Mein Leben ist von der Abwesenheit meines Vaters geprägt, und je älter ich werde, desto stärker wird mein Wunsch, ihn zu finden und Antworten auf all die Fragen zu erhalten, die mich beschäftigen. Meine Mutter war mit mir schwanger, als mein Vater sie verließ und sie mit all den Herausforderungen der Erziehung allein zurückließ. Aus Angst vor gesellschaftlichem Druck und Scham hielt sie die Schwangerschaft geheim, während mein Vater sich seiner Verantwortung entzog und nicht bereit war, seine Rolle als Vater anzunehmen.
Ich denke voller Wärme an die Erinnerungen an meine fleißige Mutter, die unerschöpflich gearbeitet und sich immer fürsorglich um mich gekümmert hat. Ihre Liebe zeigte sich in den kleinen Aufmerksamkeiten, die sie nach Hause brachte, und in jenen sanften Küssen auf meine Stirn, bevor ich schlafen ging. Als ich älter wurde, wuchs meine Neugier auf meinen Vater, aber ich wagte es nicht, ihn bei meiner Mutter zum Thema zu machen, aus Angst, sie zu verletzen.
Jahre vergingen, bis ich schließlich beschloss, ihn zu suchen. Beim Durchsehen von Unterlagen meiner Mutter stieß ich auf Dokumente mit seinem Namen und einer Adresse in München. Ich wusste nicht recht, wie ich weiter vorgehen sollte, und suchte im Internet nach ihm jedoch blieb meine Suche erfolglos. Eher zufällig lernte ich im Netz ein Mädchen aus München kennen, das ungefähr in meinem Alter war. Sie war bereit, mir zu helfen, und so reiste ich ohne Zögern nach München zur besagten Adresse.
Leider war mein Vater zu diesem Zeitpunkt nicht zu Hause, da er mit seiner neuen Familie im Urlaub war. Meine neue Freundin ließ sich nicht entmutigen und fragte bei den Nachbarn nach. Schließlich erfuhren wir, dass mein Vater und seine neue Familie mittlerweile an einer anderen Adresse wohnten, die uns freundlicherweise gegeben wurde. Kurz darauf kehrten sie aus dem Urlaub zurück und meine Freundin versuchte erneut, in meinem Namen Kontakt aufzunehmen.
Die Antwort meines Vaters war niederschmetternd. Er lehnte ein Treffen ab und teilte mir mit, er wolle sein neues Leben und seine Familie nicht wegen einer fremden Person gefährden selbst wenn diese Person sein eigenes Kind sei. Seine Ablehnung traf mich hart. In diesem Moment erkannte ich, wie weise viele Worte meiner Mutter gewesen waren.
Im Rückblick wurde mir bewusst, dass es ein Fehler war, ihn zu suchen, ohne die möglichen Folgen zu bedenken. Die Tatsache, dass mein Vater mich nicht anerkennen wollte, verstärkte nur das Gefühl der Leere, das mich mein Leben lang begleitet hatte. Vielleicht ist nun der Zeitpunkt gekommen, die Wahrheit zu akzeptieren und Trost in der Liebe und Unterstützung zu suchen, die mir meine tapfere, hingebungsvolle Mutter stets gegeben hat.





