Jetzt verstehe ich, warum mein Mann mir seine Mutter erst an unserem Hochzeitstag vorgestellt hat

Viele junge Schwiegertöchter leiden in Stille an ihren Schwiegereltern und können sich niemandem anvertrauen.

Unsere erste Hochzeitstag schwebt wie dicker Nebel am Horizont. Das Verhältnis zu meiner Schwiegermutter noch immer schwankend wie ein unsteter Zug auf vereisten Gleisen. Wir sind eher verstimmt als vertraut, ganz sicher weit entfernt von perfekter Harmonie.

Ich hatte meinen Mann gebeten, mir seine Mutter vor der Hochzeit vorzustellen. Schließlich kannte er meine Mutter schon. Er schob es immer wieder vor sich her: Entweder war keine Zeit, oder meine Mutter sei beschäftigt, oder der Regen war zu laut. Sie sagten, wir hätten später, nach der Hochzeit, genügend Zeit zum Kennenlernen. Am Ende trafen wir uns das erste Mal ausgerechnet am Morgen der Hochzeit. Das Gespräch war seltsam blass: Auf mein ehrliches, lächelndes Guten Morgen! quetschte sie nur ein zurückhaltendes Guten Morgen zwischen den Zähnen hervor.

Vorher hatte mein Mann mir erzählt, seine Mutter, Frau Gudrun Bauer, sei liebenswert und voller Verständnis. Ich äußerte damals meine Sorge, sie könnte sich später doch in unser Leben einmischen, so wie ich es oft gehört hatte. Er versprach, Gudrun sei anders. Sie habe immer gesagt, er solle selbst entscheiden, wen er heirate, und sie würde das niemals kritisieren oder ihm das Leben erklären wollen.

Ein paar Tage nach der Hochzeit kam mein Mann, Philipp, nachdenklich von der Arbeit heim und trank nach Art seiner Kindheit schwarzen Tee in der Küche. Ich fragte ihn, was los sei. Seine Antwort war, wie ein Fels, den man in einen stillen See wirft:

Ich glaube, meine Mutter mag dich nicht.

Anscheinend stört meine Schwiegermutter, dass ich Eier nicht mit Natron wasche, bevor ich sie benutze. Dass ich das Geschirr einfach in der Spüle lasse weil es praktisch ist. Dass ich den Spülschwamm direkt auf die Spüle lege und nicht auf ein separates Tellerchen. Dass ich Brühe in einem Zug zubereite, nicht in zwei Etappen. Noch viele dieser Kleinigkeiten. Ich war einfach entgeistert!

Ich fragte Philipp:

Warum sollte sie denn an mir etwas auszusetzen haben? Wir haben doch unsere eigene kleine Familie. Sie wohnt schließlich nicht mit uns.

Aber ich bin ihr Sohn! So bin ich aufgewachsen. Du solltest es also genauso machen wie sie!

Ich protestierte, die Küche sei meine, ich könne leben, wie ich wolle. Aber er meinte, wir müssten uns nun auf eine neue Ordnung einstellen, und dass ich mich daran gewöhnen müsse.

Danach lebten wir vier Monate lang merkwürdig ruhig. Bei unseren Treffen lächelte meine Schwiegermutter gezwungen, fragte höflich nach meinem Alltag, nach unserer Ehe, wie sehr Philipp im Haushalt helfe. Doch als wir uns eine Hündin nahmen, wusste gefühlt ganz München nach anderthalb Wochen, dass ich ihr keine Knochen und kein Fleisch koche, dass ich sie mit Rohfutter ernähre. Die traurige Gudrun kann mit so einer rücksichtslosen Schwiegertochter kaum umgehen. Plötzlich war ich die nutzlose Ehefrau!

Ich bemerkte das alles erst, als mir eine Frau im Englischen Garten, mit der ich Gassi ging, davon erzählte. Es war seltsam, so etwas über mich von einer Fremden zu hören. Ich bat Philipp, mit seiner Mutter zu sprechen, aber er lachte nur trägen Traumes und meinte, ich solle alles vergessen. Jetzt trägt Gudrun Groll gegen mich wie einen dicken Wintermantel. Immer grüße ich sie freundlich, während sie mir nur ein frostiges Guten Tag zurückgibt.

Philipp meint, ich würde seine Mutter nicht respektieren. Ich wolle die Hausordnung seiner Familie nicht übernehmen, würde keine Freundschaft mit Gudrun suchen. Es scheint, sie vermisst vor allem … unsere Hündin. Ach, übrigens: Seine Eltern kommen oft ohne Einladung auf einen Tee vorbei, als wäre unsere Wohnung ein weit geöffnetes Gasthaus.

Doch das Unbekannte wiegt noch schwerer: Bald müssen wir einige Zeit in ihrer Wohnung wohnen! Ich habe Albträume davon wie soll ich das schaffen? Noch viel schlimmer wird es wohl, wenn wir einmal ein Kind bekommen. Wird dann ganz Schwabing wissen, wie ich das Baby bade, wie ich es füttere? Vielleicht bleibt mir nur der Ausweg, reumütig zu meinen Eltern zurückzukehren. Ich glaube kaum, dass Gudrun mir das Wohnen unter ihrem Dach ruhig gewähren wird…

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Homy
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