Am Grab hörte die reiche Dame von einem Obdachlosen die Frage: ‚Haben Sie auch meine Mutter gekannt?‘ – Da brach sie ohnmächtig zusammen.

An einem Grab hörte eine wohlhabende Frau von einem Obdachlosen die Frage: Hast du auch meine Mutter gekannt? Sie brach ohnmächtig zusammen.

Ein Friedhof ist für die meisten ein Ort des Abschieds, der Trauer, des Endes. Für Karl wurde er so etwas wie ein Zuhause. Nicht im wörtlichen Sinne ein Dach über dem Kopf hatte er nicht, abgesehen von einem verfallenen Steinsarg, in den er nur bei strengstem Frost kletterte. Doch im Geist, in der Seele fühlte er sich hier geborgen.

Hier herrschte Stille, nur unterbrochen vom Zwitschern der Vögel und dem gelegentlichen Schluchzen derer, die gekommen waren, um der Toten zu gedenken. Hier schaute niemand auf ihn herab, jagte ihn nicht weg, zeigte nicht mit Fingern auf seine abgetragene Jacke und die zerschlissenen Schuhe. Die Toten waren gleichgültig und darin lag eine seltsam tröstliche Gerechtigkeit.

Karl wachte von der Kälte auf der Morgentau hatte sich auf seine Pappdecke gelegt. Die Luft war klar, Nebel waberte über die Gräber, als wolle er sie vor der Welt verbergen. Er setzte sich auf, rieb sich die Augen und überblickte sein Reich Reihen von Kreuzen, Grabsteinen, von Gras und Moos überwuchert.

Sein Morgen begann nicht mit Kaffee, sondern mit einem Rundgang. Er prüfte, ob die Kränze unberührt waren, die Blumen nicht umgeworfen wurden, ob nachts keine Fremden hier gewesen waren. Sein einziger Freund und zugleich sein strenger Aufseher war Heinrich ein grauhaariger, mürrischer Friedhofswärter mit rauer Stimme, doch gutmütigen, aufmerksamen Augen.

Bist du wieder hier wie angewurzelt? ertönte seine heisere Stimme aus der Wärterhütte. Komm, trink wenigstens einen heißen Tee, sonst erkältest du dich noch.

Gleich, Heinrich, antwortete Karl, ohne sich ablenken zu lassen.

Er ging zum schlichten Grab in einer abgelegenen Ecke. Ein einfacher grauer Stein mit der Inschrift: Gertrud Schneider. 19652010. Kein Foto, kein Trostspruch. Doch für Karl war dies der heiligste Ort der Welt. Hier ruhte seine Mutter.

Er konnte sich kaum an sie erinnern weder an ihr Gesicht noch an ihre Stimme. Seine Erinnerungen begannen im Waisenhaus, zwischen kahlen Wänden und fremden Gesichtern. Sie war zu früh gegangen. Doch an ihrem Grab spürte er Wärme, als sei jemand unsichtbar bei ihm. Als kümmere sie sich noch immer um ihn. Mama. Gertrud.

Vorsichtig zupfte er Unkraut, wischte den Stein mit einem feuchten Lappen ab und richtete den kleinen Strauß Wildblumen, den er am Vortag gepflückt hatte. Er sprach mit ihr, erzählte vom Wetter, vom Wind, der gestern wehte, vom Krächzen der Raben, von der Suppe, die Heinrich ihm gegeben hatte. Er klagte, dankte, bat um Schutz. Er glaubte, sie hörte ihn. Dieser Glaube hielt ihn aufrecht. Für die Welt war er ein Niemand. Doch hier, vor diesem Stein, war er jemand. Er war ein Sohn.

Der Tag verlief wie immer. Karl half Heinrich, einen verrosteten Zaun zu streichen, bekam als Lohn eine Schüssel heiße Suppe und kehrte zu seiner Mutter zurück. Er hockte am Grab und erzählte, wie die Sonne durch den Nebel brach, als plötzlich ein fremdes Geräusch die Stille zerriss das Knirschen von Reifen auf Kies.

Ein schwarzer, glänzender Wagen fuhr durch das Tor. Eine Frau stieg aus. Sie sah aus, als gehöre sie auf die Titelseite einer Zeitschrift. Ein Kaschmirmantel, perfekte Frisur, ein Gesicht, in dem Trauer, aber kein Leid lag eher Würde im Schmerz. In den Händen hielt sie einen üppigen Strauß weißer Lilien.

Karl duckte sich instinktiv, versuchte, unsichtbar zu sein. Doch die Frau ging direkt auf ihn zu. Direkt zum Grab seiner Mutter.

Sein Herz zog sich zusammen. Sie blieb vor dem Stein stehen, ihre Schultern zuckten stille, tiefe Schluchzer. Sie sank auf die Knie, unbekümmert um ihren teuren Mantel, und legte die Lilien neben seinen bescheidenen Strauß.

Entschuldigung , flüsterte Karl, unfähig zu schweigen. Er fühlte sich als Hüter dieses Ortes. Sie Sie kannten sie?

Die Frau zuckte zusammen, hob den Blick feucht, erschüttert.

Ja, hauchte sie.

Haben Sie auch meine Mutter gekannt? fragte Karl mit rührender Offenheit.

Für einen Moment war Verwirrung in ihrem Blick. Sie musterte ihn die zerrissene Kleidung, das hager

Rate article
Homy
Add a comment

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!:

Am Grab hörte die reiche Dame von einem Obdachlosen die Frage: ‚Haben Sie auch meine Mutter gekannt?‘ – Da brach sie ohnmächtig zusammen.
Unser Nachbar liebte es, nachts um 2 Uhr laut Rockmusik zu hören. Ich kaufte meinem Sohn eine Geige und wir begannen, Punkt 8 Uhr morgens, wenn der Nachbar gerade einschlief, Tonleitern zu üben.