Zeitschleife – Gefangen zwischen Gestern und Morgen

Zeitschleife

Anja saß im Café an einem Tisch gegenüber von, seit zwanzig Minuten ihrem Ex-Mann, Matthias.
Na, das wars dann wohl, sagte Matthias.
Ja, erwiderte Anja trocken.
Irgendwie blöd gelaufen…
Blöd? Nicht schlecht! Du hast mich jahrelang betrogen und denkst nur darüber nach, wie blöd es ist, dass es rausgekommen ist? Früher oder später hätte ich es sowieso erfahren. Also…
Schon gut, Anja. Ich geh jetzt. Du weißt, du kannst dich immer bei mir melden. Und… ich hab dich geliebt und liebe dich immer noch.
Danke, Matthias. Aber wenn du mich liebst, warum brauchtest du dann noch eine andere Frau?
Naja… Du bist die Mutter meiner Kinder, und mit ihr konnte ich einfach abschalten. Und ihr beide habt mich zu all meinen Erfolgen angetrieben. Ohne euch hätte ich nichts erreicht.
Na, dann bekommst du jetzt noch mehr Kinder, dann steigt die Motivation sicher noch mehr…
Lass das, Anja… Sie kann keine Kinder bekommen…
Matthias drehte sich um und ging.

Anja trank ihren Tee aus und verließ ebenfalls das Café. Sie atmete tief die frische Luft ein und ging Richtung U-Bahn. Natürlich hätte sie mit ihrem Auto fahren oder ein Taxi rufen können, aber sie wollte mitten unter Menschen gleichzeitig alleine sein also entschied sie sich für die U-Bahn.

Anja stieg in den Waggon, setzte sich auf einen freien Platz und versank in Gedanken. Vor ihrem inneren Auge tauchten die Erinnerungen auf: das Kennenlernen mit Matthias, die Hochzeit, die Geburt ihres Sohnes, dann ihrer Tochter. Sie war die ganze Zeit glücklich. Klar, sie hatten manchmal Streit, aber das waren Kleinigkeiten. Doch dann schickte ihr eine Freundin ein Bild, auf dem ihr Mann eine andere küsste. Und das nach zwanzig Jahren Ehe! Später erfuhr sie, dass er sie schon lange hinterging. Alles fiel in sich zusammen! Ihr geregeltes Leben lag plötzlich in Trümmern. Und ja, sie war es, die die Scheidung eingereicht hatte, weil… Ja, warum eigentlich? Sie hatte gehofft, danach würde es ihr besser gehen, aber nein… Alles blieb schwer.

Wo kam diese Geliebte her? Woher? Wie sehr wünschte ich mir, Matthias hätte sie nie getroffen! Wie sehr…
Achtung, die Türen schließen. Nächster Halt Westend, hörte sie aus dem Lautsprecher.
Oh, das ist mein Ausstieg, murmelte Anja.

Sie stieg aus, ging langsam nach Hause nach Hause wollte sie gar nicht. Also lief Anja einfach durch die Straßen des Viertels, immer weiter. Dann wurde es dunkel und sie merkte, dass sie sich Blasen gelaufen hatte.
Man kann vor sich selbst nicht weglaufen. Ich geh nach Hause, dachte sie, warf einen Blick auf die Uhr: 19 Uhr. Sie machte sich entschlossen auf den Weg zum Hauseingang. Wie üblich schaute sie zu ihren Fenstern hoch überraschenderweise brannte noch Licht.

Anja wurde nervös… Wer kann da sein? Tochter ist bei Freunden auf dem Land, Sohn bei seiner Freundin, Matthias ist mit seiner Geliebten… Vielleicht ein Einbrecher? Ihr lief ein kalter Schauer über den Rücken.

Sie nahm den Aufzug und öffnete mit ihrem Schlüssel vorsichtig die Tür zur Wohnung.
Na endlich bist du da!, rief Matthias, der aus der Küche kam. Anja starrte ihn an: Stoppelbart im Gesicht, ein deutlicher Bauchansatz, schlabberige alte Jogginghose gerade mal drei, vier Stunden zuvor sah er ganz anders aus.

