Heute ist der Geburtstag meiner besten Freundin. Sie und ihr Mann kamen gerade zurück nach Hause, als sie vor unserem Haus einen Kinderwagen mit einem kleinen Mädchen darin entdeckten. Das Kind war offensichtlich ein Neugeborenes. Ich war völlig überrascht, denn meine Freundin versucht schon seit Jahren, Mutter zu werden. Es fühlte sich an, als hätte das Schicksal dieses Kind direkt zu ihrer Haustür geführt.
Da es draußen kalt war, nahmen wir das Baby sofort in mein Auto und riefen die Polizei. Als die Beamten ankamen, fanden wir einen Zettel mit dem Namen des Mädchens Anneliese und ihrem Geburtsdatum. In dieser kurzen Zeit haben wir Anneliese schon liebgewonnen. Wir begannen, sie zu umsorgen und kennenzulernen, und hatten beinahe das Gefühl, sie würde zu uns gehören.
Nachdem die Polizei Anneliese ins Jugendamt gebracht hatte, beschlossen meine Freundin und ihr Mann nach reiflicher Überlegung, das Mädchen zu adoptieren. Einen Monat lang kämpften sie sich durch die Bürokratie, reichten alle Unterlagen ein, und endlich erhielten sie die Zustimmung. Doch an dem Tag, an dem Anneliese zu ihnen ziehen sollte, fuhren plötzlich mehrere fremde Autos vor. Fremde Menschen stiegen aus und erzählten, Anneliese sei ihre Enkelin. Nach und nach enthüllte sich eine tragische Familiengeschichte: Eine junge Frau aus einem anderen Land war mit einem deutschen Mann zusammen, aber wegen kultureller Unterschiede verbarg sie ihre Schwangerschaft. Ihr Freund verließ sie und sie wagte es nicht, mit ihren Eltern zu sprechen. Als sie schließlich krank wurde, entdeckte ihr Vater die Wahrheit. Die Verwandten organisierten sich und holten ihre Enkelin zu sich nach Hause.
Ein Vaterschaftstest bestätigte, dass Anneliese tatsächlich zu ihnen gehörte, und so gaben sie das Baby in ihre Obhut. Wir waren am Boden zerstört und das Herz meiner Freundin schien zu zerbrechen. Doch das Leben meinte es gut mit uns: Nach all den Jahren des Wartens wurde meine Freundin endlich schwanger. Sie musste aus gesundheitlichen Gründen die gesamten acht Monate im Krankenhaus verbringen. Direkt danach wurde ihre Tochter Elsa geboren und wir waren alle überglücklich.
Trotzdem behalten wir einen besonderen Platz in unseren Herzen für Anneliese. Diese Zeit hat uns verändert und uns gezeigt, wie viel Liebe wir geben können auch, wenn Abschied dazugehört.





