Tierarzt nimmt Straßenkater in den Arm – und erstarrt vor Überraschung, wer in Wirklichkeit vor ihm steht

Der Tierarzt umarmte einen Straßenkater und erstarrte, als er erkannte, wer es war

Dieses Tagebuch erzählt von einem älteren Tierarzt, der einen aggressiven Straßenkater einschläfern sollte, doch das Schicksal konfrontierte ihn mit dem Beweis, dass wahre Bindung Jahre der Trennung, den Verlust von Liebsten und sogar das harte Leben auf der Straße überdauern kann.

An jenem regnerischen Abend, während Hamburg erneut unter dem bleigrauen Himmel zu versinken schien, umarmte ich Dr. Stefan Eckermann den Kater. Augenblicke später geschah etwas, mit dem weder ich noch die Welt gerechnet hatten.

Vierzig Jahre habe ich der Tiermedizin gegeben. In dieser Zeit kamen alle möglichen Tiere zu mir: Dackelwelpen, die goldene Ringe verschluckt hatten, und Meerschweinchen, die nach einer versehentlichen Überwinterung im Gartenhaus wiederbelebt wurden. Doch inzwischen spendete mir die Arbeit kaum noch Trost; sie hinterließ nur eine zunehmend schwere Last auf meinem Herz.

Mit meinen achtundsechzig Jahren war ich erschöpft. Vor drei Jahren war meine Frau Lieselotte gestorben, und seitdem war die Praxis mein einziger Zufluchtsort sauber, still und unendlich einsam.

An einem dieser verregneten Dienstage, kurz vor Feierabend, kam Tim, ein junger Kollege vom Hamburger Tierschutz, zu mir herein. In seinen Händen hielt er eine kleine graue Transportbox, darin fauchte es wie ein überhitzter Diesel.

Tut mir leid, Herr Doktor, sagte er verlegen und stellte die Box ab. Alarmstufe rot. Hinterm Fischmarkt in den Gassen gefunden. Hat drei von uns attackiert. Wild, abgemagert, lässt sich nicht anfassen. Im Tierheim ist kein Platz. Er steht zur Einschläferung.

Ich seufzte, nahm die Brille ab und wischte die Gläser.

Solche Situationen hasste ich. Es ist schrecklich, ein gesundes Tier einzuschläfern, nur weil das Draußensein es aggressiv und ängstlich gemacht hat.

Gut, murmelte ich. Aber zuerst will ich ihn ansehen. Ich kann niemanden einschläfern, ohne ihn in die Augen gesehen zu haben.

Tim trat vorsichtig zurück. Bitte seien Sie vorsichtig, Herr Doktor. Das ist ein echtes Biest.

Langsam beugte ich mich vor die Box und begegnete zwei angstweit aufgerissenen Kateraugen. Das Tier war weiß, verdreckt vom Ruß, die Ohren angelegt. Ein tiefes, drohendes Grollen ließ den Metalltisch vibrieren.

Na du, raunte ich mit der ruhigen Stimme, mit der ich einst auch nervöse Pferde beruhigt habe, du hast wohl schon viel einstecken müssen, was?

Ich griff nicht gleich zum Beruhigungsmittel. Stattdessen zog ich meinen dicken Lederhandschuh an und öffnete vorsichtig die Klappe.

Der Kater sprang nicht heraus. Er erstarrte, gespannt wie ein Bogen.

Lass uns dich erstmal sauber machen, dann sehen wir weiter, sagte ich leise.

Geschickt wie in jungen Jahren packte ich ihn am Nacken und zog ihn langsam aus der Box. Für einen Moment sträubte er sich mit aller Kraft, krallte sich in den Metallschlitz, doch ich hielt ihn fest an meine Brust, schützte ihn mit meinem Körper.

Und da konnte ich ihn endlich richtig erkennen:

Unter dem ganzen Schmutz verbarg sich ein erstaunlich schöner, kurzhaariger, schneeweißer Kater mit rosa Nase und riesigen dunklen Pupillen. Er zitterte so sehr, dass man förmlich das Klappern seiner Zähne hören konnte.

Kein Monster, Tim, sagte ich leise. Er ist einfach nur zu Tode erschrocken.

Ich begann, ihn sanft am Kopf zu streicheln ganz sachte, nicht mechanisch. Ich strich ihm über die Ohren und seinen Rücken entlang.

Und dann geschah das Unglaubliche.

Der Kater hörte auf zu knurren. Sein Körper entspannte sich. Langsam hob er den Kopf, blinzelte mich an, dann stellte er sich auf die Hinterbeine, legte seine Vorderpfoten auf meine Schultern, drückte sein Gesicht an meinen Hals und schloss die Augen.

Es war eine Umarmung. Fast menschlich.

Ich erstarrte.

Hunde kuscheln manchmal, Katzen jedoch halten meist auf Distanz.

Doch dieser hier schmiegte sich an, als sei ich das einzige Rettungsboot in einem endlosen Meer.

Ein alter Mann im weißen Kittel mit einem weißen Kater auf dem Arm verletzlicher kann man kaum wirken.

Tims Kinnlade klappte runter.

Sowas habe ich noch nie gesehen der wollte mich doch vor einer Stunde noch zerfleischen!

Ich schloss die Augen und erwiderte vorsichtig die Umarmung des Katers.

Und dann überkam mich ein seltsames Gefühl des Wiedererkennens. Der Geruch unter all dem Dreck. Wie der Kater seinen Kopf an meinem Schlüsselbein rieb…

Ein lange vergessenes Bild tauchte in mir auf.

