese scharfzüngig war. Die Frauen mieden Streit mit ihr, und selbst Zoë war nicht auf den Mund gefallen.

Die Kinder liefen derweil mit ihren Beeren zum Fluss, zogen sich im Laufen aus, warfen ihre Kleidung weg, jagten um die Wette, spr

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Homy
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