Gesicht ohne Geschichte
Mama, bitte, du verstehst doch, oder? Das ist ein Büro. Da arbeiten ernste Leute. Da kann man nicht einfach… so ankommen.
So wie? Wie meinst du das, Annegret?
Marlene stand vor dem Spiegel im Flur und knöpfte ihr dunkelblaues Mantel zu. Ganz normaler Mantel, solide gekauft vor drei Jahren im Karstadt. Passte immer noch, saß wie angegossen. Annegret stand im Türrahmen und spielte nervös am Riemen ihrer Tasche. Lange Fingernägel, perfekte Maniküre, ein Haarschnitt, für den sie, das wusste Marlene, mehr ausgegeben hatte als ihre Mutter für zwei Wochen Lebensmittel.
In diesem Mantel. Mit diesem Gesicht. Mama, da wird Herr Dr. Schmitt persönlich sein. Der Geschäftsführer von Lichtblick Beauty Group. Verstehst du? Das ist nicht irgendein Termin.
Ich verstehe schon. Und was genau stimmt mit meinem Gesicht nicht?
Annegret schloss kurz die Augen. Genau das war das Unausstehliche. Nicht, dass die Mutter nicht verstand sondern, dass sie alles verstand und trotzdem nachfragte.
Mama, du wirkst… sie suchte ein milderes Wort, natürlich. Dort sind alle Frauen top gepflegt. Ein ganz anderer Standard.
Gepflegt heißt mit Spritzen im Gesicht?
Nein, nicht unbedingt. Aber…
Aber Falten. Du meinst Falten.
Marlene drehte sich zu ihr um. Ganz ruhig, nicht beleidigt nur diese leicht neugierige Miene, die manchmal noch gemeiner war. Annegret wollte protestieren, schloss den Mund aber wieder.
Mama, ich meinte ja nur…
Ich bringe die Unterlagen. Ich laufe ja nicht zu Germanys Next Topmodel. Du hast doch selbst gesagt, der Kurier hat es vergeigt und ohne die Unterlagen platzt der Termin. Ich kann die Sachen gerne dem Pförtner am Eingang geben und gehen, wenn dir das lieber ist.
Nein, Annegret atmete sichtbar aus. Nein, mach schon. Komm einfach mit.
Sie gingen auf die Straße. Der April wusste dieses Jahr wirklich nicht, was er wollte. Am Morgen Sonne, am Mittag Wolken und ein eisiger Wind aus Richtung Main. Marlene ging aufrecht, der Mantel zugeknöpft, keine Spur von Rundrücken sie war noch nie gekrümmt gegangen. Annegret erinnerte sich, wie die Mutter sie als Kind an die Wand stellte und sagte: Rücken gerade du bist keine Oma! Heute achtete Annegret selbst sorgfältig auf ihre Haltung, aber die Mutter? Die lief einfach ganz selbstverständlich neben ihr her. Als wäre das nie anders gewesen.
Bis zur U-Bahn waren es fünf Minuten. Kein Wort. Marlene sah die Häuser, die Tauben, und die Riesenpfütze am Bordstein, die alle großzügig umrundeten. Annegret dachte an den Termin. Ob Dr. Schmitt wohl locker drauf war? Die Unterlagen hätte man gestern gebraucht. Und die Logistik-Kollegin, Katja, kriegt sicher ordentlich Ärger.
Dann fiel ihr auf, dass sie immer noch an Mamas Falten dachte und eine kurze, unangenehme Verlegenheit. Flugs den Gedanken in die hinterste Ecke geschoben.
Das Büro der Lichtblick Beauty Group lag im schicken Frankfurter Westend, im sechsstöckigen Glasbau. Concierge im Anzug, moderner Card-Scanner, alles hochglanz-mäßig. Marlene kam zum allerersten Mal dorthin. Drei Jahre arbeitete Annegret schon hier, aber ein Anlass hatte bisher gefehlt. Ihre Treffen fanden sonst in Marlenes Wohnung in Sachsenhausen statt oder, falls es wild werden sollte, in einem Café ums Eck, wo Stühle und Filterkaffee noch nach alten Zeiten rochen.
Da lang, sagte Annegret und zückte ihren Ausweis. Komm einfach dicht hinter mir.
Marlene blieb brav dicht dran, schaute sich interessiert um. Lobbys in Hellgrau, auf dem Tresen eine Glasvase mit weißen Orchideen. Dahinter lächelte ihr eine junge Frau entgegen allerdings das Profi-Lächeln, das bei allen Empfangsdamen gleich aussieht. Bevor Marlene die persönlich studieren konnte, zerrte Annegret sie weiter zum Aufzug.
Sechster Stock.