Ich stand einfach so da, hielt das Tier im Arm. Sein Herzschlag beruhigte sich und passte sich meinem an.

Tim, ich kann das nicht. Ich brings nicht übers Herz, ihn einzuschläfern. Er kommt mit nach Hause, flüsterte ich.

Sind Sie sicher?, fragte Tim vorsichtig. Vielleicht wird er wieder wild.

Ich bin ganz sicher.

Doch als ich den Kater für die Untersuchung auf den Tisch setzen wollte, geschah noch etwas Unerwartetes.

Er löste seine Pfoten nicht.

Stattdessen machte er eine ganz bestimmte Bewegung.

Er streckte die linke Pfote aus und tippte dreimal sanft gegen meine Nase.

Tock. Tock. Tock.

Ich hielt den Atem an.

Vor meinen Augen verschwamm alles.

So hatte das nur ein einziger Kater auf der Welt gemacht.

Vor fünf Jahren, als Lieselotte noch lebte, hatten wir einen weißen Kater namens Alarich. Ein Findelkind, das mir sehr ans Herz gewachsen war. Sein liebstes Spiel: sich auf meine Schulter setzen und mir mit der Pfote auf die Nase stupsen, um Leckerlis zu erbetteln.

Vor vier Jahren ist Alarich verschwunden. Während der Renovierung hatte ein Handwerker die Hintertür offen gelassen der Kater entwischte.

Wochenlang suchten Lieselotte und ich ihn: Aushänge, Tierheime, abends mit Taschenlampen die Straßen durchforsten.

Ohne Erfolg.

Ein Jahr danach starb auch Lieselotte. Ihr Herz war gebrochen wie meins wegen dieses kleinen Engels.

Ich war sicher, Alarich sei lange tot.

Meine Hände zitterten. Ich hob ganz vorsichtig das Ohr des Katers und sah unter dem Schmutz eine feine sichelförmige Narbe. Genauso eine, wie Alarich sie als Jungtier vom Rosenstrauch bekommen hatte.

Alarich… hauchte ich.

Der Kater antwortete mit einem rauen Mrrraao, genau mit diesem eigenwilligen Knacksen.

So hatte nur er jemals miaut.

Ich kniete mich mit ihm im Arm auf den Boden und begann hemmungslos zu weinen.

Mein Gott… das bist wirklich du. Er ist es, Tim. Mein Junge.

Tim schüttelte den Kopf, sichtlich verwirrt: Aber wir haben doch keinen Chip gefunden.

Ich trocknete meine Tränen.

Er hatte einen Chip, und zwar zwischen den Schulterblättern.

Ich griff zum Scanner, fuhr die Stelle am Rücken ab.

Nichts.

Manchmal wandern die Chips, murmelte ich, die können in die Pfote rutschen.

Langsam tastete ich mit dem Scanner die rechte Vorderpfote ab.

Ein Piepston. Eine Nummer erschien auf dem Bildschirm.

Ich musste sie nicht nachschlagen.

Die letzten vier Ziffern: Lieselottes Geburtstag.

Alarich hatte vier Jahre auf der Straße überlebt. War Autos entkommen, hatte sich gegen Hunde gewehrt, gehungert, verwildert, anders ging es nicht.

Er hatte alle Menschen abgewehrt. Sie waren ihm fremd geworden.

Aber in dem Moment, als ihm mein vertrauter Geruch und meine Hände begegneten, wusste er: Jetzt muss er nicht mehr kämpfen.

Er kam nach Hause.

Noch am selben Abend nahm ich Alarich mit. Ich badete ihn in warmem Wasser, spülte den grauen Film der Jahre herunter, bis sein weißes Fell wieder glänzte. Ich gab ihm seinen geliebten Lachs-Pasteten-Aufstrich, den ich aus Gewohnheit immer noch im Vorratsschrank hatte.

In der Nacht saß ich in meinem alten Sessel dem, auf dem ich oft mit Lieselotte zusammengesessen hatte.

Das Haus war sonst still, beinahe dröhnend leer, wie eine ständige Erinnerung an all meine Verluste.

Doch diesmal lag auf meiner Brust ein warmer, atmender Fellknäuel.

Alarich schlief zusammengerollt und schnurrte wie ein alter Traktor.

Ich blickte auf den leeren Platz neben mir, wo einst Lieselotte saß, und zum ersten Mal seit drei Jahren fühlte ich mich nicht gänzlich allein. Es war, als hätte sie mir ein Zeichen geschickt.

Sie selbst konnte nicht zurückkehren, aber sie schickte mir das einzige Wesen, das mein Herz heilen konnte.

Ich, der Tierarzt, der einen Kater gerettet hat, wurde letztlich selbst von diesem Kater gerettet.

Und das Ungeheuer in der Box entpuppte sich als ein Engel, der nur vom Weg abgekommen war und voller Hoffnung auf diese Hände gewartet hatte.

Heute weiß ich: Tiere vergessen ihre Menschen nicht ganz gleich, wie viele Jahre vergehen. Ich habe gelernt, dass Liebe und Treue oft viel weiter reichen, als wir zu hoffen wagen.

Rate article
Homy
Add a comment

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!:

Tierarzt nimmt Straßenkater in den Arm – und erstarrt vor Überraschung, wer in Wirklichkeit vor ihm steht
Die Wunderbare Tante