Tagebuch, 10. Juni
Die Freundschaft zwischen Katharina und Anneliese existierte praktisch, seit wir laufen konnten. Wir waren schon aneinandergekettet, als unsere Mütter uns im Sandkasten auf dem Spielplatz im Altenberger Park absetzten. Zank um Förmchen, Versöhnung bei einer geteilten Eisschorle, wir haben alles geteilt: Die erste Schwärmerei in der vierten Klasse, Teenager-Dramen wegen Pickeln, die Strenge unserer Eltern von all dem hätte man nicht glauben können, dass uns je etwas entzweien könnte. Wann immer man uns sah, waren wir zu zweit die Unzertrennlichen.
Als Kinder war alles fast gleich: Schürfwunden an Knien, grüne Flecken von jodierter Salbe, identische Jeans vom Wochenmarkt. Aber mit sechzehn merkte man langsam Unterschiede.
Katharina blühte auf, wie mit Zauberwasser gegossen. Schmal, groß, mit dichtem, kastanienbraunem Haar, das ihre Mutter großzügig in edlen Schokoladentönen färben ließ, und mit einer Haut, die scheinbar nicht einmal zum Ungeziefertanz neigte. Ihre Eltern schenkten ihr gern mal das neueste Kleid oder hochwertige Mascara. Alles, was das Herz begehrte.
Anneliese dagegen war immer der matte Hintergrund. Ihre Mutter, eine resolute, sparsame Frau, war überzeugt, dass zu feinem, strohblondem Haar nur ein Bubikopf passte. Ihr Vater, ein Prinzipienmensch und Meisterschlosser im VW-Werk, rollte bei dem Wort Schminke nur mit den Augen: Das ist was für Flittchen. Meine Tochter wird klug statt hübsch. Geld für Kosmetik gabs nicht. Und so lief Anneliese mit schlampigem Kurzhaarschnitt, unförmigen Pullis und überdecktem Gesicht voller Pickelmale durch die Tage.
Katharina, schon mit siebzehn halb glamouröse Magazinleserin, wollte helfen. Überzeugt davon, dass jedes Mädchen eine Schönheit in sich trägt, kam sie eines Tages mit Fön zu Anneliese, zauberte in einer halben Stunde einen kessen Irokesenschnitt, brachte aus der Apotheke günstige, aber wirksame Pflege für Problemhaut und lieh ihr eine schlichte schwarze Rollkragenpulli plus enge Jeans. Anneliese fand sich kaum wieder plötzlich war da eine lange Beine, große grau-blaue Augen, die sie sonst nie zeigte.
Sieh mal, du bist ja richtig schick! lachte Katharina. Das Wort schick klang in Annelieses Ohren irgendwie demütigend.
Sie studierten zusammen Betriebswirtschaft in Aachen. Die elterliche Kontrolle ließ nach, und Anneliese atmete erstmals tief durch. Sie ließ die Haare wachsen, lernte sich Augen zu schminken, gönnte sich feminine Kleidung. Das Mausgrau im Haar wich sanftem Kupferton sie wurde selbstbewusster. Auch sie bekam hier und da ein paar Verehrer.
Doch das Etikett langweilige Freundin haftete ihr an. Sie war nicht das Hauptgericht, sondern die nette Beilage für die, die bei Katharina keine Chance sahen. Katharina war der Schmetterling, über den alle schwirrten. Die Jungen bemühten sich bei ihr um die charmantesten Einfälle, größten Blumensträuße, teuerste Cafés. Sie nahm das als selbstverständlich, mit einer gewissen charmanten Ironie.
Anneliese schluckte still jedes Mal, wenn sie sah, wie Katharina den nächsten Verehrer abwies, als wäre das alles ein Spiel. Wie sehr wünschte sie sich, einmal so im Zentrum der Bewunderung zu stehen! Selten glitten Komplimente zu ihr rüber außer von Katharina, ihrer einzigen Freundin. Anneliese mühte sich, alle Anflüge von Neid zu verwelken, als wären sie Unkraut.
Alles änderte sich an einem Septemberabend im zweiten Semester, als zwei ältere Kommilitonen aus der Journalistikrunde dazustießen: Der große, kluge Martin mit Brille und sein lauter, witziger Freund Tobias.
