Meinem Sohn ist es egal, dass ich nichts mehr zum Leben habe, wenn ich ihm meine Eigentumswohnung überlasse.

Es heißt doch immer, dass wir selbst für alles verantwortlich sind, was uns im Leben so passiert so schön bequem, als wären wir die Marionettenspieler unseres eigenen Unglücks. Triffst du morgens die falsche Entscheidung? Zack, darfst du sie ein Leben lang ausbaden.

In meinem Fall habe ich wirklich einen echten Bock geschossen nämlich an jenem Tag, als ich beschlossen habe, mein Schicksal einem Mann anzuvertrauen, mit dem es von Anfang an zum Scheitern verurteilt war. In meiner Jugend war ich kopfüber verliebt in meinen Frank, obwohl ich längst wusste: Der Typ taugt nichts, ein wankelmütiger Tagträumer mit dem Verantwortungsbewusstsein eines Gartenzwerges. Aber klar, ich wollte einfach glauben, dass er sich ihretwegen ändert. Wie naiv kann man sein?

Aber Menschen bleiben am Ende eben doch, was sie sind. Sogar nach der Geburt unseres Sohnes Felix blieb Franks Verhalten wie gehabt nämlich miserabel. Jeden Monat kamen neue Geschichten ans Licht, von Affären und Abenteuern, erzählt von Nachbarn, Bekannten, ja sogar von meiner eigenen Tante Gertrud. Das Gefühl war eine Mischung aus Fremdscham und gekränktem Stolz und das fünf Jahre lang, ehe ich endlich die Reißleine gezogen habe: Scheidung, Schlussstrich.

Immerhin, Frank war nie geizig. Er hat mir seine Wohnung in Berlin hinterlassen, unter der Bedingung, dass ich keinen Antrag auf Unterhalt stelle. Zum Wohnen war sie mir und Felix aber zu eng verbunden mit Erinnerungen, also haben wir sie vermietet und sind erst mal zu meiner Mutter nach Heidelberg gezogen. Sie benötigte damals schon Pflege irgendwie passte alles. So plätscherte das Leben dahin.

Die Mietzahlungen gingen drauf für Felix: Klamotten, Schulbücher, Klassenfahrten, Schulsnacks und manchmal ein neues Spiel. Hauptsache, er hatte eine ordentliche Kindheit. Der Rest der Einnahmen wanderte in Strom, Heizung, Miete fürs Pflegezimmer und die endlosen Medikamente für meine Mutter, die seit Jahren ans Bett gefesselt war. Ich dachte wirklich, Felix würde all das zu schätzen wissen. Aber jetzt, mit 57, sitze ich hier mit Diabetes, spritze mir täglich Insulin und kämpfe tapfer ums Weiterleben.

Arbeiten? Keine Chance mehr. Wer stellt denn jemand wie mich noch ein? Und in die Rente komme ich auch nicht; dafür waren die diversen Nebenjobs zu kurz und zu unregelmäßig. Um ehrlich zu sein: Meistens lief das Ganze sowieso schwarz, um über die Runden zu kommen. Kurz gesagt: Ich lebe von den Mieteinnahmen aus Franks alter Wohnung.

Und dann, jetzt, plötzlich: Felix inzwischen 31 entscheidet sich, mit seiner frisch angetrauten Marie in eben dieser Wohnung sesshaft zu werden. Auf meine Frage, wovon ich bitteschön leben solle, kam nur ein lakonisches: “Das ist jetzt dein Problem, Mama.”

Ich weiß wirklich nicht, was ich tun soll. Keine Ersparnisse, Medikamentenbedarf rund um die Uhr und irgendwas muss man ja auch mal essen, ganz zu schweigen von der Nebenkostenabrechnung. Wie konnte ausgerechnet mein eigener Sohn mir so etwas antun? Und warum? Herrje, manchmal frage ich mich, ob das vielleicht doch alles meine Schuld ist…

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Homy
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