Im Aufzug hing ein Spiegel. Marlene betrachtete sich und die Tochter daneben. Annegret war am Handy beschäftigt. Ihr Gesicht: Wie aus Photoshop. Keine einzige Linie zu viel. Hübsches Gesicht, kann man nichts sagen. Und ihr eigenes? Auch akzeptabel. Fältchen um die Augen, etwas tiefere Mundwinkel, Stirn nicht mehr ganz so glatt wie mit vierzig. Diese Falten hatten sie begleitet. Jede davon.
Die da zwischen den Brauen, die kam, als ihr Vater starb. Damals hat sie nicht geweint, sondern nur ständig die Stirn gerunzelt. Sagt man nicht: Wer oft runzelt, behält den Strich? Hatte gepasst. Die am Mundwinkel Gelächter. Viel gelacht, oft, ehrlich gelacht, das rechnet sich wenigstens. Die am Auge Sonnenblinzeln, Leidenschaft beim Schauen, Suchen in der Ferne.
Der Aufzug bimmelte. Handy weg, los gehts.
Mama, bitte. Einfach den Ordner abgeben und fertig. Ich bring dich dann wieder raus, okay?
Mach dir um mich keine Sorgen, arbeite du nur.
Im sechsten Stock ein riesiges, helles Großraumbüro. Weiße Schreibtische, lauter Leute mit Laptops, an den Wänden Werbeplakate. Marlene erkannte einige Gesichter nicht wirklich, aber von den Quartalsaktionen, Parfum-Kampagnen, dergleichen. Sie alle sahen aus wie aus einem Katalog: zu makellos, zu gleichförmig. Wie wenn ein Mensch in fünfzig Spiegeln widerhallt, immer unter anderem Winkel.
Annegret!, rief jemand. Eine Frau in strengem Hosenanzug durchquerte den Raum. Hast du die Unterlagen? Dr. Schmitt hat schon gefragt.
Ja, meine Mutter hat sie gebracht. Annegret stockte einen Moment bei meine Mutter, aber Marlene registrierte es sofort. Das ist Frau Schneider meine Chefin.
Guten Tag, Marlene reichte die Hand. Marlene Förster.
Sehr angenehm, Frau Schneider schüttelte Marlenes Hand und wandte sich sofort wieder Annegret zu. Gib her, ich bringe das selbst nach vorne, keine Zeit.
Moment, da sind Zusatzunterlagen dabei. Ich muss kurz erklären, was wie sortiert ist.
Frau Schneider seufzte, schaute auf die Uhr, rollte kurz mit den Augen.
Na gut, dann komm. Und zu Marlene: Sie können sich da am Fenster auf die Couch setzen, dauert nicht lang.
Marlene landete auf dem niedriggrauen Sofa. Tochter und Chefin verschwanden im Innenhof der Büroetage. Rundherum Arbeitswelt-Geräuschkulisse. Alle beschäftigten sich konzentriert mit ihrem Bildschirm. Die perfekte Unsichtbarkeit.
Sie legte das Mantel ordentlich auf den Schoß, fischte einen kleinen Thermobecher aus der Handtasche. Kaffee, den kochte sie immer selbst, wenn sie länger unterwegs war. Alte Gewohnheit von zwanzig Jahren im Archiv an der Stadtverwaltung, man sollte sich nie auf fremden Kaffee verlassen. Schraubte den Deckel auf, trank einen Schluck. Gut geworden. Auf türkischer Art, mit Kardamom.
Plötzlich klapperte etwas ein junger Mann, etwa Anfang dreißig, bückte sich nach seinem Handy, das vom Schreibtisch gefallen war.
Alles okay? fragte Marlene.
Ja, danke! Er grinste freundlich. Sind Sie hier zum Termin?
Meine Tochter arbeitet hier. Ich habe die Unterlagen gebracht.
Ach so! Kaffee von zu Hause? Er deutete auf den Becher.
Ja, mit Kardamom. Wollen Sie probieren?
Er lachte laut auf, völlig überrascht.
Nein danke, ich habe heute schon drei aus der Maschine, langsam zittere ich.
Nicht gesund, sage ich immer.
Ich weiß, Deadline…
Marlene nickte verständnisvoll. Das Wort kannte sie von Annegret.
Am Ende des Saals, hinter einer Glaswand, lag die Besprechungszone. Heraus kamen vier Leute, lebhaft diskutierend. Vorneweg ein großer Mann, helles Jackett, Grauschläfen. Haltung eines gelernten Alphatiers, aber nicht aufgeblasen. Sprach angeregt mit einer Kollegin, die Notizen machte.
Marlene brauchte einen Moment, der Groschen fiel erst nach drei Sekunden. Der Gang. Daran erkannte sie ihn. Es waren über 35 Jahre vergangen aber ja, den Gang hätte sie überall wiedererkannt. Sebastian Sattler. Parallelklasse. Sättler, der in der zehnten Klasse wegen lauten Denkens im Chemieunterricht rausflog.
