An einem freien Tag von der Arbeit war ich gerade mit dem Hausputz beschäftigt. Plötzlich rief mich eine Freundin an und meinte, sie und ihr Sohn würden gleich vorbeikommen. So sehr ich auch versuchte, ihr klarzumachen, dass ich mitten im Reinigen war, sie schien es einfach zu überhören.
Zehn Minuten später standen sie schon vor meiner Tür. Besonders begeistert war ich nicht von Friedrich, denn er war immer sehr lebhaft und ein wenig wild.
Wir saßen in der Küche, tranken Filterkaffee und unterhielten uns, während Friedrich sich im Wohnzimmer die Zeichentrickfilme anschaute. Keine fünf Minuten später gab es einen lauten Knall. Als ich hineinging, sah ich das zerbrochene Aquarium, überall lagen die Fische auf dem Teppich und das Wasser sickerte in alle Ecken.
Meine Freundin stürzte sofort zu Friedrich, um nachzusehen, ob ihm nichts passiert war. Ich begann, mit einem Tuch das Wasser aufzuwischen, damit es nicht zu den Nachbarn ins Erdgeschoss floß. Kaum war alles gesäubert, meinte sie, sie müssten nun gehen.
Kannst du mir nicht helfen, den Teppich zur Reinigung zu bringen? fragte ich. Nein, Friedrich ist total verstört, ich muss ihn beruhigen.
Ich fragte Friedrich, warum er das Aquarium kaputt gemacht hatte. Er erzählte mir, ein Papierflieger sei gekommen, und er habe versucht, ihn zu fangen. Das Erstaunlichste war, dass es gar kein einfaches Papier war. Friedrich zeigte auf den Schrank und sagte, von dort habe er das Papier genommen. Da begriff ich, es war meine Heiratsurkunde, aus der er den Flieger gebastelt hatte.
Ach, dann macht man eben eine Kopie, ist doch nicht so schlimm, sagte meine Freundin.
Natürlich. Warum sollte ich mich aufregen? Ich kaufe ein neues Aquarium, lasse eine Kopie der Heiratsurkunde ausstellen und zahle die Reparatur der Decke für meinen Nachbarn. So viel Aufwand, und obendrein machte meine Freundin mich dafür verantwortlich ich hätte die Urkunde nicht so offen herumliegen lassen sollen.
Als meine Gäste weg waren, bin ich zu meinem Nachbarn gegangen, um nachzusehen, ob alles in Ordnung war. Ich machte nochmals sauber und legte mich anschließend ins Bett, um mich zu erholen. Am Abend erhielt ich noch eine Nachricht von meiner Freundin, in der sie meinte, ich solle ihr Geld geben. Sie schrieb, sie hätten einen Psychologen besucht, Friedrich sei immer noch ganz außer sich. Ich habe nicht geantwortet, sondern nur die Nummer blockiert.