Zwischen Katharina und Martin entstand augenblicklich eine spürbare Chemie wie ein Für und Wider im Sekundenbruchteil. Sie redeten plötzlich beide nicht mehr, starrten sich an, alles andere löste sich in Luft auf.
Tobias umgarnte Anneliese gewitzt, freundlich. Doch vom ersten Moment war klar: Ihr Herz dieses neidische Herz war von Martin bewohnt. Schmerzhaft spürte sie, dass es jedes Mal stach, wenn er Katharina anblickte so voller Zärtlichkeit, so schwärmerisch, dass Anneliese kaum atmen konnte.
War die Clique unterwegs, investierte Anneliese stundenlang in Schminke, zog ihr engstes Kleid und ihre spitzen Pumps an völlig ungewohnt.
Warum machst du dich für Tobias so schick?, flachste Katharina und half ihr beim Reißverschluss. Der würde selbst in Jogginghose für dich sterben!
Anneliese lächelte gequält. Innerlich dachte sie: Wenn du nur wüsstest, für wen ich das eigentlich mache, du naive Gans
Sie sah wirklich gut aus. Aber selbst so war sie nur ganz hübsch während Katharina mit zerzaustem Dutt und ausgebeultem Shirt alle Blicke auf sich zog. Das tat weh, ließ sich aber nicht wegdenken.
Anneliese zerpflückte jedes von Martins Worte. Als er nach der neuen Makroökonomik-Vorlesung fragte, witterte sie eine versteckte Annäherung. Sein improvisiertes Kompliment zu ihrer neuen Tasche steigerte sich in ihrer Vorstellung fast zur Liebeserklärung. Doch die Vernunft bremste sie: Er war nur höflich er sah nur ihre Freundin.
Mit Tobias lief nichts. Er merkte schnell, dass sein Interesse nicht erwidert wurde und fand eine temperamentvolle Erstsemesterin.
Schade, sagte Katharina beim Pizzaschmaus in ihrer Stammkneipe. Tobias ist nett und solide. Ihr wärt ein gutes Paar.
Ach, hör auf, winkte Anneliese ab. Der ist genauso oberflächlich wie dein Martin. Einmal Spaß, und weg. Hab ich gleich gemerkt.
Katharina schob beleidigt ihren Teller weg.
Mein Martin ist anders. Und bitte sag sowas nicht über ihn!
Na, wir werden sehen, murmelte Anneliese. Die sind alle gleich.
Insgeheim wünschte sie sich, Martin möge ein Blender sein. Sollte er Katharina das Herz brechen, vielleicht, ja vielleicht, würde dann auch sein Licht erlöschen und er bemerkte Anneliese.
Wie alle Verliebten stritten sich Katharina und Martin aus Eifersucht, Stress, Kleinigkeiten. Jedes Mal hoffte Anneliese, nun sei es vorbei. Doch Martin fand immer einen Weg, alles wieder gut zu machen: Mal brachte er Katharina ihre geliebten Mozartkugeln aus Wien mit, mal organisierte er einen nächtlichen Ausflug zu Sternschnuppenfeldern. Er steckte Herz hinein.
Der stellt sich nur so an!, fauchte Anneliese, wenn Katharina ihr wieder verliebt neue Nachrichten zeigte. Der tut nur auf toll, um sein Spiel weiterzuspielen. Ich hasse solche Manipulatoren!
Anni, hör auf, bat Katharina. Du kennst ihn einfach nicht.
Er will nur seine Puppe behalten! Glaube mir: Solche Mädchen wie dich hat er überall. Für ihn bist du die Trophäe!
Wie kommst du darauf?, fragte Katharina irritiert.
Er will ein Praktikum in Frankfurt, sagt er! Stört dich das nicht, dass er mal eben abhaut?
Ich unterstütze ihn! Und ich komme nach, sobald ich meinen Abschluss habe.
Anneliese zuckte nur mit den Schultern. Manchmal keimte ihr Zweifel auf. Katharina wurde dann tatsächlich unsicher und die Streitereien wurden bissiger. Doch Martin schien genau das immer zu wollen: Seine Liebe unter Beweis stellen. Mit jedem Sturm wurden sie nur enger.