Sie versteckte sich nicht hinterm Thermobecher, tat nichts. Einfach sitzen und abwarten, schauen, was passiert. Er wird reihum schauen, vielleicht erkennt er sie, vielleicht nicht. Beides wäre in Ordnung gewesen.
Er sah sie. Blieb mitten im Satz stehen. Die Frau neben ihm hob die Augenbrauen.
Einen Augenblick, Silke, sagte er, steuerte auf das Sofa zu.
Marlene stellte den Thermobecher ab.
Marlene? Nicht als Frage, eher als Behauptung. Er schien sicher, sagte es trotzdem zur Sicherheit laut.
Sebastian Sattler. Aus 10b.
Er lachte kurz, echt.
Ja, aus der 10b. 36 Jahre ist das her.
37. Letztes Jahr war das Klassentreffen.
Ich war nicht da.
Waren die wenigsten.
Er schaute sie an, und Marlene merkte sofort, was ungewöhnlich war: Er guckte sie nicht an wie diese Chefs sonst. Kein Scan, kein böses Auge. Einfach sie. Mit echter Neugier.
Wie kommst du hierher?
Meine Tochter arbeitet im Marketing. Annegret Förster.
Förster. Stimmt. Tüchtig. Du hast die Unterlagen gebracht?
Weil der Kurier nicht kam. Ich wohne ums Eck.
Klug gehandelt, sagte er einfach so. Marlene, du… du siehst gut aus. Nein, nicht gut wie soll ich sagen… er rang kurz um Worte. Erinnerst du dich, Frau Metz, unsere Deutschlehrerin, redete von Gesichtern mit Geschichte? Genau so bist du.
Marlene nickte. Frau Metz unvergessen.
Das sagte sie über Dostojewski.
Und über dich, als du den Aufsatz über Effi Briest geschrieben hast. Weißt du noch? Du hast damals geschrieben, Effi wurde schöner, als sie älter wurde weil sie so echt sei. Frau Metz las das der Klasse vor.
Weiß ich nicht mehr.
Aber ich.
Aus dem Büro tauchte Annegret wieder auf, mit Mappe unterm Arm. Anfangs im Laufschritt, dann abrupt stehen geblieben: Ihre Mutter auf dem Sofa und Herr Dr. Schmitt steht daneben und plaudert. Nicht wie Chef mit einer Besucherin, sondern wie mit jemandem, den er versteht.
Herr Schmitt, hier die Mappe. Alles geordnet, mit Post-Its.
Hervorragend. Er griff zu, ohne hinzusehen. Annegret, du weißt, dass deine Mutter in der Schule herausragende Aufsätze geschrieben hat?
Annegret blinzelte.
Nein. Wusste ich nicht.
Wir waren auf derselben Schule. Parallelklasse. Dann wieder zu Marlene. Marlene, hast du jetzt noch viel vor? Silke, rief er über die Schulter, bitte verschieb meinen nächsten Termin um eine Stunde. Ich geh Mittag essen.
Silke war der typische Mensch, der Meetings schieben kann, ohne sich groß zu wundern.
Sebastian, du hast doch viel zu tun.
Die halbe Stunde wird sich die Firma gönnen können. Im Erdgeschoss gibts ein solides Café. Blick auf den Thermobecher. Obwohl, du machst sicher den besseren Kaffee.
Mit Kardamom. Wie immer.
Auf Kardamom schwöre ich. Ein Seitenblick zu Annegret. Kommst du mit auf eine kleine Pause? Eine halbe Stunde reißt nichts um.
Annegret wusste gar nicht, was sie sagen sollte. Sie sah den Blick zwischen den beiden diesen freundlichen, ganz unbekümmerten Blick. Wie aus alten Filmen, der echtes Interesse zeigt, und nicht das übliche Büroscannen, das sie längst verinnerlicht hatte.
Zwanzig Minuten könnte ich, sagte sie schließlich. Dann geb ich kurz Bescheid.
Im Erdgeschoss, in der kleinen Cafébar, war es erstaunlich gemütlich. Drei Tische am Fenster, Theke, Duft von frischem Kuchen. Marlene nahm einen Americano, Sebastian das Gleiche. Annegret irgendwas mit viel zu langem italienischen Namen und Vanillemilch.
Ein paar Minuten wurde einfach geschwiegen. Nicht unangenehm, sondern wie Menschen schweigen, die sich gegenseitig nicht durch Lärm beeindrucken müssen.
Also, du hast dein ganzes Berufsleben im Archiv verbracht?
22 Jahre. Dann Frührente. Mir wurde das angeboten, ich sagte ja.
Bereut?
Nein. Jetzt habe ich Zeit. Lese viel. Gehe ins Theater. Und kümmere mich um den Schrebergarten.
Garten? Ehrlich?
Was ist daran lustig?
Nichts. Nur… Ich kann mir schwer vorstellen, jemals Zeit für einen Garten zu haben. Klingt eigentlich beneidenswert.
