Immer wieder versuche ich in meiner Traumwelt, meinen Sohn so zu erziehen, dass er vor allem Frauen achtet die Großmutter, die Mutter, die Ehefrau, die Tochter… Im Nebel meines Bewusstseins erscheint immer wieder diese Überzeugung, dass Respekt vor Frauen das Edelste ist, was ein Mann besitzen kann. Mein Mann und ich schenkten unserem Sohn in diesem Traum eine glänzende Erziehung, einen guten Studienabschluss, wir legten jedes Pflaster auf seinen Weg zum eigenen, lichterfüllten Leben. Eigentlich wollten wir uns aus seinen Angelegenheiten heraushalten, und doch überreichten wir ihm schweigsam ein seltsames Geschenk: eine Zwei-Zimmer-Wohnung im Herzen von München. Er arbeitete zwar und kam für sich selbst auf, aber für eine eigene Unterkunft fehlte das nötige Kleingeld in Euro.
Die Türschlüssel verbargen wir, das Eigentum blieb erst einmal unser Geheimnis so entschieden im Traum. Warum wohl? Unser Sohn lebte nämlich mit einer jungen Frau zusammen aus diesem Grund. Ungefähr ein Jahr wohnte er nun mit Annegret zusammen, doch ihre Eltern blieben geisterhaft und unbekannt. Das war für mich immer ein schräges Gefühl, wie ein Flirren am Rande des Schlafs.
Dann, auf traumhafte Weise, verknoteten sich die Wege: Die Mutter von Annegret war einst die Nachbarin meiner alten Schulfreundin. Diese raunte mir Schauergeschichten ins Ohr, die sich wie Schatten unter das Kopfkissen schoben. So erfuhr ich, dass Annegrets Mutter ihren Ehemann hinauswarf, als dieser plötzlich weniger verdiente, und das war erst der Anfang der Absurditäten: Kurz darauf begann sie eine Affäre mit einem verheirateten, aber reichen Onkel, der als Ersatzvater nun mit am Tisch saß als wäre alles ganz normal. Und der richtige Vater? Kaum noch ein Echo. Auch Großmutter Annegret war kaum anders: sie, selbst in einer Beziehung mit einem verheirateten Mann, schleppte regelmäßig Tochter und Enkelin aufs Land, um im alten Bauernhaus zu schuften. Daraus entwickelten sich bereits handfeste Auseinandersetzungen zwischen meinem Sohn und seiner zukünftigen Schwiegermutter. Doch am meisten nagte an mir diese eine unglaubliche Sorge: Die Mutter und die Großmutter schafften es, dass Annegret sich immer mehr gegen ihren Vater stellte so als ob sie langsam auf die andere Seite der Realität gezogen würde.
Annegret hing doch so sehr an ihrem Vater, das sah ich sogar im Traum doch durch das Flüstern und Drängen der Frauen war ein tiefer Riss in ihre Verbindung gerutscht. Und dann, als Krönung der Abstrusitäten: Annegret beschloss, das Studium abzubrechen. Sie war überzeugt davon, ein Mann müsse die Familie alleine ernähren. Ich selbst hatte ja auch meinen Sohn auf diese klassische Rolle vorbereitet aber wehe dem, das Leben spielt ihm übel mit! Wie sollte Annegret ihm dann zur Seite stehen? Und wenn alles auseinander fliegt? Übrigens ich habe die Wohnung wieder auf meinen Namen umschreiben lassen, denn ich weiß sehr wohl, was die Leute in Bayern meinen, wenn sie von einem Rehlein sprechen. Natürlich wird in Deutschland alles, was vor der Ehe erworben wurde, im Ernstfall nicht geteilt doch Annegret ist so geschickt, sie könnte meinem Sohn alles nehmen, sogar die letzte Unterhose, wie man so sagt.
So taumelte ich weiter durch diese surreale Traumlandschaft, in der ein Zwei-Zimmer-Apartment nicht nur Schlüssel, sondern auch Schicksal bedeuten konnte.