Schließlich ging Martin auch wirklich das Angebot aus Frankfurt: ein Praktikum in der Redaktion einer großen Zeitung mit Aussicht auf Übernahme. Im Dorf hätten sie nie Chancen gehabt.
Ich werde dich so sehr vermissen, weinte Katharina die Nacht vor seiner Abreise.
Ich komme jedes Wochenende, versprach er. Und spare fleißig für unsere gemeinsame Wohnung.
Nach seinem Weggang kam Anneliese seltsam zur Ruhe. Ohne das ständige Anstarren von Martin war der Neid nicht mehr so scharf, eher ein dumpfes Glimmen. Sie begann eine kleine Romanze mit Max, einem etwas langweiligen Promotionsstudenten aus ihrer Fakultät.
Dann schlug das Schicksal unbarmherzig zu: Katharina eröffnete ihr, blass wie das Krankenbett, dass sie schwanger sei.
Du musst abtreiben, sagte Anneliese sofort. Martin hat jetzt Karriere zu machen, er wird dich hassen, wenn du ihn so zurückhältst.
Aber Katharina rief Martin an. Er war zwar erschrocken, fasste sich aber schnell. Es wurde beschlossen: Die Familie einweihen, nach der Geburt zu ihm nach Frankfurt ziehen. In der Zwischenzeit möglichst sparen und Unterkünfte suchen.
Was Anneliese am meisten traf, war die Tatsache, dass Martin sich verpflichtete. Er ließ Katharina nicht fallen er liebte sie wirklich. Dieses Kind würde ihn für immer an sie binden. Die Träume von Anneliese zerbrachen wie Glas, zurück blieb nur rasende Wut.
Von jetzt an wurde es zu ihrem Ziel, sie auseinanderzubringen koste es, was es wolle.
Das Leben von Katharina und Martin bestand jetzt aus Warten. Sie hatten weniger Kontakt: Martin tauchte im Job unter, pendelte zwischen Meetings und Projekten. Seine Anrufe kamen meist nachts, wenn Katharina schon erschöpft schlief.
Anneliese streute Zwietracht:
Na, wieder nichts von deinem Freund gehört? Glaubt er wirklich, dass dich das gerade alles kalt lässt?
Und dabei blühte Katharina in der Schwangerschaft regelrecht auf ihre Schönheit schien noch reifer, fast schimmernd. Die Männer umschwärmten sie erst recht. Vor allem Sebastian, ein Freund aus ihrem Kurs, der sich sofort anbot, sie zu Ärzten und Einkäufen zu fahren.
Siehst du, das ist ein wirklicher Mann, zischte Anneliese. Für dich da, vor Ort. Martin würde das nie schaffen!
Einmal versuchte Sebastian, Katharina länger als nötig zu umarmen. Sie wies ihn scharf zurück, worauf Anneliese ein Foto schoss so, dass es aussah, als läge Katharina zufrieden in seinen Armen.
Lösch das, sofort, forderte Katharina, aber Anneliese speicherte das Beweisstück innerlich ab für den richtigen Moment.
Sie wurde zur Archivarin: Auf jedem Ausflug, im Café, immer war Sebastian in der Nähe, immer entstanden Bilder von scheinbarer Vertrautheit.
Jetzt kam ihre große Chance: Sie behauptete, ihre Cousine in Frankfurt habe einen Unfall sie müsse nach Frankfurt. Katharina vertraute ihr:
Sieh nach Martin, ja? Schau, wie es ihm dort geht
Natürlich, gelobte Anneliese. Ich werde alles herausfinden.
Sie bereitete sich vor wie für ein Schauspiel: Friseur, schlicht-elegantes Kleid, betont trauriger Blick. Ohne die Nebenstrahlkraft von Katharina hatte sie endlich allein Aufmerksamkeit.
Martin, abgespannt und voller Heimweh, empfing sie freundlich. Sie waren zusammen essen, und beim Dessert sagte Anneliese schwer:
Martin, ich muss ehrlich mit dir sein Du hast ein Recht auf die Wahrheit. Katharina ist… nach deiner Abreise völlig abgestürzt. Ihr Verhältnis zu Sebastian ist längst mehr als nur Freundschaft. Ich hab Fotos, Martin…
Sie zeigte ihm die gesammelten Bilder: Picknick, gemeinsames Lachen, Schulter an Schulter. Seine Sicherheit bröckelte regelrecht.