Ist es. Beim Umgraben hört das Denken von selbst auf. Man gräbt einfach.
Annegret saß und hörte. Merkwürdig, wie einfach das wirkte. Für sie war Dr. Schmitt immer der Chef, freundlich, aber schneidig und kühl. Und ihre Mutter: die Frau mit Kardamomkaffee, dem Garten, der eigenen Meinung zu Spritzen und Schuhsohlen, nie um eine Gegenfrage verlegen. Zwei verschiedene Welten und jetzt am selben Tisch beim Smalltalk über Gemüsebeete und Geschäftsmodelle. Und das war gar nicht seltsam. Es passte.
Mama, du hast nie erzählt, dass ihr zusammen auf der Schule wart.
Hast nie gefragt.
Aber du wusstest, dass ich hier arbeite.
Klar. Marlene zuckte die Schultern. Aber das ist seine Firma. Mein Leben, sein Leben warum hätte ich mich aufdrängen sollen?
Schade eigentlich, sagte Sebastian leise. Ich hätte mich gefreut.
Marlene blickte ihn an.
Sebastian, du warst schon immer für die schönen Worte zuständig.
Das sind keine schönen Worte. Nur ehrlich. Weißt du, Marlene, nach zwanzig Jahren Beauty-Industrie, nach tausenden Gesichtern Werbeplakate, Zeitschriften, Kundinnen auf Roadshows dir fällt irgendwann was auf: Die Gesichter, die wirklich hängenbleiben, sind Gesichter, in denen Leben steckt. Keine faltenfreien. Keine nach zehn Behandlungen. Sondern solche, denen du ansiehst: Da ist richtig etwas passiert im Leben. Freude, Kummer, Hoffnung.
Annegret blickte in ihren Latte und spürte ein leichtes Ziehen in der Brust. Nicht Schmerz aber so etwas wie das Wissen, man hat irgendwo falsch abgebogen, will es aber nicht zugeben.
In der Beauty-Branche will das keiner hören, erwiderte Marlene ruhig. Da gelten andere Maßstäbe.
Ich weiß. Die habe ich selbst mitgeschaffen. Er zuckt die Achseln. Aber glauben… Das ist etwas anderes.
Und warum dann?
Geschäft. Er lächelt ein bisschen. Die Leute wollen Hoffnung kaufen. Ich verkaufe ehrliche Produkte. Ehrlicher als viele andere.
Fair.
Annegret wechselte den Blick zwischen Mutter und Chef wie bei einem Tennisspiel. Irgendwie wirkte alles auf einmal ein bisschen anders. Bisher war Herr Dr. Schmitt nur ein distanzierter Profi Mutter eine gewisse Zumutung, weil sie ihre Prinzipien so hartnäckig durchzog. Jetzt sah sie zwei Erwachsene, die sich nicht durch Status definieren mussten. Beide angekommen, nie nötig gehabt, sich zu beweisen.
Annegret, sagte Sebastian, weißt du eigentlich, dass deine Mutter in der Schule das klügste Mädchen war?
Nee, nie.
Doch. Nur hat sie das nie raushängen lassen. Sie hat immer abgewartet, schweigend klug korrigiert, wenn andere schon alles gesagt hatten immer höflich, aber treffsicher.
Warum erinnert man sich an so was?
Weil ich immer der Typ war, der das Wort zuerst ergriff. Und du hast mich korrigiert, sehr freundlich. Erst hats mich geärgert. Dann interessiert.
Marlene grinste. Leise, nüchtern. Annegret sah ihre Mutter seit langer, langer Zeit mal wieder so entspannt lachen. Vielleicht, weil sie ihr selten den Anlass dazu bot.
Ich muss zurück, sagte Annegret schließlich. Stand auf, griff die Tasche. Mama, kommst du zurecht?
Klar.
Dann ruf mich an, wenn du fertig bist.
Annegret nahm den Aufzug hoch und ging in die gewohnte Welt der Schreibtische und Werbeplakate. Als sie am Sofa vorbeiging, lag dort noch der Deckel von Marlenes Thermobecher.
Alles erledigt? fragte Frau Schneider.
Übergeben, ja. Herr Schmitt hat alles.
Super. Hat er was gesagt?
Nur, dass die Unterlagen passen.
Gut zu wissen. Frau Schneider rauschte ab. Ach, Annegret, woher kennt der Chef eigentlich deine Mutter? Die sind doch eben zusammen raus?
Schulfreunde. Parallelklasse.
Sie hob die Augenbrauen: Wirklich? Hat er sie erwähnt?
Quatsch, die trinken nur Kaffee. Sie haben sich 37 Jahre nicht gesehen.
