Manche Menschen vergessen, dass sie Gäste sind, sobald sie zur Besuch kommen. Sie verhalten sich unhöflich, geben Ratschläge und machen keinerlei Anstalten, wieder nach Hause zu gehen.
Früher war ich ein sehr gastfreundlicher Mensch, doch diese Einstellung änderte sich rasch. Als ich die Schwelle von vierzig Jahren überschritten hatte, hörte ich auf, Einladungen auszusprechen. Warum sollte ich mir das noch antun? Es ist einfach zu anstrengend, solche Gäste zu beherbergen.
Meinen letzten Geburtstag habe ich in einem Restaurant in München gefeiert. Das hat mir sehr gut gefallen und genau so werde ich es künftig handhaben. Nun möchte ich erklären, warum.
Eine Feier zuhause zu veranstalten ist teuer. Für ein einfaches Abendessen muss man schon einen guten Betrag in Euro ausgeben. Wenn dann noch Weihnachtsfest ansteht, können die Kosten immens steigen. Die Gäste erscheinen mit kleinen Mitbringseln; verständlich, denn die Zeiten sind schwer. Sie bleiben dann bis tief in die Nacht. Ich möchte mich doch entspannen und nicht endlos Geschirr spülen und durch die Wohnung putzen.
Ich erwarte niemanden mehr hinter den Wänden meiner Wohnung. Ich mache sauber und koche, wann mir gerade danach ist. Früher fühlte ich mich nach den Weihnachtsfesten zuhause oft erschöpft und niedergeschlagen. Jetzt kann ich nach Weihnachten ein schönes Bad nehmen und früh ins Bett gehen.
Ich habe viel Freizeit dazugewonnen, die ich vernünftig nutze. Freunde können für eine Tasse Tee vorbeischauen, aber ich mache mir keine Gedanken, wenn die Speisekammer einmal leer ist. Mittlerweile spreche ich offen aus, was ich denke. Wenn ich meine Ruhe haben will, deute ich auch mal auf die Tür. Das kommt vielleicht nicht besonders nett an, aber ich nehme das in Kauf. Mein Wohlbefinden steht für mich an erster Stelle.
Das Erstaunlichste ist, dass gerade die Menschen, die liebend gern in fremden Häusern feiern, selbst kaum je Gäste empfangen. Sie vergnügen sich lieber auf Kosten anderer, ohne sich mit Putzen und Kochen belasten zu müssen.
Bekommst du oft Besuch? Wärst du ein wirklich gastfreundlicher Mensch? Ich habe für mich gelernt: Manche Freiheiten bewahrt man sich besser, indem man nein sagt und den eigenen Alltag genießt.