Sie hat nie davon erzählt, sagte Martin.
Natürlich nicht sie schämte sich. Ich sags dir nur, weil ich ehrlich zu dir bin.
Er war so überwältigt, dass er völlig auf Anneliese hereinfiel. Doch bevor der Impuls durchbrach, Katharina direkt zur Rede zu stellen, warnte Anneliese:
Warte lieber ab. Ruf nicht im Zorn an das macht alles schlimmer.
Gleich am selben Abend rief sie Katharina an.
Katharina… Ich weiß gar nicht, wie ichs sagen soll Martin er hat hier eine andere. Sie schluchzte überzeugend am Telefon.
Katharina brach fast zusammen.
Wenn er wieder nur Ausreden hat, liegt das an ihr. Ich hab sie gesehen, sie sind sich sehr nah…
Als Katharina schließlich doch versuchte, Martin zu erreichen, nahm dieser aus verletztem Stolz und gemäß Annelieses Rat nicht ab. Für Katharina wurde so der Betrug zur Gewissheit.
Anneliese setzte zum finalen Angriff an: Sie erzählte Martin, Katharina habe abgetrieben, lebe jetzt mit Sebastian zusammen, und das Kind sei ein Fehler gewesen.
Parallel teilte sie Sebastian mit, Katharina wolle keinen Kontakt zu Martin und persönlich dafür Sorge tragen, das auch durchzusetzen. Sebastian, der Katharina unterstützen wollte, versprach, als Schutzschild zu dienen.
So, als Martin dann endlich zum Hörer griff, ging Sebastian ran: Ruf hier nie wieder an! Du hast genug zerstört. Lass sie in Ruhe!
Martin war am Boden. Anneliese war bei ihm, umsorgte ihn, bot eine Schulter, war präsent. Es war keine Liebe eher Betäubung. Nach einer Woche siedelte sie von der Pension zu ihm über, auf Tränendrüsendruck, und blieb.
Sie brach das Studium ab, nahm einen Job als Bürokraft im Nachbargebäude. Sie spielte die tapfere, aufopfernde Partnerin und träumte insgeheim schon vom Hochzeitskleid.
Katharina blieb allein mit ihrem wachsendem Bauch. Sebastian half, machte aber keine Annäherungen, blieb ihr freundschaftlich treu. Auch er glaubte, Martin hätte sich feige aus dem Staub gemacht. Katharinas größter Kummer war, dass er sich nicht für sein Kind zu interessieren schien.
Sie klagte bitterlich ihr Leid am Telefon und Anneliese log eiskalt:
Er hat auch zu mir gesagt, das Kind sei nur dein Problem. Er will nicht mehr davon wissen. Tut mir leid, dass ich so ehrlich sein muss.
Katharina gab schließlich nach. Wem, wenn nicht der besten Freundin aus Kindheitstagen, sollte sie glauben?
Martin und Anneliese meldeten die Eheschließung beim Standesamt an eine kleine Zeremonie, in einem Monat. Martin bewegte sich wie im Nebel, verlangte von Anneliese Stillschweigen gegenüber Außenstehenden.
Doch er beichtete alten Freund Tobias alles. Der war geschockt, wünschte Martin Glück und schrieb dann aus Bierlaune Katharina: Wusstest du, dass Martin Anneliese heiratet?
Für Katharina der finale Schlag. Ihr letzter Hoffnungsfunken auf ein Missverständnis erlosch. Jetzt war alles klar. Ihr Verlobter verließ sie für ihre beste Freundin.
Sebastian, dem sie sich verzweifelt anvertraute, fügte langsam alles zusammen. Zu viele Zufälle, zu viele Merkwürdigkeiten und zu großer Gewinn auf Annelieses Seite.
Er beschloss selbst mit Martin Kontakt aufzunehmen. Nach etlichen Versuchen erreichte er ihn endlich: Weißt du eigentlich, dass Katharina mit deinem Kind schwanger ist? Sie leidet jede Nacht, weil du dich nicht kümmerst!