Frau Schneider zuckte die Schultern und huschte weiter. Annegret warf sich auf den Schreibtischstuhl und öffnete Excel. Zahlenkolonnen ausmonatieren, eigentlich gestern schon fällig. Sie starrte auf die Tabelle, dann aus dem Fenster ein bisschen Straße, Bäume auf der Allee, das erste zarte Grün.
Was hatte sie heute morgen zu ihrer Mutter am Spiegel gesagt? Du siehst natürlich aus. Nicht als Kompliment, sondern wie einen Tadel. Als wäre natürlich ein Defizit.
Drei Jahre bei Lichtblick Beauty Group. Der Sprachstil ging ins Blut über: Transformation, Selbstoptimierung der modernen Frau muss nichts gefallen, was sie am Spiegel nicht will! Schön verpackt, überzeugend. Produkte, für die sie einstand, Produkte, ehrlich. Aber irgendwas stimmte nicht, vielleicht, weil die beste Version seiner selbst doch immer bedeutet: die jüngere Version. Glatter, spurenlos.
Ihr Chef, der diese Sprache mitentwickelte, sagte nun plötzlich: Gesichter mit Geschichte sind die, die haften bleiben.
Im Handy öffnete sie ein Foto Mutter letzten Sommer am Schrebergarten. Auf der Veranda, mit Becher, Blick in die Ferne, die Sonne von der Seite. Falten: ja. Aber alles lebt darin. So echt, dass Annegret ganz merkwürdig wurde.
Nicht weiter nachdenken. Handy weg, Excel auf.
Im Café unten, Marlene und Sebastian bestellten beide einen zweiten Kaffee.
Und sonst, wie läufts so? Noch verheiratet?, fragte er.
Nein. Schon ewig geschieden.
Schwer?
Anfangs ja, dann normal, inzwischen gut. Wie es halt so ist.
Ich auch, geschieden. Acht Jahre. Kinder?
Nur Annegret.
Ich zwei. Sohn in Hamburg, Tochter hier, aber keine Enkel noch nicht.
Willst du welche?
Kommt drauf an. Sage ich ja, ist das Druck. Sage ich nein, lüge ich.
Ehrlich.
Versuch ich. Er schaute sie intensiv an. Marlene, darf ich was fragen? Nicht böse sein.
Probiers.
Warum hast du nie mehr was Ernstes angefangen nach der Scheidung? Fühlst du dich nicht manchmal allein?
Sie dachte kurz wirklich nach. Nicht für die Form. Das war keine leichte Frage.
Klar war ich zuerst einsam. Dann gewöhnte ich mich dran. Dann so sehr, dass ichs nicht mehr merkte. Alleinsein ist nicht gleich Einsamkeit. Ich mag mein Leben inzwischen.
Das merkt man.
Was merkt man?
Dass du sagst, was du glaubst. Nicht mich überzeugen willst. Nicht dich.
Sie schaute nach draußen. Menschen, die draußen an der Glasfassade vorbeihetzten Handy, Tüten, manche schauten einfach nur.
Sebastian, bist du glücklich?
Er antwortete nicht sofort. Schon mal ein gutes Zeichen. Wer zu schnell ja sagt, hat nie drüber nachgedacht.
Teilweise, sagte er schließlich. Job gut, Kinder fit, Gesundheit okay. Aber es fehlt was manchmal weiß ich selbst nicht was.
Auch ehrlich.
Da lobst du Ehrlichkeit, als wär das was Seltenes.
Ist es, erwiderte Marlene. In Chefzimmern erst recht.
Kurzes Schweigen, das heute kein Loch war.
Marlene, darf ich deine Nummer haben?
Wofür?
Zum Anrufen.
Und warum?
Weil ich gern mit dir rede. Und weil ich, sein Grinsen, dringend jemanden brauche, der mich höflich, aber berechtigt korrigiert.
Sie kramte ihr Handy raus. Altmodisch, aber zuverlässig.
Gib du mal deine Nummer, ich rufe dich dann an. Dann hast du meine auch.
Sie tippte, sein Handy vibrierte.
Zack jetzt hast dus.
Gut. Ich melde mich.
Alles klar.
Sie tranken aus. Sebastian checkte die Uhr.
Meine Assistentin wird schon nervös.
Dann mal zurück ins Schlachtfeld.
Keine Reue, dass du herkamst?
Marlene zog den Mantel an.
Ich bin nicht von selbst gekommen meine Tochter hat mich mitgeschleift.
Trotzdem.
Keine Reue.
Er stellte sich mit ihr an den Aufzug.
Marlene.
Ja?
Du bist schön. Ich weiß, klingt abgedroschen. Aber ich meine es anders. Schön wie Dinge, die gut gealtert sind. Ein Baum, altes Porzellan, eine echte Altstadt. Da steckt was drin.
Marlene sah ihn an.
Ich bin kein Porzellan, Sebastian.
Er lachte.
Besser.