Wo warst du? Gib dein Geld her, heute war doch Zahltag!, rief er ihr ungehalten zu.
Anja riss die Augen weit auf. Sie sah sich um: Es war ganz eindeutig ihre Wohnung, aber die alten Möbel standen da vor dem ersten Umbau. Danach hatte sie doch zweimal neu eingerichtet…

Was für ein Geld? Was machst du überhaupt hier?
Ich lebe hier! Wo ist das Abendessen?
Versteh ich nicht, murmelte sie und begann ihren Mantel auszuziehen.

Nach ein paar Knöpfen hielt sie inne, inspizierte den Flur und lief zum Spiegel. Im Spiegel blickte ihr eine müde, leicht übergewichtige Frau mit schrecklicher Frisur und komplett ohne Make-up entgegen. Die Kleidung? Billig und unförmig.
Was verstehst du nicht? Guck nicht so, als hättest du dich ewig nicht gesehen. Und wann gibts was zu essen und Geld?

Wie ferngesteuert zog Anja sich um. Neben der Tür standen Tüten mit Lebensmitteln eindeutig aus dem Supermarkt. Dabei wusste sie genau, sie war heute in keinem gewesen. Sie nahm sie mit in die Küche. Dort wartete schon die nächste Überraschung: Ihr Sohn saß mit einer jungen Frau am Tisch und aß.

Was machst du hier?, fragte sie ihren Sohn, während sie die Einkäufe einräumte.
Ähm… Ich wohne hier mit Jana.
Und warum? Was ist mit der Wohnung, die wir dir gekauft haben?
Der Sohn lachte gequält: War das ein Witz? Ihr habt mir eine Wohnung gekauft? Mit welchem Geld Papa arbeitet doch nicht mehr, und als er gearbeitet hat, war sein Gehalt meist schon vorher weg. Mama, was ist los mit dir? Du bist wie aus einer anderen Welt.
Anja rieb sich die Stirn: Ich weiß auch nicht… Irgendwas stimmt nicht… Und wo ist Marie?
Marie? Wer?
Na, deine Schwester…
Mama… ich habe doch nie eine Schwester gehabt. Soll ich einen Arzt rufen?
Nein, kein Arzt!, schrie Anja, wich zurück Richtung Tür.
Krieg ich jetzt endlich mal was zu essen?, brummte Matthias.
Papa, grinste der Sohn, Mama kocht doch seit langem nicht mehr für dich.
Ich weiß… aber versucht hab ichs mal, Matthias versank im Wohnzimmer im Fernsehprogramm.

Anja dachte: Dieser Matthias, wie er jetzt ist, hat bestimmt keine Geliebte. Und ich bin offensichtlich auch nur noch aus Gewohnheit bei ihm…

Sie zog sich an.
Mama, wo willst du hin?
Nur mal kurz raus… frische Luft…

Draußen lief Anja zielstrebig zur U-Bahn. Sie wusste nicht warum, aber dachte, nur dort könnte sie ihre Gedanken sortieren. Im Waggon lehnte sie sich an die Tür.
Was ist das? Wo bin ich? Selbst die U-Bahn sieht anders aus alt! Das muss ein Traum sein… Sie kniff sich. Tut weh, kein Traum…

Sie hatte schon von Parallelwelten gelesen, von Menschen, die einfach plötzlich verschwanden. Das alles, nur gelesen. Aber ihr selbst? Völliger Quatsch, sowas gibts doch nicht! Aber es passierte: Sie fuhr mit einer fremden U-Bahn, in fremden Klamotten, mit einem fremden Handy…

Mein Gott… Was soll ich jetzt machen? Ja, ich wollte, dass Matthias Geliebte mehr aus seinem Leben verschwindet. Aber offenbar hatte sie eine positive Rolle gespielt… Zumindest war das Leben ohne sie auch nicht schön. Matthias nichts aus sich gemacht, und ich selbst… eigentlich auch nicht… Wir sind zusammen nur, weil keine Alternative da ist. Nein, nein, so will ich das nicht…
Anja fuhr weiter, stieg aus, wechselte Bahnen. Es schien, als wäre sie schon ewig unterwegs aber laut Uhr waren nur dreißig Minuten vergangen.