Martin war fassungslos. Sie hat doch Aber als Sebastian ihm klipp und klar sagte, dass das Kind lebt und alles eine Lüge sei, wurde Martin klar: Jetzt war alles auf Anneliese zurückzuführen.
Er wartete, bis Anneliese abends nach Hause kam, dann sagte er nur: Pack deine Sachen und verschwinde.
Anneliese war erschüttert. Sie versuchte, sich noch zu verteidigen aber Martin war gnadenlos. Er schleuderte ihr an den Kopf, dass sie nur ein Schatten war, und ohne Sonne Katharina nichts blieb. Sie packte zusammen und verließ die Wohnung, voller Hass auf alle.
Martin buchte spontan einen Zug nach Aachen, rief Katharina an: Bitte leg nicht auf. Es ist alles eine Lüge. Anneliese hat alles inszeniert. Ich war blind.
Die Minuten am Telefon waren mühsam. Katharina ließ ihn wissen, dass sie nichts mehr zu sagen habe, dass sie erschöpft sei. Doch Martin fuhr zu ihr.
Vormittags, nach einer langen Nacht, öffnete Sebastian die Tür. Er kommt. Du musst reden, Katharina nicht für ihn, sondern für dich und euer Kind!
Sie war erschöpft, aber erklärte aufrichtig: Glaubst du, nach all dem könnten wir einfach weitermachen? Er hat Anneliese geglaubt. Er hat mich für fähig gehalten, sein Kind zu töten, Sebastian
Als Martin abends vor der Tür stand, öffnete sie zögernd. Sie sprachen. Martin gestand alles. Sie fragte, ob er mit Anneliese geschlafen hätte, er sagte ja, es sei aber sinnleer gewesen, nur als Trost im Nichts.
Katharina sagte nur noch trocken: Der Schlafplatz ist auf dem Sofa im Wohnzimmer. Morgen habe ich einen Arzttermin. Wenn du willst, komm mit. Heute will ich allein sein.
Martin nahm diese Handreichung wie ein Geschenk an. Er hielt sich zurück, machte alles, was sie brauchte. Gab seinen Job in Frankfurt auf, fand einen Aushilfsjob vor Ort. Sie lebten sich in einen neuen Alltag ein.
Sie sprachen nicht über Anneliese, ihr Name wurde ausgeklammert. Bis Katharina eines Abends fragte: Wie hat sie es gemacht? Martin erzählte von Fotos, von Andeutungen und von gezielt gestreuten Lügen, bis er schließlich überzeugt war.
Sie war immer klug. Ich habe nie geglaubt, dass sie das Böse darauf anwendet, sagte Katharina.
Sie richteten ihre Zukunft bescheiden ein. Irgendwann kam eine SMS von einer unbekannten Nummer: Vergib mir. Ich habe alles zerstört. Katharina zeigte sie Martin.
Lösch sie. Sie sucht nur neuen Halt, wo sie alles verspielt hat, meinte er.
Sie meldeten ihre Hochzeit beim Standesamt an. Nur im kleinen Kreis Sebastian war Trauzeuge. Keine große Feier, sondern Bestätigung: Sie blieben zusammen. Ein Neuanfang.
Nach einem Monat zogen sie um nicht nach Frankfurt, sondern nach Düsseldorf, in eine kleine Wohnung. Als ihre Tochter geboren wurde, nannten sie sie Barbara Babsi.
Von Anneliese hörten sie nie wieder. Freunde erzählten, sie sei nach Bayern abgetaucht. Manchmal fragte Katharina sich, was ohne Sebastian noch aus ihnen geworden wäre. Hätte er nicht alles zusammengesetzt, wären sie ewig voneinander getrennt geblieben.
Als Babsi ein halbes Jahr alt war, sagte Katharina beim Spaziergang: Sie hat uns die Liebe nicht genommen, sondern geprüft. Was stehen bleibt, nachdem alles zerbrochen ist das ist wohl das Echte.
Ich nahm sie in den Arm, fuhr sanft mit der Hand über ihren Rücken und lächelte. Und ich wusste: Das Wichtigste im Leben ist nicht, Schmerz zu vermeiden, sondern die Wahrheit auszuhalten und am Ende zu vergeben, sich selbst und anderen. Nur so hat unsere Geschichte einen Sinn.