Der Aufzug kam. Drin drehte er sich nochmal um: Warte auf meinen Anruf.
Mal sehen.
Die Türen schlossen sich.
Marlene atmete einmal tief durch, lief an Concierge und Orchi-Vase vorbei zur Tür. Draußen blies der vertraute Aprilwind. Sie knöpfte ihren Mantel zu.
Das Handy schwieg. Annegret meldete sich nicht sie arbeitete wohl. Marlene ging bis zur nächsten Straßenbahnhaltestelle, stieg aber nicht ein. Spazierte durch das Frankfurter Frühlingsgrau. Keine Eile. Der Blick aufs neue Grün ganz zart, fast durchsichtig.
Abends zu Hause kochte sie Suppe.
Mama, bist du gut angekommen?
Schon lange.
Alles okay?
Klar, Suppe ist auf dem Herd.
Kurzes Zögern am anderen Ende.
Mama, ich wollte noch…
Annegret, lass.
Nein, muss sein. Heute früh mit dem Gesicht und so. Das war…
Weißt du, hast du mal Suppe gekocht aus Sachen, die du gestern fast weggeschmissen hättest?
Was?
Ach, nichts. Manches muss erst komisch aussehen, bevor es dann das Richtige wird. Ist alles okay.
Kurze Stille.
Sebastian… also, Herr Dr. Schmitt… fandst du den nett?
Was soll das Sie? Wir waren Klassenkameraden.
Ja, ist ja gut. Also, wie war er?
Marlene rührte im Topf.
Ist wie immer. Sagt, was er denkt.
Ist das gut oder schlecht?
Selten, wiederholte Marlene.
Hat er gesagt, er ruft dich an?
Ja.
Hast du ihm die Nummer gegeben?
Hab ich.
Pause am anderen Ende. Marlene spürte, wie Annegret das sortierte.
Und wie findest du das?
Noch keine Meinung. Ruft er an, sehen wir weiter. Ruft er nicht an passiert auch nichts.
Du bist immer so ruhig.
Nicht immer. Ruhe muss man üben. So ab fünfzig klappts.
Etwas Gemurmel am anderen Ende. Dann: Kommst du nächste Woche zum Essen? Nicht hetzen, sondern Zeit nehmen?
Gerne.
Ich suche ein gutes Lokal raus.
Hauptsache nichts super Trendiges. Da fühl ich mich immer zwischen all dem Hummus unwohl.
Wird ein gutes Lokal, versprochen.
Marlene füllte sich Suppe in den Teller. Brot dazu, das Fenster schimmerte im Frankfurter Abendlicht wie schon seit ihrer Kindheit, in einer anderen Wohnung, mit einem anderen Leben vor sich.
Sie aß ohne zu viel zu denken. Für morgen Blumen gießen, Samstag hat die Bibliothek bis sechs auf. Butter ist fast alle.
Handy lag griffbereit, blieb aber leise. War auch nicht schlimm.
Sie wartete nicht. Sie wartete auch nicht das Nicht-Warten. Sie aß einfach ihre Suppe und schaute aus dem Fenster.
Die nächste Woche lief Annegret mit so einer Art verschobenem Blickwinkel herum, den kriegt man nicht einfach wieder gerade. In Meetings starrte sie auf die Kampagnen-Plakate und dachte dabei an das Foto der Mutter aus dem Schrebergarten. Wenn sie mit Kollegin Birte beim Mittagessen saß, Thema mal wieder: neuste Fadenlifting-Technik, dann lächelte und nickte sie innerlich aber: Was verbirgt sich wohl hinter der makellosen Birte-Fassade? Birte war keine schlechte Person. Aber inzwischen fragte Annegret sich: Was ist da wirklich?
Am Mittwoch kam Dr. Schmitt durchs Büro, stoppte an ihrem Schreibtisch.
Wie läufts mit der Natürlich Schön-Kampagne?
Alles im Zeitplan, nächste Woche Creative-Präsentation, antwortete sie prompt.
Gut. Er dreht schon ab, bleibt dann stehen. Hab gestern mit deiner Mutter telefoniert.
Annegret hob den Kopf.
Ach ja?
Wir treffen uns Samstag, gehen spazieren. Sie meint, sie war ewig nicht mehr im Palmengarten.
Palmengarten mag sie, sagte Annegret. Das stimmte wirklich.
Hab ich erfahren. Er zögerte. Ist das okay für dich?
Seltsame Frage vom Chef. Aber er fragte als Mensch, nicht als Boss.
Klar. Sie freut sich.
Er nickte und ging. Annegret sah ihm nach und dachte, dass ihre Mutter, die mit dem schlichten Mantel, dem Thermobecher und dem vom Tochterblick zu natürlichen Gesicht, durchaus etwas in Bewegung gebracht hatte. Nicht in der Firma. Nicht beim Chef. In ihr.
