Mein Stiefvater brachte seine Tochter und seine Enkelin zu mir und meiner Mutter.

Meine Mutter hat vor elf Jahren geheiratet. Mein Stiefvater, Klaus, hatte aus seiner ersten Ehe eine Tochter, Anneliese, die damals 14 Jahre alt war. Klaus überließ seiner früheren Familie das Haus, verzichtete komplett auf seine Rechte an der Wohnung und zog mit meiner Mutter und mir in die Eigentumswohnung, die uns von meinem verstorbenen Vater vererbt worden war. Zu seiner Tochter hatte Klaus keinen Kontakt mehr das wollte auch Anneliese nicht. Er zahlte Unterhalt, aber mehr Engagement gab es nicht.

Ich kann nicht sagen, dass zwischen Klaus und mir je eine gute Beziehung entstanden ist oder ich mich groß an ihn gebunden hätte. Er hat weder gebrüllt noch zugelangt oder versucht, mich zu erziehen. Dafür war ich mit meinen 16 Jahren auch längst zu alt. Ich habe drei Jahre mit den beiden zusammengelebt, dann habe ich geheiratet und ein Kind bekommen. In die Wohnung durfte ich meinen Mann aber nicht bringen: Meine Mutter und Klaus weigerten sich, mit einem Fremden unter einem Dach zu leben.

Die Beziehung zwischen meiner Mutter und meinem Mann war von Anfang an schwierig. Klaus war es völlig egal, wer mein Partner war; er hielt sich grundsätzlich aus allem raus. Meine Mutter hat zumindest früher oft auf meinen Sohn aufgepasst und mich unterstützt. Neulich rief ich sie an und bat sie, meinen Sohn aus dem Kindergarten abzuholen. Da hieß es plötzlich, das ginge nicht sie passe gerade auf Klaus Enkelin auf.

Sofort fiel mir wieder ein, dass mein Stiefvater ja eine Tochter hatte. Die hatte also mittlerweile ebenfalls ein Kind. Ich musste die Zurückweisung hinnehmen. Aber das blieb nicht die einzige. Ich wurde misstrauisch und bin schließlich einfach mal unangekündigt hingefahren.

Niemand war zu Hause. Im Schlafzimmer stand ein Kinderbett, Babyklamotten hingen überall herum, und die Bettdecke auf meinem alten Bett war völlig zerwühlt. Ich rief meine Mutter an, um zu erfahren, was los war.

Anneliese wohnt jetzt bei uns. Klaus hat sie eingeladen, mit meinem Einverständnis. Sie steckt in einer schweren Lebensphase und ist allein mit ihrem Kind, erklärte meine Mutter sofort, nur um mich anschließend zurechtzuweisen: Kannst du dir nicht angewöhnen, Bescheid zu geben, bevor du einfach vorbeikommst?

Das ist also jetzt mein Besuch. In meiner eigenen Wohnung. Nicht nur, dass der Ehemann meiner Mutter jahrelang in MEINER Vertriebswohnung lebte, während mein Mann und ich zur Miete wohnten, jetzt kommen Klaus, seine Tochter und deren Baby auch noch bei uns unter, während wir für die Bank schuften und den Kredit abbezahlen? Und für sie ist das scheinbar völlig in Ordnung!

Ich war wütend. Als meine Mutter und Anneliese zurückgekommen sind, wies meine Mutter sie sofort an, ins Zimmer zu gehen und sich einzuschließen. Mich schob sie ins Wohnzimmer, um mir mein unmögliches Verhalten vorzuhalten. Ich war fassungslos.

Solange Anneliese hier wohnt, gibt es keine Diskussion, stellte meine Mutter klar.

Ich fragte sie, was mit der Wohnung sei, die Klaus damals seiner ersten Familie überlassen hatte.

Das geht dich nichts an, blockte sie sofort ab.

Mich ging das sehr wohl etwas an schließlich wohnt jetzt eine Frau mit Kind in meinem Zimmer!

Es kam zum handfesten Streit zwischen meiner Mutter und mir. Ich konfrontierte sie damit, dass entweder Anneliese ausziehe oder ich mit meinem Mann zurückkäme. Da drohte meine Mutter, ihren Anteil der Wohnung Klaus zu überschreiben, und meinte, es sei besser für mich, mich zu beruhigen und meine Gefühle im Zaum zu halten. Auf dem Heimweg rief ich Klaus an. Er meinte schroff, wen er in sein Haus einlade, sei allein seine Sache.

Mein Mann riet mir, das Ganze ruhen zu lassen; wir hätten doch eine eigene Bleibe, unser Sohn gehe bald zur Schule, alles würde sich schon geben. Ich war einfach nur sauer, dass meine Mutter einen Fremden in unsere Wohnung ließ, während ich den Kredit abzahle. Immerhin hatte sie noch genug Anstand, mich anzurufen und nach ihrem Enkel zu fragen. In meinem Zustand habe ich abgelehnt und ihr geraten, sich lieber um Annelieses Kind zu kümmern. Worauf sie mich als stur und trotzig beschimpfte und darauf bestand, eine Entschuldigung abzuwarten.

Ich soll mich also entschuldigen? Wofür? Dafür, dass sie die gemeinsame Wohnung einfach nach Belieben verwaltet? Dafür, dass die Tochter meines Stiefvaters in meinem Zimmer wohnt? Ich begann über eine Teilung der Wohnung nachzudenken. Da rief mich Anneliese an. Sie sagte, sie ziehe von sich aus aus, wenn ich mich durch ihre Anwesenheit gestört fühle. Sie wolle keinen Familienkrach verursachen.

Ich glaube kein Wort. Sie ist bestimmt nicht so unschuldig und naiv, wie sie tut. Wie kommt meine Mutter sonst auf die Idee, ihren Anteil Klaus zu überschreiben? Genau das will Anneliese! Was ich tun soll, weiß ich echt nicht. Ich mag die ganze Situation nicht. Ich hab’ das dumpfe Gefühl, Klaus hat das mit Anneliese abgesprochen, um mit meiner Mutter die Wohnung unter sich aufzuteilen.

Wie kann ich das verhindern? Sollte ich eine Teilungserklärung machen? Oder den Wohnraum aufteilen, damit meine Mutter sich gegebenenfalls eine Einzimmerwohnung kaufen kann? Oder soll ich einfach dreist in meinen Teil der Wohnung ziehen, um Anneliese aus meinem Zimmer zu werfen und Klaus in seine Schranken zu weisen?

Am Ende habe ich begriffen: Immobilien und Familie sind wie Öl und Wasser sie vermischen sich selten problemlos. Ich habe gelernt, dass klare Absprachen und Eigentumsverhältnisse unerlässlich sind, wenn man den Familienfrieden langfristig erhalten möchte.

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Homy
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