Mit der Zeit stimmt auch was nicht. In einer halben Stunde kommt man nie ans andere Ende von Berlin…
Wieder stieg sie um, wechselte Züge, hörte aus dem Lautsprecher: Achtung, die Türen schließen. Nächster Halt Westend.
Oh, mein Halt schon…, ihr Herz zog sich zusammen.

Draußen weinte sie plötzlich.
Frau, alles in Ordnung?, sprach sie ein Passant an.
Ja, alles gut, log Anja und versuchte, sich zu fangen.

Ich will nicht! Ich will nicht nach Hause, das ist nicht mein Leben! Wie gerne würde ich zurück in mein richtiges Leben! Soll Matthias halt zu seiner anderen gehen! Egal… Halt!
Anja blieb stehen, fand sich vor ihrem Haus wieder, sah Licht in ihrem Fenster…

Stopp! In jeder Situation steckt etwas Gutes, dachte sie. Im Kopf blieb sie doch dieselbe. Sie wusste, was sie kann, was ihr Mann kann und dass sie alles ändern kann. Wieso arbeitet mein Mann eigentlich nicht? Wieso macht er nichts im Haushalt, hockt nur vor dem Fernseher?! Gleich räume ich auf! Der wird schon noch merken, wen er geheiratet hat! Ich rüttel ihn wach, dann wird er wieder auf die Beine kommen, Karriere machen und mich auf Händen tragen!

Mit diesen entschlossenen Gedanken stürmte Anja ins Haus, lief zur Wohnung plötzlich ein grelles Licht.

Wo warst du? Wir haben uns Sorgen gemacht und warten seit Stunden, rief Matthias.

Anja blinzelte und öffnete vorsichtig die Augen. Vor ihr standen ihr Mann, ihr Sohn, ihre Tochter! Alle sahen immer noch bleich und besorgt aus.
Schau mal auf die Uhr. Sieben du solltest längst hier sein, Matthias war fast panisch.

Anja leckte sich nervös die Lippen und brachte hervor:
Wie, erst sieben? Ich dachte, es wäre schon viel später.
Sie schaute sich um: gewohnte Möbel, vertraute Gesichter, die gleiche Kleidung wie sonst. Sie rannte zum Spiegel auch dort schaute ihre gewohnte Anja zurück.

Was ist hier los? Was macht ihr hier? Und was machst DU hier? Wir haben uns doch heute scheiden lassen…
Beruhig dich, Mama, zwitscherten die Kinder. Komm, setz dich, wir machen dir einen Tee.
Jetzt seid mal still alle raus! Ich muss mit deiner Mutter reden, polterte Matthias.

Anja, verzeih mir… Ja, wir haben uns heute scheiden lassen. Aber versteh doch ich hatte gar keine Geliebte.
Wie bitte? Ich hab die Fotos gesehen! Und du hast nicht widersprochen.
Na ja… weißt du noch, als ich zum Angeln gefahren bin? Wir Männer wollten unsere Frauen testen wie sie reagieren, wenn sie von einer Affäre erfahren. Das war nur ein Test.

Anja setzte sich plötzlich ganz erschöpft.
Habt ihr euren Verstand verloren? Was macht ihr da mit mir und was ist mit den Kindern!? Wussten sie davon?
Nein! Die Kinder wissen nichts.
Plötzlich erinnerte sie sich an ihre Zeitreise in jene andere Realität und dass es ihr dort überhaupt nicht gefallen hatte. Sie hatte sich so sehr gewünscht zurückzukommen. Und jetzt saß sie wieder hier und es gab nie eine Geliebte. Sie wurde schlagartig ruhig.