Es fühlte sich nicht unbedingt toll an. Eher so langsam wie ein Splitter, der nicht richtig schmerzt aber da ist.
Sie öffnete das Word-Dokument für die Natürlich Schön-Kampagne erster Absatz, alles von Akzeptanz und natürlicher Schönheit als Trend. Saubere Worte, reflektiertes Target. Ihre Worte. Schnell, präzise.
Doch irgendwie kam es ihr jetzt vor, als beschrieben die Worte etwas Äußeres, keinen echten Kern. Selbstakzeptanz ein Begriff für Werbetelegramme, aber die echten Leute, die das wirklich können, trinken Türkischkaffee und entschuldigen sich nie für ein paar Fältchen.
Am Freitagabend stand sie unvermittelt vor Marlenes Tür. Keine Anmeldung, einfach spontan. Marlene öffnete im Bademantel mit Buch in der Hand überrascht, aber nicht hektisch.
Du sagst aber auch nie Bescheid…
Wollte einfach so vorbeikommen.
Na dann, komm rein. Tee kocht schon.
Die Wohnung in Sachsenhausen: legendär gleich, neue Tapeten, die Bücherregale jedes Jahr voller. Auf der Fensterbank Geranien, in der Küche ein deutlicher Eintopfgeruch.
Hast du gegessen?
Nee. Komme direkt aus dem Büro.
Hinsetzen. Ich mache gleich warm.
Mama, muss nicht sein…
Setz dich einfach, nicht streng, aber so dass man gehorcht.
Während Marlene in der Küche klapperte, betrachtete Annegret die alten Fotos. Da lachte ihre Mutter als junge Frau, Wellen im Haar, hielt die kleine Annegret auf dem Arm. So ein Bild, das keine Erklärung braucht: einfach echt, einfach schön.
Marlene brachte einen Teller, Kartoffeln mit Gulasch simpel, aber der Duft war nach echtem Hunger. Und: Essen.
Gegenüber: Marlene mit ihrer Teetasse. Jetzt, was beschäftigt dich?
Was soll ich sagen?
Man kann auch einfach so kommen. Aber du siehst aus, als würdest du gerade viel nachdenken.
Annegret aß ein paar Bissen, dann legte sie das Besteck ab.
Mama, ich will mich entschuldigen. Richtig nicht wie am Telefon.
Hast dich doch schon.
Es reicht aber nicht. Nicht nur wegen Gesicht heute morgen. Ich habe dich insgesamt immer falsch gesehen.
Marlene umklammerte ihre Tasse.
Wie falsch, bitte?
Als etwas, das korrigiert werden muss. Oder versteckt. Weil du keine Spritzen nimmst, kaum Schminke, dich nicht nach uns stylst ich dachte immer, das wäre… Vernachlässigung.
Und?
Das stimmt nicht. Du kümmerst dich. Nur anders. Du siehst aus, wie du aussehen willst. Weil es deine Entscheidung ist nicht, weil du es nicht anders könntest.
Marlene schwieg.
Woher kommt das auf einmal?
Dr. Schmitt hat was gesagt. Über Gesichter mit Geschichte. Und, dass du die Klügste warst.
Er hat immer zu Übertreibungen geneigt.
Ich glaube, er meinte es ernst.
Marlene stellte die Tasse ab.
Annegret, ich war nicht beleidigt. Wirklich. Ich weiß, woher das kommt. In eurer Branche ist Aussehen ja praktisch Pflicht. Ihr lebt quasi im Spiegel. Dann sieht man alles andere auch so.
Das entschuldigt es aber nicht.
Ist halt Berufskrankheit. Jeder hat seine. Hauptsache man merkt irgendwann, wenn sie Probleme macht.
Annegret sah sie an. Das war das. Marlene dozierte nicht, belehrte nicht. Einfach: erklären wie man einer Freundin etwas erklärt. Ohne Groll.
Warst du sauer?
Heute früh nur kurz. Wegen dem Stocken bei Mama. Das hat getroffen.
Autsch.
Mama…
Ach, ist durch. Iss, sonst wirds kalt.
Kartoffeln, Tee und draußen Aprilregen, der seit ein paar Minuten gleichmäßig trommelte.
Mama, bist du froh, dass er sich gemeldet hat? Sebastian?
Weiß nicht. Angenehm ist es. Länger schon keine Gespräche mehr ohne Zweck.
Und Palmengarten am Samstag?
Kommt aufs Wetter an.
Das ist doch kein Plan!
Doch. Ich plane nichts mehr übermorgen hinaus.
Essen beendet. Marlene brachte Tee.
Mama. Hast du nie Angst? Vor Neuanfängen in deinem…
Sie verstummte, Marlene sah sie an freundlich, geduldig. Annegret merkte, dass sie fast in deinem Alter gesagt hätte. Genau wie damals mit dem natürlich.
In deinem Alter, wolltest du sagen?
