Ein Mann hatte mich zu sich zum Abendessen eingeladen und ich stellte mir natürlich ein romantisches Essen vor Kerzenlicht, ein gutes Glas Wein und vielleicht ein bisschen Musik von Grönemeyer im Hintergrund. Die Realität sah allerdings anders aus: In seiner Spüle türmte sich ein Berg dreckigen Geschirrs, und auf dem Küchentisch lagen ungekochte Zutaten verstreut wie nach einem Lidl-Überfall. Ganz entspannt sagte er: Ich wollte mal sehen, ob du das Zeug zur Hausfrau hast kannst du kochen?
Ich hatte mich wirklich auf das Date vorbereitet. Kein schnelles Käffchen, keine unverbindliche Runde um den Block. Es war ein richtiges Treffen mit Absicht. Er hieß Klaus, war sechzig Jahre alt und sprach mit einer ruhigen, überzeugenden Stimme keine leeren Versprechungen, sehr solide, dieser Klaus. Er hatte mich eingeladen:
Anja, ich möchte für dich heute etwas Besonderes kochen, meinte er am Telefon. In Restaurants ist es immer so laut, zu Hause kann man in Ruhe reden.
Das klang einfach herrlich! Ein Mann, der selber kochen will so selten wie Sonnenschein im November. Ich kaufte ihm seine Lieblingspralinen schließlich wollte ich Eindruck machen und machte mich gut gelaunt auf den Weg.
Wir schrieben uns schon fast zwei Monate, aber ich war noch nie bei ihm zu Hause. Es fühlte sich an wie ein echter Schritt vorwärts.
Klaus empfing mich an der Tür. Er sah ordentlich und gelassen aus, ganz der typische Schwabe mit Hemd und dezentem Parfum.
Du siehst großartig aus, sagte er und half mir, den Mantel abzustreifen.
Die Wohnung war geräumig mit hohen Decken. Im Flur war alles aufgeräumt, aber die Luft war irgendwie schwer hatte das Fenster seit dem Mauerfall nicht mehr geöffnet worden? Möglich.
Im Wohnzimmer standen zwei Weingläser auf dem Tisch. Sonst war nichts vorbereitet.
Gibts bald Essen?, fragte ich höflich mit leichtem Magenknurren.
Aber sicher, grinste er. Komm mit in die Küche!
Ich ging vor und blieb wie angewurzelt stehen. Die Spüle war ein Biotop! Teller, Töpfe, Pfannen alles, als hätte eine Horde Austauschstudenten durch das Haus getobt. Auf dem Tisch lagen die Lebensmittel, irgendwie zusammengewürfelt.
So, das ist alles vorbereitet, meinte Klaus, als hätte er den Hauptgewinn präsentiert.
Was genau ist vorbereitet?, fragte ich, bemüht sachlich zu bleiben.
Das ist das wahre Familienleben, erklärte er feierlich. Ich suche nicht nur eine Frau zum Anschauen ich will wissen, ob du auch im Alltag was drauf hast. Ich will sehen, wie du dich in der Küche schlägst.
Er trat näher und senkte verschwörerisch die Stimme:
Ich habe extra nicht gespült. Ich will sehen, wie du wirklich bist. Sagen kann jeder viel. Die Spüle lügt nicht.
Da stand ich, schick zurechtgemacht, zwischen dreckigen Tellern. Er meinte das wirklich ernst.
In meinem Kopf liefen die altbekannten Sprüche ab: Sei hilfsbereit, sei brav, pass dich an. Schließlich wurden wir Frauen ja jahrzehntelang auf praktisch und genügsam trainiert.
Aber dann tat ich etwas, auf das ich wirklich stolz bin . Ich erzähle euch das, weil ich hoffe, auf ein bisschen Solidarität zu stoßen. Wies weiterging, lest ihr gerne im ersten Kommentar.
Der Mann hatte mich zu sich eingeladen und statt einem gedeckten Tisch erwartete mich ein Chaos in der Küche. Zeig mal, ob du kochen kannst, meinte er, als wäre das ein ganz normaler Test.
Doch ich wusste: Ich muss hier nichts beweisen.
Klaus, sagte ich ruhig, ich bin zum Rendezvous gekommen. Ich habe heute keine Spülschicht eingeplant.
Was ist denn dabei?, wunderte er sich. Da hängt doch ein schönes Schürzchen. Wir sind doch beide erwachsen! Ne gute Hausmannskost, ein bisschen Spülen ich will sehen, wie du dich kümmerst.
Und dann legte er noch einen drauf:
Wenn du dich jetzt schon zierst was ist, wenn ich mal krank werde? Lässt du mich dann auch sitzen?
Klassische deutsche Manipulation: Bloß kein Drama scheuen!
Ich bin achtundfünfzig. Ich habe Kinder großgezogen, habe meinen Mann jahrelang gepflegt und kann kochen, putzen, Wohnung schmeißen im Schlaf. Aber vielleicht gerade deshalb hatte ich keine Lust mehr auf das Gleiche.
Ja, du hast recht, sagte ich. Du brauchst eine Hausmutter. Eine Köchin, Putzfrau und Krankenschwester in Personalunion.
Schon griff er zum Schürzchen.
Stopp, hielt ich ihn auf. Du hast das Konzept verwechselt. Ich bin gekommen, um Spaß zu haben und gute Gespräche zu führen. Ich habe meine Küche zu Hause, und hinterm Herd habe ich schon mehr Zeit verbracht als auf dem Oktoberfest.
Wenn ich zu einem Mann gehe, erwarte ich Wertschätzung nicht die nächste Schicht.
Sein Gesicht verfinsterte sich.
So seid ihr heutzutage, sagte er sauer. Euch kann man nur noch mit Restaurants locken.
Tut mir leid, ich habe mich nicht als Haushälterin beworben, entgegnete ich. Nach vierzig Jahren Haushalt habe ich meine Probezeit längst bestanden.
Ich schnappte mir die Pralinen.
Wohin gehst du?, fragte er verwirrt.
Hier gibts kein Essen. Nur dreckige Teller und deine Erwartungen.
Na dann geh doch!, rief er. Bleib halt allein!
Das sollte ein Schlag sein. Aber es fühlte sich eher an wie ein kleiner Windhauch. Er wollte nur wissen, ob man mit mir alles machen kann. Der berühmte Haushaltstest ist in Wirklichkeit ein Test für das eigene Selbstbewusstsein.
Wer beim ersten Date die Spülbürste in die Hand nimmt, darf später den ganzen Schrank sauber machen. Ich bin seelenruhig gegangen.