Na schön… Aber was machen dann die anderen hier?
Weil ich in Panik geraten bin und sie angerufen hab. Du bist doch um drei losgefahren aber du kommst nicht, das Auto steht da…

Ach, hol sie her. Wir trinken jetzt Tee.

Und so saß die ganze Familie zusammen und genoss einen aromatischen Tee.
Mama, wo warst du eigentlich?, fragte der Sohn.
Wo? In der U-Bahn. Ich musste einfach zu mir selbst finden, antwortete Anja.
Ihr wisst schon das mit der Zeitschleife hätte ihr ja eh keiner geglaubt…
So saß sie schweigend bei ihren Liebsten und war einfach glücklich, dass sie zurück war. Aber war sie wirklich zurück in ihrer eigenen Realität?

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Homy
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Zeitschleife – Gefangen zwischen Gestern und Morgen
Ich habe vorgetäuscht, meinen Job verloren zu haben – Die überraschenden Reaktionen meiner Familie und Freunde Ich habe bewusst alle belogen, die mir nahestehen. Ich schrieb meinem engsten Kreis: „Ich wurde gekündigt“, obwohl beruflich alles in bester Ordnung war. Ich nahm mir Urlaub, ohne es jemandem zu sagen – einfach um herauszufinden, wer in schwierigen Zeiten wirklich für mich da ist und wer nicht. Alles begann vor einigen Monaten, als eine „Freundin“ mich um Geld bat – etwa 220 Euro. Ohne zu zögern, lieh ich ihr das Geld, vertraute ihr. Nach kurzer Zeit wurde sie wortkarg, ignorierte meine Nachrichten, ging mir aus dem Weg. Als ich sie schließlich zufällig auf der Straße traf, sagte sie nur: „Ich habe gerade selbst Probleme, später zahle ich es zurück.“ Doch das „später“ kam nie. Mir wurde klar: Geld verdirbt nicht Menschen – es offenbart sie. Es ist ein Röntgenbild für Beziehungen. Ich erinnerte mich daran, wie oft mir Freunde und Bekannte versicherten: „Ich bin immer für dich da.“ Doch ist das wirklich so? Oder zählt das nur, solange alles gut läuft und man selbst niemanden braucht? Ich wollte es herausfinden. Normalerweise gelte ich als „diejenige, die alles schafft“. Ich beschloss, diese Fassade abzulegen und schickte das „Entlassungs“-SMS. Die ersten Reaktionen kamen prompt: meine Mutter rief besorgt an, mein Mann kam sofort nach Hause, eine Freundin lud mich zu sich ein. Aber viele andere verschwanden plötzlich. Sogar Angehörige, die kürzlich nach finanziellen Tipps gefragt hatten, meldeten sich nicht mehr. Mein Mann und meine Mutter zeigten mir durch ihre Taten, was echte Unterstützung bedeutet: Geld, Essen, Trost – nicht nur Worte. Auch eine gute Freundin bot Hilfe an und half bei der Jobsuche. Andere jedoch – darunter die Freundin mit den 220 Euro Schulden – blieben einfach stumm oder machten klar, dass sie keinesfalls helfen wollen: „Nur, dass ihr jetzt nicht bei uns nach Geld fragt…“ Am Ende des Experiments lud ich meine engsten Vertrauten ein und gestand die Wahrheit. Einige reagierten verletzt, andere erleichtert. Doch eines war klar: Wahre Freundschaft zeigt sich nicht in Versprechen, sondern in Handlungen. Und die 220 Euro? Sie waren der günstigste Preis für eine unbezahlbare Wahrheit: Ich weiß jetzt, welche Menschen wirklich zu mir gehören. ❓ Frage an Euch: Würdet ihr einen solchen Test machen, um herauszufinden, wer wirklich für euch da ist – oder findet ihr solche Prüfungen zu extrem und befürchtet, dadurch Beziehungen zu zerstören?