Ja. Auch nicht richtig.
Schon, grinste Marlene. Und ehrlich? Früher hatte ich Angst. Jetzt nicht mehr. Die Angst, dass ein Anfang schlecht endet, habe ich irgendwann mit 52 abgelegt. Das Schlimmste ist nicht, dass es schlecht endet sondern, dass man nie anfängt.
Weise.
Quatsch, leben halt. Weisheit ist ein großes Wort für so kleine Erkenntnisse.
Noch ein bisschen Sitzen. Taxi bestellt, Marlene packt Restfleisch in eine Dose. In der Tür, beim Anziehen. Mutter steht da, beobachtet. Ein gutes Kind. Manchmal zu sehr im Glanz ihrer eigenen Welt verloren aber das gibt sich.
Komm nächstes Mal gern ohne Anlass.
Mache ich.
Entschuldigen reicht einmal.
Versprochen.
Geh, Taxi wartet.
Annegret ging. Marlene schloss ab, kehrte in die Küche zurück. Buch, Seite suchen. Dann Fensterblick. Der Regen hatte aufgehört, der Asphalt glänzte im Straßenlaternenlicht.
Sie dachte an Sebastian. Nicht dramatisch, nicht nervös. Einfach: Da ist was Neues, mal sehen, wo das hinführt. Spontane Neugier. Nicht gesucht, nicht erhofft. Nur die Unterlagen abgeliefert.
Am Samstag war das Wetter herrlich. Palmengarten: feuchte Blätter, erste Grashalme, Bäume das frische Blätterdach noch nicht dicht. Sie schlenderten am Teich entlang. Marlene erzählte von ihrer Kindheit hier, Eltern auf dem Ausflug, alles wie früher.
Hast du also in der Nähe gewohnt?
Fünf Tramstationen weit, an der Schweizer Straße.
Ich in Bockenheim, sagte Sebastian. Wir hätten uns schon als Zehnjährige im Palmengarten treffen können.
Hätten wir, lächelte Marlene.
Zufall… oder Schicksal?
Schicksal kommt meist, wenn man für Zufall keine Verantwortung übernehmen will.
Verantwortung wofür?
Zum Beispiel für den Entschluss, bei sich zu bleiben, wenn alle sagen, man müsse sich verändern. Das ist kein Schicksal das ist Entscheidung.
Er sah sie ernst an.
Meinst du die Beauty-Spritzen?
Das und alles andere.
Hast du jemals daran gedacht?
Klar. Mit ca. 48. Eine Freundin schwor drauf, sei halb so wild. Ich wartete im Wartezimmer, guckte die Patientinnen an. Dieses gleichmäßige Gesichtsausdruck, nicht schlecht, aber alle ein bisschen versteckt hinter der glatten Fassade. Und ich dachte: Willst du dich verstecken? Und merkte: Nein.
Sie setzten sich auf eine alte Bank unter einer Ulme. Ein Hund raste vorbei, ein Pfiff, Kinder fuhren Rad.
Marlene, darf ich eine ernste Frage?
Immer los.
Dir ist klar, dass ich nicht nur aus alter Bekanntschaft angerufen habe?
Ist klar.
Und?
Marlene schaute auf den Teich, kleine Kreise auf dem Wasser.
Sebastian, ich bin 58.
Und ich 60.
Dann sind wir Erfahrungsklasse. Man weiß, dass man vorher nichts verspricht.
Genau.
Also, nee, ich habe nichts dagegen.
Er sagte nichts weiter. Sie saßen gemeinsam und blickten auf die Wasserfläche. Irgendwo draußen, hinter den Büschen, lag das Frankfurter Westend mit all seinen Büros, Plakaten und glatten Gesichtern. Hier: Park, Bank, zwei Menschen mit Leben, das keiner mehr begründen musste.
Marlene’s Handy vibrierte. Annegret.
Geh ran, sagte Sebastian.
Gleich.
Komm, ist wichtig.
Mama, bist du grad beschäftigt?
Ein bisschen.
Im Palmengarten?
Ja.
Gut… kurze Pause …habe ein Restaurant ausgesucht. Nächste Woche. Versprochen nicht hip. Einfach bodenständig. Hättest du was dagegen, wenn ich noch jemanden mitbringe?
Wen denn?
Birte. Du wirst sie mögen.
Marlene lächelte.
Gern. Bis dann.
Nicht stören, viel Spaß. Grüß Sebastian von mir.
Von mir…, also, gib ihm das Handy doch mal.
Marlene gab weiter.
Ja?
Herr Sattler, passen Sie auf meine Mutter auf, okay? Und denken Sie an den Kardamom.
Er lachte.
Wird gemacht!
Bis dann.
Er legte auf, Marlene steckte das Handy weg.
Nettes Mädchen, sagte Sebastian.
Ja, lächelte Marlene.





